Chlodwig II.                                              Frankenkönig von Neustrien (639-657)
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634- Herbst 657 (11.9./16.11.)
 

Jüngerer Sohn des Franken-Königs Dagobert I. aus seiner 2. Ehe mit der Nantechildis
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1867
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Chlodwig II., merowingischer König
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* 633/34, + 657

Noch zu Lebzeiten hatte Dagobert I. die Erbfolge nach altem Teilungsprinzip geregelt: Das O-Reich fiel an Sigibert III., Neustrien und Frankoburgund an den jüngeren Sohn Chlodwig II. Unter der Königin-Mutter Nanthild führte der Hausmeier Aega die Regierungsgeschäfte für das königliche Kind. Nach Aegas Tod 641 erhob Nanthild Erchinoald (einen Verwandten von Dagoberts I. Mutter) zum Hausmeier für Neustrien; 642 erneuerte sie auch das burgundische Hausmeieramt und betraute damit den Franken Flaochad. Zugeständnisse an die frankoburgundischen Großen (unter anderem Ämtergarantie auf Lebenszeit) vermochten nicht, Spannungen zwischen Franken und Burgundern zu verhindern. Flaochad starb noch 641; ob er einen Nachfolger erhielt (vielelicht der zu 654 bezeugte Radobert?), bleibt unsicher. Da die Fredegarchronik 642 abbricht, wissen wir kaum etrwas über die folgenden Jahre Choldwigs II. Das Verhältnis zwischen Austrasien und Neustroburgund scheint zuweilen durch Grenzfehden getrübt gewesen zu sein. Hinzu kommt möglicherweise die Sorge im O-Reich, dessen König Sigibert III. lange ohne Söhne blieb, vor Ambitionen des Westreiches auf das austrasische Erbe. - Um 648 vermählte sich Chlodwig II. mit Balthild, die eine überragende Persönlichkeit war; nach dem frühen Tod Chlodwigs II. 657 leitete sie die Regierung im W-Reich.

Quellen:
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Fredegar IV, 76,79-90 (MGH SRM II) - Liber hist. Fr. 42-44 (ebd.) - Vita s. Balthildis 3-5 (ebd.) -

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilreiche im 7. Jh., Trierer Zs. 22, 1953, 114-1212 [Ders., Spätantikes und frk. Galien I, 1976, 201-207] -


Nach dem Tode seines Vaters wurde Chlodwig II. König von Neustrien und Burgund unter Vormundschaft seiner Mutter und mächtiger Hausmeier, da der neustrische Adel gegen eine Vereinigung mit Austrien war. Durch ständige Bürgerkriege verstärkten sich die Gegensätze der Teilreiche immer mehr. Er war 656/57 noch einmal Gesamtkönig und starb im Wahnsinn.

Ewig Eugen:
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"Die Merowinger"

