Bruning                                           Graf
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Sohn des Grafen N.N.; Bruder des Grafen Amelung (IV)
 

Widukind von Corvey: Seite 115,117
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Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 -

6. Von innern Kämpfen.

Als aber die Kriege mit den auswärtigen Feinden nachließen, begannen innere sich zu entspinnen. Die Sachsen nämlich, stolz geworden, weil sie unmittelbar unter der Regierung ihres Königs standen, hielten es für unwürdig, andern Stämmen zu dienen, und verschmähten es, die Lehen, welche sie besaßen, der Gunst irgend eines anderen, als der des Königs zu verdanken. Darüber ergrimmte Evurhard gegen Bruning, sammelte eine Schaar, und gab dessen Burg Elmeri den Flammen preis, alle Bewohner der Burg aber brachte er um ihr Leben. Als der König diesen Frevel vernommen hatte, verurtheilte er den Evurhard, als Buße eine Anzahl Pferde zu liefern, im Werthe von hundert Pfunden,  und alle Kriegsobersten, welche ihn zu dieser That unterstützt hatten,  zu der Schande, Hunde zu tragen bis zu der königlichen Stadt, die wir Magathaburg nennen.

Zwietracht und von Verschiedenheit der Gesetze.

Allein der Zwist zwischen Evurhard und Bruning kam so weit, daß offner Todtschlag verübt, das Land verwüstet wurde, und das Sengen und Brennen kein Ende nahm. Auch über die Verschiedenheit der Gesetze entstand ein Streit, da einige behaupteten, daß die Söhne der Söhne nicht unter die Söhne gerechnet werden und das Erbe rechtlicher Weise mit den Söhnen theilen dürften, wenn zufällig ihre Väter bei Lebzeiten des Großvaters mit Tode abgegangen wären. Deshalb ging ein Gebot vom König aus, daß eine allgemeine Versammlung des Volkes bei der Pfalz Stela stattfinden sollte, und es ward entschieden, daß man die Sache durch Schiedsrichter prüfen lassen müsse. Der König aber befolgte einen bessern Rath und wollte nicht, daß edle Männer und die Aeltesten des Volks unehrenhaft behandelt würden, vielmehr befahl er, die Sache durch einen Zweikampf zur Entscheidung zu bringen. Bei dieser Probe also siegte die Partei, welche die Söhne der Söhne unter die Söhne rechnete, und es wurde durch ewigen Beschluß festgesetzt, daß sie nach gleichem Maaße mit den Oheimen das Erbe theilen sollten. Hier wurde auch die Schuld der Friedensstörer offenbar, welche bisher behaupteten, nichts gegen die königliche Gewalt gethan, sondern bloß die Unbill an ihren Genossen gerächt zu haben. Obgleich nun aber der König sich von ihnen mißachtet sah, - denn sie verschmähten es, sich dem  königlichen Befehle gemäß zur rechtlichen Entscheidung zu stellen - so verschob er dennoch Waffengewalt und gab der Verzeihung Raum, da es ihm immer am nächsten lag, Gnade zu üben. Aber diese Verzögerung verleitete viele zu noch größerem Unheil. Außerdem geschahen viele Gräuel von aufrührerischen Menschen, Mord, Meineid, Verheerungen, Sengen und Brennen; und zwischen Recht und Unrecht, Treue und Meineid, machte man in jenen Tagen wenig Unterschied.

Wenskus Reinhard:
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Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel"

Bruning, sächsischer Vasall des konradinischen Herzogs Eberhard, der im fränkisch-sächsischen Grenzbereich über sächsische Vasallen gebot, war mit diesem in Konflikt geraten, weil er es wie anscheinend andere seiner Stammesgenossen ablehnte, Lehen von anderen Herren als dem König zu tragen. Daraufhin überzog Eberhard Brunings Burg Helmern (5 km westlich Peckelsheim) mit Feuer und Schwert und mußte sich anschließend vor dem Königsgericht in Magdeburg verantworten. Bruning könnte die Besitzungen seines Verwandten (Bruders?) Hampo/Amelung übernommen haben, nachdem dieser gestorben oder abgesetzt worden war, denn wir finden seine Nachkommen im Besitz eines Komitats im Nethegau.

Holtzmann Robert: Seite 115
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"

Der Sachse Bruning, dessen Burg Helmeren am Ostabhang des Eggegebirges (westlich von Peckelsheim) an der Nordgrenze des sächsischen Hessengaus lag, besaß ein Lehen vom Herzog von Franken, der auch im sächsischen Hessengau (entstanden aus einer alten, gegen die Sachsen errichteten fränkischen Mark) als Graf waltete. Bruning weigerte sich aber, dem Herzog Eberhard die schuldigen Dienste zu leisten; "denn die Sachsen", so versicherte uns der Sachse Widukind, "durch die Gewalt des Königs stolz geworden, hielten es für unwürdig, anderen Stämmen zu dienen, und verschmähten es, die Lehen, die sie hatten, durch die Gunst irgendeines anderen als allein die des Königs zu haben." Bruning lehnte sich also, gewiß zu Unrecht, gegen seinen Lehnsherrn Eberhard von Franken auf, dieser zog egegn ihn, Helmern wurde eingenommen und verbrannt, die Insassen niedergemacht. Auf Grund altgermanischen Fehderechts glaubte Eberhard sich zu solcher Selbsthilfe befugt.

Laudage, Johannes: Seite 112-114
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"Otto der Große. Eine Biographie."

Besonders aufschlußreich ist jedoch der Fall des KONRADINERS Eberhard, der uns wie folgt geschildert wird: "Die Sachsen ..., ruhmreich geworden, weil sie dem Befehl eines Königs unterstanden, lehnten es ab, anderen Völkern zu dienen, und verschmähten es, die Ämter (quaesturae), die sie innehatten, durch die Huld eines anderen als ihres Königs allein zu besitzen. Deshalb ergrimmte Eberhard gegen Bruning, sammelte eine Schar und brannte dessen Burg Helmern nieder, nachdem alle Bewohner dieser Burg getötet worden waren. Als der König von dieser Anmaßung hörte, verurteilte er den Eberhard, Pferde im Wert von hundert Pfund Silber zu liefern, und alle Heerführer, die ihm bei dieser Untat geholfen hatten, zud er Schande, Hunde zu tragen bis zur königlichen Stadt, die man Magdeburg nennt".
Die Entscheidung hängt von der Interpretation des Wortes quaestura ab. Wenn es nicht mit "Lehen", sondern mit "Amt" oder "Amtsgewalt" zu übersetzen ist, dürfte sich hinter dem angeblichen Selbstbewußtsein der Sachsen der königliche Anspruch verbergen, im gesamten Bereich der Francia Saxoniaque allein über öffentliche Funktionen zu gebieten. Tatsächlich gibt es dafür ausreichende Indizien. Die Burg Helmern lag nämlich im Hessengau, in dem Eberhard die Grafengewalt ausübte; es ging also um eine Position, die Bruning in der unmittelbaren Einflußsphäre des KONRADINERS ausübte, aber OTTO wollte Eberhard nicht als autonome Zwischengewalt akzeptieren und verurteilte ihn und seine militärischen Helfer deshalb zu empfindlichen Strafen.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Amelung (V)
          - um 976

  Brunhard
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  oo Gerburg
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Literatur:
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Die Salier und das Reich. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 349 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 115 - Laudage, Johannes: Otto der Große. Eine Biographie. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 112-114,122 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" Verlag Philipp von Zabern Mainz 2001 Seite 168 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 Seite 115,117 -