Roriko                                                     Graf von Maine
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um 770/75-1.3.839 oder 841
 

Sohn des Grafen Gauzlin und der Adeltrudis
 

Werner Karl Ferdinand: Seite 443
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

II. Generation
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Zu Rotrud vgl. Tessier 3,39f. Zur Verlobung W. Ohnsorge, Abendland und Byzanz, 1963, 11,65-67.
Zu Graf Rorico (Brandenburg "Graf von Maine, + nach 832") vgl. Werner, KdG 1,137f.: Rorico begegnet noch in einer Urkunde 839 III 1. (ebd. 137, Anm. 2).
Sein Tod lag zeitlich dem Todesdatum LUDWIGS DES FROMMEN (840 VI 20) nahe, vgl. MG SS 15,468. Er wurde auch erst spät Graf von Maine, war vorher Graf von Rennes. Man sollte also in bezug auf seine Verbindung mit der schon 810 verstorbenen Rotrud
 nicht vom "Grafen von Maine" sprechen, wie das häufig geschieht. Es ist nicht sicher, daß er, als er am Hofe KARLS weilte, schon Graf war.


Roriko, ein neustrischer Graf, hatte mit Rotrud, der ältesten Tochter KARLS DES GROSSEN, nachdem sich deren Verlobung mit Konstantin VI. zerschlagen hatte, ein Verhältnis, dem ein Sohn Ludwig entsprang.

Werner Karl Ferdinand: Seite 137-142
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„Bedeutende Adelsfamilien im Reich Karls des Großen“

Mit diesem Namen bezeichnet die Forschung ein Geschlecht, das im 9. Jahrhundert namentlich im damaligen Neustrien, dem Land zwischen Seine und Loire, eine bedeutende Rolle gespielt hat. Der Name ist abgeleitet von dem des Grafen Rorico (auch Rorgo) [ego Rorgo comes heißt es in der Urkunde Roricos für Saint-Maur-sur-Loire, 839 März 1, hrsg. von P. Marchegay, Archives d'Anjou 1, Angers 1843, Cartulaire de Glanfeuil Nr. 34. - Zu dem seltenen Namen ist hinzuweisen auf den Rorih comes, der an der Spitze von vier fränkischen Grafen genannt wird, die 798 durch einen Aufruhr der Transalbingier den Tod fanden, vgl. B. Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reiches unter Karl dem Großen 2, Leipzig 1883, Seite 143 und Anmerkung 4.], in dem man den Großen erkannt hat, von dem Rotrud, die Tochter KARLS DES GROSSEN, ihren Sohn Ludwig hatte, den späteren Abt von Saint-Denis und Protonator (= Erzkanzler) KARLS DES KAHLEN.
Besitz und Einfluß dieser "RORGONIDEN" können wir von den äußeren Grenzen des fränkischhe Machtbereichs gegen die Bretagne hin, über den einstigen Dukat Maine hinweg bis in den Raum Paris nachweisen, wo alte Beziehungen zur Abtei Saint-Denis zu bestehen scheinen. Angehörige des Hauses hatten mehrfach die Grafschaft Maine, deren Besetzung im 9. Jahrhundert wie nur unzureichend kennen, inne, außerdem kleinere Grafschaften in Neustrien. Enge Beziehungen zu den Bretonen und ihren Fürsten sind ein Charakteristikum der Familie. Rorico selbst, der zur Zeit seiner Verbindung mit der KARLS-Tochter, die schon 810 starb, noch jugendlich gewesen zu sein scheint [Rotrud starb anm 6. Juni 810. - Für die Jugendlichkeit des Rorico zu Beginn des 9. Jh. spricht nicht nur, daß er in den reichen Quellen zum Hof KARLS unerwähnt bleibt, sondern auch, daß seine Ehe mit Bilechild relativ spät liegt, denn Bilechild wird noch im Zusammenhang mit der um 839 sich vollziehenden Restauration von Saint-Maur als pregnans erwähnt, Miracula s. Mauri, MG. SS. 15, Seite 466.], begegnet danach zuerst 819 als Graf von Rennes in der Bretonischen Mark. 820 ist er in Quierzy Zeuge zusammen mit dem WIDONEN Lambert, dem damaligen Leiter der Bretonenmark und Grafen von Nantes, und mit Wido dem Grafen von Vannes, der dritten Grafschaft dieser Mark. Aus dieser Zeit behielt Rorico auch später, als er (832) als Graf von Le Mans (Maine) begegnet [Erzbischof Landramnus von Tours und Graf Rorigo verwenden sich 832 bei LUDWIG DEM FROMMEN dafür, daß Aldricus Bischof von Le Mans wird, Actus pontificum Cenomannis in urbe degentium, hrsg. von G. Bousson und A. Ledru, Le Mans 1901, Seite 299f.: ... eligente eum eiusdem provincis archiepiscopo Landramno, atque comite eiusdem parrochie Morigone (sic) ... Rorico gehörte also, wie Aldricus, zur Partei LUDWIGS DES FROMMEN und verlor seine Grafschaft kurz darauf an die Anhänger LOTHARS. Am 30. April 838 begegnet Rorico uns als kaiserlicher missus, beauftragt mit der Untersuchung des Streites zwischen der Kirche von Le Mans und der Abtei Saint-Calais, in einem Diplom LUDWIGS DES FROMMEN, für dessen Echtheit sich F. Lot, Les jugemants d'Aix et de Quierzy, 838 (Bibliotheque de l'Ecole des Chartes 82, 1921), Seite 293-302, einsetzte. Mit Sicherheit authentisch ist die große Zeugenliste zu diesem Placitum. In ihr steht Graf Rorico zusammen mit einem Grafen Gauzfrid, in dem wir einen weiteren Angehörigen des RORGONIDEN-Hauses sehen dürfen, dessen Verwandtschaftsbeziehung zu Rorico wir nicht genauer kennen. Mit Roricos gleichnamigem Sohn, der erst 861 in anderen Quellen begegnet, kann er aus chronologischen Gründen nicht identisch sein; vgl. dazu auch oben Anmerkung 7 und unten Anmerkung 29.], bedeutende Besitzungen in der bretonischen Grenzzone, in denen er ein adliges Leben führte [Vgl. Miracula s. Mauri, SS. 15, Seite 466: Die um den Wiederaufbau von Glanfeuil Bemühten suchen den Grafen Rorico in einer seiner Besitzungen auf: Brennowen amplissimum possessionis suae cespitem peunt. Dort sehen wir eines Morgens den Grafen in geistlichen Übungen; ... isdem venerabilis comes in oratoriolo compendiose ibidem constructo, ut nobilioribus mos est (Ein wichtiger Hinweis zur Adelskultur!), post matutinos residens hymnos divinis intenderet theoriis ... Ebd. wird kurz zuvor ein anderer Adelssitz Roricos genannt: ... de loco habitationis suae qui Boscus vocatur. In der oben, Anmerkung 2, zitierten Urkunde von 839 schenkt Rorico das von seinen Eltern ererbte Allod Maze-en-Valle im Anjou. Auch Vernentis (Vernantes, Maine-et-Loire, arr. Bauge) erscheint in den Miracula s. Mauri als Besitz des Grafen. - Der reiche und vornehme Bretone Winkalon aus Vannes, einer der Begründer der Abtei Redon, wird uns als Freund und Berater des Grafen Rorico genannt; Gesta Conwoionis abbatis, AA. SS. ord. s. Ben. 4, 2, Seite 193-225, dort Seite 203. Man darf annehmen, daß der bei LUDWIG DEM FROMMEN einflußreiche Graf an der Politik des Kaisers, die zur Einrichtung eines Missaticums Bretagne unter einen bretonischen dux (Nominoe) führte und zur Voraussetzung des entstehenden bretonischen Prinzipats wurde, maßgeblich beteiligt war; vgl. Werner, Entstehung (wie Anmerkung 9).], zusammen mit seiner legitimen Gemahlin Bilechild, die vor allem die Restauration von Saint-Maur betrieben zu haben scheint [Die Gemahlin Roricos wird in den Miracula s. Mauri stets als der aktive, drängende Teil dargestellt, während Rorico zögert und dadurch beinah ein himmlisches Strafgericht heraufbeschwört. Man darf vermuten, daß der Fundus von Saint-Maur überhaupt erst durch die Ehe mit Bilechild in den Besitz Roricos gelangt ist.].

