Schwaben
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1598
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Schwaben
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Herzogtum

I. DER DUKAT IN OTTONISCH-SALISCHER ZEIT

Im Rahmen des in karolingischer Tradition vorgezeichneten politischen Raumes, der den ducatus Alamanniae, Churrätien und das Elsaß umfaßte, bildete sich zu Beginn des 10. Jh. das regnum Suevia als eine der großen das mittelalterliche Reich konstituierenden Provinzen. In den komplizierten Entstehungsprozeß strebten anders als in Sachsen oder Bayern mehrere einheimische Adlige nach der Vorherrschaft in Südwesten des Ostfränkischen Reiches, dessen Leitung in den Händen der schwachen Könige Ludwig das Kind und KONRAD I. lag. Von den durch hohe Funktionen qualifizierten Konkurrentte schied zunächst Pfalzgraf Gozbert aus der Rheinauer Stiftersippe aus, als er 910 im Kampf gegen die Alemannien heimsuchenden Ungarn den Tod fand. Beim Versuch, zum princeps Alamannorum aufzusteigen, scheiterte der HUNFRIDINGER Burchard, Markgraf von Rätien, 911 am Widerstand Bischof Salomos III. von Konstanz als Sachwalter des Königtums. In der Folgezeit bemühten sich der alaholfingische Pfalzgraf Erchanger und Burchards gleichnamiger Sohn (Burchard II.) um eine führende Stellung in Schwaben; der Sieg bei Wahlwies nahe der Königspfalz Bodman über die königliche Partei 915 verschaffte Erchanger die Anerkennung als dux, doch wurde er ein Jahr später getötet, so dass nun der jüngere Burchard in Schwaben zum Zuge kam. Der Thronwechsel von KONRAD I. zu HEINRICH I. begünstigte in Schwaben ähnlich wie in Bayern die Ausbildung einer fürstlichen Position provinzweiten Anspruchs gegenüber dem neuen König, und im Land selbst dürfte Herzog Burchard I. durch die siegreiche Abwehr von Gebietsansprüchen König Rudolfs II. von Hoch-Burgund 919 bei Winterthur seine Autorität befestigt haben. Der Herzog erkannte die Oberhoheit König HEINRICHS an, beanspruchte aber die Verfügung über das Reichsgut in Schwaben und waltete über die traditionellen königlichen Zentren wie Zürich, die Reichsabtei Reichenau und St. Gallen ebenso wie über die Bischofskirchen von Konstanz, Chur und Augsburg, während das Elsaß mit Straßburg damals noch in der Verfügung des westfränkischen Königs war. Doch läßt die Gründung des Nonnenklosters St. Margarethen in Waldkirch im nördlichen Breisgau erkennen, dass der Herzog von Schwaben auch am Oberrhein seine Herrschaft zur Geltung bringen wollte.
Mit dem nach dem Tod Burchards I. 926 eingesetzten KONRADINER Hermann begann die lange Reihe landfremder Herzöge in Schwaben. Hermann I., durch die Heirat mit Burchards Witwe Reginlind in Schwaben verankert, zeichnete sich vor allem durch die Förderung des in den 30-er Jahren gegründeten Kloster Einsiedeln aus, das für die ottonische und früh-salische Zeit zum wichtigen schwäbischen Herzogskloster wurde. In derselben Zeit verdichteten sich durch den Anfall Lothringens an das Ostfränkisch-Deutsche Reich die Beziehungen zwischen Schwaben und dem Elsaß. Als wirtschaftlich bedeutsame Zentren in Schwaben erscheinen im 10. Jh. die königlich-herzoglichen Münzstätten Zürich und Breisach, und unter Hermanns Nachfolger Liudolf (+ 957), Sohn König OTTOS I., kam noch Eßlingen hinzu. Damit rückte erstmals in ottonischer Zeit der innerschwäbische Raum wieder ins Blickfeld. In die wegen Liudolfs Rebellion nur kurze Phase der unmittelbaren Bindung Schwabens an das Königshaus fiel der Augsburger Gerichtstag gegen Graf Guntram vom Oberrhein (952), durch den das Königtum die Verfügung über umfangreiche Rechte im Südwesten des Reiches zurückgewann. Von 954 bis 973 hatte der HUNFRIDINGER Burchard II. den schwäbischen Dukat inne; zusammen mit seiner Frau Hadwig, Schwester Herzog Heinrichs II. von BAYERN, gründete er auf dem Hohentwiel, dem seit Beginn des 10. Jh. für den schwäbischen Dukat bedeutsamen Burgberg in der Nähe von Bodman, ein Georgs-Kloster.
