Am Ufer des Niger

Einzug in Timbuktu

In den Hombori-Bergen

 

Heinrich Barth

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Heinrich Barth in den Hombori-Bergen

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    Der vorliegende Auszug aus Barths Tagebuch beschreibt, wie der Afrikaforscher dieses überaus malerische Gebirge erlebte.

Am Freitag den 5. August 1853 findet sich in Barths Tagebuch »Entdeckungsreisen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-1855« die erste Nennung des Namens Hombori: »Mein Walater Gefährte war in großer Unentschiedenheit, welchen Weg wir nehmen sollten, und während es bei unserer nördlichen Richtung fast den Anschein hatte, als ob er bis diesen Augenblick die Absicht gehabt hätte, mich nach Hombori zu führen, ungeachtet seiner früheren Einwürfe gegen diesen Schritt, behauptete er jetzt, daß es nötig sei, uns nach Duna zu wenden.«
   
Noch am selben Tag sollte Barth die Hombori-Berge zu Gesicht bekommen, denn nicht viel weiter im Text heißt es: »Indem wir so vorrückten, erreichten wir nach einem Marsch von ungefähr 4 Meilen einen höheren Punkt, von wo aus wir die Aussicht über einen weiten, mit Unterholz bedeckten Landstrich, nur hie und da von einem Baobab unterbrochen, gewannen; aber im Norden erhoben sich einige Kuppen der Hombori-Kette wenn man es Kette nennen darf und verliehen der Landschaft einen sehr eigentümlichen Reiz. Diese Höhen stiegen nämlich in sonderbaren, schroffen Formen, wie sie der nachstehende Holzschnitt wiederzugeben versucht, ganz vereinzelt aus der Ebene auf.«
    Auch am nächsten Tag begleiten Barth die Hombori-Berge lediglich aus der Ferne: »Der Boden bestand hier aus tiefem weißen Sand und war mit mächtigen Baobab-Bäumen geschmückt, während parallel zu unserer Rechten in einer Entfernung von etwa 800 Schritt sich eine Kette von Sandhügeln hinzog, die in der Ferne von einer imposanten Kuppe der Hombori-Berge überragt war.«
    Am darauffolgenden Sonntag tritt der Forscher dann definitiv seine Reise durch dieses Gebirge an. Ihr verdanken wir es, daß Jahre später, mit Veröffentlichung seines Reisberichtes, die Hombori-Berge erstmals auch in Europa ein Begriff wurden. Es folgt die weitgehend lückenlose Aufzeichnung aus Barths Tagebuch, die er am Sonntag den 7. August 1853 niederschrieb: »Wir änderten nun wieder vollkommen unsere Richtung und schlugen eine nordnordwestliche Straße ein. So rückten wir denn wieder den eigentlichen Hombori-Bergen näher, die wir schon seit mehreren Tagen zu unserer Rechten in der Ferne beobachtet hatten; aber seit unserem Aufbruch von Kubo hatten wir uns infolge unseres eigentümlichen Zickzackmarsches wiederum ganz von diesen Bergen abgewandt. Als wir zum Dorfe hinauszogen, hatte es einen Augenblick beinahe den Anschein, als ob wir rückwärts gehn wollten, indem wir uns während eines Anstieges durch angebautes Land etwas nordöstlich hielten. So erreichten wir nach einem Marsch von etwa 3 Meilen den höchsten Punkt dieses Landstriches und hatten von hier aus eine höchst interessante Ansicht der vereinzelten Berghöhen des Hombori-Zuges, wie der nebenstehende Holzschnitt darstellt,
einzelne Kuppen, die in den groteskesten und wunderbarsten Gestalten aus der ganz flach erscheinenden Ebene aufstiegen.
    Hier fingen wir an, über einen gewellten sandigen Landstrich, wo die Akazie vorherrschte und nur hie und da einzelne Adansonien größere Unterbrechung verursachten, abwärts zu steigen. Nachdem wir einen Teich stehenden Wassers passiert hatten, gaben wir unserer bis dahin etwas gewundenen Straße eine mehr durchgehends nordwestliche Richtung, wobei sich auch das Land verbesserte, bis wir endlich die Felder von Issaie oder Isse erreichten. Dies ist ein Ort von einiger Bedeutung; er besteht, wie das bei den Dörfern in dieser Gegend allgemein der Fall ist, aus einem Kern von Tonwohnungen, deren einzige Besonderheit in ihren turmartigen Kornschobern beruht, und einem Vorort mit Stroh- oder Rohrhütten, wie der hier folgende Holzschnitt mehrere derselben darstellt. In solchen Hütten nahmen wir unser Quartier; mir selbst wurde eine große, vortreffliche angewiesen; diese hatte jedoch den großen Fehler, mit einem so dünnen und schwachen Strohdach gedeckt zu sein, daß ein heftiger Regenguß das Ganze unter Wasser gesetzt haben würde, wenn nicht eine kleine Rinne, die rund um den inneren Teil der Mattenwand geführt war, als Ableiter gedient hätte.
    Die beständige Feuchtigkeit, welcher ich so lange ausgesetzt gewesen, war der Grund, daß ich mich überaus erschöpft fühlte. So konnte ich denn weder die gastliche Bewirtung, die mit zuteil wurde, irgendwie genießen, noch auch während der Nacht Ruhe finden, obwohl ich, um in Schlaf zu kommen, mein Lager zu wiederholten Malen änderte.
Da wir den folgenden Tag hier blieben, hatte ich hinreichend Muße, mich mit den auszeichnenden Merkmalen dieser Ortschaft völlig bekannt zu machen, und entwarf eine Skizze von dem Dorf, welche mit einiger Verallgemeinerung und Veränderung der gegenüberstehenden Ansicht zugrunde liegt. Nahe beim Dorf befindet sich ein ausgedehnter Teich, aus dem die Eingeborenen während dieser Jahreszeit in der eigentümlichen, oben beschriebenen Weise ihren Wasserbedarf holen. Die malerischen, burgartig gestalteten Berge Homboris bilden den Hintergrund, sind aber in der Zeichnung in größere Nähe gerückt worden.« ... 

