Erkenbert I.                                               Vogt von Weida
-------------
um 1090-1.8.1163/69 (oder um 1143)
 

Sohn des N.N.
 

Erkenbert I. ist der Stammvater des Hauses REUSS.

Erkenbert I. kam von Osterode her im kaiserlichen Auftrag an die Weiße Elster und legte den Grund zu dem Länderbesitz dieser Familie. Bereits 1122 war er als kaiserlicher und bischöflich-naumburgischer Ministeriale im Gefolge des Grafen Adalbert von Everstein bei der Stiftung der Kirche zu Plauen im Gau Dobena bezeugt. Erkenbert hatte Lehnsbesitz in der Nähe des Klosters Volkenroda und wurde nochmals 1143 als "von Weida" in einer Urkunde der Abtei Homburg-Langensalza genannt.
 
Hans Patze/Walter Schlesinger: Seite 163
************************
"Geschichte Thüringens"

Erkenbert I. von Weida [an der Unstrut] erscheint 1143 in einer Urkunde des Klosters Homburg bei Langensalza als Vater Heinrichs von Weida (an der Unstrut), und dieser Heinrich ist identisch mit einem Ministerialen Heinrich von Weida [an der Unstrut], der in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich Jasomirgott von Österreich und seiner Gemahlin Gertrud für dasselbe Kloster im Jahre 1143 begegnet.

Karl Bosl: Seite 529
********
"Die Reichsministerilität der Salier und Staufer"

Die Vögte von Weida haben ihre älteste Heimat im Eichsfeld an der oberen Unstrut und sind von dort in das Elsterland gezogen.
Der urkundlich älteste Vorfahre des Geschlechts ist ein Erkenbert de Withaa ( = Weida), der 1122 in einer Urkunde des Bischofs Dietrich von Naumburg für die auf Befehl des Kaisers HEINRICH V. erbaute Kirche in Plauen zeugt und ausdrücklich ministerialis genannt ist. Dieses Weida lag nördlich der Reichsburg Mühlhausen, deren Reichsdienstmannschaft uns bald beschäftigen wird, und östlich von Dingelstedt auf der Flur des Ortes Windeberg und ist heute Wüstung. 1139 verkauft Erkenbert von Weida Güter zu Graba (nördlich Mühlhausen) an Kloster Volkenroda, was er 1154 bestätigt, wobei Heinrich von Weida ministerialis noster genannt ist; 1143 taucht derselbe herzogliche Dienstmann, diesmal Heinricus Erkenberti filius de Widaa genannt, vom Abt von Homburg (bei Langensalza) gegen seinen Besitz zu Thiemsburg (ebenda), der welfisches Lehen war, Einkünfte in Körner, Brennendorf und Bogisile ein, wodurch er seinen Besitz um Mühlhausen abrundet. Auf seine Bitten, Henrici militis, cuius haec possessio feodalis fuir, prece, bestätigt Heinrich der Löwe zu Königslutter diesen Tausch 1143. Nach 3 als ministeriales bezeichneten Dienstmannen aus den sächsischen Landen des Herzogs zeugt ohne diese Standesbezeichnung "Erkenbertus, prefati Henrici frater de Widaa". Aus den angezogenen Urkunden von 1143 und 1154 geht hervor, dass Heinrich und Erkenbert Dienstmannen der Herzogin Gertrud von Sachsen und Bayern und ihres Sohnes  waren. Weida bei Mühlhausen gehört zu dem um Nordhausen, Mühlhausen und Langensalza bis tief nach Thüringen hinein reichenden altbraunschweigischen Besitz, den Gertrud von Braunschweig an das Haus NORDHEIM brachte. Mit ihr kam der ältere Erkenbert wohl an die östlichen Gebiete, in denen er aber vermutlich nicht verblieb. Zwischen diesen zuletzt welfischen Dienstmannen und den Vögten von Weida ist besitzgeschichtlich der Zusammenhang dadurch hergestellt, dass 1229 der Vogt Heinrich der Ältere von Weida, den wir im Vogtland sonst nur antreffen, dem Kloster Volkenroda seine zwischen Graba und Körner in oder am Herzogswald "Graß" gelegene Mühle verkaufte.

H. G. Francke: Seite 157-172
************
"Weidas Dynasten und seine Entstehung"

Nach dem Bericht des Mönches Arnold kam Erkenbert von Osterode her an die Weiße Elster im kaiserlichen Auftrage und legte den Grund zu dem Länderbesitz dieser Familie. Nun wird in einer 1122 ausgestellten Urkunde ein Erkenbert von Withaa (Weida) erwähnt, der mit jenem Erkenbert, der zur St. Veitskirche Beziehungen hatte, identisch sein dürfte deshalb, weil ein Herr von Withaa auch über die Umgebung von St. Veit zu gebieten hat, weil Weida und Umgebung eine staatsrechtliche Einheit gewesen ist.

