Thraker aus kleinsten Verhältnissen
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1890
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Leon I., oströmischer Kaiser 7. Februar 457-18.
Januar 474
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†
Thraker, orthodox, Soldat einfacher Herkunft; Tribun
in Selymbria, von Aspar, Kaisermacher und Heermeister,
zum Nachfolger
Markians bestimmt. Leons
I. Gotenbündnis (461) brachteTheoderich,
den Neffen
König
Valamers, als Geisel für 10 Jahre nach Konstantinopel.
Der Vandalen-Feldzug (468) unter Leos
Schwager
Basiliskos
war
ein militärischer und finanzielles Desaster. Dagegen besiegten der
gotische Heermeister von Thrakien, Anagast, die Hunnen 469.
Gegen den einflußreichen, aber in Konstantinopel als Arianer unbeliebten
Aspar
protegierte Leon I. seit 466 den
Isaurier-Fürsten
Zenon. Mit ihm, seit 467 Gatte seiner Tochter
Ariadne,
brachte er 471 Aspar und dessen Sohn Ardabur um (daher
Beiname 'Macelles' 'Schlächter'). Die Germanenherrschaft
auf dem Balkan blieb erhalten, denn Theoderich Strabo unterstützte
Aspars
Goten. Als Westkaiser ernannte Leon I. 466
Anthemius,
473 Julius Nepos. Leons
Nachfolger war sein Enkel Leon II.,
der Sohn Zenons.
Verdrängte die germanischen Offiziere aus den staatsbeherrschenden
Stellen, kämpfte erfolglos gegen die Wandalen in Afrika, griff mehrfach
in die Thronfolge Westroms ein.
Leo I.
Oströmischer Kaiser 457-474
Geborener Thraker, diente sich als Soldat empor und wurde
auf Betreiben des allmächtigen Reichsfeldherrn Aspar, der als
Germane und Arianer selbst den Thron nicht besteigen konnte, am 7. Februar
457 zum Augustus proklamiert. Als erster Herrscher wurde er durch
den Patriarchen von Konstantinopel gekrönt. Der bedeutende, streng
orthodoxe Kaiser stürzte mit Hilfe von Isauriern 471 Aspar
und dessen bereits zum Caesar erhobenen Sohn Patricius und beseitigte
dadurch im Osten die Gefahr einer germanischen Vorherrschaft, doch erlitt
er bei seinen Eingriffen ins Westreich - 467 Entsendung des Anthemius,
474 Designation des Nepos - Mißerfolge.
Der Großangriff auf Geiserich
und das Vandalen-Reich (468) endete infolge der Unfähigkeit des Basiliskos
in einer Katastrophe und schwächte für längere Zeit die
Finanzkraft Ostroms.
RE XII 1947, KP III 561.
LEO I. "DER GROSSE"
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† 474
Leon I. war Tribun und Kassenverwalter des allmächtigen Reichsfeldherrn Aspar, wurde durch diesen am 7.2.457 Kaiser und vom Senat bestätigt. Er wurde jahrelang von Aspar und dessen germanischem Söldnerheer beherrscht, drängte dessen Einfluß nach und nach zurück, indem er seinen Schwiegersohn systematisch aufbaute. 469/71 kam es zum offenen Bürger- und Thronkrieg, in dem Aspar durch Verrat zugrundeging. Er hatte noch versucht, Tarasicodissas Truppen durch höhere Soldversprechungen abzuwerben. Mit Aspars Untergang verschwand das germanische Militärelement weitgehend zugunsten von asiatischen Söldnern, eine sehr weitgehende Entscheidung. Es war eine Zeit verheerender Einfälle von Hunnen und Goten im Balkanraum und 468 scheiterte eine Flottenexpedition gegen die Vandalen kläglich. Leon versuchte vergeblich, eine reale oströmische Suprematie gegenüber Westrom aufzubauen, indem er dort zwei machtlose Kaiser einsetzte. Er hielt jahrelang den Ostgoten-Königs-Sohn Theoderich als Geisel und war in kirchlichen Dingen streng orthodox.