Nach Barths Skizze gezeichnet von J. M. Bernatz

Sonrhay-Ort im Niger-Bogen

    Am Dienstag den 9. August 1853 schreibt Barth: »Zwei Wege lagen vor uns; beide führten nach Norden oder vielmehr Nordwesten, und zwar durch die ungeordnete Landschaft, welche uns vom Niger trennte und jetzt anstatt fester städtischer Ansiedlungen nur zeitweilige Lagerstätten der Tuareg oder Imoscharh aufzuweisen hat, die bei dem gegenwärtigen politischen Verfall der einheimischen Rasse das ganze, auch das am südlichen Ufer des großen Stromes und dem ungeheueren wirren Knäuel seiner Hinterwasser liegende Land bis auf weite Strecken hin beherrschen. Der eine dieser Wege führte in mehr nördlicher Richtung nach Laro und der andere in nordwestlicher über Bone. Der Führer, den wir von Mundoro mitgenommen hatten, versicherte uns, daß wir in Bone weder Quartier, noch gastliche Bewirtung finden würden; aber dessenungeachtet zog mein Gefährte aus Walata aus irgendeinem Grund die letztere Straße vor. Dieser Marsch war nun für uns alle bei dem geschwächten Zustand, in dem ich mich samt meinen Leuten und Tieren befand, sehr angreifend, aber auf der anderen Seite auch überaus interessant wegen der eigentümlichen Beschaffenheit und malerischen Form der verschiedenen einzelnen Kuppen der Hombori-Berge, durch die uns der Pfad mitten hindurch führte. Diese Kette, wenn man es so nennen will, ist so eigentümlicher Art, daß es vor der Hand ganz unmöglich war, nach den Mitteilungen der Eingeborenen eine ziemlich richtige Vorstellung von ihr zu gewinnen, und ich selbst hatte sie mir viel höher und zusammenhängender gedacht. Die höchste Erhebung einiger dieser Kuppen, an denen unser Weg hinführte, steigt allem Anschein nach nicht 800 Fuß über das Niveau der Ebene; manche entlegenere Kuppen mögen einige hundert Fuß höher sein. Das durchschnittliche Niveau der Ebene, von welcher diese Höhen aufsteigen, schätze ich auf 1500 Fuß.
    Im Anfang unseres Marsches von Isse nach Bone war der Anblick der Landschaft mehr gleichförmig und die Berge, von dem aufsteigenden Boden zu unserer Rechten verdeckt, hatten vollkommen das Aussehen von Hügeln; der Pfad selbst führte über noch flacheren Boden, bald mit Unterholz bestanden, bald nackten offenen Boden
»nega« darstellend. Aber diese Szenerie gewann beträchtlich an Interesse, als wir den westlichen Fuß einer breiteren Felshöhe erreichten, die schon am vorherigen Tage unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