Was war dieser Erkenbert von Withaa?

Der Bischof Dietrich I. von Naumburg erwähnt bei der Gründung der St. Johanniskirche in Plauen unter den Zeugen als ersten den Ministerialen Erkenbert von Withaa und gibt seinen vollen Namen an, während er seine eigenen Ministerialen so schlechthin aufzählt. Der Bischof zeichnet demnach diesen Ministerialen auf zweifache Weise vor den Standesgenossen aus, weil er ihn nicht mit den übrigen Ministerialen auf gleiche Stufe stellen wollte und durfte. Erkenbert wohnte dem Gründungsakte als kaiserlicher Ministeriale bei. Weil er im kaiserlichen Dienste allerlei Geschäfte besorgte, so wurde er auch nach Plauen vom Kaiser abgesendet, denn sonst erklärte sich doch nicht das in einem Befehl sich ausdrückende Interesse des Kaisers an dieser Gründung. Erkenbert war mit größter Wahrscheinlichkeit ein kaiserlicher Ministerial, in 2. Linie ein bischöflich Naumburger Ministerial, wenn man dem Beginn späterer Beziehungen bis 1122 zurückversetzen will. Erkenbert wäre dann kaiserlicher und bischöflicher Ministerial gewesen.

Wo übte Erkenbert seine Amtstätigkeit aus?

Nach der Urkunde wohnte und fungierte er in Weida, im Elstergebiete, und hatte von Weida seinen Namen. Arnold legt ihm und seinen Söhnen den Namen comites de Gleissberg bei. Dieses von Arnold gemeinte Gleissberg kann nur bei Bürgel gelegen haben und damals vielleicht ein kleines Lehngebiet gewesen sein. Nach Aussterben des Mannesstammes - laut Arnold - war Jordana die Erbin, welche Erkenbert geheiratet hat: er wird nach erfolgter Belehnung den Namen "Herr von Gleissberg" erhalten haben.
Erkenbert mag etwa um 1090 geboren sein und sich gegen 1120 mit der ungefähr 20-jährigen Jordana, der Erbin von Gleissberg, verehelicht haben.
Erkenbert wird 1122 in Weida, umweit der Elster, amtlich tätig gewesen sein, weshalb er in der vom Kaiser befohlenen Urkunde "Heinrich von Withaa" heißt; außerdem kam er noch in Gleissberg einen Besitz und davon auch einen besonderen Namen gehabt haben so lange, bis er diesen Besitz aufgab.

