Konstanze I.                                              Fürstin von Antiochia (1130-1163)
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1126-   1163/67
 

Einziges Kind des Fürsten Bohemund II. von Antiochia und der Alice von Jerusalem, Tochter von König Balduin II.
 

Konstanze I. trat hinter ihren Männern zurück.
 
Steven Runciman: Seite 635-637,650-651,663-665,669
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Raimunds Tod ließ die Fürstin Konstanze mit 4 kleinen Kindern zurück. Der Thron war nach Recht und Gesetz der ihre; doch fand man, in Zeiten wie diesen müsse ein Mann regieren. Ihr ältester Sohn Bohemund III. war beim Tod seines Vaters 5 Jahre alt. Bis zu seiner Großjährigkeit mußte ein männlicher Regent bestellt werden. Der Patriarch Aimery hatte im Augenblick höchster Gefahr die Regierungsgewalt übernommen; aber in weltlichen Kreisen schätzte man den Gedanken einer geistlichen Regentschaft nicht. Es war klar, dass die junge Fürstin sich wieder verheiraten mußte. In der Zwischenzeit war der rechte und geeignete Regent ihr Vetter Balduin, und zwar weniger als ihr Oberlehnsherr denn als ihr nächster männlicher Verwandter. Balduin war auf die Kunde von Raimunds Tod nach Antiochia geeilt. Er drang in die 22-jährige Konstanze, einen neuen Gatten zu nehmen, und schlug selbst 3 Anwärter vor, nämlich
1. Ives von Nesle, den Grafen von Soissons, einen reichen französischen Edelmann, der unmittelbar nach dem 2. Kreuzzug nach Palästina gekommen und bereit war, sich hier dauernd niederzulassen;
2. Walter von Falkenberg aus der Familie der Saint-Omer, die vormals die Herrschaft Galiläa innegehabt hatte; und
3. Ralph von Merle, einen tapferen Baron aus der Grafschaft Tripolis.
Aber Konstanze wollte keinen von ihnen; und Balduin war genötigt, nach Jerusalem zurückzukehren und sie im Besitz ihrer Regierung zu belassen. Über die Zudringlichkeiten ihres jungen Vetters verärgert, änderte Konstanze unverzüglich ihre Politik und schickte eine Gesandtschaft nach Konstantinopel, um Kaiser Manuel als ihren Oberlehnsherrn zu bitten, ihr einen Gatten zu bestimmen. Manuel lag sehr daran, ihre Wünsche zu erfüllen. Bei der Wahl eines Gatten für Konstanze bewies Manuel mehr Scharfsinn als gesunden Menschenverstand. Er schickte ihr seinen Schwager, den Cäsar Johannes Roger, den Witwer seiner Lieblingsschwester Maria. Johannes Roger war ein gebürtige Normanne, und obwohl er vor Zeiten eine Verschwörung angezettelt hatte, um sich selbst den Kaiserthron zu verschaffen, war er jetzt ein bewährter Freund des Kaisers und genoß sein volles Vertrauen; der Kaiser wußte, dass er auf seine Treue zählen konnte, und glaubte überdies, seine lateinische Geburt werde ihn dem fränkischen Adel annehmbar machen. Aber er hatte Konstanze selbst vergessen. Johannes Roger stand offensichtlich im mittleren Alter und hatte all seinen jugendlichen Charme eingebüßt. Die junge Fürstin, deren 1. Gemahl um seiner Schönheit willen berühmt gewesen, wollte einen so unromantischen Gespons nicht in Betracht ziehen. Sie hieß den Cäsar, zum Kaiser zurückzukehren Es wäre besser gewesen, wenn Manuel Andronikos nach Antiochia und Johannes Roger ins Feld nach Kilikien geschickt hätte.
Balduin nützte die Gelegenheit, um Konstanze nach Tripolis zu befehlen, wo ihre beiden Tanten sie wegen ihrer eigensinnigen Witwenschaft ausschalten. Aber ihre Predigten blieben ohne Wirkung, vielleicht weil keine von beiden mit ihrer eigenen Ehe einen besonders glänzenden Erfolg erzielt hatte. Konstanze versprach nichts und kehrte nach Antiochia zurück. Rainald von Chatillon, jüngerer Sohn Gottfrieds, des Grafen von Gien und Herrn von Chatillon-sur-Loing, trat in die Dienste des jungen Königs Balduin, den er im Jahre 1151 nach Antiochia begleitete. Es dauerte nicht lange, und die verwitwete Fürstin wurde auf ihn aufmerksam. Er scheint im Fürstentum verblieben zu sein, zweifellos im Besitz irgendeines kleinen Lehens, und möglicherweise war es seine Anwesenheit, die Konstanze veranlaßte, die vom König und Kaiser vorgeschlagenen Gatten abzulehnen. Im Frühjahr 1153 beschloß sie, ihn zu heiraten. Ehe sie ihre Absicht bekanntgab, ersuchte sie den König um Einwilligung; denn er war der bestallte Verweser ihres Staates und Oberlehnsherr ihres Verlobten. Rainald eilte nach Askalon, wo der König gerade sein Hoflager aufgeschlagen hatte, und überbrachte Konstanzes Botschaft. Balduin, der Rainald als einen tapferen Krieger kannte und vor allem dankbar war, dass ihm die Verantwortung für Antiochia abgenommen wurde, machte keine Schwierigkeiten. Sofort nach Rainalds Rückkehr nach Antiochia fand die Hochzeit statt, und Rainald wurde als Fürst eingesetzt. Der Ehebund fand bei der Bevölkerung keinen Anklang. Nicht nur die großen Familien Antiochias, sondern auch die niederen Untertanen der Fürstin waren der Meinung, sie habe sich entwürdigt, indem sie sich diesem Emporkömmling schenkte. Es wäre höflich und ziemlich von Konstanze gewesen, auch Kaiser Manuel um seine Erlaubnis zu ersuchen. Die Nachricht von der Heirat wurde in Konstantinopel schlecht aufgenommen.
Rainalds Ausscheiden (1160 Gefangennahme) warf in Antiochia, wo er als Gatte der Fürstin Konstanze regiert hatte, ein Verfassungsproblem auf. Sie machte jetzt geltend, dass die Regierungsmacht an sie zurückgefallen sei; aber die öffentliche Meinung unterstützte die Rechte ihres Sohnes aus 1. Ehe. Das Volk von Antiochia erwartete eine Lösung von König Balduin. Auf seine Aufforderung hin kam Balduin nach Antiochia, erklärte Bohemund zum rechtmäßigen Fürsten und betraute den Patriarchen Aimery bis zur Großjährigkeit des Fürsten mit der Regierung. Die Entscheidung mißfiel Konstanze, die Verfahrensweise dem Kaiser Manuel. Die Fürstin erhob unverzüglich Klage beim Kaiserhof. In Antiochia traf eine glänzende Gesandtschaft des Kaisers ein, die von Alexios Bryennios Komnenos, dem Sohn der Anna Komnene, und dem Präfekten von Konstantinopel, Johannes Kamateros, geführt wurde. Sie hatten bereits einen Ehevertrag zwischen ihrem Gebieter und der Prinzessin Maria ausgehandelt; und ihre Anwesenheit hatte genügt, um Konstanze als Herrscherin des Fürstentums zu bestätigen. Balduin mußte die vollzogegen Tatsachen hinnehmen.
Bohemund war jetzt 18 Jahre alt und in regierungsfähigem Alter. In ihrem Wunsch, an der Macht festzuhalten, wandte sich Konstanze an den byzantinischen Feldherrn Konstantin Koloman um militärische Hilfe. Das Gerücht ihres Hilferufs führte zu einem Volksaufstand in Antiochia. Konstanze wurde in die Verbannung geschickt und Bohemund an ihrer Stelle eingesetzt. Sie starb bald darauf.
 