    Auf einem aus Trümmern und größeren Blöcken bestehenden Gehänge erhob sich eine Mauer steiler Klippen, einer künstlichen Befestigung nicht unähnlich. Auf ihrem Gipfel bildeten diese Höhen dem Anschein nach eine geräumige Terrasse, wo drei kleine Weiler liegen sollen, bewohnt von einer mutigen Schar Eingeborener, die auf dieser Felsenfeste ihre Unabhängigkeit gegen die Anpassung der erobernden Fulbe bis jetzt mit Erfolg behauptet hat.Wir bemerkten selbst am Abhang der Höhe unter den steilen Klippen, die mehrere Höhlen enthalten, einige Leute, welche ihre Schafe weideten, und Felder mit Negerhirse und »karass« (Corchorus olitorius), welches zur Würze ihres Hirsebreies dient, bezeugten die Tatsache, daß die freien Bewohner dieser Bergfeste von Zeit zu Zeit selbst in die Ebene herabsteigen, um ihren notwendigsten Bedarf zu befriedigen.
    Nachdem wir diese Berghöhe umgangen hatten und nun eine mehr nordwestliche Richtung einschlugen, näherten wir uns einer anderen Höhe, die auf einem breiteren Geröll als ganz vereinzelte schmale Kuppe aufstieg und mit ihrem engen, jähen und eingezackten Kamm der Ruine eines mittelalterlichen Bergschlosses genau ähnelte.
    Auf dieser vereinzelten Höhe hin zieht sich der Pfad nach der Sonrhay-Stadt Laro; wir ließen ihn zur Rechten und näherten uns dem Fuße einer anderen ausgezackten Felshöhe, die sich in größerer Länge hinzog, aber sonst mit ihren steilen Trachytwänden wiederum ganz das Bild von Zinnenmauern und Türmen darbot. Da, wo der Fuß der Felshöhe in den Pfad vorspringt, hatten die Bergbewohner auf dem Gipfel der Felsblöcke, die die Vorhöhlen bilden, eine kleine Kapelle oder vielmehr eine heidnische Kultstätte errichtet, die einen höchst eigentümlichen Anblick gewährte. Hier betraten wir eine Art breiten Passes, gebildet durch dieses natürliche Bergkastell und eine andere mehr westliche Kuppe, die, obgleich von bedeutenderer Höhe, nicht so scharf ausgezackt war und einen weniger malerischen Anblick gewährte.
    Am Morgen hatte eine frische Brise geweht, aber während der Mittagsstunden war die Hitze sehr drückend, und so erreichten wir überaus ermüdet um 5 Uhr nachmittags das Fulbe-Dorf Bone, das am Fuße der östlichen Felshöhe liegt. Ich hatte zwei meiner Leute vorausgeschickt, aber dennoch waren wir nicht imstande, uns Quartier zu verschaffen, und sahen uns nach unnützem Streit genötigt, draußen in der grasreichen, von den beiden Berggruppen eingeschlossenen Talebene zu lagern; denn die Bewohner dieses Dorfes, die ausschließlich Fulbe sind, sehn es nicht gern, daß Fremde ihre Wohnungen betreten, wenigstens nicht, um zu übernachten. Jedoch bewirteten sie uns am Abend mit einem ansehnlichen Vorrat von Milch.«

Aus: Barths Tagebuch »Entdeckungsreisen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-1855«

Gerhard Rohlfs | Mungo Park