Erkenberts Beziehungen zur Saale-Gegend und Namen

Dass diese Beziehungen bestanden haben - auch ohne Arnolds Bestätigung beibringen zu können, liegt offen zu Tage, was ich im Gegensatz zu Vogel a.a.O., S. 29, Anm. 2, hervorhebe. Schmidt stellt diese Beziehungen nicht in Abrede. (Nochmals Arnold, S.18, 30, 32, 33 in "Vogtländische Untersuchungen") und benutzt sie zu seiner Beweisführung. Zu den daselbst erwähnten Bindegliedern zwischen den Weidaer Ministerialen und der Umgebung von Jena und Bürgel möchte ich noch weitere anfügen.
a) Der nur auf diese Gegend zu beziehende Name "Gleissberg", den Arnold bestimmt als den älteren überliefert hat, muß zuerst als Beweis herangezogen werden.
b) Im allgemeinen Archiv für die Geschichtskunde des preußischen Staates, XV. Bd. 1834, S. 346 und 348 wird das Schloß Tautenburg, unweit Jena, als Sitz von Räubern bezeichnet, welche Lobeda und Kasskirchen, 2 wettinische Ortschaften, um 1316-1318 beraubt, verwüstet haben. Demnach gehört das Schloß den Feinden der WETTINER, in diesem Falle dem Vogt Reuss von Plauen. Wenige Jahre später vor 1331 hat der REUSSE dem unmündigen Markgrafen Friedrich dem Ernsthaften dieses Schloß als Tauschobjekt angeboten. Bei Tautenburg wurde Burkhard von Weida um 1183 verwundet. Damals wurde es verteidigt oder diente als Ausfallfeste für Heinrich I. Probus. Durch Erbteilung kam es vermutlich an die Vögte von Plauen. Dieser Familienbesitz kann von der Stammutter Jordana eingebracht sein.
c) Aus Schmidt UB. I 207 ergibt sich, dass der Vogt von Weida um 1281 seiner Tochter ein Gut in Zwätzen bei Jena als Mitgift überlassen hatte, welches bei dem Übergange an den Deutschritterorden nicht nur vom regierenden Vogte und seiner Schwester Irmgard, verwitwete von Dahme, sondern auch von den Vögten von Gera und Plauen feierlich abgetreten und überlassen wird. Gerade die Zustimmung der verwandten Linien deutet auf eine sehr zeitige Erwerbung dieses Besitzes in der Saale-Gegend hin, die noch vor der Teilung 1209 stattgefunden hat. Hingegen ist die Familie des Vogtes von Weida allein beteiligt, als es sich 1281 um andere Güter in Zwätzen aus dem Besitz des Burggrafen von Dewin handelt. Der Schwager des regierenden Vogtes von Weida, Rudolf Schenke, genannt von Varila, und seine Gattin Eike von Weida, zu Ehren ihrer Großmutter so genannt, haben die ihnen durch Ulrich von Back geschenkten, aber vom Burggrafen von Dewin abstammenden Güter in Zwätzen angenommen und treten sie dem Deutschritterorden ab. Hierzu gibt allein der Vogt von Weida allein sein Zustimmung.
d) Die Herren von Löbigau können nicht nur der weidaischen Flurmark Löbiger, ehemals anno 1346 Lubechauer, den namen gegeben, sondern auch Löbichau bei Ronneburg gegründet haben, als sie mit ihrem Dynasten erst in Weida und dann weiter östlich im Gau Gera Besitz erhielten.
e) Einen Anklang an Beziehungen kann man weiter aus der Gleichnamigkeit von Lobschütz bei Kahla und Lobschütz, jetzt Lübschwitz, Leobschütz, nordöstlich von Weida, und Wüstung bei Ronneburg, herausfinden, welches die gleichnamigen Herren von Lübschwitz, Vasallen der Vögte von Weida, angeleggt oder nach ihrem Namen umgetauft haben dürften.
f) Wenn die Familie Lubechauer (Löbichauer) in der Saale-Gegend ein Dorf inne gehabt und in der Stadt Jena noch einen Zweig unter den alteingesessenen, ratsfähigen Bürgern zurückgelassen hat, so steht dieser Stadtzweig auf gleicher Stufe mit der Familie Franke (Franco) Martin UB. a.a.O. I 28 anno 1283. Dann könnte man auch rückwärts schließen, dass ein Franke mit dem Herrn von Weida aus der Saale-Gegend in die Elster-Gegend ausgewandert ist und in Wolfersdorf, Wüstung bei Burkersdorf, als homolegius (niederste Stufe der Lehnbarkeit = 6. Heerschild) ein Lehngut des Vogtes innegehabt hat. Das letzte Glied dieses Zweiges, Hermann Franke (Franco), ist mit Gertrud von Kökritz verheiratet und schon 1331 verschieden. Es dürfte demnach eine große Wahrscheinlichkeit sich ergeben haben, dass die späteren Vögte von Weida auf dem Gleisberg bei Bürgel eine Zwischenniederlassung durchgemacht haben. Erkenbert hat aber in Weida eine amtliche Stellung als kaiserlicher Ministeriale innegehabt und zumeist in Weida gewohnt. Daher hieß er Erkenbert de Withaa. Aber da er die Gleisburg im Besitz behielt, behielt er auch den Namen davon, der jedenfalls der Gattin besser zusagte. Als er diese Besitzung veräußerte, hörte auch der Grund für die Fortführung des Titels auf, weshalb sein Sohn Heinrich Probus keinen Grund mehr hatte, sich den Namen Gleisberg beizulegen. Daher hieß er nur Heinricus de Wida, während sein Vater sich Erkenbertus de Wida et Gleissburg nennen durfte. Die Entäußerung der Gleisburg dürfte zeitlich ungefähr mit Erkenberts Gründung der Burg in Weida zusammenfallen.

Wo wohnte Erkenbert?

Die Tatsache, dass die 1. Dynastengeschlechter des Hauses WEIDA sich mit Weib und Kind in der Kirche des St. Veit in Ur-Mildenfurt begraben ließen, dass seit etwa 1162 die Zahl der Beisetzungen, wie Arnold berichtet, sich auffallend mehrt, läßt einen nahegelegenen Wohnort der Familie annehmen. Wo wohnte nun Erkenbert bevor er das neuerbaute Schloß in Neustatd-Weida bezog? Da er das Territorium Weida verwaltete, woran niemand bisher gezweifelt hat, dann hat er höchst wahrscheinlich auch in Weida gewohnt.
 
 
 

 
1120
  oo Jordana Erbin von Gleissberg
       um 1100-27.4.1167/73
 
 
 
 

Kinder:

  Heinrich I. Probus (der Tapfere)
  um 1122- vor 8.9.1193

  Erkenbert II. Herr zu Weida
         - nach 1143
 
  Otto von Osterode
         -   1165/71