Arkadia                                          Byzantinische Prinzessin
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um 400 444
 

Älteste Tochter des Kaisers Arkadius und der Eudoxia, Tochter vom fränkischen Feldherrn Bauto
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 323
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Pulcheria (Aelia Pulcheria)
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* 399, 453
Konstantinopel

Nach dem Tod des Vaters (408) übernahm Pulcheria, die gebildet war und Griechisch und Latein konnte, zunehmend die Sorge für die dynastischen Interessen und die Erziehung ihres zwei Jahre jüngeren Bruder Theodosios II. Ihre starke Persönlichkeit zeigte sich schon in jungen Jahren, als sie den bisherigen Leiter der Staatsgeschäfte ablösen ließ, 413 öffentlich das Gelöbnis der Jungfernschaft ablegte und auch ihre jüngeren Schwestern dazu veranlaßte.



Thiele, Andreas: Tafel 489
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

ARCADIA
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     444



Norwich John Julius: Band I Seite 158,187
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Schon damals muß für jedermann erkennbar gewesen sein, dass ihr Bruder keinen Deut mehr zu bieten hatte als Arkadios: Er war schwach, unentschlossen und leicht beeinflußbar. Sie dagegen zeigte sich stark und entschlossen, und sie liebte die Macht. Aber sie war überaus fromm und machte sich mit besonderem Eifer daran, die zerstörte Hagia Sophia wiederaufzubauen. Unter ihrem Einfluß entwickelten ihre jüngeren Schwestern Arkadia und Marina ähnliche Neigungen. Es ging das Gerücht, im Kaiserpalast gehe es zu wie im Kloster und nicht wie an einem Hof; es wimmle dort von morgens bis abends von Mönchen und Priestern, und die jungen Prinzessinen hätten allesamt ewige Jungfräulichkeit gelobt und stichelten unter Hymnenklängen, Psalmodien und Gebetsgemurmel in einem fort an Altartüchern und Meßgewändern. Manche empfanden es fast wehmütig als einen fernen Nachhall aus Eudoxias Tagen.

Günther Rigobert: Seite 136,138,148
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"Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion."

Arcadius und Aelia Eudoxia führten eine fruchtbare Ehe. Am 17. Juni 397 wurde die Tochter Flacilla geboren, am 19. Januar 399 die später so berühmte Pulcheria. Am 3. April 400 folgte die Tochter Arcadia, am 10. April 401 der sehnlichst erwartete Sohn Theodosius, als Theodosius II. Nachfolger seines Vaters im kaiserlichen Amt. Am 10. Februar 403 gebar die Kaiserin eine Tochter Marina. Am 6. Oktober 404 starb Aelia Eudoxia an einer Fehlgeburt.
Ihre älteste Tochter Flacilla muß schon im Kindesalter gestorben sein; jedenfalls wurde sie nicht mehr unter den Kindern genannt, die ihren Vater Arcadius überlebt hatten. Tochter Arcadia folgte dem Beispiel ihrer Schwester Pulcheria, nicht zu heiraten und ihr Leben in religiöser Hingae zu verbringen. Sie starb im Jahr 444. Die Tochter Marina folgte dem gleichen Vorbild, heiratete nicht und lebte im kaiserlichen Palast wie in einem Kloster und starb am 3. August 449. An Energie und Ausstrahlungskraft reichten alle diese Töchter aber nicht an Pulcheria heran.
Es gab zu jener Zeit eine Möglichkeit für Frauen, ein soziales Prestige aufzubauen, um schon zu Lebzeiten Ruhm, Ehre und Anerkennung zu erwerben, nämlich ein Gelübde der lebenslänglichen Ehelosigkeit und Jungfernschaft zu leisten - und dieses dann auch einzuhalten. Dazu mußte man am Hofe als Kaiserin in völliger Zurückgezogenheit leben, denn argwöhnisch und lüstern überwachten Eunuchen, Hofdamen an andere Klatschbasen ihren Lebensstil. Man mußte bei solchem Gelübde nicht unbedingt als Nonne in ein Kloster gehen; aber man mußte aus seiner häuslichen Umgebung ein Kloster machen, und so verfuht Aelia Pulcheria dann auch. Sie überredete ihre Schwestern Arcadia und Marina, die sich auch sonst willig von ihrer Schwester führen ließen, ihren Beispiel zu folgen: Beide Schwestern starben einige Jahre vor ihr, und so gab er für rund drei Jahrzehnte eine heilige jungfräuliche Dreifaltigkeit am Kaiserhof in Konstantinopel. Neben dem Kaiser sollte kein anderer Mann die kaiserliche Familie erweitern. Als äußeres Zeichen ihres Gelübdes auf ewige Jungfrauenschaft weihten sie in der Apostelkirche in Konstantinopel einen prächtigen Altar aus Gold und Edelsteinen.
 
 
 
 

Literatur:
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Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 365 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 136,138,148 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 158,187 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 489 -