Winzer, Hans-Joachim: Seite 17-18,20-22
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"Die Grafen von Katlenburg (999-1106)"

Vorgänger der beiden Brüder Heinrich und Udo ist Graf Sigebert gewesen [9 DO III 67.]. Als dessen Bruder ist Pfalzgraf Dietrich (+ 995) bekannt [10 An quellenmäßigen Belegen für die beiden Brüder fehlt es nicht. Vgl. u.a.. Thietmar IV, 1; IV, 20. DO III 81. UB HH I Nr. 35.]. R. Schölkopf hat diese Brüder in einem genealogischen Zusammenhang mit der Familie des Pfalzgrafen Adalbero gebracht [11R. Schölkopf. a.a.O. Seite 120. H.-D. Starke, Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zur Entstehung des Jüngeren Reichsfürstenstandes. Phil. Diss. Kiel 1953. Seite 17f. schloß sich dieser Meinung an.
Nach R. Schölkopf sähe eine Stammtafel zur Genealogie des Pfalzgrafen Adalbero folgendermaßen aus (siehe ihre Stammtafel):

            Adalbero (Pfalzgraf)

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 Tochter    Folcmar       Rotgard            Dietrich             Sigebert
               (Poppo Bf.   Äbtissin von       (Pfalzgraf)
                v. Utrecht)  Hilwartshausen

So auch schon P. Kurze, Geschichte des sächsischen Pfalzgrafschaft. In: Neue Mitteilungen 17.1889. Seite 304. Vgl. neuerdings: H. Bannasch, Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk (983-1036). Paderborn 1972. Seite 71. Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 12.].
Auf Adalbero folgte im Pfalzgrafenamt Dietrich [1 Vgl. R. Schölkopf, a.a.O. Seite 120. Starke, Diss. Seite 17f]. Dies brachte R. Schölkopf zu der Überlegung, in Dietrich einen möglichen Sohn Pfalzgraf Adalberos zu sehen. Zuletzt vermutetet Drögereit auf Grund verschiedener Indizien, daß Bernwardwie Thankmar Enkel Pfalzgraf Adalberos, väterlicherseits mit den LIUDOLFINGERN versippt gewesen sei [12 R. Drögereit, Bischof Bernward von Hildesheim. In: Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 58. 1960. Seite 7ff.].
So bietet die Überlieferungslage der Bernwardsvita den Ausgangspunkt für eine Hypothese. Diese Hypothese besteht darin, Pfalzgraf Dietrich (+ 995) als Vater Bischof Bernwards und seiner Geschwister anzusehen, also als Schwiegersohn Pfalzgraf Adalberos. Diese Verwandtschaft wprde auch den Übergang der Pfalzgrafenwürde an Dietrich und der Grafschaft Dietrichs an Bischof Bernward und seinen Bruder Thankmar erklären.
Wer die Schwiegermutter Pfalzgraf Dietrichs war, wird von den Corveyer Traditionen gesagt: sie hieß Ida [1 Trad. Corb. III Band 2. Seite 357. A § 309; B § 48.]. Diese Ida schenkte erhebliche Besitzungen an das Reichskloster Hilwartshausen. Als Vogt dieses Klosters ist Pfalzgraf Adalbero bekannt. Äbtissin des Klosters ist Adalberos Tochter Rotegardis gewesen. Erstaunlich ist auch, daß die Essener Äbtissin Mathilde, die direkt nicht mit der Sippe Adalberos verwandt ist, mehrmals für Bischof Bernward und seine Schwester Thietburg als Intervenientin beim Kaiser auftritt [5 DDO III 59,60,253. Vgl. Drögereit, Bernward Seite 7.], gerade auch in den beiden Diplomen mit den Schenkungen der Ida an Hilwartshausen. Mathilde ist die Enkelin Kaiser OTTOS DES GROSSEN und Tochter Herzog Liudolfs von Schwaben und der KONRADINERIN Ida gewesen. Diese Zusammenhänge lassen die Vermutung zu, die Schwiegermutter Pfalzgraf Dietrichs und die Frau Herzog Liudolfs von Schwaben und Mutter Mathildes für identisch zu halten.
Ida ist 957 Witwe geworden. In den beiden Schenkungsurkunden für Hilwartshausen wird Ida 'domna' und 'matrona' gennnat. Diese Schenkungen sind im Jahre 990 vorgenommen worden.
Einen wichtigen Hinweis bieten die Grafschaftsverhältnisse in Hessen. Ida ist die Tochter des KONRADINERSHermann gewesen, der von 926 bis 949 Herzog von Schwaben war. Als Ehemann der Ida ist Liudolf, der Sohn OTTOS DES GROSSEN, als Graf im Hessengau anzutreffen; Ida scheint von ihrem Vater mit konradinischem Besitz in Hessen ausgesteuert worden zu sein, woraus wohl die Schenkungen an Hilwartshausen stammen. Schon ein Jahr nach Liudolfs Tod läßt sich in dieser Grafschaft Adalbero (= Bern) feststellen. So wird es wahrscheinlich, daß Idas zweiter Mann Pfalzgraf Adalbero gewesen ist, denn 994 ist sein Enkel ThankmarGraf im Hessengau. Adalbero ist wohl selbst Schwabe gewesen.
Die Corveyer Traditionen lassen es sogar zu, die Ehefrau Pfalzgraf Dietrichs persönlich namhaft zu machen. So schenkt Dietrich für sich und seine Frau Frideruna an Corvey. Daß hier der spätere Pfalzgraf gemeint ist, zeigt uns die Vita Meinwerci. Denn Azela, die Schwester Bischof Meinwerks von Paderborn, schenkt der Kirche zu Paderborn, was ihr von ihren Erben Sicca und Vertherun zugefallen ist. Sicca ist nur die Kurzform für Sigebert, während Vertherun gleichbedeutend mit Friderun(a)ist. Wenn hier aber Azela als Erbin Sigeberts, des Bruders Pfalzgraf Dietrichs, und Friderunas auftritt, so müssen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen ihnen geherrscht haben.
Wie schon festgestellt worden ist, sind die Grafen von Katlenburg Nachfolger Sigeberts als Grafen im Gebiet des Liesgaues geworden. Dieser Erbweg gibt uns sicherlich das Recht, verwandtschaftliche Beziehungen zwischen ihnen zu vermuten. Wenn nun die stadischen Namen bei den KATLENBURGERN durch den Namen Dietrich völlig in den Hintergrund gedrängt werden [1 In drei aufeinanderfolgenden Generationen wird der Name Dietrich gebraucht.], "Dietrich" geradezu der Leitname der KATLENBURGER wurde, so kann das kaum zufällig sein. Dietrich heißt der Bruder Sigeberts. In ihrer Namentraditionm schlließen sich die KATLENBURGER somit den IMMEDINGERN an, womit cognatische Abstammung von ihnen wahrscheinlich wird. Nach der hier vorgetragenen Ansicht müßte Luder Udo von Stade (+ 994) eine namentlich nicht faßbare Tochter Sigeberts (+ 995) zur Frau gehabt haben. Dies würde auch am besten erklären, warum die IMMEDINGER aus dem Liesgau gänzlich verschwineden.