Ältere Tochter des Kaisers
Leon I. von
Byzanz und der Verina
Thiele, Andreas: Tafel 490
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
ARIADNE
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† 515
469
oo ZENON
† 491
Fünf Tage vor seinem Tod hatte Leon
I. einen Nachfolger nominiert, und zwar nicht wie allgemein
erwartet Zenon, den Mann seiner
Tochter
Ariadne, sondern deren
siebenjährigen Sohn, der nach seinem Großvater
Leon benannt war. Ob er diese Entscheidung aus persönlicher
Abneigung gegen Zenon traf, ob er die
Isaurier nicht der Kaiseramtes für wert erachtete oder das Diadem
an sein eigen Fleisch und Blut vererben wollte, läßt sich nicht
klären, aber angesichts der folgenden Ereignisse erübrigt sich
die Frage ohnehin. Ariadne hatte ihren
Sohn angewiesen, seinen Vater auf der Stelle zum Mit-Kaiser zu krönen,
wenn er ihm im Hippodrom huldige. Gut, dass sie dafür gesorgt hatte,
denn neun Monate später war der junge Leon
tot.
Als der Kaiser im November 475 den Spielen im Hippodrom
beiwohnte, erhielt er eine dringende Botschaft von seiner Schwiegermutter:
Heer, Senat und Bevölkerung hätten sich gegen ihn verbündet,
er müsse sofort aus der Stadt fliehen. Der Gedanke an Widerstand oder
der Verdacht, Verinas Botschaft könnte
ein Bluff gewesen sein, scheint ihm nicht gekommen zu sein. Noch in der
selben Nacht stahl er sich mit seiner Frau Ariadne
und
seiner Mutter aus Konstantinopel und suchte in den Bergen seiner Heimat
Isaurien Zuflucht.
Im Verlauf der Zeit muß Zenon
selbst oft den Wunsch verspürt haben, der Verantwortung entfliehen
zu können. 479, nur zwei Jahre nachdem er die Macht wieder übernommen
hatte, sah er sich erneut einen Aufstand gegenüber. Diesmal ging er
von Markian aus, einem Enkel seines
kaiserlichen Namenvetters und Sohn des Weströmischen
Kaisers Anthemius, der mit Leontia,
der jüngeren Tochter Leons des Großen
verheiratet war. Bis zu einem gewissen Grad brach diese Revolte als Folge
der Behandlung seiner Schwiegermutter Verina aus,
die vor nicht allzu langer Zeit für ihre Teilnahme am Komplott zur
Ermordung von Illos
gefangengesetzt worden war. Markian
hingegen rechtfertigte sich damit, dass Leontia,
da sie in Purpur geboren sei, einen höheren Rang einnehme als ihre
ältere Schwester Ariadne,
Zenons
Frau, die unter der vorherigen
Rgierung geboren war. Markian
und seine
Gefolgschaft stürmten den Palast und hätten vermutlich den Kaiser
zum zweiten Mal zur Flucht gezwungen, hätte nicht Illos
blitzschnell eingegriffen, indem er in stockfinsterer Nacht
eine Abteilung Isaurier über den Bosporus führte und die Rebellen
überraschte. Deren Anführer wurden ins Kloster verbannt, und
zwar nach Cäsarea in Kappadokien. Er konnte entkommen, und versuchte
es ein zweites Mal, hatte aber wieder keinen Erfolg. Auch jetzt ließ
Zenon,
vielleicht wegen seiner kaiserlichen Abstammung, einmal mehr Gnade walten:
Markian
wurde
zum Presbyter geweiht,
Leontia
trat ins Kloster der Akoimetai ein, und dies ist das letzte, was
man von den beiden hörte.
Im Jahre 482 wurde ein Attentat auf Illos
verübt und es stellte sich heraus, dass niemand anders
als Kaiserin
Ariadne
dahintersteckte, die sich an Illos
für das, was er ihrer Mutter - und möglicherweise auch ihrer
Schwester - angetan hatte, rächen wollte.
