Begraben: Dom zu Speyer
2. Tochter des Herzogs
Hermann II. von Schwaben und der Gerberga
von Burgund, Tochter von König Konrad
Mütterlicherseits Cousine von Kaiser
HEINRICH II. und Nichte König
Rudolfs von Burgund
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1465
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Gisela, Deutsche Kaiserin
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* um 990, + 15. Februar 1043
Goslar
Das anderslautende Geburtsjahr auf einer in ihrem Grab
gefundenen Bleitafel ist offenkundig falsch.
Begraben: Dom zu Speyer
Eltern: Herzog Hermann II. von Schwaben und Gerberga,
Tochter König Konrads I. von Burgund
1. oo Bruno Graf von Braunschweig
- 1013?
2. oo Ernst I. Herzog von Schwaben
- 1015
3. oo KONRAD II.
Söhne:
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von 1.: Graf Liudolf
von 2.: Ernst II. von Schwaben
von 3.: HEINRICH III.
Wegen der kanonisch anfechtbaren Verbindung mit dem
SALIER KONRAD (gemeinsame Abstammung von HEINRICH
I.) entzog Kaiser HEINRICH II.
ihr die Verwaltung des Herzogtums Schwaben für ihren minderjährigen
Sohn Ernst. Als ihr nach KONRADS Wahl
zum deutschen König Erzbischof Aribo von Mainz aus nicht klar ersichtlichem
Grund die Krönung verweigerte, wurde Gisela
am 21. September 1024 vom Erzbischof Pilgrim von Köln zur Königin
gekrönt. Damit wurde der Kölner Anspruch auf das Recht der Königskrönung
bekräftigt. Am 26. März 1027 empfing Gisela
zusammen mit KONRAD II.
in Rom von Papst Johannes XIX. die Kaiserkrone.
Nach Ausweis ihrer Interventionen in den Diplomen KONRADS
II. nahm sie an der Reichspolitik lebhaften Anteil: Aufgrund
ihrer Vermittlung übertrug ihr Oheim Rudolf
III. von Burgund im Vertrag von Basel (August 1027)
KONRAD II. die Nachfolge in seinem Reich. Dadurch fiel nach
Rudolfs
Tod
(1032) das regnum Burgund an das deutsche Reich. Durch ihre Fürsprache
kam 1033 zu Merseburg ein Friedensschluß mit Mieszko
von Polen zustande. Wiederholt trat sie als Fürsprecherin
ihres aufständischen Sohnes Ernst auf, sagte sich aber nach dessen
Absetzung und Ächtung 1030 endgültig von ihm los. Gisela
förderte die Kirche und nahm Einfluß auf die Besetzung von Bistümern
und Reichsabteien. 1027 ließ sie sich zusammen mit dem Thronfolger
HEINRICH III. in die Gebetsbrüderschaft des Klosters St.
Gallen aufnehmen. Nach dem Herrschaftsantritt HEINRICHS
III. (1039) ging ihr Einfluß auf die Reichspolitik jedoch
infolge persönlicher Spannungen zurück.
Quellen und Literatur:
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NDB VI, 413f. - MGH DD IV. 1909 [Nachdr. 1980] - RI III,
I - H. Bresslau, JDG K. II, 1-2, 1879-1884 [Nachdr. 1967] - E. Steindorff,
JDG H. III, I, 1874 [Nachdr. 1963] - E. Brandenburg, Probleme um die Ksn.
G., BAL 80, 4, 1928 - N. Bischoff, Über die Chronologie der Ksn. G.
und über die Verweigerung ihrer Krönung durch Aribo von Mainz,
MIÖG 58, 1950, 285-309 - H. J. Rieckenberg, Das Geburtsdatum der Ksn.
G., DA 9, 1952, 535-538 - Th. Vogelsang, Die Frau als Herrscherin im hohen
MA, 1954, bes. 40 - P. E. Schramm-F. Mütherich, Die dt. Ks. und Kg.
in Bildern ihrer Zeit, 1983, 227 mit Abb. 142, 143,144 und 185.
IX. Generation
19.
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Gisela
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* 990, + 1043 14. II.
Gemahl: a) 1013/14 Ernst I. Herzog von Schwaben
+ 1015 3.V.
b) 1015 Bruno Graf von Braunschweig
+ 19015/16
c) Anfang 1017 Kaiser KONRAD II.
* ca. 990, + 1039 4. VI.
Anmerkungen: Seite 129
------------------
IX. 19. Gisela
siehe Brandenburg, Probleme um die Kaiserin Gisela 29f.; Bollnow, Grafen von Werl 89f., hat meine Ausführungen über ihre Geburtszeit und Ehen in einem besonderen Exkurs zu widerlegen versucht znd kommt auf die ältere Annahme zurück, daß Graf Bruno ihr erster Gemahl gewesen und das Datum ihrer Geburt in der in den Kaisergräbern zu Speyer gefundenen Grabinschrift unrichtig sei. Ich finde das Wesentliche meiner Beweisführung durch seine Einwendungen nicht erschüttert; einen stichhaltigen Grund für die Anzweifelung des urkundlich so gut wie irgend möglich gesicherten Geburtsdatums der Kaiserin hat er nicht beigebracht; daran hängt alles Weitere.
Ergänzungen (Wolf):
-------------------------
Die Reihenfolge der Ehen und somit auch die der Kinder
ist nach neuerer Forschung wie folgt:
Gemahl a) ca. 1002 Bruno Graf von Braunschweig
Sohn 27a: Ludolf (statt 29 b), * ca. 1002/03 (statt 1016/17)
Gemahl b) Ernst, + 1015 31 V (Thietmar VII 14)
Kinder 28b: Ernst II. (statt 27 a)
29b: Hermann IV (statt 28 a)
Gemahl c) KONRAD
K 3
Lü: 15.2. Gisla imp. Germahlin KONRADS II.
Die Berücksichtigung Giselas
im Lüneburger Necrolog zeigt, wie mehrere Einträge von Beratern
und Vertrauten KONRADS II., die Verbesserung
der Beziehungen der BILLUNGER zum Königtum, siehe oben Seite 121ff.
Allegemein zu Gisela
vgl. NDB 6 Seite 413ff.; Biographisches Wörterbuch 2, Spalte 2392.;
FW K 43.
VII. 38. Gisela von Schwaben
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* (990) XI 11, + 1043 II 15
c 1002
1. oo Bruno "Graf von Braunschweig"
+ c 1010
c 1010
2. oo Ernst I. Herzog von Schwaben
+ 1015 V 31
c 1016
3. oo Konrad, seit 1024 als KONRAD II. König im
Deutschen Reich
+ 1039 VI 4
2. Tochter des Herzogs Hermann II. und der Gerberga von Burgund, Tochter von König Konrad
Wie aus der Nachricht Ekkehards IV. in den Casus s. Galli
c. 66, S. 142 (als Schwester der Mathilde,
Gemahlin Konrads von Kärnten, bezeichnet), und aus den Angaben des
Annalista Saxo a. 1026, SS VI 676, zur Gemahlin KONRADS
II. hervorgeht, war die Kaiserin Gisela
eine Tochter der Gerberga, Gemahlin
Herzog
Hermanns II. von Schwaben. Die Filiation der Kaiserin
Gisela von
Herzog
Hermann bezeugt Wipo, Gesta Chuonradi c. 4, S 24 f.
Die "Probleme um die Kaiserin Gisela" (so der Titel einer
Akademieschrift Brandenburgs) begannen mit der Öffnung des Sarkophags
in Speyer, wobei eine Bleitafel mit einer Inschrift gefunden wurde (gedruckt
bei Ehrentraut, Inschrifttafeln S. 194 und Taf. 38); dieser zufolge wäre
Gisela
am 999 XI 11 geboren worden, während man vor diesem Fund unter Kenntnis
der drei Ehen Giselas und der Geburtszeit
ihrer Kinder angenommen hatte, Gisela
sei wie ihr dritter Gatte, KONRAD II.,
c 989/90 geboren. Bei Anerkennung des in der Tafel genannten Geburtsjahres
wäre der am 1017 X 28 geborene spätere KaiserHEINRICH
III. das vierte Kind aus der dritten Ehe einer gerade erst 18-jährigen
Frau gewesen. Die Forschung war in ihrem Urteil in der sicherlich authentisch
und als Überrest auch nicht einfach abzuqualifizierenden Quelle geteilt.
Neben energischen Verfechtern für deren Richtigkeit, die freilich
- was hier nicht näher ausgeführt werden kann - auch bei der
Zahl der Kinder und bei der Frage einer angemessenen Trauerzeit zwischen
den drei Ehen
Giselas in chronologische
Schwierigkeiten gerieten, fanden sich von Anfang an Stimmen, die die Tafelangaben
für fehlerhaft hielten, zumal die fragliche Bleitafel ganz offensichtlich
flüchtig angefertigt und auch nicht fertiggestellt war. In ihrer Mehrheit
sieht die Forschung 999 nicht mehr als das Geburtsjahr der Kaiserin
Gisela an; Rieckenberg, Geburtsdatum passim, hat einleuchtend
erklärt, wie aus der Vorlage 990 XI 11 der Inschriftentext 999 XI
11 werden konnte, wobei die auf der Tafel gegebene Indiktion zum ersteren
Datum paßt; ich habe daher das von Rieckenberg ermittelte Geburtsdatum
eingesetzt.
Vgl. im übrigen zu diesem Problemkomplex Jakobs,
Adel S. 190 (Forschungsbericht), Hlawitschka, Bleitafelinschrift (weitere
Fehler auf der Tafel) und dens., Untersuchungen Kap. III d, jeweils mit
Hinweisen auf die einschlägige Literatur.
Es sei noch erwähnt, daß alle drei Ehen der
Kaiserin
Gisela nur beim Annalista Saxo a. 1026, SS VI 676, bezeugt sind,
allerdings in der irrigen Reihenfolge
Ernst von Schwaben - Bruno von
Braunschweig - KONRAD II.
Vgl. dazu Leidinger, Untersuchnungen S. 61-65.
König HEINRICH I.
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Gerberga
OTTO I. DER GROSSE
2. oo Ludwig IV. von Frankreich
1. oo Edgitha
--
--
Mathilde
Liutgard
oo 2. Konrad König von Burgund
oo Konrad der Rote
--
--
Gerberga
Otto von Worms
2. oo Hermann
II. von Schwaben
-----------------------------------------
---------------------------------
Beatrix
Gisela Mathilde
oo Konrad Herzog von Kärnten Heinrich
--
3. oo -----------------------------------------------------------------
KONRAD
II.
Trillmich Werner: Seite 138
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Da Gisela von edelster
Abstammung war, schön, feingebildet, geistreich und vermögend,
dürften sich zahlreiche Bewerber um ihre Hand eingestellt haben. Zunächst
führte sie der in Friesland östlich der Zuidersee und in Ostfalen
begüterte Graf Bruno von Braunschweig heim, dem sie einen Sohn
Liudolf gebar. Die Heirat mit dem stammfremden Herrn mag dadurch vermittelt
worden sein, dass ihre Mutter sich in erster Ehe einem Grafen von Werl
vermählt hatte, einem der reichsten und mächtigsten Herren Westfalens
und Südengerns.
Zum zweitenmale verband sich Gisela
bald nach dem frühen Tode des Gatten dem Bruder des Markgrafen von
Österreich, dem BABENBERGER Ernst. Als 1012 unerwartet
Giselas
Bruder, der junge Herzog
Hermann III. (1013-1012) starb, der letzte männliche KONRADINER
in Schwaben, betraute der König ihren Gemahl mit der Nachfolge. Durch
ihre Hand verschaffte sie ihm eine gewisse Legitimität im Lande, durch
die ererbten Allodien des Toten den erforderlichen materiellen Rückhalt.
Leider kam der Herzog schon drei Jahre später, am 31. Mai 1015, durch
einen Jagdunfall ums Leben.
Black-Veldtrup Mechthild: Seite 166,190
*********************
"Kaiserin Agnes"
Darauf, dass das Dotalgut der Königinmutter zum Zeitpunkt
der Verheiratung des Thronfolgers erhöht wurde, deutet eine Schenkung
KONRADS
II. für Gisela vom
17. Januar 1035, die zeitlich nahe an die Konsenserklärung HEINRICHS
und
Gunhilds im Mai/Juni 1035 heranreicht.
Damals erhielt Gisela
das Gut Eichen,
das sie noch am selben Tag dem Kloster Limburg übertrug - eben jenem
Kloster, das mit seinen reichen Besitzungen als zum Dotalgut
Gunhildsgehörend
vermutet worden ist. Möglich wäre allerdings auch, dass KONRADGisela
bereits
vor der Heirat seines Sohnes absichern wollte. Gut Kölbigk westlich
von Bernburg ist im Besitz von Gisela
und
Agnes
nachweisbar.
KONRAD II. hatte das reiche
billungischen Gut Lesum konfisziert und offenbar seiner Gemahlin
Gisela
geschenkt.
Bereits Kaiserin Gisela
hatte erfahren müssen, was es bedeutete, aus einer Ehe von zu nah
verwandten Personen zu stammen: Der Mainzer Erzbischof Anno hatte sich
1024 geweigert, sie zu krönen, weil - wie Armin Wolf überzeugend
nachgewiesen hat - zwischen ihren Eltern eine Verwandtschaft im 3. Grad
bestand. Die Forschung hat lange angenommen, dass Aribos Verhalten auf
ein zwischen Gisela
und
KONRAD
selbst bestehendes Ehehindernis zurückzuführen sei, konnte aber
dann nicht erklären, warum er KONRAD
krönte und Gisela nicht. Gisela
wurde
erst am 21. September 1024 in Köln vom dortigen Erzbischof gekrönt,
der Ostern 1028 in Aachen auch HEINRICH III. am
selben Ort krönte.
Frommer Hansjörg:
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"Spindel Kreuz und Krone"
Gisela Gemahlin Konrads II.
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Die Bruchsaler Unterwerfung von 1002
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Am 1. Oktober 1002 mußte Herzog Hermann II.
von Schwaben sich in Bruchsal vor dem neuen König
HEINRICH II. demütigen und unterwerfen und wurde dafür
erneut mit seinem Herzogtum belehnt. Damit fand ein unruhiges und bewegtes
Jahr seinen Abschluß, das für diesen Herzog Hermann ganz
andere Perspektiven gehabt hatte. Im Januar war OTTO
III. in der Nähe von Rom gestorben, ohne direkten Erben,
und auch ohne jemanden als Nachfolger "designiert" zu haben. Die deutschen
Könige waren immer in einem Wahlakt erhoben worden, aber die letzten
drei Wahlen waren nicht "frei" gewesen, weil der Sohn jeweils zu Lebzeiten
des Vaters gewählt und gekrönt wurde. Jetzt konnten die Fürsten
entweder auf die weitere Verwandtschaft des sächsischen Hauses zurückgehen
oder den wählen, den sie für den geeignetsten hielten. Ein Enkel
OTTOS
DES GROSSEN über seine Tochter
Liutgard
war
der etwa 950 geborene Herzog Otto von Kärnten, der sich aber zu alt
fühlte. Ein Urenkel
HEINRICHS I.
war der 30-jährige
Herzog Heinrich von Bayern,
der Sohn Heinrichs des Zänkers,
der gern König geworden wäre.
OTTO III.
hatte verfügt, daß er in Aachen beigesetzt werden wollte. So
brachte seine Begleitung unter der Führung des Erzbischofs Heribert
von Köln denn toten Kaiser über die Alpen. HEINRICH
schloß sich dem Leichenzug als "nächster Angehöriger" an,
aber Heribert gab ihm deutlich zu verstehen, dass er nicht der sei,
den die Mehrheit als König haben wolle. In Augsburg wurden die Eingeweide
OTTOS
III. beigesetzt. Bei der Gelegenheit gelang es HEINRICH,
die Reichsinsignien, die mit dem toten Herrscher zusammen transportiert
wurden, in seine Gewalt zu bringen. Trotzdem verständigte sich bei
der Beisetzung OTTOS III. am 5. April
in Aachen die Mehrheit der anwesenden Fürsten darauf, im Herbst den
Herzog
Hermann II. von Schwaben zum neuen König zu wählen.
