Jüngerer Sohn des Kaisers
Herakleios
I. von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Martina
Thiess Frank: Seite 513,542,548
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Am 1. Januar 639 wurde des Heraklonas
achtjähriger Bruder David zum
Caesar
ernannt. Das alles ging in den feierlichsten Formen vor sich; der kleine
Heraklonas
schritt an der Hand seines Bruders Konstantin
im königlichen Gewand durch die riesigen Säle des Heiligen Palastes
und empfing vom greisen Patriarchen das Diadem.
Damit hatte aber Philagrius nur den ersten Schritt
getan. Es folgte nun der zweite. Er wußte, daß Konstanins
Tage
gezählt waren und daß dann Heraklonas,
das heißt in Wirklichkeit Martina,
das Reich unangefochten regieren würde. Das mußte verhindert
werden. Konstantin hatte zwei Söhne,
Herakleios
und Theodosios, und Philagrius
überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr bestünde, die
beiden Kinder könnten nach seinem Tode einem Anschlag der bösen
Stiefmutter zum Opfer fallen.
Was sollte nach Konstantins
Tod geschehen. Wer sollte as Reich regieren? Es wäre der reine Selbstmord
gewesen, wenn Martina ihren unmündigen
Sohn der Verbrecherclique überlassen hätte, die Konstantin
und die Bevölkerung gegen sie aufgehetzt und Heraklonas
als einen aus Inzest geborenen Knaben erklärt hatte. Die Anhänger
Konstantins
verlangten gegen das Testament des Herakleios,
daß die Macht auf Konstantins
ältesten Sohn, den damals zehnjährigen Herakleios
Konstantinos, übertragen werde. Martina
verweigerte
die Annullierung des Testaments und die Krönung ihres Stiefenkels
mit dem Hinweis darauf, daß ihr zweiter Sohn David
Tiberios als Cäsar Anspruch auf die Regentschaft
hatte.
Mit der Krönung des ältesten Sohnes
Konstantins III. war eine neue und
recht verrückte Situation entstanden, weil angesichts der legitimen
Thronrechte Davids
als möglichen
Nachfolger des Heraklonas jetzt drei
Kinder auf dem Thron von Byzanz saßen, die nun gemeinsam das Weltreich
regieren sollten.
Das Gesicht zu wahren schien nicht mehr nötig, nachdem
auch der Senat seine Zustimmung zur Absetzung des Kaisers gegeben hatte.
Valentinos, der Rebellenführer Theodoros und wahrscheinlich
auch ein gewisser Dometianos, der seinerseits die Krönung des
Konstans betrieben hatte, drangen in
den Palast ein, schnitten Heraklonas die
Nase, seiner Mutter die Zunge ab und ließen den kleinen David
Tiberios, der wegen seiner Cäsar-Würde gefährlich
werden konnte, wahrscheinlich gleich an Ort und Stelle umbringen
[3 Theophanes und Sebenos berichten vom Abschneiden der Zunge und
der Verstümmelung des Heraklonas.
Sebeos schreibt, Martina sei mit ihren
Söhnen getötet worden, womit nicht gesagt ist, daß dies
sofort geschehen sei, was immerhin einen gewissen Grad an Humanismus bewiesen
hätte. Daß Heraklonas an
seiner furchtbaren Verletzung gestorben ist, berichtet Johann von Nikiu,
auch daß sie Theodosios wegen
seiner Taubheit für ungefährlich hielten und darum am Leben ließen.
Letzte Mitteilung findet sich auch bei Nikephoros, der wissen will, daß
die Verschwörer nach dem Verbrechen an Martina
und ihren Söhnen das Testament für ungültig erklärten,
was nicht recht glaubhaft erscheint, obwohl es zugleich mit der zweiten
Ausrufung des Konstans zum Basileus
(Nikephoros 24, 18f.) geschehen sein könnte. Georgios Kedrenos berichtet,
daß man die Verstümmmelten in ein Kloster verbannt habe.]. Dem
jüngsten Sohne Martinas,
Theodosios, der taub war, schenkte
man das Leben. Die Verstümmelten wurden nach Rhodos verbannt,
wo Heraklonas an seiner schweren Wunde
bald gestorben ist. Von Martina hört
man nichts mehr, sie wird schwerlich das Verbrechen an ihren Söhnen
und an sich lange überlebt haben.
Der Senat und Valentinos konnten zufrieden sein.
Die verhaßte Gemahlin des großen Kaisers war zu ewigem Schweigen
verurteilt, Heraklonas starb an der
Blutvergiftung
und den Patriarchen schickte man in die Verbannung.
Literatur:
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Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt
Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 513,542,548
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