Nach 973 gab es für zwei Jahrzehnte zwei herzogliche Gewalten in Schwaben nebeneinander, einerseits die auf dem Hohentwiel, St. Gallen, die Reichenau und auf den nördlichen Breisgau gestützte Herrschaft der "dux" Hadwig (+ 994), andererseits den Dukat von Liudolfs Sohn Otto (+ 982) und des KONRADINERS Konrad (982-997). Dieser hat sich ebenso wie sein ihm nachfolgender Sohn Hermann II. (+ 1003) auf das auch in der herzoglichen Titulatur neben Schwaben genannte Elsaß gestützt; Straßburg ist damals als "Hauptstadt" des Herzogtums bezeugt. Unter König HEINRICH II., gegen den Hermann II. für den Thron kandidiert hatte, geriet Schwaben dank der Minderjährigkeit von Hermanns gleichnamigen Sohn (1003-1012) in starke Abhängigkeit von der Zentralgewalt, und dies gilt ebenso für die Zeit des kurz amtierenden BABENBERGERS Ernst I. und dessen unter der Kuratel Erzbischof Poppos von Trier gestellten Sohn Ernst II. Mit dem Regierungsantritt König KONRADS II. ergab sich eine durch den gemeinsamen Anspruch auf Burgund hervorgerufene Konfliktsituation zwischen König und schwäbischen Herzog, die erst mit dem Schlachtentod des rebellierenden Ernst 1030 endete. In dieser Auseinandersetzung trat Ulm als Platz des schwäbischen Herzogtums zum ersten Mal in den Vordergrund, womit eine bis in die späte STAUFER-Zeit wirksame Tradition begründet wurde.
Nach der Amtszeit von Ernsts II. Bruder Hermann IV. (1030-1038) wurde Schwaben bis 1045 von König HEINRICH III. verwaltet; unter ihm verdichtete sich die bereits seit der Jahrtausendwende zu beobachtende stärkere Einbeziehung Schwabens in die Königsherrschaft, wodurch dessen Funktion in ottonischer Zeit als bloßes Durchgangsland nach Italien abgelöst wurde. Im selben Zeitraum wuchs die Bedeutung von Konstanz als Bischofskirche und als ein Vorort in Schwaben. Nach kurzen Dukaten des EZZONEN Otto II. und des BABENBERGERS Otto III. begann 1057 mit den schwäbischen Adligen Rudolf von Rheinfelden eine neue Phase des Herzogtums Schwaben, die durch die adelsherrschaftliche Verankerung des Herzogtums im Land geprägt ist. Allerdings bauten zur gleichen Zeit im Bodenseeraum und Inner-Schwaben und die schwäbischen Hochadelsgeschlechter der WELFEN und BERTHOLDE (später ZÄHRINGER) bedeutende Herrschaftspositionen auf. Die Vertreter dieser drei Familien, alle herzoglichen Ranges, gerieten in Konflikt mit König HEINRICH IV. und wurden in Reaktion auf die Wahl Herzog Rudolfs von Schwaben zum Gegenkönig 1077 in Ulm geächtet. Als 1079 sowohl Graf Friedrich von Staufen durch HEINRICH IV. als auch Berthold von Rheinfelden, Sohn König RUDOLFS, auf Initiative Welfs I. den Dukat Schwaben erhielten, begann ein fast 20-jähriges politische Schisma der salischen und antisalischen Partei in Schwaben, vielerorts mit einem kirchlichen Schisma verbunden. Damals wurde Schwaben neben Sachsen zum Zentrum des antisalischen Widerstands, kirchlicherseits vor allem durch Bischof Gebhard III. von Konstanz, zeitweise päpstlicher Legat, repräsentiert. Klösterliche Reformzentren wie St. Blasien, Hirsau und Schaffhausen strahlten weit über Schwaben hinaus. Erst 1098 wurde durch den Verzicht des im Breisgau herrschaftlich verankerten ZÄHRINGERS Berthold II. auf den schwäbischen Dukat zugunsten Herzog Friedrichs I. und mit der Abtretung des nobilissimum oppidum Sueviae Zürich (Otto von Freising) an Berthold eine Konfliktlösung gefunden, die allerdings die Ausbildung des später durch das Rektorat über Burgund erweiterten "Ersatzherzogtums" Zähringen im Westen Schwabens zur Folge hatte; zu ihm trat seit den 40-er Jahren des 12. Jh. moch das nördlich des Bodensees konzentrierte Territorialherzogtum Welfs IV. als dritte, die Geschichte Schwabens prägende Größe hinzu.