Chlodwig II. (638/39-657) wurde nach dem Tod Dagoberts von den neustrischen und frankburgundischen Großen in der Pfalz Malay-le-Roi (Diözese Sens) zum König erhoben. Die Regierung für den erst 4-jährigen Knaben führten die Königin-Mutter Nanthild und der Hausmeier Aega. Erster Regierungsakt war eine Amnestie für die bei Dagobert in Ungnade Gefallenen, verbunden mit der Rückgabe der konfiszierten Güter. Aus nicht mehr ersichtlichen Gründen ging der Hausmeier aber bald darauf gegen die "Burgundofaronen" von Meaux vor und scheute nicht einmal vor Maßnahmen gegen die Abtei Faremoutiers zurück. Kurz vor seinem Tod (641, zu Clichy) kam es zu einem schweren Zusammenstoß auf einem Gerichtstag, bei dem Aegas Schwiegersohn Ermenfred den Grafen Chainulf von Meaux, einen Bruder des Bischofs und der Äbtissin, erschlug. Die Königin Nanthild stellte sich auf die Seite der Burgundofaronen und ließ der Blutrache freien Lauf. Ermenfred rettete sich durch die Flucht ins O-Reich nach Reims.
Nachfolger Aegas als Hausmeier wurde Erchinoald, ein Verwandter von Dagoberts Mutter Haldetrud. Im Jahr darauf erneuerte Nanthild im Einvernehmen mit Erchinoald auf einer Versammlung der Frankburgunder zu Orleans das frankoburgundische Hausmeieramt. Sie traf damit eine Maßnahme, die angesichts der Unmündigkeit ihres Sohnes wohl unvermeidbar war, da dem neustrischen Hausmeier keine Kompetenz für das Gesamtreich zukam. Zum Hausmeier für das merowingische S-Reich wurde der Franke Flochad erhoben, der vielleicht den Herzögen des (Hatuyer-Dijon) nahestand und bei dieser Gelegenheit Ragnoberta, eine Nichte der Königinmutter, heiratete. Den Herzögen und Bischöfen seines Sprengels gab Flaochad die schriftliche, eidlich bekräftigte Zusage, dass er mit ihnen Freundschaft wahren und einen jeden in Amt und Würden erhalten werde.
Flaochad hegte jedoch einen tiefen Groll gegen den patricius Willebad, einen der mächtigsten Großen burgundischer Abstammung, mit dem er in alten Zeiten einmal befreundet gewesen war. Willebad hatte bei Dagobert in hohem Ansehen gestanden. Sein Amtssprengel umfaßte anscheinend das altburgundische Kernland um Lyon bis nach Vienne und Valence. Er erwiderte anscheinend den Haß Flaochads von ganzem Herzen. Als Flaochad im Mai 642 eine Reichsversammlung in der Königsstadt Chalon abhielt, konnte eine blutige Auseinandersetzung zwischen den beiden nur mit Mühe verhindert werden. Darüber starb die Königin Nanthild. Flaochad mobilisierte den neustrischen Hausmeier Erchinoald und das Königskind Chlodwig, das Willebad nach Autun auf eine Reichsversammlung im September zitierte. Willebad erschien mit einem großen kriegerischen Gefolge seines Amtssprengels in der Begleitung von Bischöfen und edlen Herren und schlug vor der Stadt sein Lager auf. Wenn Flaochad eine Reichsexekution erwartet hatte, so sah er sich enttäuscht. Im Kampf, der am nächsten Tag stattfand, blieben die Intimfeinde unter sich. Mit Flaochad traten nur seine Freunde, der Pfalzgraf Berthar und die Herzöge Amalgar und Chramnelenus an. Erchinoald mit seinen Neustriern und die übrigen frankoburgundischen duces standen abseits und "erwarteten den Ausgang", den sie wohl als Gottesurteil auffaßten. So nahm der Kampf den Charakter einer Auseinandersetzung zwischen Franken und Burgundern im einstigen Reich Gunthrams an, wobei der Romane Chramnelenus auf der Seite der mit ihm versippten Franken stand. Die fränkische Partei siegte. Willebad fiel, aber auch Floachad überlebte seinen Triumph nicht lang. Er starb auf der Fahrt von Chalons nach St. Jean de Losne, wurde ins  Herzogtum Amalgars überführt und in der Abtei St. Benigne von Dijon beigesetzt. Willebads Gedächtnis wurde in Lyon, in St. Eteinne und St. Oyand de Joux gefeiert. "Fredegar" aber sah im Tod beider Antagonisten die Hand Gottes.
Die Fredegarschronik bricht damit ab. Ihr Fortsetzer meinte 100 Jahre später, dass Chlodwigs Regierung eine Friedenszeit gewesen sei, was im großen und ganzen auch stimmen dürfte. Wie die Regierung Frankoburgunds nach dem Tode Floachads organisiert wurde, steht dahin. Man sollte meinen, dass ein frankoburgundischer Hausmeier nicht entbehrt werden konnte, solange der König unmündig war. In Neuster hatte Erchinoald mit den Senioren aus der Zeit Dagoberts zu rechnen, von denen freilich die bedeutendsten nicht mehr ständig am Hof weilten. Im gleichen Jahr 641 übernahm Audoin das Bistum Rouen, Eligius das Bistum Noyon. Der Hausmeier unterhielt zu ihnen nicht gerade herzliche Beziehungen. Audoin und Eligius hatten mit Willebad sympathisiert und die blutige Auseinandersetzung vor den Augen des Könisgskindes jedenfalls mißbilligt.
Der Eintritt eines Königskindes in die Mündigkeit und die sich meist daran anschließende Heirat stellten auch einen mächtigen Hausmeier vor die Frage, wie er neben einem erwachsenen Herrscher  seine Regentschaft weiterführen könne. Erchinoald erinnerte sich gewiß, dass Dagobert sich wenige Jahre nach seiner Heirat vom Einfluß seiner Mentoren befreit hatte. So liegt die Annahme nahe, dass er selbst eine angelsächsische Sklavin namens Balthild aus seinem Dienstpersonal dem König zuführte, die Chlodwig um 650 zur Frau nahm. Traf dies zu, so war er der Düpierte. Denn die junge Königin sollte sich bald als eine gefährliche Rivalin ihres einstigen Herrn erweisen.
Balthild gebar dem König in den Jahren 650-656 drei Söhne: Chlothar, Theuderich und Childerich. Chlodwig starb bald darauf - 657 - im Alter von 23 Jahren. Er war ein roi faineant, nach dem Fortsetzer Fredegars in seinen letzten Jahren "von Sinnen" (amens). Die Frankengeschichte des frühen 8. Jahrhunderts spezifiziert vielleicht etwas tendenziös: "ein Wüstling", "sonst nur auf Essen und Trinken aus". Erchinoald überlebte den König nur kurze Zeit. Er starb vor 660 und wurde von Eligius "aus Barmherzigkeit" bestattet, vermutlich in Peronne. Bei der Nachfolge im Hausmeieramt wurde sein Sohn Leudesius übergangen.