Regine Pernoud: Seite 104-106
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Fürstin Konstanze war mit 22 Jahren Witwe geworden und hatte einen minderjährigen Sohn, Bohemund III. Alle waren sich einig, dass Konstanze so schnell wie möglich wieder heiraten mußte, um einen Fürsten zur Seite zu haben, der ihr Land und ihre Untertanen beschützen konnte.
Der Übersetzer Wilhelms von Tyrus schreibt: "Da die Fürstin aus Erfahrung wußte, wie lästig es ist, einem Ehemann gehorchen zu müssen, und wie wenig Freiheit die Männer ihren Frauen lassen, war sie weniger auf die Sicherheit ihres Landes bedacht als auf die Erhaltung ihrer Macht, um tun und lassen zu können, was sie wollte. Deshalb antwortete sie dem König, sie habe keine Lust zu heiraten." Balduin war von hervorragenden Rittern umgeben wie dem Grafen von Soissons, Ivo von Nesle, oder dem Fürsten von Tiberias, Walter von Falkenberg oder Saint-Omer, oder Radulph von Merle. Der eine oder andere unter diesen gestandenen, dazu noch unverheirateten Rittern hätte die Fürstin Konstanze sicher mit Freude geheiratet. Verlorene Liebesmüh, Konstanze weigerte sich beharrlich. Der König berief vergeblich eine offizielle Versammlung aller Barone und Prälaten des Fürstentums Antiochia und des Königreichs Jerusalem ein, um sie zum Nachgeben zu zwingen; er ließ überdies ihre Tanten, Gräfin Hodierna und Königin Melisende, kommen, damit sie Konstanze überredeten. "Doch sie konnten sie nicht umstimmen. Sie [Konstanze] antwortete, sie denke nicht daran, zu heiraten."
Die Lage war heikel, denn Konstanze genoß ganz offensichtlich die Unterstützung des Patriarchen Amalrich von Limoges, dem die Rolle des Verteidigers und Beschützers des Landes nicht unlieb war. Da griff der byzantinische Kaiser Manuel Komnenos ein und schlug Konstanze seinen Schwager Johannes Roger als Ehemann vor, der mit seiner Schwester Maria verheiratet gewesen und kurz zuvor Witwer geworden war. Dieser begab sich nach Antiochia in der Hoffnung, Konstanzes Gunst zu erringen. Johannes Roger war Normanne. Da das Fürstentum Antiochia seine Gründung Normannen zu verdanken hatte, hätte man ihn, der dazu noch mit Empfehlung des byzantinischen Kaiserhofs um Konstanzes Hand anhielt, möglicherweise willkommen aufgenommen. Doch auch diesmal war die Mühe vergeblich, Konstanze lehnte ab.
Ganz plötzlich jedoch entdeckte sie bei sich romantische Neigungen. Während alle dachten, sie sei für romantische Gefühle unempfänglich und habe beschlossen, das Leben einer einsamen Amazone zu führen, verliebte sie sich auf einmal in einen jungen Ritter namens Rainald von Chatillon, einen jüngeren, mittellosen Sohn, der erst kürzlich ins Land gekommen war.
Wilhelm von Tyrus bringt die allgemeine Bestürzung zum Ausdruck, die dieser plötzliche Sinneswandel auslöste: "Viele wunderten sich, dass eine so herrliche, mächtige und hochgestellte Frau, die einen so ausgezeichneten Gemahl gehabt hatte, jetzt einen gemeinen Ritter zum Mann nahm." Rainald von Chatillon war ein Glücksritter mit allen Vorzügen und Fehlern: Er war schön, ungestüm, maßlos in der Liebe wie im Zorn. Die Fürstin Konstanze verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Sie war sich zwar schon heimlich, "im Grunde ihres Herzens", wie der Chronist sich ausdrückt, mit ihrem Auserwählten einig, doch als kluge Frau "wollte sie die Ehe nicht ohne Erlaubnis und Zustimmung des Königs eingehen, der ihr Vetter und Schutzherr des Fürstentums Antiochia war".
Das geschah 1153. Balduin belagerte damals gerade die Stadt Askalon im Süden des Königreichs. Das spielte jedoch keine Rolle, Rainald galoppierte von Norden nach Süden durch ganz Palästina, um den König aufzusuchen. Balduin war vermutlich sehr verblüfft über die Wahl der jungen Fürstin. Doch wenn er an die Sicherheit Antiochias dachte, war Rainald ganz offensichtlich der Mann, den er suchte, denn er besaß die nötige Tapferkeit und Kühnheit. Er gab seine Einwilligung, ließ die erforderlichen Papiere ausstellen, und Rainald machte sich sofort "voller Freude" auf den Heimweg nach Antiochia, wo "er die Dame heiratete, die sich so sehr nach ihm sehnte. Die Hochzeit fand Anfang des Jahres 1153 statt. Rainald von Chatillon, den Rene Grousset treffend als "glänzenden Krieger, halb Gaukler, halb Banditen", charakterisierte, wurde durch seine Ehe mit Konstanze Fürst von Antiochia, auf Gedeih und - vor allem - Verderb, wie wir gleich sehen werden.
  
