Jüngere Tochter des Burggrafen
Konrad II. von Raabs-Nürnberg aus dem
Hause RAABS und der Hildegard (von Vohburg?)
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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10. Agnes
Im Jahre 1249 vermachte Kunigunde von Hirschberg, in 2. Ehe mit Graf
Konrad von Wasserburg vermählt, ihre Güter Ragz, Wikartslage,
Heidenreichstein, Landstein in Austria letztwillig an Freising. Die Erträgnnisse
ihrer Güter Degenperg et Piugen und 60 Pfund Regensburger Münze
ex donatione propter nuptias obvenientium prioris matrimonii mei und aus
der an sie gelangten Erbschaft von ihrem verstorbenen Bruder Gebhard V.
sollten auf Lebenszeit ihrem Gemahl, Graf Konrad von Wasserburg, und nach
dessen Tode ebenfalls Freising zufallen. FRA II 31 n 155. Die Aufzählung
der genannten Güter läßt nicht auf die Abstammung der Mutter
Kunigundes aus dem Hause PEILSTEIN schließen, wie früher angenommen
wurde, sondern beweist das Auftreten der HIRSCHBERGER im Gebiet der
Herren (Grafen) von RAABS in Nieder-Österreich unmittelbar
nach Aussterben der letzteren. Eine enge Verbindung der beiden Geschlechter
und Erbfolge ist also unbedingt anzunehmen. Aus dieser Sachlage hat Karl
Lechner schon 1924 (Geschichte der Besiedlung und der ursprünglichen
Grunbesitzverteilung des Waldviertels, JbLkNÖ N.F. 19, 1924, S. 10-210,
hier S. 150-161, insbeondere S. 156 ff.) den Schluß gezogen, dass
die Mutter der Kunigunde von Hirschberg (vgl. Vorbemerkung des Herausgebers),
eine Tochter des letzten Grafen
Konrad von Raabs war, zumal von ihm außer der Sophie (n 10)
noch mindestens eine weitere Tochter stammen muß, da zu 1175 von
filiae (sic!) die Rede ist. O. Frhr. v. Mitis, Eine Urkunde des Grafen
Konrad von Raabs aus dem Jahre 1175, MIÖG 31, 1910, S. 112-114, hier
S. 114 (Thaya, 18. April 1175). Zwar ist diese Auffassung Lechners, die
sich auf umfangreiche besitzgeschichtliche Untersuchung stützt und
ihn zu einem Altmeister der besitzgeschichtlich-genealogischen Methode
gemacht hat, gelegentlich in Zweifel gezogen worden oder es sind andere
Lösungsvorschläge gemacht worden (vgl. die Arbeiten von Werner
Spielberg, Die Grafen von Piugen und Rebegau, von Hohenberg und von Raabs,
Monatsblätter des Vereines für Landeskunde von Nieder-Österreich
23, 1924 XI. Band 1924/25, S. 79-86; ders., Zur älteren Genealogie
der Burggrafen von Nürnberg, FBPG 37, 1925, Seite 136-145; Die Herkunft
der ältesten Burggrafen von Nürnberg, MIÖG 43, 1929, S.
117-123). Lechner hat seine Ansicht jedoch aufrecht erhalten und weiter
ausgebaut (Die Grafschaft Raabs, JbLKNÖ N.F. 21, 1928 II Heft 3/4
Festschrift Oswald redlich, S. 77-111, hier S. 82 ff; zuletzt. Besiedlungs-
und Herrschaftsgebiete des Waldviertels, Das Waldviertel, 7. Band, Geschichte,
hrsg. von E. Stepan, Wien 1937, II. Buch, S. 3-276, hier S. 57-61, S. 100-101).
Sie ist dann von Hermann Schreibmüller (siehe oben) 1944 übernommen
worden. Zur älteren Literatur noch Joh. Wendrinsky, Die Grafen Raabs,
Bll d. Vereines f. LkNÖ N.F. 12, 1878, S. 97-115, 169-210 (Stammtafel
S. 191), 361-386; ebenda N.F. 13, 1879, S. 118-152; Josef Lampel, Das Gemärke
des Landbuches (4. Forts.) JbLkNÖ N.F. 7, 1908 (1909), S. 1-234 (böhm.-mähr.
und ungar. Grenze); P. Benedikt Hammerl, Aus den Vorarbeiten für ein
Zwettler Urkundenbuch. Monatsblätter des Vereins für LkNÖ
III, 1906/07, S. 257-268. Hier überall die ältere Literatur.
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Karl Lechner: Seite 209
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"Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246"
Um 1191/92 starben die alten Grafen
von Raabs aus. Die ältere Erbtochter, Sophie,
heiratete Graf Friedrich von Zollern, dem sie das Burggrafenamt Nürnberg
in die Ehe mitbrachte. Sie wurde zur Stammutter der brandenburgischen Markgrafen
und preußischen Könige. Im Herbst des Jaheres 1200 verkaufte
sie mit ihrem ältesten Sohn den Markt Raabs, große Besitzungen
in der Umgebung sowie die Grafschaftsrechte an den österreichischen
Herzog Liupold VI. Der westliche Teil des Raabser Hoheitsgebietes kam als
"Grafschaft Litschau" an die jüngere Erbtochter des letzten Grafen
von Raabs und ihren Gemahl, den Grafen Gebhard von Hirschberg.