Anna von Byzanz                           Großfürstin von Kiew
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13.3.963 um 1011
 

Einzige Tochter des Kaisers Romanos II. von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Theophano, Tochter vom Schankwirt Krateros
 

BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 49
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ANNA PORPHYROGENITA, Prinzessin aus der MAKEDONEN-Dynastie
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* 963, 1011

Schwester Basileios' II. Bulgaroktonos, der sie dem Großfürsten Wladimir von Kiew zur "purpurgeborenen" Frau gab. Diese Verbindung leitete die Christianisierung Rußlands (in orthodoxer Form) ein; Rußland beanspruchte daraufhin nach dem Fall von Konstantinopel (1453) das "Dritte Rom" zu sein.



Thiele, Andreas: Tafel 197
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ANNA
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* 963, 1011

 989
  oo WLADIMIR I. DER GROSSE, Großfürst von Kiew
               1015



Wolf Gunther: Seite 147-149
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"Spätkarolingische und ottonische Beziehungen zum Kiever Reich der Rus"

Doch stellte für seine Hilfe Vladimir eine unerhörte Bedingung [8 Es ist kaum anzunehmen, daß das Angebot seitens des Basileus erfolgte. Vgl. G. Ostrogorsky, Geschichte des byzantinischen Staates (1963) Seite 251ff.]: die Hand der purpurgeborenen Schwester des Kaisers Basileios' II., jener Anna, die einst - zwanzig Jahre zuvor - dem Werben OTTOS I. für seinen Sohn OTTO II. versagt worden war. Die Bedingung war für Byzanz provokativ und kaum akzeptabel, denn es verletzte heiligsten Brauch, eine Porphyrogenneta einem Barbaren zu geben. Nur die schiere Not zwang Basileios dazu nachzugeben, freilich mit der Auflage, daß sich Vladimir vorher taufen lassen müsse, was die endgültige Sicherung des byzantinsichen Einflusses auf die Rus bedeutete.
Mit angeblich 6.000 Mann kam nun Vladimir Byzanz zu Hilfe. Am 13. April 998 fand bei Abydos am Hellespont die Entscheidungsschlacht statt: Basileios und Vladimir siegten, Bardas Phokas fand den Tod. Somit von der äußersten Not befreit, zögerte Basileios II., Vladimir seine Schwester Anna zu vermählen. Mehrere Gesandtschaften folgten im Sommer und Frühherbst 989 mit gegenseitigen Anmahnungen und der Druck Vladimirs durch de Eroberung Chersons.
Lassen wir es offen, ob Vladimirs Taufe im Herbst 989 in Cherson mit alsbaldiger Hochzeit mit Anna, die inzwischen eingetroffen war, stattfand oder erst später, etwa Weihnachten 989 oder gar Ostern 990 in Kiev.
Für unser Thema wichtiger ist, daß die Kaiserin Theophanu, offenbar bei ihrer Ankunft in Rom Ende November/Anfang Dezember 989, von der Entwicklung der Dinge im Osten erfuhr und ziemlich umgehend von Rom aus mit dem Hof in Kiev durch eine Gesandtschaft in Verbindung trat und Reliquien, als "Angebinde" für Anna wahrscheinlich, nach Kiev sandte. Für Theophanu konnte es nicht gleichgültig sein, daß die Schwester des MAKEDONEN-Kaisers Basileios II., der ihre Verwandten Bardas Skleros und Bardas Phokas "beseitigt" hatte, Anna, die Beinahe-Braut ihres 983 verstorbenen Gemahls OTTO II., nun an Vladimirs Seite in Kiev herrschte. So mußte aus politischen Gründen Theophanu Verbindungen nach Kiev knüpfen, die offenbar doch Auswirkungen hatten.

Tinnefeld Franz: Seite 247
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"Die Braut aus Byzanz - Fragen zu Thephanos Umfeld und gesellschaftlicher Stellung vor ihrer abendländischen Heirat."

