Sohn des Podestas
Ezzelino II. da Romano und der Adelheid Gräfin Mangoni,
Tochter des toskanischen Grafen Pietro Mangoni
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 196
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Ezzelino III. da Romano
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* 25. April 1194, + 1. Oktober 1259
Oberitalienischer Signore, bedeutender Führer der Ghibellinen, aus einer Adelsfamilie, die nach der Burg Romano an der Grenze der Komitate Vicanza und Treviso benannt wurde
Als 1223 sein Vater Ezzelino II. in ein Kloster
eintrat, erhielt Ezzelino III. die
Güter im Gebiet von Treviso, sein Bruder Alberico
jene um Gebiet von Vicenza. Demnach waren Albericos Interessen auf
Treviso gerichtet, Ezzelino hingegen
sah ein Ziel seiner politischen Ambitionen in Verona, das die wichtigste
Paßstraße nach Deutschland kontrollierte und im langen Konflikt
zwischen FRIEDRICH
II. und der Zweiten Lombardischen Liga besondere Bedeutung
gewann. Mit dem Einverständnis der veronesischen Partei der Montecchi
und unterstützt von dem Ferraresen Salinguerra Torelli, gelang es
Ezzelino III., gegen den Widerstand
der von den ESTE unterstützten San Bonifacio, Verona (nicht
zuletzt auch mit Hilfe des kaiserlichen Heeres) am 24. Januar 1236 fest
in seinen Besitz zu bringen; kurz darauf bemächtigte er sich der Signorie
von Vicenza (2. November 1236) und von Padua (25. Februar 1237) sowie von
Belluno, Feltre und Trient (1241). Zwischen Ezzelino
III. und FRIEDRICH II.,
der ihm seine natürliche Tochter Selvaggia
zur Frau gegeben hatte (23. Mai 1238), hatte sich ein außergewöhnlich
enges Verhältnis entwickelt, das von dem üblichen rechtlichen
und administrativen Schema, das der Kaiser für Mittel- und Norditalien
vorgesehen hatte, abwich, da es nicht von formalen Akten, Vollmachten oder
Titeln sanktioniert wurde, sondern auf gegenseitigem Interesse beruhte.
Ezzelino
III. da Romano garantierte
FRIEDRICH
freie Verbindungswege durch die Täler der Etsch, des Brenta und des
Piave und zu den Gebieten des Patriarchats von Aquileia; er kämpfte
auch mehrfach an FRIEDRICHS Seite,
zum Beispiel in der Schlacht von Cortenouva (12. April 1237) oder bei der
Belagerung von Parma (1247-1248). FRIEDRICH
erkannte Ezzelino weitgehende Autorität
zu, die nicht nur die Kontrolle über die Städte, sondern auch
über das umliegende Territorium beinhaltete. Bei seiner Regierung
ließ Ezzelino III. in formaler
Hinsicht die kommunalen Einrichtungen unangetastet und sicherte sich die
Zustimmung eines guten Teils der wirtschaftlich aktiven und politisch nicht
engagierten Bevölkerung, verfolgte jedoch seine Gegner mit Gefangensetzung,
Foltern und Hinrichtungen, von deren Grausamkeite die Chronisten in detaillierter
Weise berichten. Zwar respektierte er äußerlich die religiöse
und politische Autorität der Kirche, blieb jedoch FRIEDRICH
II. treu und wurde daher wie dieser als Häretiker und Protektor
von Häretikern exkommuniziert (12. April 1248). Der Tod FRIEDRICHS
II. schwächte Ezzelinos
Position nicht: Gemeinsam mit Oberto Pelavicino und Buoso da
Dovara führte er die italienischen Gibellinen an und wies die Einigungsvorschläge
Innozenz'
