Vorgänger der beiden Brüder Heinrich
und Udo
ist Graf
Sigebert gewesen [9 DO III 67.]. Als dessen Bruder ist Pfalzgraf
Dietrich (+ 995) bekannt [10 An quellenmäßigen
Belegen für die beiden Brüder fehlt es nicht. Vgl. u.a.. Thietmar
IV, 1; IV, 20. DO III 81. UB HH I Nr. 35.]. R. Schölkopf hat diese
Brüder in einem genealogischen Zusammenhang mit der Familie des Pfalzgrafen
Adalbero gebracht [11R. Schölkopf. a.a.O. Seite 120.
H.-D. Starke, Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zur Entstehung des Jüngeren
Reichsfürstenstandes. Phil. Diss. Kiel 1953. Seite 17f. schloß
sich dieser Meinung an.
Nach R. Schölkopf sähe eine Stammtafel zur
Genealogie des Pfalzgrafen Adalbero folgendermaßen aus (siehe
ihre Stammtafel):
Adalbero (Pfalzgraf)
--------------------------------
---------------------
Tochter Folcmar
Rotgard
Dietrich
Sigebert
(Poppo Bf. Äbtissin von
(Pfalzgraf)
v. Utrecht) Hilwartshausen
So auch schon P. Kurze, Geschichte des sächsischen
Pfalzgrafschaft. In: Neue Mitteilungen 17.1889. Seite 304. Vgl. neuerdings:
H. Bannasch, Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk
(983-1036). Paderborn 1972. Seite 71. Studien und Quellen zur westfälischen
Geschichte 12.].
Auf Adalbero folgte im Pfalzgrafenamt Dietrich
[1 Vgl. R. Schölkopf, a.a.O. Seite 120. Starke, Diss. Seite
17f]. Dies brachte R. Schölkopf zu der Überlegung, in Dietrich
einen möglichen Sohn Pfalzgraf Adalberos zu sehen. Zuletzt
vermutetet Drögereit auf Grund verschiedener Indizien, daß Bernwardwie
Thankmar
Enkel Pfalzgraf Adalberos, väterlicherseits mit den LIUDOLFINGERN
versippt gewesen sei [12 R. Drögereit, Bischof Bernward von
Hildesheim. In: Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische
Kirchengeschichte 58. 1960. Seite 7ff.].
So bietet die Überlieferungslage der Bernwardsvita
den Ausgangspunkt für eine Hypothese. Diese Hypothese besteht darin,
Pfalzgraf
Dietrich (+ 995) als Vater Bischof Bernwards
und seiner
Geschwister anzusehen, also als Schwiegersohn Pfalzgraf Adalberos.
Diese Verwandtschaft wprde auch den Übergang der Pfalzgrafenwürde
an Dietrich und der Grafschaft Dietrichs an Bischof Bernward
und seinen Bruder Thankmar erklären.
Wer die Schwiegermutter Pfalzgraf Dietrichs war,
wird von den Corveyer Traditionen gesagt: sie hieß Ida
[1 Trad. Corb. III Band 2. Seite 357. A § 309; B § 48.].
Diese Ida schenkte erhebliche Besitzungen
an das Reichskloster Hilwartshausen. Als Vogt dieses Klosters ist Pfalzgraf
Adalbero bekannt. Äbtissin des Klosters ist Adalberos Tochter
Rotegardis
gewesen. Erstaunlich ist auch, daß die Essener
Äbtissin Mathilde, die direkt
nicht mit der Sippe Adalberos verwandt ist, mehrmals für Bischof
Bernward und seine Schwester Thietburg
als Intervenientin beim Kaiser auftritt [5 DDO III 59,60,253. Vgl.
Drögereit, Bernward Seite 7.], gerade auch in den beiden Diplomen
mit den Schenkungen der Ida an Hilwartshausen.
Mathilde
ist die Enkelin Kaiser
OTTOS DES GROSSEN und Tochter Herzog
Liudolfs von Schwaben und der KONRADINERIN
Ida
gewesen. Diese Zusammenhänge lassen die Vermutung zu, die Schwiegermutter
Pfalzgraf Dietrichs und die Frau Herzog
Liudolfs von Schwaben und Mutter Mathildes
für identisch zu halten.
Ida ist 957 Witwe geworden. In den beiden Schenkungsurkunden
für Hilwartshausen wird Ida 'domna' und 'matrona'
gennnat. Diese Schenkungen sind im Jahre 990 vorgenommen worden.
Einen wichtigen Hinweis bieten die Grafschaftsverhältnisse
in Hessen. Ida ist die Tochter des KONRADINERSHermann
gewesen, der von 926 bis 949 Herzog
von Schwaben war. Als Ehemann der Ida ist Liudolf,
der Sohn OTTOS DES GROSSEN, als Graf
im Hessengau anzutreffen; Ida scheint von ihrem Vater mit konradinischem
Besitz
in Hessen ausgesteuert worden zu sein, woraus wohl die Schenkungen an Hilwartshausen
stammen. Schon ein Jahr nach Liudolfs
Tod läßt sich in dieser Grafschaft Adalbero (= Bern)
feststellen. So wird es wahrscheinlich, daß Idas zweiter Mann
Pfalzgraf
Adalbero gewesen ist, denn 994 ist sein Enkel ThankmarGraf im Hessengau.
Adalbero ist wohl selbst Schwabe gewesen.
Die Corveyer Traditionen lassen es sogar zu, die Ehefrau
Pfalzgraf
Dietrichs persönlich namhaft zu machen. So schenkt
Dietrich
für sich und seine Frau Frideruna
an Corvey. Daß hier der spätere Pfalzgraf gemeint ist, zeigt
uns die Vita Meinwerci. Denn Azela, die Schwester Bischof Meinwerks von
Paderborn, schenkt der Kirche zu Paderborn, was ihr von ihren Erben Sicca
und Vertherun zugefallen ist. Sicca ist nur die Kurzform
für Sigebert,
während Vertherun gleichbedeutend mit Friderun(a)ist.
Wenn hier aber Azela als Erbin Sigeberts, des Bruders Pfalzgraf
Dietrichs, und Friderunas auftritt, so müssen verwandtschaftliche
Beziehungen zwischen ihnen geherrscht haben.
Wie schon festgestellt worden ist, sind die Grafen
von Katlenburg Nachfolger Sigeberts als Grafen im Gebiet des
Liesgaues geworden. Dieser Erbweg gibt uns sicherlich das Recht, verwandtschaftliche
Beziehungen zwischen ihnen zu vermuten. Wenn nun die stadischen
Namen bei den KATLENBURGERN durch den Namen Dietrich völlig
in den Hintergrund gedrängt werden [1 In drei aufeinanderfolgenden
Generationen wird der Name Dietrich gebraucht.], "Dietrich"
geradezu der Leitname der KATLENBURGER wurde, so kann das kaum zufällig
sein. Dietrich heißt der Bruder Sigeberts. In ihrer
Namentraditionm schlließen sich die KATLENBURGER somit den
IMMEDINGERN
an, womit cognatische Abstammung von ihnen wahrscheinlich wird. Nach der
hier vorgetragenen Ansicht müßte Luder Udo von Stade (+ 994)
eine namentlich nicht faßbare Tochter Sigeberts (+ 995) zur
Frau gehabt haben. Dies würde auch am besten erklären, warum
die IMMEDINGER aus dem Liesgau gänzlich verschwineden.