OTTO I. hatte ursprünglich gehofft, für seinen Sohn eine der seit 867 herrschenden sogenannten makedonischen Dynastie entstammenden "purpurgeborene" Prinzessin, eine Tochter des 963 verstorbenen Kaisers Romanos II., zu erhalten, wahrscheinlich dieselbe Anna, die später mit dem russischen Fürsten Vladimir im Zusamemnhang mit der sogenannten Taufe Rußlands verheiratet wurde [3 Ohnesorge, Heirat, 138-143. Dagegen ist Andrzej Poppe, The political Background to the Baptism of Rus', Dumb. Oaks Papers 30 (1976) 195-244, hier 230, A, 114 der Ansicht, daß damals die abendländische Braut vielleicht eine (von ihm postulierte) älteste Tochter Helene, geboren 954/55, im Gespräch war. Über Anna und ihre russische Heirat: vgl. zuetzt Dmitri Obolensky, Cherson and the Conversion of Rus': an Anti-revisionist: View, Byz. and Mod. Greek Stud. 13 (1989) 244-256, hier 244f., 253, 256.]. Diese hatte aber ihr Stiefvater Nikephoros II. Phokas dem Gesandten OTTOS im Jahr 968, dem Bischof Liutprand von Cremona, rundweg abgeschlagen bzw. mit unannehmbaren Forderungen verknüpft.

Kresten Otto: Seite 409
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"Byzantinische Epilegomena zur Frage: Wer war Theophanou?"

Blieb also nur Anna, die purpurgeborene Tochter Romanos' II. - und auf diese dürften aller Wahrscheinlichkeit nach die Wünsche OTTOS I. gerichtet gewesen sein [64 Etwas zu denken gibt der Umstand, daß das jüngste Kind Romanos' II., die am 13. März 963 geborene Anna, nicht den Namen ihrer Großmutter väterlicherseits (Helene) erhielt; dies könnte darauf hindeuten, daß der Verbindung zwischen Romanos II. und Theophano der Älteren als ersets Kind eine (wie schon gesagt: bald verstorbene) Tochter (eben mit dem Namen Helene) entsprossen war. Auf der anderen Seite hielt sich Romanos II. nicht streng an den Gebrauch von "Leitnamen": sein ältester Sohn, Basileios II., trägt nicht den Namen des Großvaters, sondern jenen des Ururugroßvaters, des Begründers der makedonischen Dynastie, und nach dem Tode Konstantinos' VII. ist bei Romanos II. überhaupt (wohl unter dem Einfluß der Theophano der Älteren) eine völlige Distanzierung von den Angehörigen der eigenen Familie festzustellen - ganz abgesehen davon, daß er zwei Tage nach der Geburt seiner Tochter Anna verstarb, auf die Namengebung dieses Kindes also kaum Einfluß gehabt haben kann (Nach der Großmutter mütterlicherseits kann Anna nicht benannt worden sein, denn diese hieß Maria.]. Anna hatte als jüngstes der Kinder Romanos' II., nach ihren Brüdern Basileios II. (geboren 958) und Konstantinos (geboren 961), am 13. März 963, zwei Tage vor dem frühzeitigen Tode ihres Vaters, das Licht der Welt erblickt. Sie war also 968 fünf, 972 neun Jahre alt. Dies hätte zwar, wie analoge Fälle zeigen, eine Verlobung mit einem dreizehn- bzw. siebzehnjährigen Partner keienswegs ausgeschlossen, wäre aber in byzantinischen Augen doch nicht ganz unbedenklich gewesen, vor allem dann, wenn man Anna als Kindbraut sogleich einer der beiden Gesandtschaften OTTOS I. mitgegeben und sich so von byzantinischer Seite jede Mögklichkeit genommen hätte, das Mädchen entsprechend zu erziehen. Dazu kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt: Sowohl Nikephoros II. Phokas als auch Ioannes I. Tzimiskes entstammten bekanntlicherweise nicht der legitimen makedonischen Dynastie, sondern übten nur vormundschaftlich (als Stiefvater bzw. als angeheirateter Onkel) die Herrschaft aus. Die Verheiratung der leiblichen Schwester der beiden MAKEDONEN-Sprosse ins Ausland - noch dazu an den Thronerben des westlichen Kaisertums - wäre daher ein politisch höchst unkluger Akt gewesen. Man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß es vor allem derartige Überlegungen waren, die sowohl Nikephoros II. Phokas als auch Ioannes I. Tzimiskes veranlaßten, das Werben OTTOS I. um die Hand Annas für OTTO II. abzuschlagen.

Donnert Erich: Seite 57-58
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"Das Kiewer Russland. Kultur und Geistesleben vom 9. bis zum beginnenden 13. Jahrhundert."