oo VERINA,
Schwester des Kaisers Basilikos
† 484
Verina rebellierte
475/76 mit und mußte 476 Nonne werden; sie rebellierte 483/84
erneut: machtlose Gegen-Kaiser
Illos und Leontius
Aspar gab sich mit der Rolle des Königsmachers
zufrieden. Der Mann seiner Wahl war bezeichnenderweise einer seiner Untergebenen,
nämlich Leon, der Verwalter
seines Hauses, ein orthodoxer Christ aus der Provinz Dakien. Die Legionen
erhoben den neuen Kaiser nach alter Sitte zum Zeichen ihrer Zustimmung
auf den Schild, doch wurde jetzt zusätzlich eine neue Zeremonie zu
seiner Ernennung eingeführt. Am 7. Februar 457 wurde Leon
während einer feierlichen Messe in der Hagia Sophia offiziell vom
Patriarchen Anatolios gekrönt. Dies erhellt die wachsende Bedeutung
des Patriarchats seit dem Konzil von Chalkedon und zeigt, dass die alte
Ordnung im Umbruch war. Man entfernte sich von der militärischen Tradition,
auf der das alte Reich begründet war, und an deren Stelle trat jenes
religiös mystische Verständnis des Herrschers, das im Lauf der
Jahrhunderte mehr und mehr dominierte.
Leon war nicht
sehr gebildet, aber er verfügte über ein gerüttelt Maß
an gesundem Menschenverstand und, was nicht zu unterschätzen
ist, ein eigenes Urteil. Wenn Aspar geglaubt hatte, er setze eine
Marionette auf den Thron von Byzanz, so sah er sich schon bald getäuscht.
Nur wenige Wochen nach Leons Thronbesteigung
kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden, vermutlich
weil sich Leon weigerte, einen von
Aspars Söhnen in eine einflußreiche Position zu hieven.
Dieser Streit verschärfte sich, als der Kaiser daranging, dem gefährlich
mächtigen germanischen Element im Staat und damit dessen führendem
Repräsentanten Aspar die Flügel zu stutzen. Ziel dieser
Politik war, das Heer von Germanen zu säubern und die Isaurier zur
Kerntruppe zu machen, Angehörige eines zähen Bergvolkes aus dem
wilden Taurus südlich von Ikonion und Lystra rund um das Becken des
Kalykadnos. Aspar, ebenso entschlossen, den Status quo zu erhalten,
nahm den Fehdehandschuh auf. Die Rivalität zwischen Kaiser und Heerführer
wurde schon bald zum eigentlichen Leitmotiv der Regierung Leons.
Diese Rivalität mußte zwangsläufig zur
Bildung zweier Parteien innerhalb der Regierung führen. Auf der Seite
des Kaisers übte den größten Einfluß ein isaurischer
Hauptmann aus, dessen Name ursprünglich Tarasikodissa
Rusumbladeotes lautete; als er Leons
Tochter Ariadne heiratete, nahm
er vernünftigerweise den Namen Zenon
an. Aber auch Aspar hatte im Palast Gefolgschaft; an ihrer Spitze
stand
Basilikos, der Bruder von
Leons Frau Verina.
Zum Glück für Leon
wurde die Schande für das nordafrikanische Debakel allein dem Heerführer
zur Last gelegt. Wenn überhaupt noch ein anderer für mitverantwortlich
gehalten wurde, dann Aspar, den man verdächtigte, sich heimlich
auf die Seite seines arianischen Glaubensgenossen Geiserich
geschlagen
und Basiliskos zum Verrat angestiftet
zu haben. Zwar entbehrte dieses Gerücht jeder Grundlage, doch spiegelt
es Aspars Unbeliebtheit wider. Das änderte sich auch nicht,
als er zwei Jahre später den Kaiser vermutlich durch Drohungen dahin
brachte, die Verbindung seiner jüngeren Tochter Leontia
mit seinem zweiten Sohn Patricios und dessen Ernennung zum Cäsar
zuzustimmen.