II. SCHWABEN AUF DEM WEG ZUM STAUFISCHEN TERRITORIUM

Mit dem Doppelherzogtum und seiner Nachwirkung im 12. Jh. wurde der Grund für den Prozeß der Territorialisierung Schwabens und seiner allmählichen Lösung aus dem vorgegebenen Provinzialrahmen gelegt, dem allerdings von Beginn an der zentrale Vorort gefehlt hatte. Zwar blieb der traditionelle Anspruch des Herzogs auf ganz Schwaben aufrechterhalten und fand seinen örtlichen Bezug weiterhin in dem traditionsstarken Ort Ulm, neben dem auch Rottweil, später Sitz eines königlichen Hofgerichts, eine wichtige Rolle spielte, doch konzentrierte sich die Herrschaft der staufischen Herzöge von Schwaben, darunter vor allem Friedrichs II. (1105-1147), auf die Ausbildung eines auf Burgen, Städten, Hausgut und Vasallität beruhenden Territoriums, das im Bereich ihrer namengebenden Burg und im Elsaß mit den Hauptorten Schlettstadt und Hagenau verankert war. Mit der Wahl des schwäbischen Herzogs Friedrich III. zum König 1152 wuchs Schwaben eine neue, zukunftsweisende Funktion im Reich zu. Zwar amtierte zunächst der übergangene gleichnamige Sohn KONRADS III. als Herzog von Schwaben (Friedrich von Rothenburg), doch bezog bereits damals FRIEDRICH I. Schwaben massiv in die staufische Königsherrschaft ein. Seit 1167 verfügten die staufischen Herrscher dann über Schwaben als eine Art Sekundogenitur-Fürstentum. Schwaben wurde "Teil der Gesamtgeschichte des staufischen Hauses und Teil des Gesamtkomplexes seiner Besitzungen und Rechte" (H. Maurer). Diese wurden durch den Anfall des Erbes der süddeutschenWELFEN, aber auch der Pfullendorfer uns Lenzburger Grafen im 13. Jh. durch Teile des ZÄHRINGER-Erbes erheblich vermehrt. Aus der Mitte des 12. Jh. stammt ein bemerkenswertes Zeugnis des Zusammengehörigkeitsbewußtsein der Grafen und freien Herren Schwabens, als diese sich im Zusammenhang mit der Frage der Zugehörigkeit des Grafschaft Chiavenna zum schwäbischen Herzogtum in Ulm 1157 den honor ducatus Sueviae gegenüber Kaiser FRIEDRICH I. angelegen sein ließen.