Die russische Chronik berichtet ebenfalls ausführlich über das große Ereignis, das die Annahme des Christentums durch die Russen darstellte. Sie verbindet dieses Faktum unmittelbar mit dem Kriegszug Wladimirs gegen die griechische Krimstadt Cherson (Korsun), den der Kiewer Großfürst im April 989 unternahm. Das Ergebnis der kriegerischen Aktion der Russen war die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt. Von hier aus bedrohte der russische Herrscher nun direkt das byzantinische Imperium. Nach der Chronik ließ Wladimir Kaiser Basileios II. wissen: "Ich habe eure berühmte Stadt genommen. Nun höre ich, daß ihr eine jungfräuliche Schwester habt: Wenn ihr sie mir nicht zur Frau gebt, werde ich eurer Stadt (Konstantinopel) dasselbe antun, was ich dieser getan habe."
Dem byzantinischen Kaiser blieb nichts anderes übrig, als auf das Verlangen des russischen Großfürsten einzugehen. Wladimir seinerseits ließ Basileios mitteilen: "Ich will mich taufen lassen; denn schon vor diesen Tagen habe ich euer Gesetz erforscht, und mir gefällt euer Glaube und euer Gottesdienst, von dem mir meine Boten erzählt haben." Der byzantinische Imperator schickte darufhin Gesandte und Priester nach Kiew, in deren Begleitung sich auch die Schwester des Kaisers befand. Diese hatte sich zunächst geweigert, Wladimirs Gemahlin zu werden: "Sie aber wollte nicht gehen: 'Wie in die Gefangenschaft' sagte sie, 'gehe ich: besser wäre es, ich stürbe hier.' Doch ihre Brüder sprachen zu ihr: 'Durch dich wird ja Gott das russische Land zur Buße bekehren, und du wirst das griechische Land von einem schlimmen Kriege befreien...' Da bestieg sie die Galeere ...und zog über das Meer."
Wladimir ließ sich taufen. Nach der Taufe führte er die "Kaiser-Tochter zur Trauung. Leute nun, die das nicht recht wissen, sagen, daß er in Kiew getauft sei; andere sagten: in Wassiljew, andere aber sagen noch anders".

Engels Odilo: Seite 16,17,28
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"Theophanu - die weltliche Kaiserin aus dem Osten"

Der westliche Kaiserhof erwiderte 967 eine östliche Gesandtschaft mit der Reise des Venezianers Dominicus, der für OTTOS schon zum König gekrönten Sohn und Thronfolger OTTO  II. um die Hand Annas, der Tochter Romanos II. und seiner Gattin Theophanu, bitten sollte [12 Vgl. Köpke-Dümmler (wie Anm. 8), Seite 420-422. Weder Adalberts Contiuatio Reginonis ad. an. 967 noch Liudprand in seinem Legationsbericht c. 25 u. 31 teilen den Namen der vorgesehenenen Braut mit, Adalbert spricht nur von der Stieftochter des Nikephoros.]. Und ohne Rücksicht darauf, daß der Vater als Kaiser noch lebte, wurde OTTO II. zu Weihnachten schleunigst in Rom zum Kaiser gekrönt, damit er - wie man ganz pragmatisch dachte - seiner Braut gleichrangig gegenübertreten konnte.
Formal ließ die byzantinische Seite die Verhandlungen an einem anderen Punkt scheitern. Sie weigerte sich, als Braut eine Porphyrogenneta zur Verfügung zu stellen, und Anna war eine solche. Es sei unerhört, eine Porphyrogenneta zu fordern, denn die im Purpur geborene Tochter eines im Purpur geborenen Kaisers werde nicht fremden Völkern in die Ehe gegeben.
Wenn man hört, daß Vladimir von Kiew 988 dem byzantinischen Kaiser Basileios II. mit einer Streitmacht die entscheidende Hilfe brachte und zum Lohn dafür die Schwester des Kaisers - jene purpurgebrene Anna, die ursprünglich OTTO II. zugedacht war - zur Ehefrau erhalten sollte, sofern er sich und sein Volk taufen lasse, dann bekommt man eine Ahnung von der Weite des Blickfeldes, das Theophanu als Regentin in ein langfristiges Kalkül einzubeziehen war.