IV. zurück, so dass dieser gegen ihn zum Kreuzzug aufrief.
Höhepunkte dieses Krieges waren die Eroberung von Padua durch das
Kreuzheer (20. Juni 1256) und die Eroberung von Brescia und Oberto Pelavicino
(1. September 1258). Da Ezzelino III. da Romano
die Stadt jedoch allein für sich behalten wollte, wechselte Pelavicino
das Lager und verbündete sich mit Azzo d'Este und den Städten
Ferrara, Mantua und Pavia gegen Ezzelino. Im Zuge der Konsolidierung
der militärischen Besetzung des Territoriums von Brescia versuchte
Ezzelino sich mit Unterstützung
der mailändischen Verbannten Mailands zu bemächtigen. Der Versuch
scheiterte jedoch. Bei seinem Rückmarsch wurde Ezzelino
III. in den Gefechten bei Cassano d'Adda (27. September 1259)
und Blancanuga verwundet. Gefangengenommen, wurde er nach Soncino gebracht
und von den Siegern ehrenvoll behandelt. Trotz der Pflege, die man ihm
angedeihen ließ, starb er dort am 1. Oktober 1259. Mit seinem
Tod zerfiel das von ihm errichtete politische Gebilde.
Wegen seiner Grausamkeit genoß er bei Chronisten,
Dichtern und Novellisten düsteren Ruhm, wurde andererseits als Prototyp
des "Signore" der Renaissance idealisiert (J. Burckhardt) und erst in jüngster
Zeit im Lichte der historischen Realität gesehen.
Ezzelino da Romano, Podesta von Verona
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1194-27.9.1259
Vicenza Sarcino
Sohn des Ezzelino il Monaco, Podesta von Treviso, von Vicenza, von Verona (um 1160-1233) und der Adelheid Gräfin Mangoni, Tochter des toskanischen Grafen Pietro Mangoni
1221
1. oo Cilia di Sanbonifazio
- 1237 -
23.5.1238
2. oo Selvaggia, Tochter des Kaisers FRIEDRICH
II.
um 1221/23- 1244
1244
3. oo Isotta Lancia, Schwester der Bianca Lancia
verstoßen -
1249
4. oo Beatrice Maltraversi, Tochter des Grafen
Buontraverso M.
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SELAGGIA (unehelich)
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+
oo 1238
ENZIO DI ROMANO
+ 1259
Wichtige, brutale kaiserliche Hilfe in N-Italien, Markgraf von Verona-Treviso u.s.w.; hielt sich bis 1259.
Herr von Bassano, Verona und Triest
1236 Statthalter FRIEDRICHS
II. in Padua und Vicenza; 1237 von Treviso. Er schuf dort Signorien.
Durch seine Härte allgemein verhaßt, konnte
ihm dank seiner Wachsamkeit und Macht selbst der Bannfluch (1252) nichts
anhaben. Am 1.91258 schlug er ein gegen ihn aufgestelltes Kreuzheer bei
Torricella vernichtend.
Ezzelino, der
rücksichtslos und erfolgreich gegen die päpstlichen Parteigänger
vorging, fiel, als er Mailand belagerte, an der Adda seinen Feinden am
16.9.1259 verwundet in die Hände, lehnte jede Arznei und Nahrung ab
und riß sich den Verband ab.
23.5.1238
1. oo Selvaggia, illegitime Tochter des Kaisers
FRIEDRICH II.
1223/25- vor 1244
2. oo Beatrix von Boutraversio da Castronovo
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Literatur:
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Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der Staufer.
Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band
III Seite 368 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter.
Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt 1998,
Seite 454-465 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt
Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band II Seite 374,401,410,411,413,433
- Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf
1989. Seite 222,225,233,249,263, 305,309,311,320 - Kantorowicz,
Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991,
Seite 284,355,360,361,365,394,398,422,431,448,546,559,579,581,584,587,599-603,614,622,624,627
- Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen, Rowohlt Taschenbuch
Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 258,262,277,278,280,290,295,297,298,350,360
- Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft
in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite
147,241 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln
zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag
Frankfurt/Main 1993 Tafel 19 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von
Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 196,199,206,
249,259,261,271,275,290 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II.
1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 89,257
- Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1963, Seite 24,39,56,311,318,323,338,367,378,420, 428,461,463,465,470,472,477,479,483,501
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