Gegen Wido wandte sich Hugo
zunächst und belagerte seine Burg Vignola am Panaro, ohne damit
etwas auszurichten, denn inzwischen lud der von ihm schwer verletzte, ja
mit dem Tode bedrohte Erzbischof Arderich von Mailand Berengar
von Verona in seine Stadt ein. Traurig kehrte Hugo
nach seiner Hauptstadt Pavia zurück, wo sein Hof sich leerte
und Alles zu seinem Widersacher nach Mailand strömte, um Gnaden aus
dessen Hand zu empfangen. Indem der König seine Sache verloren gab,
hoffte er doch die Krone seinem Sohne noch zu retten, der ja längst
siedem Namen nach mit ihm teilte und an allen Staatsakten scheinbar mitwirkte,
in der Tat aber kaum erst zum Jünglinge herangewachsen war. Lothar
begab sich also etwa im April in die Mitte der Empörer nach Mailand,
um vor ihnen seine Unschuld an den Vorwürfen zu beteuern, die man
gegen seinen Vater erhob; Hugo gedachte
inzwischen mit seinen Schätzen nach Burgund sich zurückzuziehen
und dort seine Zeit abzuwarten. Der junge, schuldlose König, den man
in der ehrwürdigen Ambrosiuskirche vor dem Kreuze niedergestreckt
fand, erregte in der Tat das Mitleid seiner bisherigen Vasallen und man
beschloß, ihm den Besitz der Krone zu lassen, indem
Berengar
wieder
eingesetzt in die Markgrafschaft Ivrea neben ihm als Teilhaber der höchsten
Gewalt stehen sollte. Berengar
lenkte
den Arm des jungen Königs und rief seine Verfügungen hervor,
wie das die Urkunden der nächsten Zeit beweisen. Natürlich begünstigte
und förderte er vor allem seinen Anhang.
Berengar, indem er
sich die Fortführung von Lothars
Königtum gefallen ließ, hatte seine Anhänger zugleich veranlaßt,
auch an
Hugo Boten zu entsenden und
ihn wiederum zur Übernahme der Herrschaft zu vermögen. Er fürchtete
nämlich, daß dieser mit Hilfe der mitgenomemnen Schätze
leicht von der Provence aus ihm einen Krieg erwecken könne, und wollte
ihn lieber unter seinen Augen behalten. So kehrte noch im Sommer scheinbar
alles in das alte Gleis zurück,
Hugo
und Lothar führten nach wie vor
ohne Macht demn königlichen Namen und ihr siegreicher Nebenbuhler
begnügte sich mit dem bescheidenen Titel eines obersten Ratgebers.
Mit dem Patricius Alberich wurde unter
Agapitus II.,
der kurz zuvor den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, nach dem Tode
Marinus II.,
endlich 946 Friede geschlossen, die Marken Spoleto und Camerino erhielt
Bonifacius, der Sohn Hubalds, ein Schwiegersohn des
Königs
Rudolf I. von Burgund.
Berengar
zeigte sich von der vorteilhaftesten Seite und wußte alle Herzen
durch Güte und Freigiebigkeit zu gewinnen, so lange er das höchste
Ziel noch nicht vollständig erreicht hatte. Hugo,
der traurigen Rolle, zu der verurteilt worden, überdrüssig, zog
sich 946 in der Tat in die Provence zurück,. Wo er sich an Raimund
von Aquitanien einen Besitand für die Wiedereroberung seines Reiches
werben wollte, allein ehe es zu weiteren Versuchen gekommen war, ereilte
den König am 10. April 947 in Arles der Tod.
Die italienische Gesandtschaft, welche am Aachener Hofe
eintraf, legt Zeugnis dafür ab, daß die Regierung Lothars
und
Berengars
die guten Beziehungen zu erhalten oder wiederherzustellen suchte, die unter
Hugo bestanden hatten. In den Verhältnissen
jenseits der Alpen war insofern eine wichtige Veränderung eingetreten,
als der junge König sich im im Jahre 947 mit der ihm längst von
seinem Vater bestimmten Braut, der damls 16-jährigen burgundischen
Prinzessin Adelheid vermählte.
Ging auch zunächst aus dieser Ehe nur eine Tochter,
Emma,
hervor, so war doch damit die Aussicht auf einen Thronerben und für
Lothar
ein
Antrieb gegeben, sich aus der drückenden Bevormundung des Markgrafen
Berengar zu befreien
Das Jahr sollte nicht zu Ende gehen, ohne einen zunächst
anscheinend unwichtigen in seinen Folgen höchst verhängnisvollen
Thronwechsel herbeizuführen. Der junge König
Lothar von Italien, nachdem er soeben in Turin dem Markgarfen
Arduin daselbst, einem burgundischen Emporkömmlinge, die Abtei Breme
in der Lomellina geschenkt hatte, starb dort plötzlich am 22. November
und wurde von der trauernden Witwe, die ihm nur wenig über drei Jahre
verbunden gewesen, zu Mailand in einer dem heiligen Georg geweihten Kapelle
der Ambrosiuskirche beigesetzt.