Schulze Hans K.: Seite 211,218-220
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"Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier."

Zwar war es nichte die "rechte Braut", die der Grieche schickte, nicht die Kaiser-Tochter Anna, sondern Theophanu, nur eine Nichte des Kaisers. Den hochmütigen Byzantinern schien das ein eben noch tragbarer Kompromiß, denn eine in den Purpurgemächern des Palastes geborene Kaiser-Tochter, eine Porphyrenneta wie Anna, war noch niemals an einen fremden Herrscher, einen "Barbaren", verheiratet worden. Und doch sollte der Prinzessin Anna dieses in den Augen der Griechen höchst beklagenswerte Schicksal nicht erspart bleiben. Der russische Großfürst Wladimir von Kiew empfing sie 989 als Preis für seine militärische Hilfe gegen die Bulgaren.
Schon in Ravenna war eine griechische Gesandtschaft erschienen, um diplomatische Beziehungen herzustellen. Sie brachte Geschenke, dürfte aber auch die Forderung nach Verzicht auf die  Lehnsherrschaft über die Fürstentümer Capua, Benevnt und Salerno überbracht haben, die Byzanz für sich beanspruchte. OTTO DER GROSSE schickte seinerseits eine Gesandtschaft unter Führung eines Venezianers namens Dominikus nach Konstantinopel, um für seinen Sohn die Hand der Prinzessin Anna, der Tochter des Kaisers Romanos II., zu werben. Das war ohne Zweifel ein kluger Schachzug. Heiratspolitik stand bei den OTTONEN wie bei allen aufstrebenden Familien hoch im Kurs, und vielelicht konnte die zarte Hand einer byzantinischen Prinzessin - Anna war erst vier Jahre alt - den gordischen Knoten lösen. Ging man am Bosporus auf die Werbung ein, so würde dies die unausgesprochene, aber unübersehbare Anerkennung des ottonischen Kaisertums bedeuten.

Norwich John Julius: Band II Seite 305
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Und Hilfe im benötigten Ausmaß konnte nur aus einer Richtung kommen: von Wladimir, dem Fürsten von Kiew. Die Meldung der byzantinischen Gesandtschaft, die nach Monaten eintraf, lautete dahingehend, dass sich Wladimir an die zwischen seinem Vater Swjatoslaw und Johannes Tzimiskes getroffene Übereinkunft gebunden fühle und die angeforderte Streitmacht übersenden werde. Eine Druzhina von 6.000 voll ausgerüsteten Warägern werde so bald wie möglich in Konstantinopel eintreffen. Seine Unterstützung knüpfte er allerdings an eine Bedingung: dass er die Hand der Schwester des Kaisers erhielt, der Porphyrogennita Anna. Gegen den Übertritt Wladimirs zum orthodoxen Glauben gab Basileios der Verbindung seinen Segen.
Basileios wartete fast ein ganzes Jahr. Diese Zeit überlebte er nur dank der kaiserlichen Flotte, die mit ihren andauernden Patrouillen auf dem Hellespont, dem Marmarameer und dem Bosporus Bardas Phokas daran hindern konnte, auf europäischen Boden überzusetzen. Dann erschien eine große wikingische Flotte mit den 6.000 Warägern an Bord. Ende Februar 989 schlug das von Basileios geführte Heer die Aufständischen an der Küste von Chrysopolis vernichtend und am 13. April 989 erlag Bardas Phokas einem Schlaganfall, während die auseinandergelaufenen Truppen eine leichte Beute für die warägischen Riesen wurden, die sie verfolgten und kurzerhand in Stücke hackten. Wenig später unterwarf sich Bardas Skleros gegen die Zusage des Kuropalates-Titel Kaiser Basileios II.
Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse der vergangenen zwei Jahre blieb Basileios verständlicherweise kaum Zeit, sich mit der Frage der versprochenen Eheschließung seiner Schwester mit dem Kiewer Fürsten zu befassen. Wladimir machte jedoch bald klar, dass er nicht mit sich spaßen ließ. Er hatte dem Hilfsappell des Kaisers entsprochen und dadurch Byzanz gerettet. Nun erwartete er mit Ungeduld seine Belohnung. Um Basileios an seine Pflicht zu erinnern, nahm er im Sommer 989, völlig unerwartet, kurzerhand Cherson ein, die kaiserliche Kolonie auf der Krim und zugleich den letzten byzantinischen Vorposten an der nördlichen Schwarzmeerküste. Gleichzeitig ließ er Basileios eine Botschaft des ominösen Inhalts zukommen, wenn seine Vergeßlichkeit anhalte, werde Konstantinopel wohl oder übel bald ein ähnliches Schicksal ereilen. Für Basileios reichte der Fall Chersons vollkommen aus, um die Angelegenheit voranzutreiben. Nicht nur war diese Krimkolonie finanziell und strategisch wichtig für ihn, ihre Eroberung kam zudem der Aufhebung der russischen Unterstützung gleich, und dies zu einer Zeit, da sich Bardas Skleros noch immer auf freiem Fuß befand. Und noch weit schlimmer als all dies: es bestand nun tatsächlich die Möglichkeit einer Annäherung zwischen Wladimir und Zar Samuel von Bulgarien. Die 6.000 Waräger hielten sich noch immer in Konstantinopel auf. Auf ein Wort ihres Gebieters hin konnte ihre gegenwärtige Freundschaft in offene Feindschaft umschlagen - mit unabsehbarem möglichen Schaden. Kurz gesagt, es gab keine andere Möglichkeit: Das Abkommen mußte anerkannt werden. Als die 25-jährige Prinzessin Anna von ihren Brüdern von ihrem Schicksal erfuhr, soll sie ihnen in Tränen aufgelöst vorgeworfen haben, man verkaufe sie blindlings in die Sklaverei - was in Anbetracht der Gerüchte, die über Wladimir kursierten, der Wahrheit sehr nahe kam. Schließlich machte man ihr jedoch klar, was sie zum Wohl des Reichs zu tun habe, nämlich sich in das Unvermeidliche zu schicken. Wohl kaum freudig erregt, bestieg sie das Schiff, das sie nach Cherson brachte, wo ihr Verlobter sie bereits erwartete. Die beiden wurden ordnungsgemäß vermählt, und Basileios erhielt Cherson umgehend als Brautgeschenk für das Reich zurück.
 
