Einziges Kind des Fürsten
Bohemund II. von Antiochia und der Alice
von Jerusalem, Tochter von König
Balduin II.
Konstanze I. trat hinter ihren Männern
zurück.
Steven Runciman: Seite 635-637,650-651,663-665,669
**************
"Geschichte der Kreuzzüge"
Raimunds
Tod ließ die Fürstin Konstanze
mit 4 kleinen Kindern zurück. Der Thron war nach Recht und Gesetz
der ihre; doch fand man, in Zeiten wie diesen müsse ein Mann regieren.
Ihr ältester Sohn Bohemund III. war beim Tod seines Vaters
5 Jahre alt. Bis zu seiner Großjährigkeit mußte ein männlicher
Regent bestellt werden. Der Patriarch Aimery hatte im Augenblick höchster
Gefahr die Regierungsgewalt übernommen; aber in weltlichen Kreisen
schätzte man den Gedanken einer geistlichen Regentschaft nicht. Es
war klar, dass die junge Fürstin sich wieder verheiraten mußte.
In der Zwischenzeit war der rechte und geeignete Regent ihr Vetter Balduin,
und zwar weniger als ihr Oberlehnsherr denn als ihr nächster männlicher
Verwandter. Balduin war auf die Kunde
von Raimunds
Tod nach Antiochia geeilt. Er drang in die 22-jährige Konstanze,
einen neuen Gatten zu nehmen, und schlug selbst 3 Anwärter vor, nämlich
1. Ives von Nesle, den Grafen von Soissons, einen reichen französischen
Edelmann, der unmittelbar nach dem 2. Kreuzzug nach Palästina gekommen
und bereit war, sich hier dauernd niederzulassen;
2. Walter von Falkenberg aus der Familie der Saint-Omer, die vormals
die Herrschaft Galiläa innegehabt hatte; und
3. Ralph von Merle, einen tapferen Baron aus der Grafschaft Tripolis.
Aber Konstanze wollte keinen von
ihnen; und Balduin war genötigt,
nach Jerusalem zurückzukehren und sie im Besitz ihrer Regierung zu
belassen. Über die Zudringlichkeiten ihres jungen Vetters verärgert,
änderte Konstanze unverzüglich
ihre Politik und schickte eine Gesandtschaft nach Konstantinopel, um Kaiser
Manuel als ihren Oberlehnsherrn zu bitten, ihr einen Gatten
zu bestimmen. Manuel lag sehr daran,
ihre Wünsche zu erfüllen. Bei der Wahl eines Gatten für
Konstanze bewies Manuel
mehr Scharfsinn als gesunden Menschenverstand. Er schickte ihr
seinen Schwager, den Cäsar Johannes Roger,
den Witwer seiner Lieblingsschwester Maria. Johannes
Roger war ein gebürtige Normanne, und obwohl er vor Zeiten
eine Verschwörung angezettelt hatte, um sich selbst den Kaiserthron
zu verschaffen, war er jetzt ein bewährter Freund des Kaisers und
genoß sein volles Vertrauen; der Kaiser wußte, dass er auf
seine Treue zählen konnte, und glaubte überdies, seine lateinische
Geburt werde ihn dem fränkischen Adel annehmbar machen. Aber er hatte
Konstanze selbst vergessen. Johannes
Roger stand offensichtlich im mittleren Alter und hatte all
seinen jugendlichen Charme eingebüßt. Die junge Fürstin,
deren 1. Gemahl um seiner Schönheit willen berühmt gewesen, wollte
einen so unromantischen Gespons nicht in Betracht ziehen. Sie hieß
den Cäsar, zum Kaiser zurückzukehren Es wäre besser gewesen,
wenn Manuel Andronikos nach Antiochia
und Johannes Roger ins Feld nach Kilikien
geschickt hätte.
Balduin nützte die Gelegenheit,
um Konstanze nach Tripolis zu befehlen,
wo ihre beiden Tanten sie wegen ihrer eigensinnigen Witwenschaft ausschalten.
Aber ihre Predigten blieben ohne Wirkung, vielleicht weil keine von beiden
mit ihrer eigenen Ehe einen besonders glänzenden Erfolg erzielt hatte.
Konstanze versprach nichts und kehrte
nach Antiochia zurück. Rainald
von Chatillon, jüngerer Sohn Gottfrieds, des Grafen von Gien
und Herrn von Chatillon-sur-Loing, trat in die Dienste des jungen Königs
Balduin, den er im Jahre 1151 nach Antiochia begleitete. Es
dauerte nicht lange, und die verwitwete Fürstin wurde auf ihn aufmerksam.
