Am Freitag den 5. August 1853
findet sich in Barths Tagebuch »Entdeckungsreisen in Nord-
und Zentralafrika in den Jahren 1849-1855« die erste Nennung
des Namens Hombori: »Mein Walater Gefährte war in großer
Unentschiedenheit, welchen Weg wir nehmen sollten, und während
es bei unserer nördlichen Richtung fast den Anschein hatte, als
ob er bis diesen Augenblick die Absicht gehabt hätte, mich nach
Hombori zu führen, ungeachtet seiner früheren Einwürfe gegen
diesen Schritt, behauptete er jetzt, daß es nötig sei, uns nach
Duna zu wenden.«
Noch am selben Tag sollte Barth die Hombori-Berge zu Gesicht bekommen, denn nicht viel weiter im Text
heißt es: »Indem wir so vorrückten, erreichten wir nach
einem Marsch von ungefähr 4 Meilen einen höheren Punkt, von wo
aus wir die Aussicht über einen weiten, mit Unterholz bedeckten
Landstrich, nur hie und da von einem Baobab unterbrochen,
gewannen; aber im Norden erhoben sich einige Kuppen der Hombori-Kette
–
wenn man es Kette nennen darf –
und verliehen der Landschaft einen sehr eigentümlichen Reiz. Diese
Höhen stiegen nämlich in sonderbaren, schroffen Formen, wie sie der
nachstehende Holzschnitt wiederzugeben versucht, ganz vereinzelt aus
der Ebene auf.«
Auch am nächsten Tag begleiten Barth die
Hombori-Berge lediglich aus der Ferne: »Der Boden bestand
hier aus tiefem weißen Sand und war mit mächtigen
Baobab-Bäumen geschmückt, während parallel zu unserer Rechten
in einer Entfernung von etwa 800 Schritt sich eine Kette von
Sandhügeln hinzog, die in der Ferne von einer imposanten Kuppe
der Hombori-Berge überragt war.«
Am darauffolgenden Sonntag tritt der Forscher
dann definitiv seine Reise durch dieses Gebirge an. Ihr verdanken
wir es, daß Jahre später, mit Veröffentlichung seines
Reisberichtes, die Hombori-Berge erstmals auch in Europa ein
Begriff wurden. Es folgt die weitgehend lückenlose Aufzeichnung
aus Barths Tagebuch, die er am Sonntag den 7. August 1853
niederschrieb: »Wir änderten nun wieder vollkommen unsere
Richtung und schlugen eine nordnordwestliche Straße ein. So
rückten wir denn wieder den eigentlichen Hombori-Bergen näher,
die wir schon seit mehreren Tagen zu unserer Rechten in der Ferne
beobachtet hatten; aber seit unserem Aufbruch von Kubo hatten wir
uns infolge unseres eigentümlichen Zickzackmarsches wiederum
ganz von diesen Bergen abgewandt. Als wir zum Dorfe hinauszogen,
hatte es einen Augenblick beinahe den Anschein, als ob wir
rückwärts gehn wollten, indem wir uns während eines Anstieges
durch angebautes Land etwas nordöstlich hielten. So erreichten
wir nach einem Marsch von etwa 3 Meilen den höchsten Punkt
dieses Landstriches und hatten von hier aus eine höchst
interessante Ansicht der vereinzelten Berghöhen des
Hombori-Zuges, wie der nebenstehende Holzschnitt darstellt,
–
einzelne Kuppen, die in den groteskesten und wunderbarsten
Gestalten aus der ganz flach erscheinenden Ebene aufstiegen.