 
 
 

 988
  oo 3. Wladimir Großfürst von Kiew
           956 15.7.1015
 
 
 
 

Kinder:

  Boris der Heilige Fürst von Rostow
       1015 ermordet

  Gleb der Heilige Fürst von Murom
      1015 ermordet

  Mstislaw I.
       1035/36

  Premislawa
         

   oo Ladislaus der Kahle Fürst von Ungarn
               

  Wjatscheslaw Fürst von Nowgorod
        1010

  Stanislaw Fürst von Smolensk
      

  Swjatoslaw Fürst der Drewljanen
       1015 gefallen

  Sudislaw Fürst von Pskow-Pleskau
       1063/65

  Tochter
          

  oo Bernhard II. Markgraf der Nordmark
            um 1045
 
 
 
 

Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 49 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 108,134 - Donnert Erich: Das Kiewer Russland. Kultur und Geistesleben vom 9. bis zum beginnenden 13. Jahrhundert. Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin 1979 Seite 57-58 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996 Seite 26,30 - Engels Odilo: Theophanu - die weltliche Kaiserin aus dem Osten in: Die Begegnung des Westens mit dem Osten, hg. von Odilo Engels und Peter Schreiner, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993, Seite 16,17,28 - Isenburg Prinz W.K.v. Europäische Stammtafeln, Band II, Tafel 89/Band II, Tafel 141 Marburg, 1953 (1965) - Kresten Otto: Byzantinische Epilegomena zur Frage: Wer war Theophanou? in: Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000. Todesjahr der Kaiserin. Herausgegeben von Anton von Euw und Peter Schreiner Band II Köln 1991 Seite 409 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 305 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan: Otto III. Heinrich II. Eine Wende? Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997 Seite 309 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 46,48 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 211, 218-220 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 197 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 432,436 - Tinnefeld Franz: Die Braut aus Byzanz - Fragen zu Thephanos Umfeld und gesellschaftlicher Stellung vor ihrer abendländischen Heirat. in: Wolf, Gunther: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs Große Kaiserin, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1991 Seite 247 - Wolf Gunther: Spätkarolingische und ottonische Beziehungen zum Kiever Reich der Rus. in: Wolf, Gunther: Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs Große Kaiserin, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1991 Seite 147-149 -