 
 
 

    1136
  1. oo Rainald I. Graf von Poitou
          1099-28.6.1149
 
    1153
  2. oo 1. Rainald Graf von Chatillon
               um 1125-5.7.1187
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Bohemund III.
  1144-20.3./1.10.1201

  Xenia-Maria
  1145-27.8.1182

Xenia-Maria war 1180/82 Regentin von Byzanz, wurde erdrosselt und ins Meer geworfen.
 
25.9.1161
  oo 2. Manuel I. Komnenos Kaiser von Byzanz
          1122-24.9.1180
 
  Philippa
  1148-   1178

Philippa war die Geliebte des späteren Kaisers Andronikos I. von Byzanz.

 1167
  oo Humfried II. Herr von Toron
               -22.4.1179 gefallen
 
  Balduin
         -17.9.1176 gefallen
         bei Myriokephalon

2. Ehe

  Agnes (Anna)
  1154-   1184

 1172
  oo 2. Bela III. König von Ungarn
           um 1148-23.4.1196
 
  Alix von Chatillon
        -   1235 nach 11.10.

22.4.1204
  oo Azzo VI. Markgraf d'Este
             -18.11.1212
 
 
 
 

Literatur:
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Runciman, Stevn: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 489-490,493, 502-503,609,612,635-637,650-651,663-665,669,675 -