Hier fingen wir an, über einen gewellten
sandigen Landstrich, wo die Akazie vorherrschte und nur hie und
da einzelne Adansonien größere Unterbrechung verursachten,
abwärts zu steigen. Nachdem wir einen Teich stehenden Wassers
passiert hatten, gaben wir unserer bis dahin etwas gewundenen
Straße eine mehr durchgehends nordwestliche Richtung, wobei sich
auch das Land verbesserte, bis wir endlich die Felder von Issaie
oder Isse erreichten. Dies ist ein Ort von einiger Bedeutung; er
besteht, wie das bei den Dörfern in dieser Gegend allgemein der
Fall ist, aus einem Kern von Tonwohnungen, deren einzige
Besonderheit in ihren turmartigen Kornschobern beruht, und einem
Vorort mit Stroh- oder Rohrhütten, wie der hier folgende
Holzschnitt mehrere derselben darstellt. In solchen Hütten
nahmen wir unser Quartier; mir selbst wurde eine große,
vortreffliche angewiesen; diese hatte jedoch den großen Fehler,
mit einem so dünnen und schwachen Strohdach gedeckt zu sein,
daß ein heftiger Regenguß das Ganze unter Wasser gesetzt haben
würde, wenn nicht eine kleine Rinne, die rund um den inneren
Teil der Mattenwand geführt war, als Ableiter gedient hätte.
Die beständige Feuchtigkeit, welcher ich so
lange ausgesetzt gewesen, war der Grund, daß ich mich überaus
erschöpft fühlte. So konnte ich denn weder die gastliche
Bewirtung, die mit zuteil wurde, irgendwie genießen, noch auch
während der Nacht Ruhe finden, obwohl ich, um in Schlaf zu
kommen, mein Lager zu wiederholten Malen änderte.
– Da wir den
folgenden Tag hier blieben, hatte ich hinreichend Muße, mich mit
den auszeichnenden Merkmalen dieser Ortschaft völlig bekannt zu
machen, und entwarf eine Skizze von dem Dorf, welche mit einiger
Verallgemeinerung und Veränderung der gegenüberstehenden
Ansicht zugrunde liegt. Nahe beim Dorf befindet sich ein
ausgedehnter Teich, aus dem die Eingeborenen während dieser
Jahreszeit in der eigentümlichen, oben beschriebenen Weise ihren
Wasserbedarf holen. Die malerischen, burgartig gestalteten Berge Homboris bilden den Hintergrund, sind aber in der Zeichnung in
größere Nähe gerückt worden.« ...
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Sonrhay-Ort
im Niger-Bogen |
Am Dienstag den 9. August 1853
schreibt Barth: »Zwei Wege lagen vor uns; beide führten
nach Norden oder vielmehr Nordwesten, und zwar durch die
ungeordnete Landschaft, welche uns vom Niger trennte und jetzt
anstatt fester städtischer Ansiedlungen nur zeitweilige
Lagerstätten der Tuareg oder Imoscharh aufzuweisen hat, die bei
dem gegenwärtigen politischen Verfall der einheimischen Rasse
das ganze, auch das am südlichen Ufer des großen Stromes und
dem ungeheueren wirren Knäuel seiner Hinterwasser liegende Land
bis auf weite Strecken hin beherrschen. Der eine dieser Wege
führte in mehr nördlicher Richtung nach Laro und der andere in
nordwestlicher über Bone. Der Führer, den wir von Mundoro
mitgenommen hatten, versicherte uns, daß wir in Bone weder
Quartier, noch gastliche Bewirtung finden würden; aber
dessenungeachtet zog mein Gefährte aus Walata aus irgendeinem
Grund die letztere Straße vor. Dieser Marsch war nun für uns
alle bei dem geschwächten Zustand, in dem ich mich samt meinen
Leuten und Tieren befand, sehr angreifend, aber auf der anderen
Seite auch überaus interessant wegen der eigentümlichen
Beschaffenheit und malerischen Form der verschiedenen einzelnen
Kuppen der Hombori-Berge, durch die uns der Pfad mitten hindurch
führte. Diese Kette, wenn man es so nennen will, ist so
eigentümlicher Art, daß es vor der Hand ganz unmöglich war,
nach den Mitteilungen der Eingeborenen eine ziemlich richtige
Vorstellung von ihr zu gewinnen, und ich selbst hatte sie mir
viel höher und zusammenhängender gedacht. Die höchste Erhebung
einiger dieser Kuppen, an denen unser Weg hinführte, steigt
allem Anschein nach nicht 800 Fuß über das Niveau der Ebene;
manche entlegenere Kuppen mögen einige hundert Fuß höher sein.