Hermann stammte aus einer fränkischen Adelsfamilie,
die immer in großer Treue zu den OTTONEN
gehalten hatte. Sein Vater Udo gehörte zu den Opfern der Sarazenen-Schlacht
von Cotrone 982, und sein Onkel Konrad
war von OTTO II. als zuverlässiger
Gefolgsmann 973 zum Herzog von Schwaben erhoben worden. Ihm folgte Hermann
997 nach. Leider wissen wir nichts über seine Vorgeschichte. Er dürfte
um die Jahrtausendwende etwa 40 Jahre alt gewesen sein. Er gehörte
zur engsten Umgebung OTTOS III. und
begleitete ihn auf dessen 2. Romzug 998 bis 999. Einer seiner Gefolgsleute,
der ZÄHRINGER Birchtilo oder Berthold, der sich bei der Mißhandlung
eines Gegen-Papstes besonders hervorgetan hatte, erhielt 999 "auf Bitten
des vortrefflichen Herzogs Hermann" von
OTTO
III. das Markt-, Münz- und Zollrecht in Villingen.
Vor seinem letzten Romzug traf sich der Kaiser im Juni 1000 auf dem Hohentwiel
mit dem Herzog. Einen offiziellen Vertreter für Deutschland bestimmte
er nicht, aber da seine Tante Mathilde
gestorben und Erzbischof Willigis von Mainz in Ungnade gefallen war, dürfte
Hermann
von Schwaben als Verantwortlicher zurückgeblieben sein. So war
es verständlich, dass vor allem die Fürsten um OTTO
III. als neuen König sehen wollten. Hermanns Familie
war zwar vornehm, aber zu den höchsten Kreisen gehörte er vor
allem durch seine Frau Gerberga. Sie
war eine Tochter des Königs Konrad von Burgund
und damit eine Nichte der Kaiserin Adelheid.
Ihre Mutter Mathilde war die Tochter
der französischen Königin Gerberga,
die wiederum eine Tochter HEINRICHS I. war.
Gerberga
von Schwaben war also von allerhöchster Abstammung, burgundisch,
französisch-karolingisch und sächsisch.
Ihr Vater Konrad hatte aus einer ersten
Ehe eine Tochter Gisela, die 972 den
bayerischen
Herzog Heinrich den Zänker geheiratet hatte, also die Mutter
von Herzog Hermanns Gegen-Kandidaten. Aus der zweiten nach 960 geschlossenen
Ehe mit
Mathilde gab es vier Kinder,
Rudolf,
Bertha,
Gerbergaund
Mathilde.
Damit dürfte unsereGerberga vor
970 geboren sein. Dann könnte sie um 985 mit Hermann verheiratet
worden sein, und er wäre bei der Eheschließung 25 Jahre alt
gewesen. Genauere Daten gibt es leider nicht. Die Heirat von
Hermann
und
Gerbergawar aber sicher ein politischer Akt, damit wurden Hermann
und sein Onkel Konrad, der Herzog von Schwaben, für ihre Treue zu
OTTO
III. und gegen Heinrich den Zänker
belohnt. Die Ehe wurde wohl von der Kaiserin Adelheid
vermittelt, und mit dieser Erhöhung Hermannswar dann auch schon
die Zusage auf die Nachfolge im Herzogtum Schwaben verbunden. Während
Hermann
in Aachen an der Beisetzung OTTOS III.
teilnahm, sammelte HEINRICH Anhänger.
Mitte April sprachen sich die Sachsen für ihn aus. Auch in Bayern
und Mainfranken hatte er Anhänger, ebenso im Westen, weil seine Frau
Kunigunde
eine
LUXEMBURGERIN
war. Aber vor allem stützten ihn die meisten Bischöfe, angeführt
von Willigis von Mainz. Hermann
blockierte den Rheinübergang
bei Worms, um HEINRICH den Weg abzuschneiden,
aber dieser nahm einen Umweg über Lorsch, erreichte Mainz und wurde
am gleichen Tag gewählt und von Willigis gekrönt. Die Kroninsignien
hatte er ja bereits. Bisher hatten die Bischöfe nicht mitgewählt,
jetzt gaben sie den Ausschlag für HEINRICH.
Hermann
wollte diese Entscheidung erst nicht akzeptieren, aber nachdem
HEINRICH
sich über den Sommer geschickt verstärkt hatte, resignierte er
schließlich, und es kam zur Unterwerfung von Bruchsal, einer abgesprochenen
Inszenierung, in der auf die Erniedrigung die Wiederbelehnung folgte, aber
für den Herzog von Schwaben, der sich schon als König gesehen
hatte, doch eine sehr demütigende Erfahrung. Über diese Bruchsaler
Unterwerfung gibt es keinen genauen Bericht. Wir wissen also nicht, ob
sie im Freien oder im Saal, im größeren oder kleineren Rahmen
stattfand. Aber sie war ein öffentlicher Akt mit Zuschauern und Zeugen,
und es ist durchaus denkbar, daß auch die Familie Herzog Hermanns
daran teilgenommen hat oder sogar teilnehmen mußte.
Hermann
und
Gerberga hatten drei Töchter
und einen spätgeborenen Sohn. Die älteste Tochter, Mathilde,
war damals schon mit Konrad, dem Sohn Ottos von Kärnten verheiratet,
die zweite Tochter Gisela 12 Jahre
alt, die dritte Beatrix (manchmal auch Brigitta) etwas jünger, und
der Sohn Hermann vielleicht erst drei Jahre. Bei einem 12-jährigen
Mädchen wie Gisela, das zu seinem
Vater hochblickte, muß ein solches Erlebnis wie der tiefe Fall nach
dem Traum vom Königtum deutliche seelische Spuren hinterlassen haben.
Giselas Kindheit
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Gisela ist um 990
geboren worden. Anders sind die Nachrichten, die wir über sie und
ihre Familie haben, nicht in eine vernünftige Ordnung zu bringen.
Allerdings gab es einige "Probleme um die Kaiserin Gisela", als bei der
Öffnung ihres Sarges im Jahr 1900 eine Bleiplatte gefunden wurde,
die als Geburtsjahr 999 angibt. Aber inzwischen wurde gezeigt, dass der
Text der Bleiplatte auch andere Fehler enthält, und heute ist 990
allgemein anerkannt. Über ihre Kindheitsjahre gibt es kaum direkte
Nachrichten. Aber gewisse Anzeichen deuten auf das Elsaß hin. Die
Herzöge Konrad und Hermann führten auch das Elsaß
im Titel, aber dort waren sie nicht Amtsherzöge, sondern hatten wohl
eigenen Besitz. Dabei gab es Berührungspunkte mit der Kaiserin
Adelheid, die seit 987 die Gründung ihres Klosters in Selz
betrieb. Die Ehe zwischen
Hermann und Gerbergagehörte
zur Absicherung der Regentschaft nach 984. Der Name Gisela
für die 990 geborene Tochter könnte auf die Halbschwester der
Gerberga,
der Frau Heinrichs des Zänkers,
als eine Art Patin hindeuten, und zu der Zeit war dieser Heinrich
reichstreu und stand in guten Beziehungen zur alten Kaiserin. Da Hermann
zum engen Kreis um OTTO III. gehörte,
sind nähere Kontakte der Familien vor dem Tod Adelheids
durchaus wahrscheinlich, wenn sich Adelheid oder
der Hof im Elsaß aufhielten, so etwa das Weihnachtsfest 994 in der
Pfalz Erstein oder die Weihe des Klosters Selz im November 996. Eine Verbindung
von Herzog Hermann nach Selz ist zumindest aktenkundig. In den Wunderberichten,
die die Lebensbeschreibung
Adelheids
durch Odilo von Cluny ergänzen, wird erzählt, daß bald
nach dem Tod der alten Kaiserin der Herzog gekommen sei, um das Erbe der
Kaiserin an sich zu nehmen. Die wunderbare Heilung eines blindgewordenen
Gefolgsmannes ließ ihn von diesem "Raub" Abstand nehmen. Der Hintergrund
dieses Berichtes könnte sein, dass
Hermann, der ja selbst kein
Erbe oder Familienangehöriger war, von OTTO
III. mit der Regelung des Nachlasses beauftragt worden war und
sich deswegen mit den Mönchen auseinandersetzen mußte.
Der Rang der Familie wird vielleicht auch dadurch deutlich,
daß in Unterregenbach bei Langenburg im Hohenloheschen durch Ausgrabungen
Spuren einer gewaltigen Kirche gefunden wurden, die zu einem Kloster und
einer Grablege gehören, die für diese "KONRADINER"
gedacht waren und später, nach der Auflösung der Familie, von
Gisela
an den Neffen, den Bischof von Würzburg, weitergegeben wurden. Der
Rahmen für Giselas Kindheit ist
also ein hochfürstliches Haus mit Verbindungen zum sächsischen
Königshaus, und gelegentliche Begegnungen des kleinen Mädchen
mit der alten Kaiserin sind wahrscheinlich und gehören dann zu den
großen Eindrücken und Erlebnissen. In einem solchen Haus und
unter dem Einfluß Adelheids war
auch eine sorgfältige formale Erziehung der Töchter selbstverständlich,
und die hat Gisela zweifellos mitbekommen,
denn alle späteren Berichte heben ganz besonders auf ihre Bildung
ab. Über diese gesicherte und privilegierte Welt mit ihrer Nähe
zur Macht brach nun mit der Niederlage Hermanns von Schwaben gegen
Heinrich
von Bayern die Katastrophe herein, denn die Unterwerfung in
Bruchsal war nur der Anfang. Schon im Januar 1003 griff König
HEINRICH II. auf einer Synode in Diedenhofen in Lothringen die
Bischöfe an, weil sie bei den Mächtigen unkanonische Ehen duldeten,
und als Beispiel nannte er die Ehe Konrads von Kärnten mit Mathilde
von Schwaben, die in HEINRICH I. einen
gemeinsamen Ur-Ur-Großvater hatten. Dieses Ehebündnis war aber
der Ausdruck einer Koalition zwischen Otto von Kärnten und
Hermann
von Schwaben. Otto hatte nicht für HEINRICH
auf den Thron verzichtet, sondern für Hermann, und HEINRICH
wollte
seine Gegner weiter demütigen. Herzog Hermann starb schon im
Mai 1003, sein unmündiger Sohn Hermann III. wurde neuer Herzog, doch
für ihn übernahm der König die Vormundschaft. Otto von Kärnten
starb im November 1004. HEINRICH konnte
seinen Sohn Konrad nicht übergehen, aber er betonte seine großen
Bedenken und schränkte ihn ein, so gut es ging. Als dieser Konrad
schon 1011 starb, hatte seine Familie so an Einfluß verloren, dass
sein Sohn Konrad, der Enkel Ottos von Kärnten und Hermann von Schwaben,
ohne weiteres zur Seite geschoben werden konnte.
Die sächsische Ehe
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Die politische Grunderfahrung der inzwischen 14-jährigen
Gisela
war der tiefe Sturz der eigenen Partei und die nachfolgende unnachsichtige
Verfolgung und Verdrängung der Familien seiner Konkurrenten durch
den neuen König, der sich damit aber nicht nur Freunde machte. Es
war nur natürlich, daß sich Gegner und Opfer HEINRICHS
II. zu Bündnissen zusammenfanden, und solche Verbindungen
wurden durch Verlobungen und Heiraten besiegelt. So kam es zur ersten Ehe
Giselas.
Die Absprache dafür ging vielleicht noch auf Hermann von Schwaben
und die Zeit vor der Königswahl zurück. Möglich ist auch,
dass die Witwe Hermanns, die Ehe vermittelte und selbst parallel
dazu eine zweite Ehe einging. Aber die Nachrichten darüber beim "Annalisto
Saxo" sind fehlerhaft und lassen manche Deutung zu. Auf jeden Fall wurde
Gisela
um 1005 mit einem Grafen Bruno von Braunschweig vermählt, der
zu den Gegnern HEINRICHS II. gehörte
und ein mächtiger Adliger in Sachsen war. Die junge Frau mußte
ihre vertraute süddeutsche Heimat verlassen und sich in einer neuen
Umgebung zurechtfinden, die gegenüber ihrem bisherigen Rang doch eine
gewisse Abstufung war. Mit Bruno von Braunschweig hatte Gisela
mindestens zwei Kinder, einen Sohn Liudolf und eine Tochter.
Leider weiß man von der Ehe und dem Ehemann praktisch
nichts, außer daß Bruno und Gisela
in der Aufzählung späterer Genealogen über Liudolf die Stammeltern
des braunschweigischen Hauses sind:
"Bekennen wir aber auch, den Zusammenhang dieses Bruno
von Braunschweig mit der ottonischen und
billungischen Familie nicht aufklären, seine Identität mit dem
angeblichen Kronbewerber des Jahres 1002 nicht nachweisen, die Gründung
von Braunschweig nicht als sein Werk anerkennen zu können, so können
wir doch an seiner Person, an seiner Ehe mit Gisela,
an seinem Verhältnis als Stammvater des brunonischen Hauses
nicht zweifeln."
Die Nachricht, dass vor 1010 ein Graf Bruno von
seinem Gefolgsmann Milo erschlagen worden sei, wird mit Giselas
Ehemann in Verbindung gebracht, aber auch von diesem Kriminalfall sind
keine Hintergründe bekannt. Wir sehen nicht einmal, daß Bruno
sich um das beträchtliche und später umstrittene Erbe Giselas
von ihrer Vaterseite gekümmert hätte. Einzig die Tatsache, daß
Gisela
nach dem Tod ihres Mannes nicht lange in Sachsen blieb und ihre Kinder
dort zurückließ, könnte ein Anhaltspunkt für eine
eher unglückliche Zeit sein.
Die babembergische Ehe
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Spätestens 1010 ging Gisela
ihre zweite Ehe ein. Auch über die Anbahnung und Vermittlung dieser
Ehe wissen wir nichts. Der zweite Ehemann, der BABENBERGER Ernst,
Herzog von Ostfranken, gehörte auch zu den Fürsten, die zu
HEINRICH
II. in Opposition standen. 1003 wurde er wegen Aufruhrs zum
Tod verurteilt und nur auf Bitten des Mainzer Erzbischofs Willigis begnadigt.Gisela
war bei dieser Entscheidung 20 Jahre alt und nach der Entmachtung ihrer
Familie selbständig geworden. Diese zweite Ehe war wieder hochpolitisch
und sie war ihr sicher nicht aufgezwungen, sondern entsprach ihrem Willen
und ihren Vorstellungen. Ernst dürfte 10 Jahre älter als
Gisela
gewesen
sein und war ein politischer Taktierer. Die namengebende Stammburg der
BABENBERGER
liegt in der Nähe von Würzburg, und in der Gegend lebte vermutlich
auch das neuvermählte Paar. Dort wurde dann wahrscheinlich 1010 auch
ihr erster Sohn Ernst geboren. Als 1011 Konrad von Kärnten starb,
überging
HEINRICH II. dessen Sohn
und belehnte einen seiner Anhänger mit diesem Herzogtum. Dieser Adalbero
von Kärnten war mit der jüngeren Schwester Giselas,
Beatrix,
verheiratet, die Witwe Konrads war ihre ältere Schwester Mathilde.
