Sohn des Markgrafen
Bernhard von Gothien und der
Bilechild
Dümmler Ernst: Band I Seite 559,797; Band
II Seite Seite 54,88,115,117
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"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"
Der König blieb den Schauplätzen dieser Greuel
fern: er hielt sich die Osterzeit 865 über zu Servais auf, unweit
der Oise, woselbst er den Grafen Bernhard
einen Teil der Mark Gothien übertrug, um durch die Teilung
das Gewicht dieser Stellung zu schwächen.
Bernhard, der Sohn des berüchtigten Markgrafen Bernhard
von Septimanien, früher auch als Reichsfeind geächtet, wurde
damals Graf von Auvergne, einen zweiten Bernhard
finden wir neben ihm als Markgrafen von Gothien.
Welcher Schreck aber mußte den Kaiser erfassen,
als er vernahm, daß sowohl Boso
wie auch der kriegerische Abt Hugo von Tours, Graf Bernhard von Auvergne
und Markgraf Bernhard von Gothien,
kurz alle auf deren Beistand er gebaut, ihn insgesamt im Stich ließen
und zwar infolge einer Verschwörung, an der die Mehrheit der Großen
sich beteiligte.
So wurde Hugo jetzt
und mit ihm Emeno, der Bruder des Markgrafen Bernhard
als sein Mitschuldiger, gleichfalls wegen Raubes von der Kirchengemeinde
ausgeschlossen, wofern er nicht binnen 30 Tagen zur Treue gegen den König
zurückkehrten. Das gleiche Los traf erst nach dem Schluß der
Synode den Markgrafen Bernhard von Gothien,
der selbst zuerst als Ankläger gegen den Erzbischof Frothar aufgetreten
war, nunmehr aber beschuldigt wurde, demselben den Eintritt in seine Stadt
verwehrt zu haben, wie er auch seinen Leuten einen frevelhaften, wahrscheinlich
gegen den König verpflichtenden Eid abgenommen hatte.
Auf einem Zug, den Ludwig
im Februar 879 gegen den abgesetzten Markgrafen
Bernhard von Gotien angetreten, war er in Troyes durch eine
plötzliche Verschlimmerung seiner langwierigen Krankgheit zur schleunigen
Rückkehr gezwungen worden. Zur Zeit von Ludwigs
Ableben (10. April 879) lag ein Teil der westfränkischen Großen
noch gegen den Markgrafen Bernhard im
Felde, dem sie die Grafschaft Autun entreißen sollten.
Wir wissen nicht, worin diese bestanden, doch darf man
vielleicht an den Versuch denken, den der Papst in Troyes unter Beistimmung
des Königs machte, mittels einer gefälschten Urkunde die Abtei
St. Denis für sich zu erwerben und sie mithin Gauzlin
zu entziehhen, sowie an die Verwandtschaft des letzteren mit dem gebannten
Grafen
Bernhard von Gothien, dem Sohn seiner Schwester Bilechild,
durch dessen Empörung auch seine Treue verdächtigt wurde.
Schieffer Rudolf: Seite 168,172,182
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"Die Karolinger"
So wie KARL 872 den
längst erwachsenen Sohn in seinem aquitanischen Regnum unter die Kuratel
des Grafen Bernhard (Plantapilosa) von Autun, Sohn des einst hingerichteten
Bernhard von Septimanien, ferner des gleichnamigen Grafen von Gothien
sowie
Bosos von Vienne gestellt hatte,
unterwarf er auch jetzt Ludwigs Verfügungsgewalt
und Bewegungsfreiheit allerhand einschränkenden Bestimmungen.
In Wahrheit kam der neue König kaum zur Entfaltung,
denn bereits auf einem Feldzug, den er im kommenden Frühsommer 878
im Schlepptau Hugos des Abtes gegen die Normannen an der unteren Loire
und zugleich gegen Hugos Widersacher aus dem RORGONIDEN-Haus
unternahm, erkrankte Ludwig lebensgefährlich
und mußte es hinnehmen, daß sich Markgraf
Bernhard von Gothien, ein enger Verwandter der Angegriffenen,
mit weiter Resonanz im Süden gegen ihn erhob.
Ludwig der Stammler
erlangte vom Papst eine weitere, bestätigende Krönung, die freilich
seiner zweiten Gattin Adelheid wegen
des unkanonischen Charakters ihrer Ehe versagt blieb, setzte auch eine
Verurteilung seiner politischen Gegner durch - neben Bernhards
von Gothien auch
Hugos, des unglücklichen Friedelsohnes Lothars
II. mit Waldrada.
Von großer Tragweite war, daß mit dem Aufrücken
Ludwigs
des Stammlers zum westfränkischen König 877 auch die
karolingische
Unterherrschaft
über Aquitanien entfiel, was sich 878/79, freilich noch vergebens,
Bernhard
von Gothien zunutze zu machen suchte, dann aber die Bahn freigab
für den von KARL III. bereits
als marchio titulierten Grafen Bernhard (Plantapilosa).
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 559,797;
Band II Seite 54,88,90,115,117 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 168,172,182 -