Sohn des Grafen
Albrich
in Kärnten aus dem Hause
der
LUITPOLDINGER; Großneffe von Markgraf
Luitpold von Bayern
Kapitel 25
Von dem oben erwähnten Herzog Heinrich [von Baiern] aber berichte ich noch einige
gottlose Handlungen, die er als regierender Herr ausgeübt hat,
wobei man beachten mag, daß allem, was ich oben gesagt, nicht zu
widersprechen ist. Den Patriarchen von Aquileja ließ er
entmannen, den Erzbischof [Herold] von Salzburg blenden. Die
Gründe, welche ihn dazu bewogen, will ich nicht anführen,
weil sie zu einer solchen Bestrafung nicht berechtigten, wie ich in
Wahrheit weiß. Als er kurz vor seinem Ende vom Bischof Michael von Regensburg wegen
dieser Gewaltthaten
vermahnt wurde, bekannte er nur in Bezug auf den Patriarchen
gesündigt zu haben, hinsichtlich des Erzbischofs keineswegs; indem
er dabei ganz verkannte, wie selten etwas ohne Fehl ist. Darum fleht
David zu Gott: "Verzeihe mir die verborgenen Fehler!" [Psalm 19, 13].
Heinrichs
Gemahlin Juthitta [Jutta]
war dabei und hörte dies Bekenntniß. Als er darauf starb,
setzte sie seine Leiche in der von ihm erbauten Liebfrauenkirche [zu
Regensburg] mit großer Trauer bei, und suchte alle Vergehungen,
die er, wie sie wußte, oder von anderen erfuhr, im Leben sich
hatte zu Schulden kommen lassen, durch ihre Thränen und
unzählige Almosen zu sühnen. Sie blieb fortwährend
Wittwe; da sie aber den Bischof
Abraham von Freising sehr hoch hielt, ward sie unschuldiger
Weise von der bösen Zunge des Neides mitgenommen. Als sie aber
gestorben war, wurde sie am Tage ihres Begräbnisses von demselben
Bischofe, als er die Messe absang, auf folgende Weise gerechtfertigt.
Vor dem Abendmahle wandte er sich an die Gemeinde, schilderte den
Umstehenden ihre Verdienste, und sagte dann: "Wenn die Verstorbene das
Verbrechen, wegen dessen sie verläumdet ist, jemals begangen hat,
so lasse der Allmächtige das heilsame Gnadenmittel des Leibes und
Blutes seines Sohnes mir zum Gerichte werden und zur verdienten
Verdammniß; ihrer Seele aber zu ewiger Erlösung." Und darauf
genoß er, rein an Körper und Geist, das alleinige Heilmittel
aller Gläubigen. Die Menschen aber glaubten ihm, freilich zu
spät, und hatten ihr mit ihrer ungerechten Herabsetzung nur noch
genützt, obwohl sie ihr hatten schaden wollen.
Spindler Max: Seite 220,299
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"Handbuch der bayerischen
Geschichte.
Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des
12.
Jahrhunderts."
Selbst als Liudolf sich
seinem Vater unterworfen und Verzeihung gefunden hatte, war die
Empörung in Bayern noch nicht beendet; es bedurfte einer erneuten
Belagerung im Frühjahr 955, um Regensburg endlich zu bezwingen,
und weiterer Widerstand mußte dann noch in der
Schlacht bei Mühldorf, vermutlich am 1. Mai 955, gebrochen werden.
Dabei fiel der wohl mit den LUITPOLDINGERN
verwandte Erzbischof Herold von
Salzburg [2 Mitterauer
238.],
der sich nach anfänglichem Schwanken den Aufständischen
angeschlossen
hatte, in die Hände Herzog Heinrichs, der ihn geblendet in die
Verbannung
nach Säben schickte [3
Ann. Iuv. max. (zu 955) 743, Klebel, Salzburgische Geschichtsquelle
(siehe oben 155 Anm. 7) (Probleme 139).].
Erst mit der Schritt für Schritt errungenen Herrschaft über
die Kirche war Arnulfs
Stellung königsgleich; deshalb blieb dieser Rechtsanspruch
auch für Arnulf
eine conditio sine qua non des
921 getroffenen Übereinkommens mit
König HEINRICH I.,
und der Verlust derselben nach Arnulfs Tod
war der entscheidende Schritt zur Aushöhlung der Herzogsmacht.
Schon 938 wurde Erzbischof Herold von
Salzburg von OTTO DEM GROSSEN eingesetzt
[6 Annales ex annalibus Juvavensibus excerpti,
hg. von H. Bresslau (MG SS 30,2) 1934, Seite 743, Z. 13f. Dazu
Bresslau, Salzburgische Annalistik 62; Reindel nr. 93, 188f.], das
heißt Herzog Berthold
war in die Stellung eines Amtsherzogs zurückversetzt.
Literatur:
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Adalberts
Fortsetzung des Regino. in:
Ausgewählte
Quellen zur Deutschen Geschichte Band VIII Wissenschaftliche
Buchgesellschaft
Darmstadt 1977 Seite 210,214 - Beumann,
Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln,
Seite
75-77,82,100,104 -
Glocker Winfrid: Die Verwandten der
Ottonen
und
ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989
Seite 139,151 - Laudage, Johannes: Otto
der Große. Eine
Biographie.
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 148,173,257 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen
im
Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band
123.
Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 Seite 238,245 - Schulze Hans K.: Das Reich und die
Deutschen.
Hegemoniales
Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 177,191 - Schwennicke Detlev: Europäische
Stammtafeln
Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main
1998 Tafel 83
- Spindler Max: Handbuch der bayerischen
Geschichte.
Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des
12.
Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München Seite
220,299 - Störmer Wilhelm:
Adelsgruppen im
Früh-
und hochmittelalterlichen Bayern. Studien zur bayerischen Verfassungs-
und Sozialgeschichte Band IV. Kommission für bayerische
Landesgeschichte
München 1972 Seite 171 - Störmer
Wilhelm: Früher Adel.
Studien
zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich
vom 8. bis 11. Jahrhundert. Teil I und II. Anton Hiersemann Stuttgart
1973
Seite 316, 356 - Thietmar von Merseburg:
Chronik.
Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 78 - Wies, Ernst W.: Otto der
Große, Bechtle
Esslingen 1989, Seite
126,168,219,251 -