Aber Beatrix und ihr Mann Adalbero hatten immer zu HEINRICH
II. gehalten und hofften, im Bund mit ihm auch das Erbe Hermanns
von Schwaben in Besitz nehmen zu können. Im Jahr 1012 starb der
bisherige Herzog Hermann III. von Schwaben, der junge Bruder dieser drei
ungleichen Schwestern, der nicht bis zur Mündigkeit herangewachsen
war. Das freigewordene Herzogtum übertrug HEINRICH
II. auf den BABENBERGER Ernst, Giselas
neuen Ehemann. Formal gesehen trug seine Ehe mit der Herzogs-Tochter sicher
dazu bei, aber HEINRICH II. hatte eben
gezeigt, daß er sich um solche Ansprüche nicht scherte. Der
Übertragung Schwabens muß also ein politischer Kuhhandel zwischen
HEINRICH
und
Ernst
vorausgegangen
sein. Diese Annäherung der früheren Todfeinde beweist auch die
Unterschrift beider Herren als Brüder in einer "Gebetsgemeinschaft".
Ernst
hatte
also durch einen geschickten Seitenwechsel das Herzogtum Schwaben für
sich gewonnen, aber dafür das Vertrauen seiner Frau verloren. Denn
für
Gisela
war die Gegnerschaft
gegen HEINRICH II. keine Frage der
Taktik.
Herzog Ernst verlor schon an Pfingsten 1015 bei
einem Jagdunfall sein Leben. Seine letzte Botschaft an Gisela
war "... und erinnert mein Eheweib, daß sie die Ehre ihrer Schamhaftigkeit
bewahre und meiner nicht vergesse." Kurz vor oder sogar erst nach Ernsts
Tod bekam Gisela einen weiteren Sohn,
den sie nach ihrem Vater Hermann taufte. Der Kaiser
HEINRICH II. versuchte, durch großzügiges Entgegenkommen
die junge Witwe auf seiner Seite zu halten. Im Juni 1015 übertrug
er bei einem Hoftag in Goslar das Herzogtum auf den 5-jährigen Ernst
II. und betraute die Mutter mit der Regentschaft. Da eine solche
Belehnung ein öffentlicher Akt war, mußte Gisela
mit
ihren Söhnen vermutlich dazu in Goslar anwesend sein. Wo die herzogliche
Familie im übrigen lebte oder bevorzugt residierte, wissen wir nicht.
Die Ehe mit Konrad von Worms
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Aber Gisela wollte
sich nicht dauerhaft mit HEINRICH II. arrangieren.
Ende 1016 heiratete sie zum dritten Mal, und wieder jemand aus der fürstlichen
Opposition. Konrad von Worms
war der älteste Enkel Ottos von Kärnten. Aber Otto scheint sich
mit seinem erstgeborenen Sohn Heinrich nicht verstanden zu haben. Er fand
ihn schon vor 990 mit der Übertragung eines kleinen Besitzes um die
Stadt Waiblingen ab. Heinrich heiratete eine elsässische Gräfin
Adelheid von Egisheim. Ihr vermutlich einziges Kind war der 989 geborene
Konrad.
Sein Vater starb bald, die Mutter heiratete wieder, und der kleine Konrad
wuchs in Worms auf, nach dem Tod seines Großvaters zeitweilig unter
der Obhut des Bischofs. Aber er erhielt eher eine adlige als eine gelehrte
Erziehung, Latein und Lesen beherrschte er nur in Ansätzen, und er
war wohl schon früh auf sich selbst gestellt. Aber als nach dem Tod
seines Onkels 1011 die Familie des Herzogtum Kärnten verlor und sein
gleichnamiger Vetter, der jüngere um 1005 geborene Konrad, noch ein
Kind war, fiel ihm in einer höchst unglücklichen Lage die Verantwortung
für die Familie zu. Die Ehe Giselas
mit Konrad war also wieder eine politische
Verbindung, die Koalition der beiden Familien, die unter der Verfolgung
durch HEINRICH II. am meisten gelitten
hatten. Gisela hatte die früheren
Demütigungen nicht vergessen und sich von HEINRICH
nicht wie ihr zweiter Mann kaufen lassen. An Konrad
gefiel ihr vielleicht, dass er in der für seine Familie aussichtslosen
Situation nicht aufgab und resignierte, sondern mit Geschick und Hingabe
weiterkämpfte. Gisela war bei
der Eheschließung 26 Jahre alt und offenbar eine stattliche und schöne
Frau mit blonden Haaren, auch wenn mittelalterliche Personenbeschreibungen
oft wenig individuellen Wert haben. Konrad
war von kräftiger Statur, aber nicht sehr groß. Er wird immer
mit dunklem Haar und dem spitzigen "SALIER-Bart"
abgebildet. Im Alter standen sie sich sehr nahe, ebenso in der Herkunft
vom Oberrhein wie in der gemeinsamen politischen Erfahrung. Ob und wie
sie sich vorher kannten, ist nicht mehr festzustellen. Immerhin könnte
Konrad
wie Gisela bei der öffentlichen
Unterwerfung Hermanns von Schwaben in Bruchsal dabeigewesen sein.
Die Ehe, die nach einer Nachricht dramatisch mit der
Entführung
Giselas begonnen haben
soll, war eine politische Demonstration gegen HEINRICH
II., und er verstand sie als Kampfansage. Er entzog Gisela
sofort
die Vormundschaft für ihren Sohn Ernst im Herzogtum Schwaben und übertrug
sie einem seiner Parteigänger, dem Bruder des Vaters, dem er soeben
das Erzbistum Trier verliehen hatte. Aber da
Gisela
über ihren Eigenbesitz weiter verfügen konnte und in Schwaben
auch eine gewisse Anhängerschaft hatte, konnte der neue Vormund, der
auch anders zu tun hatte, nicht viel erreichen. Die Eheschließung
war auch von einer ganz anderen Seite her ein Angriff auf die Autorität
HEINRICHS
II., denn dieser hatte 1003 die Ehe zwischen Konrads
Onkel und Giselas älterer Schwester
als unkanonisch angegriffen, weil sie zu nahe verwandt waren. Mit dieser
kirchlichen Regelung der Verwandtschaftsehen war zwar fast jede Heirat
in den Hochadelsfamilien angreifbar, aber die Abgrenzung der Verwandtschaft
war noch offen, die Kirche erteilte auch großzügige Ausnahmegenehmigungen,
und zudem war zu nahe Verwandtschaft in diesen Kreisen auch die bequeme
Standardbegründung für Scheidungen. HEINRICHS
Angriff auf die Ehe zwischen den Kindern seiner beiden Konkurrenten wurde
deshalb von Anfang an als Teil des politischen Kampfes verstanden, und
genauso war die Ehe zwischen Gisela
und Konrad eine Herausforderung des
Kaisers durch die Opposition. Sie war aber auch schon die Ankündigung
eines Anspruchs auf die Nachfolge. Die junge Familie lebte vermutlich am
Oberrhein, denn nicht umsonst wurde Speyer später der Traditionsort
der SALIER. Der Stiefsohn Ernst war
vielleicht bei seinem Onkel und Vormund, aber zur Familie gehörte
der 1015 geborene Sohn Hermann. Am 28. Oktober 1017, dem Tag der Heiligen
Juda und Simon, wurde Gisela und Konrad
ein Sohn geboren, der den Namen Heinrich erhielt.
Das ist der Name von Konrads Vater,
aber es ist auch einer der Leitnamen des sächsischen
Hauses, mit dem vor allem die bayerische Linie ihre Legitimität
betonte, und so kündigte diese Namenswahl vor aller Welt an, daß
hier das sächsische Königsgeschlecht
einen
Nachfolger gefunden hatte, während die Ehe HEINRICHS
II. mit Kunigunde von Luxemburg
kinderlos blieb (denn daß sie in heiliger Keuschheit lebten, ist
erst eine Zugabe späterer Zeiten). In den mittelalterlichen Vorstellungen
war die Geburt des Erben aber so etwas wie ein Gottesurteil für die
Legitimität dieser Ehe. Konrad
wurde durch die Ehe mit Gisela zum
Kopf der Opposition gegen HEINRICH II. und
zum ersten Anwärter auf dessen Nachfolge. Im Jahr 1019 kam es in Sachsen
zu Unruhen, in deren Zentrum die Familie von Giselas
erster Ehemann stand. Gleichzeitig schlug Konrad
in einer Schlacht bei Ulm den Herzog Adalbero von Kärnten, den Ehemann
der jüngsten Schwester Giselas.
Dabei ging es offenbar auch um das Erbe Hermanns von Schwaben. Wie
tief der Haß Konrads gegen diesen
Parteigänger HEINRICHS II. saß,
zeigte sich 1035, als der sonst so beherrschte Kaiser vor Wut in Ohnmacht
fiel, weil die Fürsten einem Urteil gegen Adalbero nicht zustimmen
wollten. HEINRICH II. fand sich in
den folgenden Jahren allmählich damit ab, daß die Nachfolge
auf die von ihm so lang und mit allen Mitteln bekämpfte Familie überging.
Giselas
konsequente politische Haltung hatte sich nach einer langen Zeit der Niederlagen
als erfolgreicher Wechsel auf die Zukunft erwiesen.
Wahl und Krönung 1024
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HEINRICH II. starb
im Juli 1024. Mit seiner eigenen Wahl 1002 hatte er in gewisser Weise die
Entscheidung über seine Nachfolge vorprogrammiert. Denn er hatte sich
als nächster Verwandter gegen eine "freie" Wahl durchgesetzt und dafür
die Bischöfe als Wähler mit einbezogen. Der Erzbischof von Mainz
sah es deshalb jetzt als seine Aufgabe an, die Wahl vorzubereiten und durchzuführen.
Er lud für den 4. September zu einer Wahlversammlung nach Kamba am
Rhein, in der Nähe von Mainz. Kandidaten für die Wahl waren zwei
Enkel Ottos von Kärnten, der ältereund
der jüngere Konrad, und selbst diese eingeschränkte Wahl war
vermutlich in der Familie schon zugunsten des älteren
vorentschieden. Am 8. September wurde
Konrad
dann in Mainz von Erzbischof Aribo zum König gekrönt.
Aber Aribo weigerte sich, Gisela
zur
Königin zu krönen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt,
und das Verhalten des Erzbischofs hat zu vielen Spekulationen Anlaß
gegeben. Der spätere Biograph KONRADS II.,
Wipo, schreibt darüber am Ende einer langen lobenden Charakterisierung
Giselas:
"Mißgunst gewisser Leute, die ja oft wie Rauch
von unten die Höhe umwölkt, verzögerte ihre Weihen um einige
Tage. Es steht übrigens auch heute noch nicht fest, ob sie diese Anfeindung
berechtigt oder unberechtigt traf."
Man hat diese Stelle oft auf die unkanonische Ehe bezogen,
aber dann hätte Aribo auch KONRAD
nicht krönen dürfen oder zuerst die Scheidung verlangen müssen.
Wipos Aussage ist dazu doppeldeutig, denn der ersten Satz spricht von der
Mißgunst, der zweite ab er von der möglichen Berechtigung der
Vorwürfe. Bischoff hat in einer sehr scharfsinnigen Analyse daraus
geschlossen, dass Wipo die Hintergründe kannte, und daß es nicht
um eine Schuld Giselas gehen konnte,
sondern höchstens um einen "objektiven" Makel, etwa um Zweifel an
ihrer Herkunft. Andere Interpretationen gehen auf eine mögliche Mitwisserschaft
beim gewaltsamen Tod ihres ersten oder zweiten Ehemannes. Aber beides wären
skandalöse Möglichkeiten, für die es auch andere Spuren
und Hinweise geben müßte, denn diese Adelsgesellschaft mit ihren
engen und vielfältigen verwandtschaftlichen Beziehungen war ja auch
für Klatsch und Tratsch offen.
Vielleicht hilft uns die Beschäftigung mit Erzbischof
Aribo weiter. Aribo war kein "Seelsorger", sondern ein Politiker, der in
der Kanzlei
HEINRICHS gelernt hatte.
Erzbischof von Mainz wurde er 1021 vor allem durch Fürsprache der
Kaiserin Kunigunde. Diese spielte
aber bei der Wahl KONRADS und bei seiner
Krönung eine gewisse Rolle, denn sie vertrat seit dem Tod des Kaisers
die Regierung und hütete die Reichsinsignien, ohne die eine rechtmäßige
Krönung nicht möglich war. Sie hatte sicher in der Zeit vorher
und vor allem in diesen zwei Monaten eng mit Aribo zusammengearbeitet.
Möglicherweise war ihr Verhältnis zu
Gisela
über
den allgemeinen Gegensatz hinaus aus persönlichen Gründen so
gespannt, dass sie ihr diesen Triumph nicht gönnte und deshalb bei
Aribo Einspruch erhob, etwa weil sie sich von Gisela
beleidigt fühlte. Dazu würde Wipos Aussage passen. Denn wenn
die alte Kaiserin die Reichsinsignien nicht oder nur unter Druck herausgegeben
hätte, wäre der Skandal groß gewesen. KONRADkonnte
dieser Lösung leicht zustimmen, weil bei keiner der vorausgehenden
Königserhebungen die Königin direkt mitgekrönt worden war,
auch nicht Kunigunde. Aribo glaubte
aber vielleicht, dass sein Einspruch gegen die Krönung Giselas
ihm einen höheren Rang, eine Art moralischer Autorität verleihen
würde.
Wenn diese Erklärung richtig ist, dann war das "Problem
um die Kaiserin Gisela" auch nicht so groß, und sie konnte leicht
nachgeben, ohne dadurch beleidigt oder beschädigt zu werden. Denn
wenn es wirklich um ihre Ehre oder ihr Ansehen gegangen wäre, hätte
auch KONRAD nicht so einfach darüber
weggehen können. Es würde zu seinem sonstigen Verhalten überhaupt
nicht passen, daß er nur um seiner ungefährdeten Krönung
willen seine Frau im Stich gelassen hätte, durch die er ja überhaupt
erst zum unangefochtenen Thronanwärter aufgestiegen war. Denn KONRAD
war
nicht das Geschöpf Aribos, und es war noch nicht so, daß nicht
auch ein anderer Erzbischof die Krönung hätte vornehmen können.
Wenn die Verschiebung der Krönung Rücksicht auf die Verbitterung
der alten Kaiserin war, die hier zum letzten Mal ihren Einfluß geltend
machen konnte, dann war Nachgeben von der SeiteKONRADS
und
Giselas
die
richtige und angemessene Entscheidung. Das könnte sogar der im lateinischen
Text folgenden Bemerkung Wipos einen anderen Sinn geben. Sie heißt
"tamen virilis probitas in femina vicit" und wird übersetzt "Doch
der tüchtige Mann setzte sich mit seiner Frau durch". Aber das ist
nicht überzeugend, denn von KONRAD
ist vorher überhaupt nicht die Rede. Wörtlicher wäre "die
männliche Nüchternheit setzte sich bei der Frau durch", und das
wäre dann ein Kompliment für Gisela,
weil sie einer vernünftigen Lösung zugestimmt habe.
Eine weitere Textstelle könnte auch mit diesem Problem
in Verbindung stehen. Wipo bringt nämlich die ganze Ansprache Aribos
an KONRAD vor der Krönung. Sie
geht aus von der Überlegung, daß Macht an sich aus einer reinen
Quelle hervorgeht, aber durch menschliche Schlechtigkeit verunreinigt wird.
Es folgen Ermahnungen mit vielen Bibelzitaten, die Aufforderung zu guten
Werken, Recht, Gerechtigkeit und Frieden. Zum Schluß heißt
es dann:
"Jetzt aber, Herr König, bittet dich die ganze heilige
Kirche mit uns um deine Huld für alle, die bisher gegen dich gefehlt
und durch irgendwelche Beleidigungen deine Huld verloren haben. Zu ihnen
gehört der edle Herr Otto, der dich beleidigt hat. Für ihn und
alle anderen erbitten wir deine Milde, verzeih ihnen um der Liebe Gottes
willen, die heute einen neuen Menschen aus dir gemacht hat und dich teilhaben
läßt an ihrem göttlichen Walten, wie auch Gott selbst wiederum
dir für alle deine Sünden verzeihen möge."