Als gegen Ende des Jahres 471 Aradabur, Aspars
ältester
Sohn, den Versuch unternahm, die isaurische Partei auf die Seite seines
Vaters zu ziehen, war für Leon
das Maß voll. Eines Morgens zogen die Wachen im Kaiserpalast unvermutet
die Schwerter und stachen Aspar und Ardabur nieder; Patricios
wurde zwar schwer verwundet, doch soll er überlebt haben.
Vermutlich hat der zeitgenössische Historiker
Malchus Leon dieser Morde wegen den Beinamen
Makelles (der Schlächter) gegeben; seine Abneigung
gegen ihn zeigt sich außerdem darin, dass er ihn als einen wahren
Hort des Lasters bezeichnet und ihn der Gewalttätigkeit und der
Habsucht bezichtigt. Aber selbst Malchus räumt ein, dass
Leon von Glück und Erfolg begünstigt gewesen sei wie
kein Kaiser vor ihm, und zweifellos wurde er von der großen mehrheit
seiner Untertanen, wenn auch vielleicht nicht geliebt, so doch zumindest
geachtet. Den Titel "der Große" hat er indes kaum verdient.
Dieser wurde ihm auch eher für seine religiös orthodoxe Haltung
verliehen und nicht für eine herausragende Persönlichkeit oder
hervorragende Staatsführung. Alles in allem war er jedoch ein gerechter
und mildtätiger Herrscher, und als er am 3. Februar 474 starb,
klebte gemessen an den Gepflogenheiten seiner Zeit, bemerkenswert wenig
Blut an seinen Händen.
Fünf Monate vor seinem Tod hatte er seinen Nachfolger
nominiert, und zwar nicht wie allgemein erwartet Zenon,
den Mann seiner Tochter Ariadne, sondern
deren siebenjährigen Sohn, der nach seinem Großvater
Leon benannt war. Ob er diese Entscheidung aus persönlicher
Abneigung gegen Zenon traf, ob er die
Isaurier nicht des Kaiseramtes für wert erachtete oder das Diadem
an sein eigen Fleisch und Blut vererben wollte, läßt sich nicht
klären, aber angesichts der folgenden Ereignisse erübrigt sich
diese Frage ohnehin. Ariadne hatte
ihren Sohn angewiesen, seinen Vater auf der Stelle zum Mit-Kaiser zu krönen,
wenn er ihm im Hippodrom huldige. Gut, dass sie dafür gesorgt hatte,
denn neun Monat später war der junge Leon
tot.
oo Verina, Schwester des Kaisers Basiliskos
† 484
Kinder:
Ariadne
um 450 † 515
oo Zenon
426 †
9.4.491
Leontia
457/58 † nach 480
469
1. oo Patricius, Sohn von Aspar
† 471 ermordet
472
2. oo Flavius Marcian, Sohn des Kaisers Anthemius
† nach 480
Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 477
- Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz.
Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 25,31,41,112
- Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München
1959 Seite 22,27,30,37,39,45, 120 - Ewig Eugen: Die Merowinger und
das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite
17 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis
zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg
1977 Seite 383,391-395,398-401,404, 409-413 - Günther Rigobert:
Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke
Verlag Leipzig 2003 Seite 19,95 -
Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE.
Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag
Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite
531,576,612,620,667
-
Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I
Seite 188-194,196 -
Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten.
List Verlag München 1977 Seite 213 - Schreiber Hermann: Die
Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag
Bindlach 1993 Seite 136,175,182,184,187,191,193,195,200,208,210,336 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 490 - Tschilingirov
Assen: Bulgarien. Kulturgeschichte im Prisma. - Prisma-Verlag Zenner und
Gürchott Seite 101 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser.
Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis &
Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 77 -