Boshof Egon: Seite 25,220
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"Ludwig der Fromme"

Die schon erwähnte Rotrud, die zweitweise für eine Ehe mit dem byzantinischen Kaiser Konstantin VI. ausersehen war, heiratete um 800 Rorico, den späteren Grafen von Maine [Werner Nachkommen Karls des Großen, 443; zu Rorico: Ders., Bedeutende Adelsfamilien, 137ff.].
Für Alderichs Erhebung zum Bischof von Le Mans hatte sich der Graf Rorico eingesetzt, der einst in enger Beziehung zur KARLS-Tochter Rotrud gestanden hatte. Als Inhaber der Grafschaft Maine war auch er, obwohl er sich zeitweise vielleicht LOTHAR angeschlossen hatte, eine Stütze der kaiserlichen Herrschaft in dieser Region.
 
 
 
 

     800
  1. oo Rotrud, Tochter KARLS DES GROSSEN
          775-6.6.810

  2. oo Bilechild
                 - nach 839
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Ludwig Abt von St. Denis
  800-8.1.867

2. Ehe

  Gauzbert Graf von Maine
          -   853

  Gauzfridus Graf 861-878
          -

  Roriko Graf
        -   865

  Gauzelinus Bischof von Paris
         -16.4.886

  Bilechild
      -

  oo Bernhard Graf der Bretonischen Mark
              -   844 gefallen

  Adeldrudis
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Boshof Egon: Ludwig der Fromme. Primus Verlag Darmstadt 1996 Seite 25,220,246 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 90,145 - Werner Karl Ferdinand: Bedeutende Adelsfamilien im Reich Karls des Großen. Band I Seite 83-142 in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf -
Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986 Seite 226,254,259 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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