Als dieser Dukat Schwaben, zu dem nun auch Güter außerhalb der alten Provinzialgrenzen zählten, 1198 mit der Wahl Herzog Philipps von Schwaben zum König Kronland wurde, begann eine neue Phase noch engerer Bindung Schwabens an das staufische Herrscherhaus und langfristig betrachtet an Königtum und Reich schlechthin. So wurde Schwaben offensichtlich auch zum Verhandlungsgegenstand zwischen König PHILIPP und König OTTO 1207, und nach der Ermordung König PHILIPPS 1208 wandte OTTO dem Herzogtum seine besondere Aufmerksamkeit zu. 1212 reklamierte FRIEDRICH II. als STAUFER und König das Herzogtum und verwaltete es zunächst selbst, bis er 1216/17 es seinem Sohn HEINRICH offensichtlich als Vorstufe zum Königtum überließ. Auch als König behielt dieser Schwaben in seiner Verfügung ebenso wie später König KONRAD IV.; der diesem bisweilen zugesprochene Titel "rex Sueviae" dokumentiert die untrennbare Verflechtung von Königswürde und schwäbischem Herzogtum. In Zeiten direkter Unterstellung unter die Krone wurde Schwaben nun als Gesamtheit der staufischen Rechte und Güter zu verstehen, durch zumeist ministeriale Prokuratoren verwaltet. Die enge Verbindung Schwabens mit der Zentralgewalt wird auch darin deutlich, dass 1246 der Gegen-König HEINRICH RASPE dem STAUFER-König KONRAD IV. das Herzogtum aberkannte, und aus demselben Grund beanspruchten die Könige WILHELM VON HOLLAND, ALFONS VON KASTILIEN und RICHARD VON CORNWALL Schwaben; dieser reklamierte 1262 gegenüber den letzten STAUFER Konradin sogar ausdrücklich Schwaben als ein seit langem inkorporiertes Glied des Reiches. Als Konradin in seiner Eigenschaft als dux Sueviae 1259 dem Grafen von Württemberg das Marschallamt für das ganze Herzogtum Schwaben verlieh, wurde einmal mehr der überkommene provinziale Charakter Schwabens urkundlich angesprochen; das schwäbische Hofanmt aber fiel gerade jenem südwestdeutschen Hochadelsgeschlecht zu, da sim der Schlacht zwischen KONRAD IV. und HEINRICH RASPE bei Frankfurt 1246 die staufische Seite verlassen und damit die Niederlage des STAUFERS besiegelt hatte. Damals soll sich Graf Ulrich I. von Württemberg von Papst Innozenz IV. das Herzogtum Schwaben haben versprechen lassen.

III. SCHWABEN IN NACHSTAUFISCHER ZEIT

Mit dem Tod Herzog Konradins 1268 endete auch die Geschichte des ohnehin inzwischen dem reich eingegliederten Herzogtum als Institution, Schwaben existierte als Land in staufisch geprägter Tradition fort. Dieses Land erstreckte sich nun vom Bodensee/Hochrhein bis zum unteren Neckar und nach Franken hinein; sowohl die Gebiete südlich des Rheins als auch der Breisgau und das Elsaß gehörten landschaftlich nicht mehr dazu. Die ehemaligen staufischen Reichsrechte und -güter wurden von König RUDOLF I. aus dem im schwäbisch-burgundischen Grenzraum stammenden Haus HABSBURG revindiziert und in Vogteien organisiert, in der territorial dichteren Landvogtei Oberschwaben südlich der Donau und in der erheblich lockeren niederschwäbischen Landvogtei nördlich von ihr; außerdem bildeten die Reichsstädte, an der Spitze Ulm und Augsburg, einen wesentlichen Bestandteil des Landes Schwaben. Durch die aufblühende Wirtschaft (Tuchhandel und Salzproduktion) gewannen sie kontinuierlich an Bedeutung und profilierten sich politisch im Schwäbischen Städtebund von 1376-1389 un 1438-1445. Seit dem 14. Jh. machte sich die schwäbische Ritterschaft als wichtiger Faktor geltend, vor allem durch die Gesellschaft mit St. Jörgenschild.