Er scheint im Fürstentum verblieben zu sein, zweifellos im Besitz
irgendeines kleinen Lehens, und möglicherweise war es seine Anwesenheit,
die Konstanze veranlaßte, die
vom König und Kaiser vorgeschlagenen Gatten abzulehnen. Im Frühjahr
1153 beschloß sie, ihn zu heiraten. Ehe sie ihre Absicht bekanntgab,
ersuchte sie den König um Einwilligung; denn er war der bestallte
Verweser ihres Staates und Oberlehnsherr ihres Verlobten. Rainald
eilte nach Askalon, wo der König gerade sein Hoflager aufgeschlagen
hatte, und überbrachte Konstanzes
Botschaft. Balduin, der Rainald
als einen tapferen Krieger kannte und vor allem dankbar war, dass ihm die
Verantwortung für Antiochia abgenommen wurde, machte keine Schwierigkeiten.
Sofort nach
Rainalds Rückkehr nach Antiochia fand die Hochzeit statt,
und Rainald
wurde als Fürst eingesetzt. Der Ehebund fand bei der Bevölkerung
keinen Anklang. Nicht nur die großen Familien Antiochias, sondern
auch die niederen Untertanen der Fürstin waren der Meinung, sie habe
sich entwürdigt, indem sie sich diesem Emporkömmling schenkte.
Es wäre höflich und ziemlich von Konstanze
gewesen, auch Kaiser Manuel um seine
Erlaubnis zu ersuchen. Die Nachricht von der Heirat wurde in Konstantinopel
schlecht aufgenommen.
Rainalds
Ausscheiden (1160 Gefangennahme) warf in Antiochia, wo er als Gatte
der Fürstin Konstanze regiert
hatte, ein Verfassungsproblem auf. Sie machte jetzt geltend, dass die Regierungsmacht
an sie zurückgefallen sei; aber die öffentliche Meinung unterstützte
die Rechte ihres Sohnes aus 1. Ehe. Das Volk von Antiochia erwartete eine
Lösung von König Balduin.
Auf seine Aufforderung hin kam Balduin
nach Antiochia, erklärte Bohemund zum
rechtmäßigen Fürsten und betraute den Patriarchen Aimery
bis zur Großjährigkeit des Fürsten mit der Regierung. Die
Entscheidung mißfiel Konstanze,
die Verfahrensweise dem Kaiser Manuel.
Die Fürstin erhob unverzüglich Klage beim Kaiserhof. In Antiochia
traf eine glänzende Gesandtschaft des Kaisers ein, die von Alexios
Bryennios Komnenos, dem Sohn der Anna Komnene, und dem Präfekten von
Konstantinopel, Johannes Kamateros, geführt wurde. Sie hatten bereits
einen Ehevertrag zwischen ihrem Gebieter und der Prinzessin
Maria ausgehandelt; und ihre Anwesenheit hatte genügt,
um Konstanze als Herrscherin des Fürstentums
zu bestätigen. Balduin mußte
die vollzogegen Tatsachen hinnehmen.
Bohemund war jetzt 18 Jahre alt
und in regierungsfähigem Alter. In ihrem Wunsch, an der Macht festzuhalten,
wandte sich Konstanze an den byzantinischen
Feldherrn Konstantin Koloman um militärische Hilfe. Das Gerücht
ihres Hilferufs führte zu einem Volksaufstand in Antiochia.
Konstanze wurde in die Verbannung geschickt und Bohemund
an ihrer Stelle eingesetzt. Sie starb bald darauf.
Regine Pernoud: Seite 104-106
*************
"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
Fürstin Konstanze war mit 22
Jahren Witwe geworden und hatte einen minderjährigen Sohn, Bohemund
III. Alle waren sich einig, dass Konstanze
so schnell wie möglich wieder heiraten mußte, um einen Fürsten
zur Seite zu haben, der ihr Land und ihre Untertanen beschützen konnte.
Der Übersetzer Wilhelms von Tyrus schreibt: "Da die Fürstin
aus Erfahrung wußte, wie lästig es ist, einem Ehemann gehorchen
zu müssen, und wie wenig Freiheit die Männer ihren Frauen lassen,
war sie weniger auf die Sicherheit ihres Landes bedacht als auf die Erhaltung
ihrer Macht, um tun und lassen zu können, was sie wollte. Deshalb
antwortete sie dem König, sie habe keine Lust zu heiraten." Balduin
war von hervorragenden Rittern umgeben wie dem Grafen von Soissons,
Ivo von Nesle, oder dem Fürsten von Tiberias, Walter von Falkenberg
oder Saint-Omer, oder Radulph von Merle. Der eine oder andere unter diesen
gestandenen, dazu noch unverheirateten Rittern hätte die Fürstin
Konstanze sicher mit Freude geheiratet. Verlorene Liebesmüh,
Konstanze weigerte sich beharrlich.
Der König berief vergeblich eine offizielle Versammlung aller Barone
und Prälaten des Fürstentums Antiochia und des Königreichs
Jerusalem ein, um sie zum Nachgeben zu zwingen; er ließ überdies
ihre Tanten, Gräfin Hodierna und
Königin Melisende, kommen, damit
sie Konstanze überredeten. "Doch
sie konnten sie nicht umstimmen. Sie [Konstanze]
antwortete, sie denke nicht daran, zu heiraten."