Das durchschnittliche Niveau der Ebene, von welcher diese Höhen
aufsteigen, schätze ich auf 1500 Fuß.
Im Anfang unseres Marsches von Isse nach Bone
war der Anblick der Landschaft mehr gleichförmig und die Berge, von
dem aufsteigenden Boden zu unserer Rechten verdeckt, hatten
vollkommen das Aussehen von Hügeln; der Pfad selbst führte über noch
flacheren Boden, bald mit Unterholz bestanden, bald nackten offenen
Boden –
»nega« – darstellend. Aber
diese Szenerie gewann beträchtlich an Interesse, als wir den
westlichen Fuß einer breiteren Felshöhe erreichten, die schon
am vorherigen Tage unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
Auf einem aus Trümmern und größeren
Blöcken bestehenden Gehänge erhob sich eine Mauer steiler
Klippen, einer künstlichen Befestigung nicht unähnlich. Auf
ihrem Gipfel bildeten diese Höhen dem Anschein nach eine
geräumige Terrasse, wo drei kleine Weiler liegen sollen, bewohnt
von einer mutigen Schar Eingeborener, die auf dieser Felsenfeste
ihre Unabhängigkeit gegen die Anpassung der erobernden Fulbe bis
jetzt mit Erfolg behauptet hat.Wir bemerkten selbst am Abhang der Höhe unter den
steilen Klippen, die mehrere Höhlen enthalten, einige Leute, welche
ihre Schafe weideten, und Felder mit Negerhirse und »karass« (Corchorus olitorius),
welches zur Würze ihres Hirsebreies dient, bezeugten die
Tatsache, daß die freien Bewohner dieser Bergfeste von Zeit zu
Zeit selbst in die Ebene herabsteigen, um ihren notwendigsten
Bedarf zu befriedigen.
Nachdem wir diese Berghöhe umgangen hatten
und nun eine mehr nordwestliche Richtung einschlugen, näherten
wir uns einer anderen Höhe, die auf einem breiteren Geröll als
ganz vereinzelte schmale Kuppe aufstieg und mit ihrem engen,
jähen und eingezackten Kamm der Ruine eines mittelalterlichen
Bergschlosses genau ähnelte.
Auf dieser vereinzelten Höhe hin zieht sich
der Pfad nach der Sonrhay-Stadt Laro; wir ließen ihn zur Rechten
und näherten uns dem Fuße einer anderen ausgezackten Felshöhe,
die sich in größerer Länge hinzog, aber sonst mit ihren
steilen Trachytwänden wiederum ganz das Bild von Zinnenmauern
und Türmen darbot. Da, wo der Fuß der Felshöhe in den Pfad
vorspringt, hatten die Bergbewohner auf dem Gipfel der
Felsblöcke, die die Vorhöhlen bilden, eine kleine Kapelle oder
vielmehr eine heidnische Kultstätte errichtet, die einen höchst
eigentümlichen Anblick gewährte. Hier betraten wir eine Art
breiten Passes, gebildet durch dieses natürliche Bergkastell und
eine andere mehr westliche Kuppe, die, obgleich von bedeutenderer
Höhe, nicht so scharf ausgezackt war und einen weniger
malerischen Anblick gewährte.
Am Morgen hatte eine frische Brise geweht,
aber während der Mittagsstunden war die Hitze sehr drückend,
und so erreichten wir überaus ermüdet um 5 Uhr nachmittags das
Fulbe-Dorf Bone, das am Fuße der östlichen Felshöhe liegt. Ich
hatte zwei meiner Leute vorausgeschickt, aber dennoch waren wir
nicht imstande, uns Quartier zu verschaffen, und sahen uns nach
unnützem Streit genötigt, draußen in der grasreichen, von den
beiden Berggruppen eingeschlossenen Talebene zu lagern; denn die
Bewohner dieses Dorfes, die ausschließlich Fulbe sind, sehn es
nicht gern, daß Fremde ihre Wohnungen betreten, wenigstens
nicht, um zu übernachten. Jedoch bewirteten sie uns am Abend mit
einem ansehnlichen Vorrat von Milch.«