Zur Sicherung der habsburgischen Hausmacht im deutschen Südwesten versuchte König RUDOLF I., das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen und seinem gleichnamigen Sohn zu übertragen, scheiterte aber am Widerstand des Grafen von Württemberg, und ebenso mußte auf Einspruch Kaiser KARLS IV. hin Herzog Rudolf IV. von Österreich, der nach der Mitte des 14. Jh. als Landvogt in Schwaben wirkte, seinen Anspruch auf die schwäbische Herzogswürde aufgeben. Auch der dritte habsburgische Versuch, 1474 von Herzog Siegmund von Tirol unternommen, stieß auf Widerstand. Denn Kaiser FRIEDRICH III. fürchtete die Entfremdung der inzwischen formierten schwäbischen Stände vom Reich. Die unmittelbare Bindung des "Landes zu Schwaben" an das Reich wurde denn auch in dem Gründungsmandat des von FRIEDRICH III. und den schwäbischen Ständen gegen die wittelsbachische Hegemoniebestrebungen 1487 initiierten Schwäbischen Bundes ausdrücklich betont. Erst Kaiser MAXIMILIAN I. gelang es, Reichspolitik und habsburgische Territorialpolitik in Personalunion zu betreiben; seit 1510 nannte er sich zur Bezeichnung seiner Stellung in Vorderösterreich "Fürst in Schwaben". Auch in der spätmittelalterlichen Geschichte der anderen territorialen Großmacht im deutschen Südwesten, der Grafen von Württemberg, kam der schwäbischen Herzogswürde Bedeutung zu: Nach 1477 plante Kaiser FRIEDRICH III. im Rahmen der habsburgischen Westpolitik, die WÜRTTEMBERGER zu Herzögen in Schwaben zu erheben. Allerdings wurde Graf Eberhard V. im Bart 1495 zum Herzog von Württemberg und nicht von Schwaben erhoben.
Trotz der Nichterneuerung des Herzogtums nach dem Ende des staufischen Hauses blieb die herzogliche Tradition in Schwaben vornehmlich im Rückgriff auf die STAUFER (stafisches Dreilöwenwappen als heraldisches Symbol Schwabens) wach; andererseits vermochten sich vielleicht gerade wegen der fehlenden politischen Einheit variierende "Landesmodelle" (K. Graf) der Fürsten, Adligen, Städter und Humanisten über Schwaben zu entwickeln, zum Teil im Rückgriff auf die Antike. Zukunftweisend wurden die Begriffe Schwaben und Württemberg damals weitgehend austauschbar; dabei galt die von dem Humanisten Heinrich Bebel gerühmte patria Suevia als eine das Territorium überhöhende politisch-kulturelle Größe.

Literatur:
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Chr. Fr. Stälin, Wirttemberg. Gesch., I-III, 1841/47/56 - K.S. Bader, Der dt. SW in seiner territorialstaatl. Entwicklung, 1950, 1978² - H. Büttner. S. und Schweiz im frühen und hohen MA (VuF 15, 1972) - K. Schmid, Adel und Reform in S. (VuF 17, 1973), 295-319 - Th. Zotz, Der Breisgau und das alem. Hzm. (Vuf Sonderbd. 15, 1974) - H. Maurer, Der Hzg. v. S., 1978 - H.-G. Hofacker, Die schwäb. Reichslandvogteien im späten MA, 1980 - H. Keller, Reichsstruktur und Herrschaftsauffassung in otton.-frühsal. Zeit, FMASt 16, 1982, 74-128 - D. Mertens, "Bebelius ...patriam Sueviam ... restituit". Der poeta laureatus zw. Reich und Territorium, Zs. für württ. Landesgesch. 42, 1983, 145-173 - H. Binder, Descriptio Sueviae. Die ältesten Landesbeschreibungen S.s, ebd. 45, 1986, 179-196 - H.-G. Hofacker, Die schwäb. Hzg.swürde, ebd. 47, 1988, 71-148 - Die hist. Landschaft zw. Lech und Vogesen, hg. P. Fried-W.-D. Sick, 1988 - K. Graf, Aspekte zum Regionalismus in S. und am Oberrhein, Historiographie am Oberrhein im späten MA und in der frühen NZ, 1988 - V. Press, Vorderösterreich in der habsb. Reichspoliti des späten MA und der frühen NZ (Vorderösterreich in der frühen NZ, hg. H. Maier-V. Press, 1989) - K. Graf, Das "Land" S. im späten MA, Regionale Identität und soziale Gruppen im MA (ZHF Beih. 14, 1992), 127-164 - W. Baum, Die Habsburger in den Vorlanden 1386-1486, 1993 - D. Mertens, Württemberg, Hb. der bad.-württ. Gesch. II [im Dr.].