Es heißt, die Menge habe Zenons
Witwe Ariadne mit dem Ruf empfangen:
"Gib dem Reich einen orthodoxen Kaiser! Gib dem Reich einen römischen
Kaiser!" Klar, was damit gemeint war: keine Häretiker und keine Isaurier
mehr. Longinos wurde übergangen und die Vorhersage des Wahrsagers
erwies sich als richtig: Die Wahl fiel auf Anastasios,
ehemals Silentiar. Dies war vor allem Ariadnes
Einfluß
zu verdanken, die ihn rund sechs Wochen später heiratete.
Grant, Michael: Seite 392,393,409
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"Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende
des Imperiums. Eine Chronik."
Leo verzögerte
zum Beispiel die versprochene Erhebung eines anderen Aspar-Sohnes
namens Patricius zum Caesar und gab ihm auch, entegegn Aspars
Vorstellung, nicht Aelia Ariadne oder
Leontia,
eine seiner beiden Töchter zur Braut.
Dabei ließ er sich von dem Isaurier-Häuptling
Tarasicodissa, dem späteren Kaiser Zenon
helfen, dem er 466 oder 467 seine Tochter Aelia
Ariadne zur Frau gab.
Im Oktober 473 ließ Leo
I. seinen gleichnamigen Enkel, den damals noch sehr jungen Sohn
des Zenon und der Aelia
Ariadne, als Leo II. zum
Augustus ausrufen.
Leo gab Zenon,
der zuvor mit Arcadia verheiratet war, seine ältere Tochter
Aelia
Ariadne zur Frau und ernannte ihn für den Zeitraum 467-468
zum Heermeister in Thrakien.
Als Leo I. am 18.
Januar 474 starb, wurde der Knabe dem Titel nach oströmischer Kaiser.
Am 9. Februar 474 wurde ihm sein Vater als Vormund und Mitherrscher zur
Seite gestellt. Die Initiative ging vom Senat und von Leos
Witwe Aelia Verina aus.
Offergeld Thilo: Seite 59
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im
frühen Mittelalter."
Die kurze Kindkaiserherrschaft des knapp siebenjährigen
Leo
II. (474) hinterließ keine tieferen Spuren [36
Leo, durch seine Mutter Ariadne
ein Enkel Kaiser
Leos I., war gewissermaßen
anstelle seines mächtigen, aber unpopulären und dynastisch weniger
legitimierten Vaters Zeno zum Kaiser
erhoben worden. Nachdem der Sohn als Augustus installiert war, konnte Zeno
seine Stellung ebenfalls mit höchster Legitimität versehen und
seine Ernennung zum Mit-Kaiser erwirken; vgl. Eckard Wirbelauer, Leo I.,
in: Clauss, Kaiser, Seite 406-411, hier 411, Demandt, Spätantike Seite
188. Damit dürfte
Leo der einzige
minderjährige Herrscher überhaupt gewesen sein, der seinen eigenen
Vater zum Mitregenten erhob.], die langen Regierungszeiten eines Zeno
(474-491)
und Anastasius (491-518)
bildeten
im ganzen doch stabile Brücke zu der unter
Justin und Justinian folgenden
Neukondolisierung der oströmischen Monarchie.
466
1. oo Zenon Kaiser von Byzanz
426 † 9.4.491
491
2. oo 2. Anastasios I. Kaiser von Byzanz
um 431 † 10.7.518
Kinder:
Leon II. Kaiser von Byzanz
467 † Ende
November 474
Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
20 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG
München 1959 Seite 39,84,296 - Grant, Michael: Die römischen
Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz
Verlag Augsburg 1977 Seite 383,392,409 - Norwich John Julius: Byzanz.
Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band I Seite 189,193,201,203,211,274 - Offergeld
Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen
Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 59 - Riehl
Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte.
W. Ludwig Verlag 1988 Seite 262 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 190 -