Die Lage war heikel, denn Konstanze
genoß ganz offensichtlich die Unterstützung des Patriarchen
Amalrich von Limoges, dem die Rolle des Verteidigers und Beschützers
des Landes nicht unlieb war. Da griff der byzantinische
Kaiser Manuel Komnenos ein und schlug Konstanze
seinen Schwager Johannes Roger als
Ehemann vor, der mit seiner Schwester Maria verheiratet gewesen und kurz
zuvor Witwer geworden war. Dieser begab sich nach Antiochia in der Hoffnung,
Konstanzes Gunst zu erringen.
Johannes Roger war Normanne. Da das Fürstentum Antiochia
seine Gründung Normannen zu verdanken hatte, hätte man ihn, der
dazu noch mit Empfehlung des byzantinischen Kaiserhofs um Konstanzes
Hand anhielt, möglicherweise willkommen aufgenommen. Doch auch diesmal
war die Mühe vergeblich, Konstanze lehnte
ab.
Ganz plötzlich jedoch entdeckte sie bei sich romantische Neigungen.
Während alle dachten, sie sei für romantische Gefühle unempfänglich
und habe beschlossen, das Leben einer einsamen Amazone zu führen,
verliebte sie sich auf einmal in einen jungen Ritter namens Rainald
von Chatillon, einen jüngeren, mittellosen Sohn, der erst
kürzlich ins Land gekommen war.
Wilhelm von Tyrus bringt die allgemeine Bestürzung zum Ausdruck,
die dieser plötzliche Sinneswandel auslöste: "Viele wunderten
sich, dass eine so herrliche, mächtige und hochgestellte Frau, die
einen so ausgezeichneten Gemahl gehabt hatte, jetzt einen gemeinen Ritter
zum Mann nahm." Rainald
von Chatillon war ein Glücksritter mit allen Vorzügen
und Fehlern: Er war schön, ungestüm, maßlos in der Liebe
wie im Zorn. Die Fürstin Konstanze
verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Sie war sich zwar schon heimlich,
"im Grunde ihres Herzens", wie der Chronist sich ausdrückt, mit ihrem
Auserwählten einig, doch als kluge Frau "wollte sie die Ehe nicht
ohne Erlaubnis und Zustimmung des Königs eingehen, der ihr Vetter
und Schutzherr des Fürstentums Antiochia war".
Das geschah 1153. Balduin belagerte
damals gerade die Stadt Askalon im Süden des Königreichs. Das
spielte jedoch keine Rolle, Rainald
galoppierte von Norden nach Süden durch ganz Palästina, um den
König aufzusuchen. Balduin war
vermutlich sehr verblüfft über die Wahl der jungen Fürstin.
Doch wenn er an die Sicherheit Antiochias dachte, war Rainald
ganz offensichtlich der Mann, den er suchte, denn er besaß die nötige
Tapferkeit und Kühnheit. Er gab seine Einwilligung, ließ die
erforderlichen Papiere ausstellen, und Rainald
machte sich sofort "voller Freude" auf den Heimweg nach Antiochia,
wo "er die Dame heiratete, die sich so sehr nach ihm sehnte. Die Hochzeit
fand Anfang des Jahres 1153 statt. Rainald
von Chatillon, den Rene Grousset treffend als "glänzenden
Krieger, halb Gaukler, halb Banditen", charakterisierte, wurde durch seine
Ehe mit Konstanze Fürst von Antiochia,
auf Gedeih und - vor allem - Verderb, wie wir gleich sehen werden.
1136
1. oo Rainald I. Graf von Poitou
1099-28.6.1149
1153
2. oo 1. Rainald Graf von Chatillon
um 1125-5.7.1187
Kinder:
1. Ehe
Bohemund III.
1144-20.3./1.10.1201
Xenia-Maria
1145-27.8.1182
Xenia-Maria war 1180/82 Regentin
von Byzanz, wurde erdrosselt und ins Meer geworfen.
25.9.1161
oo 2. Manuel I. Komnenos Kaiser von Byzanz
1122-24.9.1180
Philippa
1148- 1178
Philippa war die Geliebte des späteren Kaisers Andronikos I. von Byzanz.
1167
oo Humfried II. Herr von Toron
-22.4.1179 gefallen
Balduin
-17.9.1176 gefallen
bei Myriokephalon
2. Ehe
Agnes (Anna)
1154- 1184
1172
oo 2. Bela III. König von Ungarn
um 1148-23.4.1196
Alix von Chatillon
- 1235 nach
11.10.
22.4.1204
oo Azzo VI. Markgraf d'Este
-18.11.1212
Literatur:
----------
Runciman, Stevn: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1
Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 489-490,493, 502-503,609,612,635-637,650-651,663-665,669,675
-