Das Herzogtum Schwaben erwuchs aus dem alemannischen Stammesgebiet (Sueben) und umfaßte die deutschsprachige Schweiz, Elsaß und Teile Badens, Württembergs, Bayerns; 496 fränkisch, 1096-1268 staufisch, danach Zerfall des Herzogtums; 1376/79 schlossen sich Reichsstädte als Schwäbischer Städtebund zusammen; 1488-1533 bestand der Schwäbische Bund.

Trillmich Werner:  Seite 108,111
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Schwaben ähnelte Bayern an Volkszahl und Größe, nicht an innerer Geschlossenheit. Geographische Schranken wie Schwarzwald, Jura, Alb und Alpen begünstigten die kulturelle, wirtschaftliche und politische Sonderentwicklung von Teilgebieten. Rhein und Donau führen in entgegengesetzte Richtungen. Im 3. Jahrhundert siedelten die vom Main her südwärts einrückenden Alemannen zwischen Schwarzwald, Hochrhein, Bodensee, Iller und Wörnitz an. Vom Kraichgau aus gewannen sie Ortenau und Breisgau hinzu, deren feuchte Niederungen nur geringen Wert besaßen. Nach 406 wurden Elsaß und Badener Land erobert. An der Straße nach Gallien gelang ein kraftvoller Vorstoß in die Burgundische Pforte. Andere Scharen besetzten von Baar und Hegau aus das Alpenvorland links des Hochrheins, von Oberschwaben aus den Raum zwischen Iller und Lech. Dann gab es Rückschläge. Das nördliche  Stammesgebiet bis an Oos, Asperg und die Höhen hinter Ellwangen ging 496 an die Franken verloren. In Rest-Schwaben geboten seit 536 fränkische Amtsherzöge, die bald im Lande verwurzelten, aber ihr Streben nach Unabhängigkeit wurde 746 blutig erstickt. Konfiskationen ermöglichten den KAROLINGERN die Einleitung einer gegen Bayern gerichteten Kolonisation auf Fiskalboden. Schwaben besaß damals vornehmlich militärische Bedeutung als Aufmarschraum gegen die Nachbarn und als Zugang zu den Alpenpässen. Im 9. Jahrhundert brachte Hoch-Burgund die südwestlichen Gaue links der Reuß und unteren Aare in seine Gewalt.
Eingebettet zwischen Schwarzwald, Alb und Keuperberge nördlich der Rems liegt, dank klimatischer Vorteile dicht besiedelt, das bergige Stufenland am oberen Neckar, das nach Westen hin fruchtbare, zum menschenleeren Schwarzwald ansteigenden Plateaus übergeht. Rechts vom Neckar führen tief eingeschnittene Täler auf die wasserarme Hochfläche der Alb, deren leicht zu beackernde Verwitterungsböden früh besiedelt wurden. Ihre Kuppen beweideten Rinder und Schafe. Die flache Abdachung nahmen Haufendörfer mit großbäuerlichen Anwesen ein. Das felsige Erosionstal der oberen Donau wurde gemieden. Siedlungen folgten der Straße in den Hegau durch die mehr als 700 m hohe Baar. Weiter im Osten führt die unbequeme Geislinger Steige Reisende zu den Donaufurten bei Ulm und Günzburg und weiter nach Augsburg. Alemannische Vorposten nördlich des Stromes erreichten das Ries.