Dieser edle Herr Otto gehört nicht zu den von Wipo
aufgezählten anwesenden Fürsten, und niemand weiß, wer
er war und wie er
KONRAD beleidigt
haben könnte. Trotzdem wurde er von Aribo als einziger namentlich
in die Predigt mit aufgenommen und damit in besonderer Weise unter den
Schutz des Erzbischofs gestellt. Es liegt nahe, hier hochgehende Emotionen
und einen sehr gereizten KONRAD zu
vermuten und eine Verbindung zwischen diesem Otto, Kunigunde,
Aribo und der verweigerten Krönung anzunehmen.
Von Mainz zog der neue König nach Köln, und
dort krönte am 21. September Erzbischof Pilgrim, der Intimfeind Aribos,
Gisela
zur
Königin. KONRAD nutzte also die
Rivalität zwischen den Erzbischöfen. Aribo behielt seine Ämter
auch als Erzkanzler, aber er gehörte nicht zum engeren Kreis der Berater,
und in zwei berühmten Fällen, im Verfahren gegen Otto
und Irmgard von Hammerstein wegen unkanonischer Ehe ebenso wie beim
Gandersheimer Streit entschied KONRAD
gegen ihn. Sein Nachfolger wurde 1031 Bardo, ein Verwandter der Kaiserin
Gisela, ein Mönch und Seelsorger, der der Politik ferne
stand. In allem zeigt sich eine leise, aber deutliche Mißbilligung
und Kaltstellung Aribos, der sich seine Rolle unter der neuen Regierung
sicher anders vorgestellt hatte.
Zur Sicherung der neuen königlichen Autorität
gehörte der Umritt, der zuerst nach Aachen führte, wo KONRAD
auf dem Stuhl KARLS DES GROSSEN Platz
nahm und sich von den Fürsten huldigen ließ. Vom Westen gingen
KONRADund
Gisela
nach
Sachsen. Im November 1024 wurden sie in der Abtei Vreden von den beiden
Schwestern
OTTOS III., den Äbtissinnen
Adelheid
und Sophia, empfangen,
die offenbar immer noch großen Einfluß hatten. Von Sachsen
führte der Zug über O-Franken und Bayern nach Schwaben, wo er
an Pfingsten 1025 in Konstanz beendet wurde. Überall nahm der neue
König die Huldigung entgegen und beschwor die Einhaltung der alten
rechte. Gisela gehörte zum engsten
Kreis und nahm an allen Umritten und Unternehmungen außer den reinen
Kriegszügen teil.
Die Mutter und die Kaiserin
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Nach der Geburt des Sohnes HEINRICH
bekamen Gisela und KONRAD
noch zwei Töchter, Mathilde und
Beatrix,
beide vor 1024. Mathildewurde weltlich
erzogen und 1033 mit dem französischen König verlobt, aber sie
verstarb bald darauf. Beatrixwurde
1025 der Äbtissin von Quedlinburg zur geistlichen Erziehung anvertraut,
starb aber auch schon früh. Giselas ältere
Schwester Mathilde, die mit Konrad von Kärnten verheiratet gewesen
war, hatte aus ihrer zweiten Ehe mit Herzog Friedrich von Lothringen zwei
Töchter, die nach dem Tod ihrer Mutter 1026 von Gisela
erzogen wurden, Beatrix und Sophia. Beatrix heiratete später den Markgrafen
Bonifaz von Canossa-Tuszien, und sie und ihre Tochter Mathilde spielten
in den Auseinandersetzungen um die Kirchenreform und "Canossa" eine große
Rolle. Sophia heiratete nach Lothringen.
Von Giselas vier
Söhnen waren die beiden jüngsten, Hermann und HEINRICH,
im Alter nah beieinander und wurden gemeinsam in der Familie erzogen. Der
älteste, vielleicht 1007 geborene Liudolf war in Braunschweig bei
der Familie des Vaters. Das Problemkind war der zweite Sohn, der um 1010
geborene Sohn des
BABENBERGERS Ernst, seit 1015 Herzog von Schwaben.
Er hatte noch Erinnerungen an den Vater, vielleicht auch den Konflikt zwischen
den Eltern erlebt, und durch seinen Onkel war er gegen den Stiefvater und
die Mutter aufgehetzt und eingenommen worden. Jetzt war er mit 15 Jahren
mündig und einer der wichtigsten Reichsfürsten, und er neigte
zur Selbstüberschätzung und ließ sich von anderen benutzen
und vorschieben. dazu kam ein objektiver Konflikt, der Anspruch auf das
Königreich Burgund. Dessen
König Rudolf
war
ohne Kinder und hatte das Erbe seinem Neffen HEINRICH
II. versprochen. KONRAD
sah sich auch hier als dessen Rechtsnachfolger, außerdem war er mit
der nächsten Erbin verheiratet. Aber Herzog Ernst hielt sich für
den nächsten männlichen Erben und hätte gern das Königreich
Burgund seinem Herzogtum Schwaben hinzugefügt.
Herzog Ernst war schon 1025 an einer ersten nicht sehr
gefährlichen Aufstandsbewegung gegen KONRAD
beteiligt. Im Februar 1026 wurde sein 9-jähriger Halbbbruder HEINRICH
durch
die Zustimmung der Fürsten als König designiert und formal mit
der Vertretung in Deutschland beauftragt, die aber faktisch bei Bischof
Bruno von Augsburg lag. KONRAD und
Gisela
bereiteten
sich mit zahlreichen Gefolge, zu dem auch Ernst gehörte, auf den Italienzug
vor. In Italien und unter den Augen des Königs und Stiefvaters bewährte
sich der junge Herzog. Deshalb schickte ihn
KONRAD
Ende 1026 nach Deutschland zurück, denn der Augsburger Bischof war
durch Graf Welf in ernste Schwierigkeiten geraten. KONRAD
und
Gisela
zogen
nach Rom weiter und wurden an Ostern 1027 in Rom als Kaiser und Kaiserin
gekrönt. An dieser Kaiserkrönung nahmen der König von Dänemark
und der König von Burgund teil, dazu die Mehrzahl der deutschen und
italienischen Erzbischöfe und Bischöfe und viele deutsche und
italienische Fürsten. Auch der designierte König
HEINRICH und Bischof Bruno von Augsburg
waren anwesend.
Als Herzog Ernst Ende 1026 in sein Herzogtum zurückkam,
vergaß er schnell den Auftrag, den er übernommen hatte, und
ließ sich von dem Grafen Welf auf die andere Seite ziehen und in
die Rolle des Anführers drängen. Im Elsaß überfiel
er die Burgen der Herren, die zum König hielten, dann macht er einen
ergebnislosen Feldzug nach Burgund, und schließlich plünderte
er sogar seine wichtigsten Klöster, Reichenau und St. Gallen, weil
sie sich seinem Aufstand nicht anschlossen. Als der neue Kaiser schon im
Juli 1027 nach Deutschland zurückkehrte, setzte er zunächst die
Wahl seines Sohnes HEINRICH als Herzog
von Bayern durch. Anschließend berief er einen allgemeinen Reichstag
nach Ulm, um den Aufstand endgültig beizulegen. Ernst wollte in einer
völligen Verkennung seiner Stärke das Herzogtum zum Kampf gegen
denn Stiefvater aufrufen, aber seine Leute verweigerten ihm die Gefolgschaft
und schlossen sich KONRAD an. Ernst
mußte sich unterwerfen und wurde zur Haft nach Halle in die Festung
Giebichenstein gebracht. Anschließend traf KONRAD
in Basel wieder mit König Rudolf von Burgund
zusammen, der jetzt notgedrungen das Erbrecht KONRADS
anerkannte. Für Gisela war beides
enge Verwandtschaft, Herzog Ernst war ihr Sohn, und König
Rudolf, ein unzuverlässiger und schwieriger Mann, ihr Onkel.
Sie war nicht sentimental und stand deshalb in der Sache immer auf der
Seite KONRADS, aber sie bemühte
sich doch um eine gewisse Verständigung. So behielt ihr Sohn wenigstens
formal das Herzogtum, und wahrscheinlich übernahm sie seine Vertretung.
An Ostern 1028 wurde HEINRICH
in Aachen durch Erzbischof Pilgrim von Köln zum König gekrönt.
Wahrscheinlich zu diesem Anlaß und auf Bitten HEINRICHS
und Giselas
wurde Herzog Ernst aus
der Festungshaft entlassen und in den Hofstaat eingegliedert, wo er auch
noch unter Kontrolle und Aufsicht stand. Denn auf einer im Juli 1028 in
Magdeburg ausgestellten Urkunde Kaiser KONRADS
haben
als Zeugen unter anderen die beiden ältesten Söhne
Giselas,
Graf Liudolf von Braunschweig und Herzog Ernst von Schwaben unterschrieben.
Auf einem Reichstag in Ingelheim an Ostern 1030 sollte Ernst wieder mit
allen Rechten als Herzog eingesetzt werden, dafür aber die Gegner
des Kaisers, seine Parteigänger, vor allem Werner von Kyburg verfolgen
und bestrafen. Er verweigerte den Eid und wurde als Herzog abgesetzt. Wo
Gisela
in
diesem Konflikt stand, sagt uns wieder Wipo:
"Selbst Kaiserin Gisela
- welch betrübliche Feststellung, aber welch löbliche Haltung!
- ließ ihren unberatenen Sohn gegenüber dem weisen Gemahl fallen
und gelobte öffentlich, was auch immer ihm zustoße, sie wolle
an niemandem Vergeltung üben und um dieser Sache willen niemand feind
sein."
Sie gab also diesen Sohn auf, weil er die Harmonie und
den Aufstieg der ganzen Familie gefährdete. Ob ihr der Verlust des
Sohnes sehr nahe gegangen ist, läßt sich nicht feststellen.
Auf jeden Fall ordnete sie ihre emotionale Betroffenheit der nüchternen
politischen Rationalität unter. Herzog Ernst floh zu seinem Freund
Werner und fiel im August 1030 als Aufrührer gegen seinen Kaiser in
einer Schlacht auf der Baar.
Konrads unentbehrliche Gefährtin
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Wipo, der Verfasser der "Gesta Chuonradi II. Imperatoris",
der Taten
Kaiser KONRADS II., war schon
bei der Königswahl von 1024 dabei und hat danach zum engeren Hof gehört,
nicht in einer herausragenden Position, aber in einer sehr vertrauten Stellung
zu den Mächtigen. Aufgezeichnet hat er die Taten KONRADS
für
HEINRICH III., den er miterzogen
hatte und als Erben und Vollender
KONRADS
ansah. Wipo mahnte bei KONRAD auch
Schwächen und Fehler an, und genau in diesen Punkten hoffte er, daß
der hochgebildete Nachfolger den Vater noch übertreffen würde.
Die Kritik betraf vor allem das Verhältnis zur Kirche. Wipo rechnete
damit, daß auf den großen KONRAD
ein noch größerer HEINRICH folgen
würde, seine Beschreibung der Taten KONRADS
sollte den Sohn anspornen, und auch der Autor plante eine Fortsetzung und
Weiterführung mit HEINRICH III. als
Hauptperson. Aber Wipo starb kurz nach dem Eingreifen HEINRICHS
in der Papstfrage und seiner Krönung zum Kaiser.
Wipos Berichte sind für uns auch wichtig, weil sie
von jemand stammen, dem die handelnden Personen persönlich vertraut
waren. Wipo nannte Gisela die "necessarai
comes", die unentbehrliche Gefährtin des Königs, und er schreibt
von ihr:
"Doch sie alle übertraf an klugen Rat des Königs
geliebte Gemahlin Gisela. Trotz ihres
hohen Adels und ihrer erlesenen Schönheit war sie frei von jeder Überheblichkeit.
Ehrfürchtig diente sie Gott, stetig, und zwar so unauffällig
wie möglich, blieb sie in Gebet und Almosengeben nach dem Worte des
Evangeliums: 'Zeigt eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen!' Sie war
sehr freigebig und von großer Gewandtheit, strebte nach Ehren statt
nach eitlem Lob, hielt auf Zucht, widmete sich weiblichem Tun, verschwendete
nichts unnütz, spendete für wertvolle und förderliche Dinge
sehr freigebig, besaß reiche Eigengüter und wußte die
hohe Würde ihres Amtes recht zu tragen."
Gisela hatte also
einen festen Platz und eine ausschlaggebende Stimme im Rat und in der Regierung
KONRADS
II., und Wipo deutet nicht einmal eine ernsthafte Differenz
oder Auseinandersetzung an. Selbst die Vorfälle um Herzog Ernst haben
zu keinem Riß geführt. Erst in Ludwig Uhlands Trauerspiel "Ernst,
Herzog von Schwaben" fühlt die mütterliche Gisela sich von KONRADhereingelegt
und hintergangen "Gott! es geht mir furchtbar auf". KONRAD
war wohl eine starke Persönlichkeit, aber gerade deshalb bereit, sich
von anderen raten zu lassen und ihnen auch Einfluß auf seine Entscheidungen
einzuräumen. Wahrscheinlich war Gisela
in diesem Gespann sogar der rationalere, bewußtere und intellektuellere
Part, und KONRAD verließ sich
in vielen Entscheidungen und Bewertungen auf ihr Urteil. Umgekehrt war
sie sehr der Sache ergeben und verpflichtet und stellte ihre persönlichen
Gefühle zurück, nicht nur im Falle von Herzog Ernst. Sie betrieb
keine engstirnige Protektions- oder Günstlingswirtschaft, und selbst
ihr Verwandter Bardo, den sie am Hof einführte, stieg wegen seiner
geistlichen Qualitäten zum Erzbischof von Mainz auf und nicht wegen
seiner Beziehungen.
Zu den Bereichen, in denen KONRAD
sich sehr stark auf das Urteil seiner Frau verließ, gehörte
die Beziehung zur Kirche. Hier drehte es sich um zwei verschiedene und
fast gegensätzliche Fragenkomplexe. Auf der einen Seite ging es um
die Kirchenreform und die Reinheit der Kirche. Im Kloster Cluny wurde schon
seit dem 10. Jahrhundert eine strenge und auf die Einhaltung der Mönchsregel
verpflichtete Richtung vertreten. Aber neue Ansätze zur Frömmigkeit
kamen aus den Lothringer Reformklöstern, vor allem Gorze und St. Maximin
bei Trier. Hier ging es um Impulse für die mönchischen Ideale,
um gelebte Frömmigkeit, bessere geistliche Bildung und eine auf Gott
ausgerichtete Weltferne, die mit der starken Bindung der Kirche und vor
allem der Kirchenoberen an die Adelswelt und ihre Ideale und Lebensformen
im Widerspruch standen. Die Klosterreformer verbanden weltabgewandte Frömmigkeit
mit einem hohen Bildungsanspruch und strengen Maßstäben am die
Lebensführung der Mönche. Sie waren in den Klöstern keineswegs
immer beliebt, und sie erwarteten und erhofften deshalb von der weltlichen
Macht Unterstützung für ihr Werk. Auf der anderen Seite war die
Kirche ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens und der staatlichen
Organisation, denn seit OTTO I. gaben
die deutschen Könige Lehen und Ämter an Kirchenfürsten und
zogen diese intensiv für Staatsaufgaben heran. Insbesondere HEINRICH
II. hatte den Einfluß der Kirche und der Bischöfe
noch erweitert. Diese Praxis machte aber nur Sinn, wenn der König
bei der Ernennung der Bischöfe mitwirken konnte. So war unter HEINRICH
II. und KONRAD II. die richtige
Auswahl der Erzbischöfe, Bischöfe und großen Äbte
eine herausragende politische Aufgabe, und manche dieser Kirchenfürsten
hatten kaum Zeit, sich um ihr eigenes Amt zu kümmern, weil sie von
ihren politischen Pflichten so in Anspruch genommen waren. Gisela
setzte
sich positiv mit den Ideen und Idealen der Klosterreform auseinander, und
sie wirkte bei der Auswahl der Kirchenfürsten mit. Das Kirchenregiment
KONRADS
II. funktionierte nicht anders als das seines Vorgängers,
und wesentliches Kriterium für die Auswahl der Bischöfe war ihre
politische Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit. Der mögliche Widerspruch
zwischen dem Reformdenken und der Praxis des Kirchenregiments war dieser
Generation noch nicht bewußt.