Schneider Reinhard: Seite 147-150,153,212,247
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"Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter"

Ein Jahr nach Sigiberts III. Erhebung zum König von Austrasien wird Dagobert von seiner Frau Nanthilde ein Sohn Chlodwig geboren. Soweit erkennbar, setzt sofort eine Initiative der neustrischen Großen ein, die offenbar eine Nachfolge Sigiberts auf Dagobert im gesamten Reich befürchtet hatten und nun das auch für sie unerwartete Geschenk eines zweiten Königssohnes sich politisch nutzbar zu machen suchen. Auf das consilium und die admonicio der neustrischen Großen erfolgte mit Sigibert eine vertragliche Erbregelung, die von Austrasiens Großen, seinen Bischöfen und übrigen leudes, beschworen wurde. Nach der solcherart gefestigten Erbregelung sollte nach Dagoberts Tod Sigibert sich auf sein bisheriges austrasisches Königreich beschränken, während Neustrien und Burgund unter die Königsherrschaft Chlodwigs II. kommen sollten. Beider Brüder Reiche wären überdies im Hinblick auf Bevölkerung und territorialen Umfang gleich groß.
Seinem Getreuen Aega kommendierte Dagobert persöblich die Königin Nathilde und den unmündigen Chlodwig, der sub tenera aetate regnum patris adscivit. Im Gegensatz zu seinem Halbbruder Sigibert erhielt Chlodwig II. erst jetzt ein fränkisches Königreich und wurde in einer Versammlung in Malay-le-Roi von allen leudes Neustriens und Burgunds zum König erhoben. Niicht ausdrücklich erwähnt, aber zu erschließen sind Thronsetzung Chlodwigs II. und Huldigung bzw. Treueide der Großen bei diesem Anlaß. Faktisch wurde die Herrschaft für den unmündigen König von Aega und der Königin-Witwe Nanthilde ausgeübt, die als Regenten anzusprechen sind. Aegas Rolle resultierte aus dem Kommendationsakt des sterbenden Königs, aber auch Nanthilde als Mutter des Erben aus dem Kreis von Dagoberts Frauen herausgehoben hatte, wie die Regentschaft der Königinwitwe für den unmündigen Sohn und König im fränkischen Recht der Herrschaftsnachfolge ohnehin vorgezeichnet gewesen war.
Eine tatsächliche Teilung erfuhr jedoch Dagoberts Königsschatz, der nach längeren Verhandlungen zwischen Austrasien einerseits und Neustrien/Burgund andererseits gedrittelt wurde: Aqua lanciae erhielten Sigibert, Chlodwigund die Königin Nathilde ihre Anteile. Die überlieferten Nachrichten lassen offen, ob nur das geteilt wurde, was Dagobert erworben hatte oder ob der von ihm bei seinem eigenen Herrschaftsantritt übernommene Hort mit einbezogen wurde in die Anteile seiner Söhne, was sehr wahrscheinlich ist, zumal wenn man sich die Behandlung des Sigibert-Anteils in Austrasien vergegenwärtigt.
 
 
 
 

 650
  oo Bathilde
             -   680
              Kloster Chelles

     Angelsächsische Fürstentochter

Bathilde stiftete das Kloster Corbie und war eine bedeutende Regentin, sozial sehr engagiert und wurde 667 vom Hausmeier Ebroin abgesetzt und ins Kloster Chelles gesteckt.
 
 
 
 

Kinder:

  Chlothar III.
  654-   673 ermordet

  Childerich II.
        -   675 ermordet

  Theuderich III.
         -   691
 
 
 
 

Literatur:
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Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 270-272 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 143,245 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 461 - Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987, Seite 90,99 - Ehlers, Joachim: Die Kapetinger.Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 60 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 129,145-149,152,157-160,164,199,202-206 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 50 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien.Anton Hirsemann Stuttgart 1986, Seite 14,76 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 254 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 34,40 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 17,21,48 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 147-150,153,212,247 - Weinfurter Stefan: Die Salier und das Reich Band 1-3. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991, Band II, Seite 207 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 350,355 -
 
 
 
 
 
 


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