Schabens Kernraum war der Hegau zwischen Schaffhausen und Überlingen am unteren Bodensee, Konstanz, sein bedeutendster Handelsplatz. Die Ergiebigkeit des sehr milden Landstrichs kennzeichnet der Inselname Reichenau. In Oberschwaben, dem von kleinen Seen und Mooren durchsetzten Gebiet zwischen Bodensee und Lech, wechseln lehmige, für Ackerbau geeignete Böden und Sande miteinander ab. Am unteren Schussen, Argen und auf beiden Seiten der Iller lagen volkreiche Gaue. In der Nähe des Alpenrandes mehren sich Wälder und Wiesen. Bei Hohenems im Rheintale endete die alemannische Besiedlung. Unerschlossen wie der Bregenzer Wald waren die Appenzeller Alpen samt den Churfirsten. Das sanft  hügelige Land zwischen Bodensee und Reuß nimmt der fruchtbare Thurgau ein. Noch wahrten am Fuße der Berge Klöster wie St. Gallen und Einsiedeln ihre Einsamkeit, doch förderten sie auch die Besiedlung. Zur langsamen Erschließung alpiner Täler bis an den Gotthard kam es seit dem 9. Jahrhundert. Die Kleingaue westlich vom Hegau blieben kirchlich und politisch dem Bodensesraum verbunden auch der über den Schwarzwald hinweg schwer erreichbare, oberrheinische Breisgau, dessen Schwemmland nur in geringem Maße genutzt wurde, doch die Dörfer am sonnigen, lößbedeckten Kaiserstuhl erzielten bedeutende landwirtschaftliche Erträge.
Bevor die Franken das Land zwischen Iller zu einer die Grenzen verwischenden Klammer zwischen Bayern und Schwaben machten, lagen die wenig zahlreichen alemannischen Ortschaften meist an Römerstraßen. Um die schwäbischen Gaue links der Donau in der östlichen Alb, im Ries, an der oberen Rems, Jagst und Kocher fest mit Rheinfranken zu verbinden, wurden auch von den Günzburg und Donauwörth ausgehenden Straßen Könisgsfreie auf Fiskalgut angesiedelt, Klöster in Ellwagen und Feuchtwangen errichtet, Lorsch und Fulda mit Grundbesitz ausgestattet.
Als zu Beginn des 10. Jahrhunderts magyarische Raubzüge S-Deutschland heimsuchten, war keins der in Schwaben ansässigen Adelsgeschlechter, die nach der Herzogswürde strebten, stark genug, den Stamm kraftvoll zu führen. Der Aufbau einer neuen politischen Oednung ging vom volksfremden Süden aus. In Rätien, oberhalb von Bregenz, siedelten Romanen. Sehr bequem war der Aufstieg vom Bodensee aus durch das obere Rheintal, in das bei Sargans eine von Basel und Zürich kommende Route einmündete, auf der man allerdings zur Überquerung des von Steilufern umschlossenen Walensees auf Bootsverkehr angewiesen war. Unter den Alpenpässen wurde der Septimer trotz seiner Höhe von 2311 m bevorzugt. Der Abstieg von ihm zum Comersee ist kurz und ungefährlich. Kirchlich unterstanden Rätien, Engadin und der östlich von Fuornpaß gelegene Vintschgau bis nach Mearn dem Bistum Chur. Da das obere Etschtal von Westen her schwer erreichbar war, kam es dort zu bayerischer Landnahme und politischen Übergriffen von Inntale her. Fränkischer Oberhoheit unterstand Rätien seit 536, aber nur zögernd und in geringer Zahl stießen Alemannen und fränkische Grundherren in größere Höhen vor. Bei Rankweil galten um 820 noch römisches und alemannisches Recht gleichberechtigt nebeneinander. Zur geistlichen Betreuung der Einwohner und Förderung der Kolonisation entstand in der Einsamkeit des Vorderrheintals um 728 Kloster Disentis. Um 780 wurde Pfäfers gegründet und im Blick auf den Vintschgau Müstair. Seit KARL DEM GROSSEN überwachten Markgrafen aus dem Geschlecht der fränkischen HUNFRIDINGER das strategisch so wichtige Durchgangsland. Das Bistum Chur wurde 843 von der Erzdiözese Mailand gelöst und Mainz unterstellt.