Mit der Kirche verknüpft ist auch die Frage der
Bildung. Gisela hatte zweifellos eine
hohe Bildung mitbekommen, aber die Träger und Vermittler einer solchen
Bildung waren meistens Kleriker. Die Bildungssprache war Latein, das KONRAD
nur mühsam, Gisela dagegen fließend
beherrschte. Am Hof legte man Wert auf gutes Latein. Das beweist allein
schon Wipo. Aber Giselas Muttersprache
war althochdeutsch, und sie interessierte sich auch für den Schriftgebrauch
dieser Volkssprache. Vom deutschen Psalter des St. Galler Mönchs Notker
Labeo ließ sie sich eine Abschrift anfertigen. Als Gisela
1027 mit ihrem Sohn HEINRICH St. Gallen
besuchte, schenkte sie der Klosterbibliothek wichtige liturgische Handschriften.
Gisela
trug wohl auch für die geistige Erziehung ihrer Söhne Hermann
und vor allem
HEINRICH die Hauptverantwortung,
und HEINRICH war ein dankbarer Schüler,
der für die geistigen Fragen der Zeit ein tiefes Verständnis
entwickelte. Von dieser Erziehung scheint auch Wipos Vertrautheit mit der
kaiserlichen Familie herzurühren. Aber
HEINRICH
wurde nicht nur mit Bildungsinhalten gefüttert, sondern offenbar schon
früh von den Eltern mit in die Verantwortung hineingenommen und so
auf seine Aufgabe vorbereitet. Die Urkunden zeigen, dass Gisela
den Kaiser fast immer begleitet hat und an den Entscheidungen beteiligt
war, und seit 1027 tritt HEINRICH immer
häufiger als Intervenient neben sie. Die Erziehung eines Königssohnes,
immer eine schwierige Aufgabe, ist in diesem Fall besonders gut geglückt.
Sehr eng mit Gisela
verbunden war das Herzogtum Schwaben, eine der Machtgrundlagen des salischen
Königtums. In Schwaben und am Rhein lagen
Giselas reiches Eigengut, und ein Erbe ihres Vaters war auch
ein gewisser Anspruch auf das Herzogsamt, das zuerst ihr Bruder, dann ihr
zweiter Ehemann und schließlich ihr Sohn ausübte. Nach dessen
Ende wurde ihr dritter Sohn Hermann, der jüngere Bruder Ernsts, neuer
Herzog von Schwaben. Hermann hatte den eigenen Vater nicht mehr erlebt
und war in der Familie des Stiefvaters mit seinem zwei Jahre jüngeren
Halbbruder
HEINRICH aufgewachsen. Er
fühlte sich ganz zur Familie gehörig. Als Helfer und Stütze
HEINRICHS
III. war ihm von Gisela
und
KONRAD
ein
wichtiger Platz im salischen Reichsbau
zugedacht. Deshalb wurde er von
KONRADzusätzlich
mit der Markgrafschaft Susa in Italien belehnt und mit der Tochter eines
italienischen Adligen verheiratet.
KONRAD II. verband
mit dem Reich die dritte Königskrone, das Königreich Burgund.
Auch dabei spielte Gisela
eine große
Rolle. Denn wenn auch KONRAD als Nachfolger
HEINRICHS
II. in den Erbvertrag mit
König
Rudolf eintrat, so war doch
Gisela
dessen nächste Verwandte. Sie vermittelte im August 1027 in Basel
zwischen ihrem Mann und ihrem Onkel. Auf der Grundlage dieses Vertrags
rückte KONRAD II.
nach dem Tod
Rudolfs
1033 in
Burgund ein und ließ sich in Payerne zum König wählen und
krönen, allerdings ohne Gisela. Zur endgültigen Sicherung war
1034 ein zweiter Feldzug nötig. Im Herbst 1038 übertrug
KONRAD
das Königreich Burgund seinem Sohn HEINRICH.
Gisela
war bei allen drei Burgundfahrten nicht dabei, wahrscheinlich aus der Überlegung,
daß so keine Diskussion über das Erbrecht aufbrechen konnte.
Im Zusammenhang mit Polen heißt es Wipo einmal:
"Nun bemühte sich Mieszko
eifrigst um die Huld der
Kaiserin Gisela
und der übrigen Fürsten, um des Kaisers Gnade zurückzugewinnen."
Diese Bemerkung sagt viel über den Einfluß
Giselas
und
ihren Anteil an der Regierung
KONRADS.
Eine ähnliche politische Erfahrung hatte sie zusammengeführt,
und seit ihrer Heirat bildeten sie eine enge Gemeinschaft. Für KONRAD
war Gisela nicht nur ein äußerer
Zuwachs an Macht und Einfluß, sondern die eigenständige Mitgestalterin,
ohne die sein Königtum so nicht möglich gewesen wäre. Bei
Gisela
und KONRAD sind von außen her
Krisen, Einbrüche oder Entfremdungen nicht auszumachen, wohl aber
ein großes Vertrauen und große Vertrautheit, in die der Sohn
HEINRICH
mit hineinwuchs und mit hinein erzogen wurde.
Der Tod der Kaiserin
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An Pfingsten 1036 heiratete HEINRICH
III. in Nimwegen die Tochter des Königs
Knut von Dänemark und England, die 16-jährige Gunhild.
Der Sommer brachte einen Feldzug über die Elbe, aber zum Jahresende
waren die Nachrichten aus Italien zur Vorbereitung eines zweiten Italienzuges.
Das junge Ehepaar ebenso wie Herzog Hermann von Schwaben begleiteten den
Kaiser und die Kaiserin. Auf diesem Zug wurde dem jungen Paar Ende 1037
oder Anfang 1038 eine Tochter Beatrix
geboren, vielleicht bei der Markgräfin Beatrix von Canossa-Tuszien,
der Kusine und Adoptivschwester HEINRICHS.
Die Kriegshandlungen wurden einigermaßen erfolgreich abgeschlossen,
aber als man sich bereits zur Heimfahrt rüstete, brach im Heer und
im kaiserlichen Gefolge eine furchtbare Seuche aus, der am 18. Juli die
junge Königin Gunhild und am 28.
Juli Herzog Hermann von Schwaben erlagen, also
Giselas
Schwiegertochter
und ihr dritter Sohn. In Deutschland war kurz vorher ihr erster Sohn Liudolf
aus der braunschweigischen Ehe gestorben. So war jetzt von allen (mindestens)
7 Kindern Giselas
nur noch ihr Sohn
HEINRICHam
Leben, und der jung verwitwet mit einer halbjährigen Tochter.
KONRAD belehnte auf
dem Rückweg von Italien
HEINRICH mit
dem Herzogtum Schwaben. Das war zwar ungewöhnlich, weil HEINRICH
ja gewählter König und seit 1027 Herzog von Bayern war, aber
vom Erbrecht her hatte er als letzter Sohn der Gisela
einen unbestreitbaren Anspruch, und es war für die SALIER
wichtig,
Schwaben in der eigenen Verantwortung zu behalten. Von Schwaben aus führte
KONRAD
seinen Sohn nach Burgund, wo er ihm auch dieses Königreich
übertrug.
KONRAD war noch nicht
50 Jahre alt, und diese Maßnahmen zeigen eigentlich, daß er
noch mit einer längeren Regierungszeit rechnete, in der er als Kaiser
und Oberherr regieren und seinem Sohn mit den vielen kleineren Aufgaben
betrauen konnte. Aber an Pfingsten 1039, das der Hof in Utrecht feierte,
wurde KONRAD krank.
"Unter brünstigen Tränen richtete er sich empor,
empfing nach aufrichtiger Beichte und innigem Gebet in tiefer Demut Gemeinschaft
mit den Heiligen und Sündennachlaß, nahm nach herzlichen Ermahnungen
Abschied von der Kaiserin und seinem Sohne, König
HEINRICH, und schied am Montag, dem 4. Juni, in der 7. Indiktion,
aus diesem Leben. Des Kaisers Eingeweide wurden zu Utrecht beigesetzt,
und der König begabte den Grabesort mit Geschenken und Grundbesitz.
Den übrigen, denkbar prächtig umhüllten und eingesargten
Leichnam geleiteten die Kaiserin und ihr königlicher Sohn nach Köln...
30 Tage nach seinem Tode setzte man ihn unter hohen Ehren bei in der Stadt
Speyer, die der Kaiser selbst, wie später auch sein Sohn, sehr ausgezeichnet
hat."
Gisela war also jetzt,
mit 49 und nach 23-jähriger Ehe, die gleichzeitig eine sehr enge politische
Gemeinschaft gewesen war, zum dritten Mal Witwe. Zunächst wirkte wohl
die Routine der bisherigen Praxis ebenso wie die feierliche Durchführung
der Beisetzung, aber mit der Zeit kam es mit ihrem Sohn HEINRICH
zu Reibereien und bald zu sehr ernsthaften Auseinandersetzungen. Vermutlich
ging Gisela mit ihrem Sohn anders um
als mit ihrem Mann, sie übernahm mehr eigene Verantwortung und ließ
ihn ihre Überlegenheit spüren. Er wehrte sich gegen ihren beherrschenden
Einfluß und sah offenbar keinen anderen Weg, sie loszuwerden. Deshalb
wies er ihr Goslar als Wohnsitz an und verbannte sie zeitweilig vom Hof.
Die ausführlichste Nachricht finden wir im Tetralog, einem Gedicht,
das Wipo 1041 für HEINRICH schrieb:
"So hielt Wipo für notwendig dem König ans
Herz zu legen, daß er mit seiner Mutter, der Kaiserin-Witwe
Gisela, in Friede und Freundschaft lebe: habe sie sich doch
in besonders hohem Maße um seine ganze geistige Ausbildung verdient
gemacht, und sei es daher seine heilige Pflicht ihr mit Ehrerbietung zu
begegnen! Keinesfalls dürfte es unter ihnen wieder zu einer Entzweiung
kommen, wie sie schon einmal dagewesen sei und die Freude am Reich gestört
habe, bis sie durch Gottes Hilfe beigelegt wurde."
Der äußere Frieden war offenbar wiederhergestellt,
und HEINRICH wie Gisela
war daran gelegen, aber
HEINRICH hielt
an seiner Entscheidung fest, Gisela
an der Macht nicht mehr zu beteiligen. Gisela
mußte
sich mit einer Randstellung und halben Verbannung begnügen. So blieb
in Goslar, wo sich allerdings HEINRICH mit
dem Hof auch immer wieder aufhielt. Soweit sich politischer Einfluß
an den Interventionen ablesen läßt, ging er in diesen Jahren
sehr zurück. Über ihr sonstiges Leben gibt es kaum Nachrichten.
Vermutlich war es von einer gewissen Resignation geprägt.
Die Nachricht über Giselas
Tod findet sich nicht bei Wipo, sondern in der Chronik des Hermann von
Reichenau. da heißt es zu 1043: "Kaiserin
Gisela starb in Goslar am 14. Februar an der Ruhr, obgleich
sie von Wahrsagern, die ihr manchmal Wahres vorhersagten, zu dem Glauben
gebracht worden war, sie werde ihren Sohn, den König, überleben;
sie wurde zu Speyer neben ihrem Gemahl, dem Kaiser, begraben."
Über "diese so unmütterlich unzweifelhaft auf
Herrschsucht beruhende Gesinnung der alternden Gisela"
läßt sich Steindorff in den Jahrbüchern zu HEINRICH
III. aus. Aber daß Gisela,
die drei Ehemänner und alle Kinder außer HEINRICH
überlebt hat, auf solche Gedanken kommen konnte, ist nicht weiter
verwunderlich. Und HEINRICHS Tod hätte
für Gisela nicht die Rückkehr
an die Macht bedeutet, sondern die endgültige Entfernung von ihr.
Als ihrem Vater und seiner Familie einst ein glänzendes Schicksal
bevorstand, stiftete er zur Erinnerung für sich und seine Familie
das Kloster und die Kirche von Regenbach, und Gisela
mußte diese unnötig gewordene Stiftung 1033 auflösen. Vielleicht
plagte sie die Vorstellung, daß sie auch die zweite Familie überleben
und Speyer wie Regenbach enden würde. Die Fortsetzung des glänzenden
Aufstiegs, der Gisela und KONRAD
zum Kaisertum geführt hatte, ruhte jetzt allein auf den Schultern
des Königs HEINRICH, den Gisela
geboren
und für seine Aufgabe erzogen hatte. Sein Tod wäre für sie
ein Triumph gewesen, auch wenn sie ihm ihre Kaltstellung sicher übelgenommen
hat.
Hlawitschka Eduard:
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"Untersuchungen" Sigmaringen 1987
d) Ida von Elsdorf als Nachkommin "Kunos" (mit einer Erörterung
des Geburtsjahres der Kaiserin Gisela)
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Es gibt aber auch - was nicht verschwiegen werden darf
- ein scheinbar sehr schwerwiegendes Argument, das die Abstammung Idas
(von Elsdorf) von Graf Liutolf (von Braunschweig) angeführt zu werden
pflegt: die Geburts- und Lebensdaten der Kaiserin
Gisela,
der Mutter Liutolfs. Diese Daten - so wird gemeint - schlössen die
Herkunft Idas vom Gisela-Sohn Liutolfs
völlig aus. Exkursionsartig muß deshalb dieses Problem - zusammen
mit der Frage nach der tatsächlichen Reihenfolge der drei gut bezeugten
Ehen Giselas - vor der Weiterbehandlung
unserer Hauptfragen erörtert werden. An dieser Frage beginnt nun -
um im eingangs dieses Abschnittes erwähnten Bilde zu bleiben - das
"Wespennest der Forschung" zu surren und zu schwärmen.
Im letzten Jahrhundert hatte man aus verschiedenen Erwägungen
gefolgert, daß die Kaiserin Gisela
- gleich wie ihr dritter Gemahl Kaiser KONRAD
II. - etwa um 989/90 geboren sein dürfte. Vor allem sprachen
die Daten der Empörung von Giselas
Sohn Herzog Ernst II. von Schwaben, den sie in ihrer (nur zwischen 1012
und 1015 nachweisbaren) Ehe mit Herzog Ernst I. von Schwaben (+ 31.V.1015)
geboren hatte, - also die Jahresdaten 1025, 1026 und 1030 offenkundig dafür,
den Zeitpunkt des Eheschlusses Giselas
und Ernsts I. - da Ernst II. bei seiner ersten Erhebung doch wenigstens
ein Jüngling von 15 und bei seiner zweiten Empörung ein junger
Mann von etwa 20 Jahren gewesen sein werde - bis mindestens 1009/10 zurückverlegen.
