Ruprecht I.                                             Pfalzgraf bei Rhein (1330-1390)
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9.6.1309-16.2.1390
Wolfratshausen Neustadt a.d. Hardt

Begraben: Neustadt an der Hardt
 

4. Sohn des Pfalzgrafen Rudolf I. von der Pfalz und der Mechthild von Nassau, Tochter von König ADOLF
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1110
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Ruprecht I., Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Kurfürst von der Pfalz
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* 9. Juni 1309, + 16. Februar 1390
Wolfratshausen   Neustadt an der Hardt

Begraben: Neustadt an der Hardt

Eltern: Pfalzgraf Rudolf I. und Mechthild von Nassau, Tochter König ADOLFS

Anders als sein älterer Bruder Rudolf II. versöhnte Ruprecht I. sich wegen des zurückbehaltenen väterlichen Erbes nur zögernd mit seinem Onkel LUDWIG DEM BAYERN und gewann so wohl maßgeblichen Einfluß auf die Gestaltung des Vertrags von Pavia (1329), von dem eine eigenständigte, von Bayern losgelöste Entwicklung der Pfalz ihren Ausgang nahm. Das fortan gute Einvernehmen mit dem Kaiser begünstigte die Expansion des Pfälzer Territoriums, ermöglichte den Erwerb zahlreicher Reichspfandschaften und wurde nur 1344 nochmals gestört. Nach LUDWIGS Tod ergriffen Ruprecht I., sein Bruder Rudolf II. und sein Neffe Ruprecht II. Partei für GÜNTHER von Schwarzburg (die Kurstimme führte Rudolf), entwickelten aber nach dessen Thronverzicht rasch ein enges, den pfälzischen Belangen sehr vorteilhaftes Verhältnis zu KARL IV. Die Goldene Bulle von 1356 sicherte der Pfalz das Kurrecht unter Ausschluß aller bayerischen Ansprüche sowie das Reichsvikariat, das Ruprecht I. bereits 1354/55 während KARLS Romzug ausgeübt hatte. Zwar führte die Hausmachtpolitik des LUXEMBURGERS 1363/73 zu einer vorübergehenden Entfremdung, indes ließ der Pfälzer Kurfürst sich durch die Überlassung neuer und die Erhöhung der Summen auf bereits bestehenden Reichspfandschaften wieder gewinnen und gab beider Königswahl 1376 seine Stimme dem Sohn des Kaisers. Im Schisma trat Ruprecht I. entschieden für den römischen Papst ein. Mit Tatkraft verfolgte er die Interessen seines Territoriums gegen Württemberg (1360, 1381), im Elsaß (1361/65), gegen Kurmainz und bei dem Landfriedensbestrebungen am Oberrhein. Durch seine Vermittlung kam 1384 die Heidelberger Stallung zustande; 1388/89 beteiligte er sich an der Niederwerfung der Städte. In der 1338 mit seinem Bruder vorgenommenen Landesetilung war es Ruprecht I. gelungen, den Neffen bezüglich dessen Erbansprüchen zu vertrösten; auch nach der Teilung mit Ruprecht II. (1353) regierte Ruprecht I. praktisch allein weiter, räumte aber dem Neffen 1357 die sichere Anwartschaft auf das Gesamterbe ein. 1368 bestimmten beide Ruprechte gemeinsam jene Landesteile, die ewig bei der Pfalz bleiben sollten, das spätere Kurpräzipuum. Ruprecht I. darf als der eigentliche Begründer der Kurpfalz und ihrer machtvollen Stellung im Reich gelten. Selbst illiterat, setzte er sich 1386 mit der Gründung der Universität Heidelberg ein die Jahrhunderte überdauerndes Denkmal.

Quellen und Literatur:
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ADB XXIX, 731-737 - Regesten der Pfalzgrafen bei Rhein, I, hg. A. Koch-J. Wille, 1894, 145-295 - E. Bock, Kurfürst Ruprecht von der Pfalz, Saarländische Lebensbilder, I, 1938, 27-44 - M. Schaab, Geschichte der Kurpfalz, I, 1988, 91-102 - H.-D. Heimann, Hausordnung und Staatsbildung, 1991.
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Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 654
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Ruprecht I., Kurfürst von der Pfalz
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* 9.6.1309, + 16.2.1390
Wolfratshausen Neustadt a.d. Hardt

Vater:
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Herzog Rudolf I. (1274-1319)

Mutter:
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Mechthild von Nassau (um 1280-1323)

  1. oo um 1358 Elisabeth von Namur (um 1340-1382)

  2. oo Beatrix von Berg (um 1360-1395)

Erbte 1353 nach dem Tod seines Bruders Rudolf dessen Besitztum.
Führte aus Angst vor Teilungen seiner großen Länder 1368 das „Kurpräceptum“ ein, das dem jeweils ältesten Erben einen größeren Grundstock sicherte.
Gründer der Universität Heidelberg (1386).