Viele schwäbische Adelssippen führten ihren Ursprung auf das 746 beseitigte Herzogshaus oder auf fränkische Geschlechter zurück. An den Geschicken des Reiches nahmen sie wenig Anteil. Ihre Leistungsfähigkeit sollte sich erst in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts auswirken, als ihnen der Investiturstreit im Kampf gegen die Krone neue Ziele wies. Vorerst stand man dem Königtum meist recht freundlich abwartend gegenüber in der Meinung, der ferne Herrscher sei einem starken Herzogtume vorzuziehen. Die KAROLINGER hatten im ausgehenden 8. Jahrhundert Verwaltung und militärische Sicherung Herren aus dem Maas-Moselraume übertragen und sie reichlich mit Amtslehen aus konfiszierten Herzogsgut ausgestattet. Eheschließungen erleichterten der schwäbischen Oberschicht die Aussöhnung mit den landfremden Standesgenossen, deren stattlicher Besitz durch Usurpation von Leihgut und kolonisatorische Maßnahmen rasch anwuchs.
Hermann I. (926-949), ein landfremder KONRADINER eröffnete die Reihe schwacher Lehnsträger, die in Schwaben nur über geringes Amtsgut und wenig eigene Vasallen verfügten, so dass sie der Krone nicht gefährlich werden konnten. Obwohl ihm die Ehe mit der Witwe Burkhards I. Allodien, eine gewisse erbrechtliche Legitimität und Anhänger im einheimischen Adel verschaffte, blieb er vom Wohlwollen der LIUDOLFINGER abhängig, so dass ihm OTTO I. unbedenklich auch die Verwaltung des Elsaß übertrug. Um schließlich selbst Herr der rätischen Pässe zu werden, vermählte der König Ida, des Herzogs Tochter, mit dem Thronfolger Liudolf, der nach dem Tode des Schwiegervaters dessen Amt erhielt (950-953), bis er eigene Ziele in der Lombardei zu verfolgen begann. Die Wacht in den Alpen übernahm damals das reich mit Schenkungen bedachte Bistum Chur. Nach dem Tode des letzten HUNFRIDINGER Herzogs und Ottos (973-982), des ebenfalls erbberechtigten, kinderlosen Sohnes Liudolfs, fiel Schwaben an die KONRADINER zurück. Auch ihnen gelang es nicht, die herzogliche Macht wesentlich zu verstärken, obwohl Konrads (982-997) Sohn Hermann II. (997-1003) durch seine Ehe mit der burgundischen Prinzessin Gerberga eine für das Reich nicht ungefährliche Verbindung einging. Für die Bewerbung um den Thron erwiesen sich seine Mittel 1002 als völlig unzureichend. Hermann III. (1003-1012) verlor das Elsaß. 1006 kam die Rückkehr der Bischofs- und Handelsstadt Basel ins Reich nicht ihm, sondern allein dem Herrscher zugute. Als der Herzog starb, übertrug HEINRICH II. seine Ämter und Lehen dem österreichischen BABENBERGER Ernst (1012-1015), der sich mit des Verstorbenen Schwester Gisela vermählte, aber nach 3 Jahren auf der Jagd verunglückte. Ihm folgte sein unmündiger Sohn Ernst II. (1015-1030) unter der Vormundschaft des Oheims Poppo von Trier. Seine verläßlichsten Vasallen saßen wohl nördlich der Donau, in der Baar, am Osthange des Schwarzwaldes.
Die Masse des karolingischen Königsguts in Schwaben war der Krone durch Vergabung, Allodialisierung und Usurpation nahezu vollständig entglitten. liudolfingische Herrscher besuchten den Südwesten des Reiches nur selten. Auf Verlehnung oder Erschließung der reichlich vorhandenen Wälder und Forsten des gebirgigen Landes besaßen sie kaum Einfluß. Nutzbares Krongut gab es in geringem Umfange um Donauwörth, Reutlingen, Rottweil, Ulm und am Oberrhein. Eine Pfalz, die den Hof für längere Zeit ernähren konnte, besaß der König nur in Zürich, wo sich die Straßen von Basel nach Rätien und von Solothurn an den Bodensee kreuzen. Der Wichtigkeit dieser Ländereien in Grenznähe war man sich wohl bewußt, seitdem Aussichten auf die baldige Angliederung Burgunds bestanden.

Schwäbische Gaue
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bei Paul Friedrich Stälin "Geschichte Württembergs" Seite 137-145