Und da einerseits der spätere Kaiser HEINRICH
III. unbezweifelbar am 28. Oktober 1017 in Giselas
dritter
Ehe mit dem künftigen Kaiser KONRAD II. geboren
wurde, diese dritte Ehe also gegen Ende 1016 oder spätestens im Januar
1017 geschlossen worden sein muß, und andererseits zwischen dem Tod
des Herzogs Ernst I. am 31. Mai 1015 und Giselas
dritter
Verheiratung Ende 1016/Anfang 1017 nur Zeit für eine angemessene Trauerzeit
Giselas
um Ernst I., aber keine zusätzlich für eine Ehe mit Graf
Brun von Braunschweig, aus der Graf Liutolf von Braunschweig hervorging,
verbleibe, werde man
Giselas Ehe mit
Graf
Brun von Braunschweig als ihre erste Ehe annehmen dürfen. Diese
erste Ehe
Giselas werde dann also einige
Zeit vor 1009 geschlossen worden sein. Und sonach war auch die vom Annalista
Saxo berichtete Reihenfolge der drei Ehen Giselas
- nämlich Verheiratung zuerst mit Herzog Ernst I. von Schwaben,
danach mit Graf Brun von Braunschweig und schließlich mit
dem künftigen Kaiser KONRAD II. -
zu berichtigen in die Abfolge:
1. Ehe mit Brun von Braunschweig
2. Ehe mit Ernst von Schwaben
3. Ehe mit KONRAD II.
Bei der Öffnung der Kaisergräber des Speyerer
Doms im Jahre 1900 fand man dann aber im Grab der Kaiserin
Gisela
eine Bleitafel, auf der unter anderem der 11. November
999 als der Geburtstag der Kaiserin vermerkt ist. Das wiederum konnte -
sofern man nicht einen Schreibfehler (etwa 999 statt 989) in der gewiß
äußerst ungeschickt geschriebenen Zahl D.CCCC.XCVIIII. III.
Idus Nov. erwog [Diese Inschrift beginnt folgendermaßen: Anno dom(inicae)
incarn(ationis), D.CCCC.XCVIIII. III. Idus Nov(embris). felicit(er) nata
Gisela
imperatrix Cuonradi imperatoris comiux...
Schon der Ausgräber und erste Editor dieser Inschrift - H. Grauert,
Die Kaisergräber im Dom zu Speyer, Bericht über ihre Öffnung
im August 1900, vermutete, daß der Graveur in der Zahl DCCCXCVIIII
ein zweites X-Zeichen einzufügen vergaß. Ebenda in Anmerkung
1 begründete er dies mit folgenden Worten: "Das schwerste Bedenken
gegen die Richtigkeit des Jahres 999 als Geburtsjahr der Gisela
erhebt
sich aber die Tatsache, dass ihr Sohn, Herzog Ernst (II.) von Schwaben,
nach mehrmaligen Aufständen gegen KONRAD
II. bereits am 17. August 1030 sein Leben beschloß. Er
müßte danach bei seinem Tode wenig mehr als 16 Jahre gezählt
haben, was wenig wahrscheinlich ist".] - nur dafür sprechen, daß
die für 1012-1015 bezeugte Ehe
Giselas
mit
Herzog Ernst I. die erste war und der Annalista Saxo mit seiner
Reihenfolge recht hat. Giselas Ehe
mit Graf Brun konnte somit nur in die 2. Jahreshälfte 1015
und in das Jahr 1016 fallen, ihr und Graf Bruns Sohn Liutolf demnach
auch nur 1016 geboren sein. Eine Trauerzeit um die verstorbenen Ehemänner
konnte es nicht gegeben haben. Liutolfs Kinder wiederum konnten dann gewiß
erst ab 1031 zur Welt gekommen sein und - wenn man Ida zu ihnen zählt
- auch erst wieder von ca. 1045 an Kinder haben. Und das mußte in
unserem Zusammenhang wichtig sein, da doch Idas Sohn Graf Ekbert bereits
1053/54 (wenn nicht schon früher) in einer Fehde, und das heißt
als Erwachsener, sein Leben verloren haben soll. Das aber paßt nicht
zusammen. Um das auf der Speyerer Bleitafel angegebene Geburtsdatum Giselas
ist seither eine große Kontroversliteratur entstanden. Die einen
berufen sich auf die - seit der Bestattung Giselas
am
11. März 1043 bis zur Graböffnung im August 1900 - unversehrte
Tradierung der Bleitafel als eines Originaldokuments ersten Ranges; die
anderen verweisen auf die schon vor der Auffindung der Bleitafel getroffene
Feststellung über die Lebensdaten verschiedener Nachkommen Giselas,
die eine Geburt Giselas erst zu Jahreswende
999 ganz unwahrscheinlich sein lassen. 1928 hat es zum Beispiel E. Brandenburg
unternommen, den 11. November 999 als Geburtsdatum Giselas
gegen
die seit der Auffindung der Speyerer Bleitafel immer lauter gewordenen
Zweifel zu verteidigen und die wichtigsten Daten aus dem Umfeld der Gisela-Nachkommen
mit der in der Bleitafel genannten Geburtszeit Giselas
in Konkordanz zu bringen.
Anzuerkennen ist dabei, daß Gisela
mit dem künftigen Kaiser HEINRICH III.
am 28. Oktober 1017 bereits ihr viertes Kind in dritter Ehe zur Welt gebracht
hat. Zu den Geburtszeiten der ersten drei Kinder äußerte sich
Brandenburg folgendermaßen: Die beiden Söhne aus der Ehe Giselas
mit Herzog Ernst I. - Ernst II. und Hermann IV. - "müßten
Anfang 1014 und Anfang 1015 geboren sein, da man wohl nicht gut annehmen
kann, daß Gisela früher
einem Kinde hätte das Leben geben können. Es folgt daraus, daß
der älteste dieser Söhne, Ernst II. von Schwaben, bei seinem
Tode (1030) erst 16 Jahre alt war und zur Zeit seiner ersten Empörung
gegen den Stiefvater im Jahre 1025 erst 11 Jahre gezählt haben kann".
Die Ehe Giselas mit Graf Brun,
dem Vater des nun schon öfter genannten Grafen Liutolf von Braunschweig,
"muß sehr schnell nach dem Tode des ersten Gemahls (Ernst I.)
geschlossen sein, und der aus ihr hervorgegangene Sohn Liutolf muß
vor dem 1. Juli 1016 geboren sein. Dies geht mit unzweifelhafter Sicherheit
aus einer Urkunde KONRADS II. vom 1.
Juli 1028 hervor, in welcher er unter den Zeugen erscheint. Da nach älterem
deutschen Recht die Vollendung des 12. Lebensjahres den Termin der Mündigkeit
bedeutete und also von diesem Zeitpunkte an der junge Mann erst als Zeuge
fungieren konnte, so muß Ludolf am 1. Juli 1028 über 12 Jahre
alt gewesen sein. War er nicht lange vor dem 1. Juli 1016 geboren, so könnte
die Ehe Giselas
mit Brun etwa
im August oder September 1015 geschlossen worden sein". Dem bisherigen
Argument, daß Liutolf schon 1013 in einem Diplom HEINRICHS
II.
und in zwei Fälschungen des 12. Jahrhunderts genannt werde, die zu
1013 und 1022 zu setzen sind und auf guten Grundlagen beruhen, begegnete
Brandenburg mit dem Hinweis auf einen anderen zum Jahre 1023 in den Hildesheimer
Annalen als soeben verstorben erwähnten Grafen Liutolf, der ja nicht
in den gleichen Annalen zum 24. Mai 1038 als verstorben eingetragene Liudolfus
comes, privignus imperatoris, sein konnte. Bezüglich Idas von Elsdorf
aber, die von Albert von Stade als Tochter eines Bruders Kaiser
HEINRICHS III. bezeichnet wird, die aber nicht gut eine Tochter
Herzog Ernsts II. gewesen sein kann und die - "wäre sie Liudolfs Tochter
gewesen - ... nicht gut vor 1032 das Licht der Welt hätte erblicken
können und beim Tode ihres päpstlichen Onkels (Leo IX., +19.IV.1054)
selbst erst höchstens 22 Jahre alt gewesen" sein könnte und somit
1053 gewiß noch keinen erwachsenen Sohn Graf Ekbert haben konnte,
ergibt sich für ihn keinerlei Möglichkeit, eine Konkordanz der
Angaben Alberts von Stade mit dem auf der Speyerer Bleitafel angegebene
Geburtsjahr
Giselas zu erreichen: "Mag
viel oder wenig an der Erzählung dieses 200 Jahre nach den Ereignissen
schreibenden Chronisten wahr sein, jedenfalls halte ich es für völlig
vergebliche Mühe, auf Grund seiner Angaben die Abkunft der Ida bestimmen
zu wollen. Und soviel ist ganz gewiß, daß es weder eine Tochter
Ernsts II. von Schwaben noch Ludolfs von Braunschweig gewesen sein kann".
Diese Erklärung läßt freilich schon mit
der Auffassung, dass ein erst 11-jähriger bereits einen Aufstand durchführen
und dabei auch Unterstützung beim süddeutschen Adel finden konnte,
eine nicht unerhebliche Schwachstelle erkennen. Galt doch offenbar, was
bislang viel zu wenig beachtet worden ist, im süddeutschen Raum -
und dies trifft speziell für die Familie Herzog Ernsts I. zu
- nicht das vollendete 12. Lebensjahr als Mündigkeitstermin, sondern
das 15. (wenn nicht gar erst das 18.) Lebensjahr [E. Brandenburgers Angabe,
daß Ernst II. schon mit 11 Jahren seinen Aufstand gegen seinen Stiefvater
KONRAD
II. begann, könnte man sogar noch leicht korrigieren, ohne
daß man bei einem Festhalten am Geburtsjahr Giselas
999
in größere chronologische Schwierigkeiten gerät. Sicher
ist lediglich, daß Ernst II. bei KONRADS
II. Königswahl am 4. September 1024 noch nicht volljährig
war. Wipo, Gesta Chuonradi c. 1, ed. H. Bresslau Seite 10, berichtet ja
von der damaligen Vormundschaftsrolle des Erzbischofs Poppo von Trier über
Ernst II.: Treverensemquoque archiepiscopatum gubernavit Poppo, frater
Ernusti (I. ducis,...qui eodem tempore filium fratris sui, ducem Ernestu
(II.), cum ducatu Alamannico sub habuit. Im Sommer 1025, als er seine Insurrektion
begann, müßte Ernst II. dann aber schon voll rechtsfähig
gewesen sein, denn von da an erscheint er unter keiner Vormundschaft mehr.
Sonach dürfte, wenn man mit Brandenburg die Vollendung des 12. Lebensjahres
als Großjährigkeitsgrenze ansetzt, Ernst II. zwischen dem 4.IX.1024
und dem Sommer 1025 sein 12. Lebensjahr vollendet haben, also zwischen
dem 4.IX.1012 und dem Sommer 1013 geboren sein. Doch ist freilich ganz
unsicher, daß diese Großjährigkeitsgrenze, die uns vor
allem für die Zeit des Frankenreichs bezeugt ist, auch noch im 11.
Jahrhundert galt und noch nicht weiter nach oben verschoben gewesen ist.
Nach dem alemannischen Recht des Schwabenspiegels machte jedenfalls erst
das 18. Lebensjahr großjährig und handlungsfähig. Auch
in der Goldenen Bulle KARLS IV. c.
VII. wird die Mündigkeit der Kurfürsten auf 18 Jahre festgesetzt.
Die Verschiebung des Großjährigkeitstermins dürfte indessen
über die Beachtung des 15. Lebensjahres gelaufen sein, das in der
Lex Ribvarica - im Gegensatz zum 12-Jahrestermin der Lex Salica - für
die Mündigkeit gefordert wird. Daß gerade diese Grenze in der
Familie Ernsts I. galt, ersieht man an folgendem: Als dem rebellischen
Ernst II. zu Ostern 1030 das alemannische Herzogtum endgültig abgesprochen
wurde und dieses an seinen jüngeren Bruder Hermann IV. kam, wurde
letzterem, wie Wipo in seinen Gesta Chuonradi c. 25 berichtet, der Bischof
Warmann von Konstanz als Vormund beigegeben. Im c. 28 wird sogar ganz unmißverständlich
von Warmanno Constantiensi episcopo, qui tunc vice ducis Herimanni Alamanniam
gubernabat gesprochen. War Hermann IV. im Frühjahr 1030 aber noch
nicht allein handlungsfähig, so kann die Volljährigkeitsgrenze
nicht erst beim vollendeten 12. Lebensjahr gelegen haben, denn sonst müßte
Hermann ja erst 1018 geboren sein, als aber seine Mutter längst schon
in dritter Ehe mit KONRAD II. verbunden
war und sogar schon HEINRICH III. geboren
hatte. War aber diese Grenze das vollendete 15. Lebensjahr, so dürfte
Hermann IV. wohl in der 2. Hälfte des Jahres 1015 (erst nach seines
Vaters Tod) zur Welt gekommen sein. Will man letzteres nicht annehmen,
so müßte man für die spätere Zeit bezeugte 18-Jahresgrenze
voraussetzen, die jedoch - da man die gleiche Grenze auch für
Hermanns IV. Bruder Ernst II, unterstellen muß - für den 1025
erstmals selbständig hervortretenden Ernst II. ein Geburtsjahr 1007
ergäbe. Das aber schlösse ein Geburtsjahr Giselas
999 noch deutlicher aus als alle anderen Beobachtungen. Aber auch schon
die 15-Jahresgrenze ergibt - was hier entscheidend wichtig ist - für
Ernst II. ein Geburtsjahr 1010, das wiederum einer Geburt Giselas
erst zu Jahresende 999 ebenfalls schon energisch widerspricht.]. War Ernst
II. zu Beginn seiner Aufstände (1025) mindestens 15-jährig, so
muß er spätestens ca. 1010 geboren worden sein. Das jedoch spricht
zwingend gegen eine Geburt Giselas
erst zu Jahresende 999.
So kollodiert also nicht allein die gänzliche Unvereinbarkeit
der Nachrichten um Ida von Elsdorf mit einem Geburtsjahr Giselas
999
und steht den Darlegungen Brandenburgs entgegen. Die Historiker haben indes
auch andere Ungereimtheiten im Bilde Brandenburgs entdeckt. Ohne den Gang
der Diskussion im einzelnen darstellen zu wollen, sei deshalb auf einige
zusätzliche Argumente hingewiesen, die zum Teil schon von anderen
vorgetragen wurden, aber auch noch weiter ergänzt werden können.
Träfe das Geburtsdatum 11. November 999 für
Kaiserin
Gisela zu - so wird zum Beispiel von N. Bischoff angemerkt -,
dann könnte Herzog Hermann II. von Schwaben, der nach dem Zeugnis
der Zeitgenossen Wipo und Hermann von Reichenau der Vater Giselas
war,
an dem im Dezember 997 mit der Alpenüberquerung begonnenen Romzug
Kaiser
OTTOS III., unter dessen Teilnehmern ihn eine Urkunde OTTOS
III. vom 29. März 999 in Rom nachweist, nicht von Anfang
an beteiligt gewesen sein; und könne sogar auch nicht zu dem für
Oktober/November 998 vermuteten Verstärkungsaufgebot gehört haben,
sondern müßte am 11. Februar 999 - dem zum Geburtstag 11. November
999 errechenbaren Zeugendatum - allein aus Alemannien nach Rom aufgebrochen
und dem Kaiser nachgereist sein, was recht ungewöhnlich wäre.