Literatur:
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ADB 29; BWB 2; A. v. Bayern, D. Wittelsbacher, 1979.
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Rall, Hans und Marga: Seite 176
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"Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I."

Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz
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* 9.6.1309, + 16.2.1390
Wolfratshausen Neustadt an der Hardt

Grabstätte: St- Aegidius-Kirche in Neustadt an der Hardt

  1. oo zwischen dem Herbst 1350 und dem Sommer 1358 in ?
          ELISABETH
          * um 1340, + 29.3.1382
                             Heidelberg

Grabstätte: Franziskanerkloster in Heidelberg

Eltern:  Johann I. Graf von Flandern und Namur aus dem Hause DAMPIERRE, und Marie, Tochter des Grafen Philipp von Artois

  2. oo 1358 in ?
          BEATRIX
          * um 1360, + 16.5.1395
                             Neustadt an der Hardt

Grabstätte: St- Aegidius-Kirche in Neustadt an der Hardt

Eltern: Wilhelm I., Herzog von Berg, und Anna, Tochter des späteren Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz

Ruprecht I. regiert in der Kurpfalz von 1329 bis 1390 (mit seinem älteren Bruder Rudolf II. und seinem Neffen Ruprecht II. bis 1353, von da an bis 1390 nur mit Ruprecht II. zusamemn).
Beide Ehen Ruprechts blieben kinderlos.
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Thiele Andreas:
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„Ergänzende genealogische Stammtafeln“

Ruprecht I. war zielstrebig, versiert und imposant und schloß am 4.8.1329 mit seinem Bruder Rudolf II. und seinem Onkel LUDWIG IV. den Vertrag von Pavia, durch den die Pfalz selbständig wurde. Er erhielt alle kurpfälzischen Gebiete mit Eventualerbrechten in Bayern und war seitdem eine wichtige und treue Stütze seines Onkels LUDWIG IV. gegen Böhmen und die Vettern in Nieder-Bayern. Er agierte mehrmals ohne Erfolg als kaiserlicher Gesandter in Avignon und Paris, nahm 1338 am Kurverein von Rhense teil und stand oft gegen die Erzbischöfe von Mainz und Trier wegen alter Besitz- und Rechtsfragen im Mittelrhein- und Moselgebiet. Er erwägte 1348 mit anderen Fürsten die Wahl König Eduards III. von England zum deutschen König, ging dann zu König KARL IV. über, vermittelte 1350 den Frieden mit den bayerischen Vettern und half 1348/49 den "Falschen Waldemar" in Brandenburg niederzuschlagen. Die Pest verheerte 1348/49 die Pfalz, was neue Judenverfolgungen nach sich zog. Er erhielt durch die "Goldene Bulle" 1356 für die Pfalz die ungeteilten Kurrechte gegen die Ansprüche von Bayern zugesprochen, wodurch die Familienallianz auseinanderbrach und beide Zweige für Jahrhunderte getrennte, gegnerische Wege gingen. Er scheiterte daher auch 1363-1365 mit Erbansprüchen in Ober-Bayern. Er war 1354/55 Reichsverweser, 1372 Mitregent in Baden und schloß mit diesem einen Erbvertrag. Er ging im Schisma nochmals mit den bayerischen Vettern konform und war 1379 die treibende Kraft zum königlichen Urbansbund mit dem römischen Papst gegen HABSBURG und den Avignon-Papst. Er war zeitweise kaiserlicher Landvogt der Wetterau, geriet gegen Nassau und stand auch gegen Württemberg. Er gründete 1385 die Universität Heidelberg. Er befestigte entscheidend die kurpfälzischen Machtpositionen, war der eigentliche Schöpfer und geniale Organisator des Kurstaates Pfalz und gewann durch Kauf, Erb- und Pfandschaften und Eroberungen unter anderem Hagenbach, Sinsheim, Oppenheim, Mosbach, Annweiler/Trifels, Bretten, Argenthal, Neckargemünd, Germersheim, Simmern, Kandel, Sickingen, Eberbach, Nierstein, Ingelheim, Kaiserslautern, Tribur, Ladenburg, Bolanden und die Landvogtei Speyergau und gewann nach 1378 die Ober-Pfalz von Böhmen zurück. In den Schlachten von Döffingen und Worms (1388) besiegten Graf Eberhard von Württemberg und Pfalzgraf Ruprecht die Städte, die ohne Unterstützung des Königs und der Bauern dem Angriff der Fürsten nicht gewachsen waren.
 
 
 
 

    1350/58
  1. oo Elisabeth von Namur, Tochter des Grafen Johann I.
      x   um 1340-29.3.1382
                        Heidelberg

    1385
  2. oo Beatrix von Berg, Tochter des Herzogs Wilhelm I.
      x   um 1360-16.5.1395  Urgroßnichte
                        Neustadt
 
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 179,215 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 79,134,161,163,166,169,194-198,201 - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite 262,266 - Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 176-181 - Seibt Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346 bis 1378 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1994 Seite 224 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München -