Dabei scheint sogar einiges dafür zu sprechen, daß Hermann
II. schon zumindest im Oktober/November 998 in Oberitalien war. Am
12. April 999 berief sich nämlich, was bislang nicht beachtet wurde,
in Erstein/Elsaß der aus Pavia mit einer kleinen Delegation angekommene
Pfalznotar Johannes auf die ihm von Hermann erteilte Genehmigung
zur Ausstellung von Schenkungsurkunden, die die greise
Kaiserin
Adelheid - offenbar als letztwillige Verfügung - unter
anderem für das Sankt-Salvator-Kloster in Pavia gewähren wollte:
Ego Iohannes notarius sacri palacii scriptor uius carte ofersionis per
data licencis domni Arimanni comitis iustius comitatu Alsasiense post tradita
complevi et dedi. Hieraus kann gewiß nicht geschlossen werden, daß
Hermann
schon wieder von Rom nach Alemannien zurückgekehrt war; in 14 Tagen
war selbst für einen schnellen berittenen Boten die Entfernung von
Rom zum Niederelsaß nicht zu bewältigen. Falls man nun nicht
annehmen will, daß diese "Genehmigung" einfach zum Formular gehörte
und ohne große Überlegung mit dem für Erstein zuständigen
Grafennamen aufgefüllt wurde, müßte
Herzog Hermann
den Pfalznotar Johannes vor dessen Abreise aus dem Gefolge
OTTOS
III. (in Pavia oder Rom) ermächtigt haben. Nun war der
Hof OTTOS III. aber schon Ende Oktober/Anfang
November 998 aus Oberitalien (Pavia) nach Rom abgezogen, wo OTTO
III. bis zum Juni 999 (mit einer kurzen Unterbrechung einer
Bußwallfahrt zum Monte Gargano in der 1. Märzhälfte 999)
verblieb. War die Einsetzung und Entsendung des Pfalznotars samt seiner
Delegation und seine zusätzliche "Arbeitsermächtigung" im Elsaß
von Oberitalien (Pavia) aus erfolgt - was naheliegt, da es sich im wesentlichen
um die Besitzangelegenheiten eines Paveser Klosters handelte -, so müßte
Hermann
II. dann eigentlich schon vor Oktober/November 998 im Gefolge
OTTOS
III. in Italien gewesen sein und an der Entsendung mitgewirkt
haben. Ist dieser Eindruck richtig, so schließt er entweder die gut
bezeugte Vaterschaft Hermanns II. an Gisela
oder
- was näherliegt - Giselas
sowieso
schon angefochtenes Geburtsjahr aus.
Gegen eine Geburtszeit Giselas
erst 999 wurde weiter geltend gemacht, daß diese gegen andere Quellenaussage
verstoße. Die durchaus glaubwürdigen Miracula S. Vernae berichten
nämlich, daß dem Schwaben-Herzog Hermann zunächst
mehrere Töchter geboren worden waren und er erst nach einer Wallfahrt
zur heiligen Verena in Zurzach einen männlichen Leibeserben, den späteren
Hermann
III., erhielt. Durch Hermann von Reichenau wissen wir von drei Töchtern
und einem Sohn Hermanns II. Wenn dem Herzog seine Gemahlin zunächst
filias
satis geboren hatte, er jedoch filios non habebat, weswegen
er schließlich zur Wallfahrt um den Sohn, der ihm danach auch geboren
wurde, Zuflucht nahm, dann werden die Töchter gewiß vor dem
Sohn, vor Hermann III., zur Welt gekommen sein. Und da es - was
bislang auch nicht beachtet wurde - einen Anhaltspunkt gibt, nach dem Hermann
III. im Januar 1007 bereits als rechtsfähig galt [Er trat damals als
Zeuge in einer Urkunde HEINRICHS II.
auf.], er also - wenn man die Mündigkeitsgrenze nach den oben Seite
135 aufgezeigten Anhaltspunkten mit dem vollendeten 15. Lebensjahr ansetzt
- spätestens im Januar 992 geboren wurde, braucht man nicht mehr nur
darauf zu verweisen, daß eine der drei Töchter
Herzog Hermanns
II. - Mathilde - im Jahre 1002 schon verheiratet war [Bereits 1002
war Konrad von Kärntenmit
Herzog Hermanns II. Tochter Mathilde
verheiratet; er wird zu diesem Jahr ja schon als
Hermanns II. gener
bezeichnet. Im nächsten Jahr, 1003, wurde auf der Synode von Diedenhofen
Konrads und Mathildes Ehe als zu nahe bekämpft.] und sonach
einige Zeit vor 990 geboren worden ist, was für eine ähnliche
Geburtszeit auch der anderen beiden Töchter
Gisela
und
Beatrix sprechen dürfte, sondern man kann sogar, wenn Hermann III.
vor 992, also etwa 991 geboren ist, die Geburtszeit seiner Schwestern vor
991 aus den zitierten Worten der Miracula S. Verenae mit noch größerer
Entschiedenheit folgern. Freilich ist nicht völlig auszuschließen,
ja sogar wahrscheinlich, daß Hermann III.angesichts der seit 1003
vakanten Herzogsposition nach dem älteren und außerhalb Alemanniens
wohl noch länger gültigen Usus schon mit dem vollendeten 12.
Lebensjahr mündig erklärt wurde, wie ja auch für OTTO
III. 994 vorzeitig - nach Vollendung des 14. Lebensjahres -
die Vormundschaft beendet wurde. Dann aber war Hermann III. wohl spätestens
im Januar 995 geboren worden. Dazu stimmt, daß Hermann III. bei Tode
seines Vaters am 4. Mai 1003 noch ein parvulus war, zu 1004 als adhuc puerulus
bezeugt wird und, als er am 1. April 1012 starb, ein puer bzw. adolescentulus
war wie auch größtenteils einfach nur als dux bezeichnet wurde.
A. Hofmeister hat ja doch bei einer Untersuchung der
mittelalterlichen Lebensaltersbezeichnungen festgestellt, daß "ein
puer bis zu 28 Jahre alt sein" konnte und "ein adolescens mindestens 12-14
Jahre alt (und im engeren Sinne höchstens 28)" ist. Wenn Hermann III.
etwa Ende 994/Anfang 995 geboren worden ist, dann war er im Frühjahr
1003 gerade erst 8 Jahre, 1004 als adhuc puerulus 9 Jahre und bei seinem
Tod 1012 gerade 17 Jahre, was mit puer, adolescentulus auch nicht falsch
bezeichnet ist, so wie man ihn ja auch schon als vollwertigen dux betrachten
konnte [Diese Geburtszeiten der Geschwister Giselas
fügen sich auch bestens zu den erkennbaren Lebensdaten ihrer Mutter
Gerberga,
die ja vor der ca. 986 mit Hermann II. von Schwaben geschlossenen
Ehe schon einmal mit dem Grafen Hermann von Werl verheiratet war und diesem
drei Söhne geboren hatte. Und dabei scheint diese erste Ehe
Gerbergas
von ca. 978/80-985 gewährt zu haben (vgl. P. Leidinger, Untersuchungen
zur Geschichte der Grafen von Werl Seite 49 und Tafel II am Bandende),
was den für unseren Zusammenhang wichtigen Schluß zuläßt,
daß Gerberga spätestens
um 965 geboren sein wird. Wenn man aber - mit der Speyerer Bleitafel -
Gisela
erst am 11.XI.999 geboren sein läßt und danach - wegen der Bemerkungen
in den Miracula S. Verenae über die Geburt der Töchter Hermanns
II. vor dem erhofften Knaben - die Geburt Hermanns III. erst
frühestens ins Jahr 1000 (eventuell auch erst noch später setzen
kann, so führt das schon wieder nahe an die Fruchtbarkeitsgrenze
Gerbergas
heran.
Wenngleich ein springendes Argument aus diesen Zusammenhängen gegen
die Zuverlässigkeit der Speyerer Bleitafelangabe zur Geburt
Giselas
gewiß
nicht zu gewinnen ist, so lassen aber diese Daten die Kritik an der Bleitafelangabe
doch auch nicht ganz unberechtigt erscheinen. - Wahrscheinlich hat Gerberga
ihre drei Töchter 986/87-990, ihren Sohn Hermann III. eventuell
991 oder erst 994 - nach dem 992 geborenen und nach einem Jahr verstorbenen
Berthold - zur Welt gebracht.].
Ein weiterer Vorstoß gegen zwei klare Quellenaussagen
müßte bei einem Beharren auf einer Geburt Giselas
am 11. November 999 insofern eintreten, als ja dann ihre Ehe mit Graf
Brun von Braunschweig - wie oben schon angeführt - die zweite
sein und zwischen dem 31. Mai 1015 und Ende 1016 liegen müßte,
wir aber sowohl durch Thietmar von Merseburg als auch - ganz unabhängig
von diesem - durch Hermann von Reichenau erfahren, daß der spätere
Kaiser
KONRAD II. (1016/17) Ernasti ducis viduam (nicht
aber Brunonis comitis viduam) geehelicht hat. Wollte man
an diesen Nachrichten rütteln, müßte man Thietmar, der
sich in der Hochadelsgesellschaft seiner Zeit bestens auskannte und ihr
selbst angehörte, einer Falschüberlieferung zeihen, was aber
in diesem Fall besonders schlecht anginge, weil Gisela
immerhin Thietmars Cousine 2. Grades und diesem somit gewiß nicht
ganz unbekannt war.
Weiterhin müßte Graf Brun von Braunschweig
in der Sicht der Befürwörter der Bleitafelinschrift im Jahre
1016 verstorben sein. Nun berichtet aber Thietmar von Merseburg anläßlich
eines von seinem eigenen Vetter (nepos) Graf Werner im Jahre 1014 begangenen
Landfriedensbruchs (eines Frauenraubs) - und dieser Bericht wurde spätestens
noch 1015 niedergeschrieben - von einem Verbrechen, das seinerseits den
Kaiser, HEINRICH II., zu einem bestimmten
Gelübde hinsichtlich der Art der Ahndung veranlaßt habe und
zu dessen Bruch dieser sich gezwungen sehen würde, wollte er Werner
nicht in der gelobten Weise bestrafen. Zu diesem Gelübde sei es folgendermaßen
gekommen: Als nämlich seinerzeit Brun in seinem eigenen Hause
von seinem Feind Milo getötet worden war, da habe der Kaiser auf Bitten
aller Einheimischen gelobt, solchen Straffälligen Besitz und Wohnrecht
abzusprechen. Handelte es sich aber bei diesem Brun um den Grafen
"von Braunschweig" - wie schon vielfach vermutet worden ist [R. Holtzmann
in seiner Thietmar-Ausgabe Seite 405 Anmerkung 9: "Brun ist vermutlich
der Graf von Braunschweig". Dass er sich dabei in einen Widerspruch verwickelt,
da er ja an Brandenburgs Ausführungen über die Geburtszeit Giselas
festhält
(vgl. ebd. Seite 145 Anmerkung 6: Graf Bruno von Braunschweig, nach
Nachweis von Brandenburg + 1016 als zweiter Gemahl der späteren Kaiserin
Gisela), ist ihm offenbar nicht ganz bewußt geworden.
Auch R. Schölkopf, Sächsische Grafen identifiziert den vor 1014
(!) erschlagenen Brun mit Brun von Braunschweig.] -, so könnte
Giselas
Ehe mit diesem keinesfalls zwischen dem 31. Mai 1015 und Ende 1016 eingereiht
werden. Diese müßte, wenn Brun schon vor 1014 ums Leben
kam und
Giselas Ehe mit Herzog Ernst
I. von Schwaben mindestens schon 1012 bestand, wohl in die Zeit vor
1011 gesetzt werden. Das aber widerspricht einem Geburtsjahr
Giselas
999 aufs neue. - Möglicherweise liegt gerade in den Umständen
des Totschlags Bruns auch jener wunde Punkt im Leben Giselas,
der ihr in entscheidungsvoller Zeit (1024) einmal vorgehalten werden sollte
[Als der am 4. September 1024 in Kamba zum König erhobene KONRAD
II. vier Tage später in Mainz von Erzbischof Aribo, dem
Hauptpropagator der Wahl KONRADS II.,
kirchlich geweiht und gekrönt werden sollte, da weigerte sich Aribo,
auch seiner Gemahlin die Krone aufs Haupt zu setzen. Wipo (Gesta Chuonradi
c. 4, ed. H. Bresslau Seite 25) berichtet darüber, Mißgunst
(invidia) gewisser Leute, die ja oft von den Tiefen wie Rauch zu den Höhen
aufsteigt, habe ihre Weihe um einige Tage hinausgezögert. Und es stünde
übrigens heutigentags nicht fest, ob Gisela
von
dieser Anfeindung berechtigt oder unberechtigt getroffen wurde. H. Bresslau,
Jahrbücher Konrads II. Band 1, Seite 28, hatte gemeint, an Aribo sei
kurz vor der Krönungszeremonie herangetragen worden, dass KONRAD
und
Gisela
zu
nahe miteinander verwandt gewesen seien; Aribo, der als ein Vorkämpfer
für die Beachtung der kanonischen Eherechtsbestimmungen bekannt war,
hätte dann ja nicht anders gekonnt, als Giselas
Krönung zu verweigern. Aber diese Deutung der Brüskierung Giselas
ist von E. Brandenburg, Probleme Seite 23, berechtigt zurückgewiesen
worden. Zumal die Ehe KONRADS und
Giselas
1024 schon 7 Jahre bestand und ihr schon mehrere Kinder entsprossen waren,
KONRAD
und Gisela ja auch keine Unbekannten
waren, konnte diese Frage für Aribo gewiß nichts Neues bedeuten;
auch war an dieser Verbindung nicht nur Gisela
allein, sondern ebenso sehr ihr Gemahl beteiligt, dessen Krönung nicht
verweigert wurde. Außerdem fiel ihre Verwandtschaft (5 : 4) gar
nicht mehr unter die verbotenen Nahehen! Brandenburg selbst vermutete,
es sei damals aufgekommen, daß Gisela
für ihre zweite Ehe mit Brun von Braunschweig keine Trauerzeit
eingehalten habe und ohne Zustimmung ihrer nächsten Verwandten geheiratet
haben werde, ja es werde bekannt geworden sein, daß Gisela
aus dieser dann als unrechtmäßig anzusehenden Verbindung sogar
einen Sohn hatte. Und daraus lasse sich eher "begreifen, daß Aribo
daran schweren Anstoß nahm und eine Klarstellung dieser Angelegenheit
verlangen zu müssen glaubte, bevor er ihr die Krone aufs Haupt setzte"
(Seite 27). Aber auch das ist wohl kaum überzeugender, betraf die
Verwandtenzustimmung doch nicht unmittelbar den kirchlichen Bereich und
läßt sich doch eine "heimliche Hochzeit" einer Herzogin und
deren unbemerkte "Standortverlagerung" von Alemannien nach dem deutschen
Norden nur schwer vorstellen. Dagegen hat N. Bischoff, Chronologie Seite
290, zurecht polemisiert. Auch bei dieser Erklärung bleibt ja die
Frage offen, warum Gisela durch die
Formlosigkeiten einer Ehe belastet worden sein soll, ihr Gemahl indessen
nicht. Kann aber nur Gisela allein
von irgend etwas betroffen worden sein, dann gehört dies wohl in die
Zeit vor der Ehe mit KONRAD. N. Bischoff
hat deshalb gemeint, dies könne nur ein "Geburtsmakel" gewesen sein.
Gisela
könnte
schon vor dem Abschluß der Ehe ihrer Eltern geboren sein, und insofern
könnte man auch in der Speyerer Bleitafel ein Datum angegeben haben,
das in die Zeit der unbestrittenen legitimen Ehe Herzog Hermanns II.
und Gerbergas von Burgund gehörte.
Aber auch diese Annahmen können nicht befriedigen. Gibt doch derselbe
Wipo, der - nach Bischoff - mit seiner mehr verschleiernden als erhellenden
Bemerkung die dunkle Herkunft Giselas
habe andeuten wollen, sogar mit größter Präzision Giselas
Eltern an, womit er sich selbst widersprochen haben müßte: Cui
pater erat Herimannus dux Alamanniae, mater eius Kerbirga
filia Cuonradi regis de Burgundia fuit
(Wipo, Gesta Chuonradi c.4, Seite 24). Und warum sollte man ein so spätes
Datum der Ehe Hermanns und Gerbergaswählen,
zumal diese Ehe mindestens schon 989/90, wenn nicht schon 986/87, bestanden
hat? Auch dieses Erkärungsmodell versagt vollständig - wenn aber
schon eine mögliche schuldhafte Verstrickung allein bei
Gisela
zu
suchen ist, dann bietet sich ja an, sich einer Mahnung zu erinnern, die
Herzog
Ernst I. angesichts seines Todes - er wurde bei der Jagd versehentlich
getroffen - seiner Frau übermitteln ließ: sie möge ihre
Ehre wahren und auch seiner nicht vergessen (Thietmar, Chron. VII c. 14,
Seite 414). Wenn Ernst
nämlich fürchtete, daß
Gisela
ihren
honor eventuell nicht richtig zu wahren vermöchte, war dann nicht
schon einmal etwas vorgefallen, das zu dieser Sorge Anlaß gab? Und
zumal HEINRICH II. - nach Thietmar
- sich gerade angesichts des vom Grafen Werner durchgeführten Frauenraubs
- wobei damals nicht klar war, ob die Entführte nicht doch mir ihrer
Entführung einverstanden war - des Falles Bruns
erinnerte,
könnte nicht Gisela nunmehr vor
Erzbischof Aribo beschuldigt worden sein, im Falle der Tötung ihres
ersten Gemahls Brun - diese Ehereihenfolge sei also hier schon vorausgesetzt
- eine dunkle, undurchsichtige Rolle gespielt zu haben? Hat sie Anlaß
zu Gerede und einer Fehde geboten? Auffällig ist doch sehr, daß
sowohl Wipo wie auch schon Thietmar, der über seine Cousine sicherlich
Bescheid wußte, diese Ehe Giselas
mit Brun verschweigen. Rührte man daran besser nicht? Und wie
sollte sich Gisela eines ihretwegen
ausgebrochenen Zwistes verteidigen? Sind auf diese Weise nicht alle uns
zur Verfügung stehenden Anhaltspunkte - auch Wipos salomonisches Unentschiedenlassen,
si (Gisela) illud odium an iniuste
pertulerit, adhuc in quaestione moratur - leichter verstehbar? - Mehr als
eine Hypothese soll das in den letzten Zeilen dieser Anmerkung Dargebotene
freilich nicht sein.]. So ist eine Reihe von Argumenten aufgetaucht, die
es völlig unwahrscheinlich machen, dass Gisela
999 geboren sein könnte, ohne daß man zudem die sonst im Vordergrund
der Diskussion stehenden Argumente berücksichtigt, die - wenn die
Bleitafelinschrift das richtige Geburtsdatum Giselas
widergäbe - Giselas Leben in einem
ganz zweifelhaften, wenig von Moral geprägten Licht erscheinen lassen
müßte. Es würde ja die Lebensart Giselas
- wenn sie etwa Ende Oktober/Anfang November 1017 noch vor der Vollendung
ihres 18. Lebensjahres bereits in dritter Ehe lebte, dabei schon drei erst-
und zweiteheliche Kinder hatte und soeben aus der dritten Ehe noch ein
viertes Kind gebar und zwischen den eng gedrängten Ehen keinen Anflug
von Trauer um die verblichenen Ehemänner zu zeigen vermochte - auf
die zwingende Notwendigkeit verweisen, "die Haltung der nachherigen Kaiserin
(Gisela) in ihrer Jugendzeit als einer Nymphomanin bezeichnen"
zu müssen. Das aber würde den Hofkaplan und Geschichtsschreiber
Wipo zu einem schamlos verlogenen Panegyriker machen, der über Giselabesser
geschwiegen hätte, als von ihr anläßlich der Königserhebung
ihres Gemahls KONRAD II. (1024) von
einer regina virtutum zu sprechen, die pudoris amans gewesen sei. Und die
Auflehnungen Herzog Ernsts II. gegen seinen Stiefvater seit 1025 könnte
man auch "nur als eine Kette von üblen Streichen eines schwer erziehbaren,
unbeherrschten, überaus frühreifen, nach der heutigen Terminologie
asozialen Jungen" begreifen.
Vor allem weil man gerade die letztgenannten Konsequenzen
scheute, ist erwogen worden, daß ein Schreibfehler in der Speyerer
Bleitafelinschrift vorliegen dürfte. Es könnte in der ungewöhnlichen
Schreibweise DCCCCXCVIII ein 2. X vor dem letzten C versehentlich ausgefallen
sein. Auch wurde erwogen, daß der Graveur der Tafel, der sein Werk
offenbar in großer Eile durchführen mußte, bei der Übertragung
aus einer Pergamentvorzeichnung einen Fehler begangen haben, indem er die
aus 6 Abstrichen bestehende Buchstabengruppe VIIII am Ende der Jahreszahl
aus IND verlesen hätte. Die richtige Geburtsangabe hätte vielmehr
wohl DCCCCXC IND. III IDUS NOV. (= 990, Induction III, Iden des November;
990/Nov./ 13.) gelautet. Ja sogar eine absichtliche Angabe eines späteren
Geburtstermins - zur Vertuschung einer vermuteten Illegitimgeburt Gisela
-
ist schon erwogen worden, was freilich kaum überzeugen kann. Daß
aber in der Bleitafel auch eine andere Zahlenangabe nachweislich fehlerhaft
ist und daß folglich ganz gewiß vor der Herstellung nur sehr
oberflächlich recherchiert und schlecht gerechnet wurde, ist vor kurzem
festgestellt worden.
Damit reduziert sich der Aussagewert der Bleitafelinschrift
hinsichtlich der mit den anderen Beobachtungen unvereinbaren Geburtszeitangabe
Giselas
gänzlich. Diese Angabe ist nicht mehr zu halten. Auch der Versuch
A. Graf Finckenstein, 999 als Geburtsjahr Giselas
zu
retten und die chronologischen Schwierigkeiten um Gisela
dadurch
zu umgehen, daß man Liutolf von Braunschweig als Kind einer früheren
Ehe des Grafen Brun von Braunschweig, bevor er diejenige mit Gisela
einging,
anzusehen habe - wodurch Liutolf nur ein (beim Eheschluß
Bruns
und Giselas
schon heranwachsender)
Stiefsohn Giselas
gewesen wäre
-, hilft hier letztlich nicht weiter. Ist doch Liutolf nicht nur als privignus
KONRADS
II. und als frater HEINRICHS III.
überliefert, was für einen von Gisela
in die Ehe mit KONRAD II. mitgebrachten
nichteigenen "Sohn" eventuell gerade noch die Bezeichnung Stiefsohn KONRADS
II. und Stiefbruder HEINRICHS III.
zugelassen haben könnte, sondern Liutolf ist ja auch eindeutig als
filius
Gisile
imperatricis bezeugt. Dadurch und ebenso durch die gut tradierte
consanguinitas
HEINRICHS IV. und Ekberts
II., die nur bei einer leiblichen Abstammung Ekberts II. (über seinen
Vater Ekbert I. und dessen Vater Liutolf) von Kaiserin
Gisela,
HEINRICHS IV. Großmutter,
zustandekommen konnte, wird dieser Rettungsversuch hinfällig.
Schon vorher hatte H. Dobbertin - am Wert der Nachricht
Alberts von Stade über die Abstammung Idas von Elsdorf von einem frater
HEINRICHS
III. und zugleich an dem von der Speyerer Bleitafel angegebenen
Geburtsdatum
Giselas
(999) festhaltend
- zur Vermeidung des Datengedrängels vorgeschlagen, Ida von Elsdorf
nicht als leibliche Tochter des Gisela-Sohnes
Liutolf anzusehen, sondern nur als Liutolfs Stieftochter aufzufassen, die
Liutolfs (dann gewiß schon ältere) Gemahlin in die Ehe mitgebracht
hätte. Und diese Auffassung hat er gegen erste Kritik beibehalten.
Auf sie wird weiter unten bei der Suche nach Idas Mutter noch zurückzukommen
sein. Festzuhalten ist aber jetzt schon, daß Dobbertin mit seiner
Erklärung Idas zur Stieftochter Liutolfs von Braunschweig gerade jenen
auch von ihm selbst gesuchten Zusammenhang mit Herzog
Konrad von Schwaben, den er in seinen neueren Miszellen auf der
Basis des Identifizierungsvorschlags von A. Wolf in Kuno von Öhningen
sieht, zerschneidet: Als lediglich angeheiratete Stieftochter Liutolfs
hätte Ida von Elsdorf gar nicht zu den Miterben des Schluchseegebietes
gehören können. Dobbertin suchte die Verbindung vielmehr über
einen Ekbert zu gewinnen, der der Vater von Liutolfs Gemahlin Gertrud und
zugleich ein Sohn Kunos von Öhningen gewesen sei, wobei es indes -
wie die im Kapitel II behandelte Gedenkliste Kunos/Konrads von Schwaben
gezeigt
hat - einen Ekbert als Sohn Kunos/Konrads gar nicht gegeben hat.
Ein ganz anderer Versuch, den Problemen um Giselas
Geburtszeit
auszuweichen, war der, Ida von Elsdorf gar nicht über Liutolf von
Braunschweig und Kaiserin Gisela -
der Nachricht Alberts von Stade gemäß - als Nichte Kaiser
HEINRICHS III. gelten zu lassen, sondern hierin eine Verwechslung
anzunehmen: daß sie nämlich eine Großnichte Kaiser
OTTOS III. gewesen sei, indem Albert also nur die (in seiner
Quelle vielleicht ungenannt gebliebene) kaiserliche Bezugsperson falsch
bestimmt habe. Auf dieser Vermutungsbasis hat E. Kimpen gemeint, den Herzog
Otto von Schwaben (1045-1047), den Sohn des rheinischen Pfalzgrafen Ezzo
und der ottonischen Kaisertochter
Mathilde (Schwester OTTOS III.),
als Vater Idas von Elsdorf ansprechen zu dürfen. Doch ist Otto von
Schwaben offenbar unverheiratet und kinderlos verstorben. Damit erledigt
sich diese These völlig. Kimpen hat sie selbst auch später stillschweigend
wieder aufgegeben. Nichtsdestoweniger hat sie Anhänger gefunden.
Auch ein anderer, gleichsam letzter Weg, 999 als Geburtsjahr
Giselas
über eine Untersuchung ihrer im Speyerer Grab gefundenen Haarreste
zu sichern, führt nicht zum Ziel. Untersucht wurden 1969 nämlich
16 (zwischen 4 und 10 cm lange) Haarrelikte Giselas.
Unter diesen befanden sich - was für unsere Frage wichtig zu sein
scheint - keine "lanugoiden Haare, wie sie bei Frauen im Klimaterium und
bei Greisinnen vorkommen". Dieser Befund könnte für eine präklimaterische
Zeit Giselas sprechen, wenn man (vom
Geburtsdatum 999 ausgehend) die Kaiserin zur Zeit ihres Todes als 43 1/4
Jahre alt ansieht. Er könnte aber ebenso für eine proklimaterische,
jedoch noch nicht (jenseits des 60. Lebensjahres liegende) greisenhafte
Lebensphase Giselas sprechen, wenn
man Gisela 10 Jahre älter hält,
das heißt wann sie mit 53 1/4 Jahren verstarb. Zudem ist neben der
Zufälligkeit bzw. geringen Relation der 16 Haarreste bei den weit
über 100.00 Haaren eines Frauenkopfes und der Tatsache, daß
die Haarreste die von der Kopfhaut weit entfernten "Endstück" der
Haare Giselas waren, unter denen sich
lanugoartige Haare sowieso nicht befinden können, auch der Hinweis
der an der Untersuchung beteiligten Gerichtsmediziner nicht zu übersehen,
daß nämlich allein an den Haaren "mit naturwissenschaftlichen
Methoden eine Geschlechtsdifferenzierung und eine genaue Altersbestimmung
nicht möglich sind".
Als Ergebnis des langen Exkurses zur Lebens- und Geburtszeit
der Kaiserin Gisela wird man also feststellen
können, daß das in der Speyerer Bleitafel mitgeteilte Geburtsjahr
Giselaseine
Fehlangabe darstellt und daß auch die Ehe Giselas
mit
Graf
Brun von Braunschweig als ihre erste anzusehen ist. Zu viele Argumente
sprechen gegen das Jahr 999 als Giselas
wahres Geburtsjahr. Von der Speyerer Bleitafelinschrift her lassen sich
somit keine chronologischen Bedenken mehr dagegen vorbringen bzw. begründen,
Ida von Elsdorf doch als Enkelin der Kaiserin
Gisela anzusehen. Ida wird etwa 1023, ihr Vater Liutolf etwa
1005 und Gisela selbst wohl 989 geboren
sein. Idas Sohn Ekbert könnte demnach etwa 1040 (oder auch schon etwas
früher) das Licht der Welt erblickt haben, so daß er 1053, als
er von seinem cognatus Udo erschlagen wurde, jedenfalls die Schwelle der
Mündigkeit und Wehrhaftigkeit erreicht hatte [Ähnliche Zeiten
erwägt auch A. Wolf, Kuno Seite 40, der die Exaktheit der Speyerer
Bleitafelaussage ebenfalls verwirft: "Ludolf kann um 1002/04, Ida um 1020/25
und Ekbert um 1040 geboren sein". - Eine Geburtszeit Idas um 1023 und ihre
Verehelichung um 1038/39 sind auch gut damit in Einklang zu bringen, dass
Ida sich - nachdem sowohl ihr Gemahl Lippold als auch ihr zum Jüngling
herangewachsener Sohn Ekbert 1052/53 verstorben bzw. umgekommen waren -
noch zweimal verheiratet und auch noch Nachkommenschaft aus der dritten
Ehe haben konnte.].
Frommer Hansjörg: Seite 29
****************
"Die Salier und das Herzogtum Schwaben"
Gisela von Schwaben
---------------------------
Schwaben spielte in den kommenden Jahren unter seinem
minderjährigen Herzog in der Politik keine Rolle. Aber für HEINRICH
II. war es wichtig, die Kinder seines früheren Rivalen
im Auge zu behalten. Soweit wir wissen, waren es drei Töchter und
ein spätgeborener Sohn. Die älteste Tochter war vermutlich die
1002 bereits mit Konrad von Kärnten verheiratete Mathilde. Dann war
Gisela
die zweite Tochter, Brigitta die dritte. Als bei der Renovierung des Speyerer
Doms im Jahr 1900 der Sarg der Kaiserin geöffnet wurde, fand man in
ihm eine Bleiplatte, die ihr Geburtsjahr mit 999 angibt. Dieses Datum war
der Anlaß zu großem Rätselraten, denn alles, was wir sonst
wissen, deutet auf ein Geburtsjahr um 990 hin. Davon geht man heute auch
aus, obwohl an ein einfaches Verschreiben nicht gedacht werden kann, weil
römische Zahlen verwendet wurden. Die folgende Chronologie der früheren
Lebensjahre
Giselas ist wahrscheinlich,
aber nicht die einzig mögliche.
Von Giselas Kindheit
und Jugend ist nichts bekannt. Beim Tod ihres Vaters war sie 13 Jahre alt
und wegen ihrer Herkunft und ihres Erbes eine wichtige, wenn auch noch
passive Größe. Wir wissen nicht einmal, ob ihre Mutter zu der
Zeit noch lebte oder wer für den minderjährigen Bruder die Geschäfte
führte und die Familie vertrat. Wenig später heiratete Gisela
den Grafen Bruno von Braunschweig aus dem Hause WERLA, der
zur Fürstenopposition gegen HEINRICH II.
gehörte.
Diese Ehe war zweifellos eine hochpolitische Verbindung und vielleicht
sogar noch zu Lebzeiten Hermanns ausgehandelt worden.
Gisela
und
Bruno
hatten
einen Sohn Liudolf und mindestens eine Tochter. Aber der Ehemann verstarb
zwischen 1006 und 1009, und die junge Witwe heiratete wohl vor 1010 einen
anderen Anhänger der Fürstenopposition von 1002, den
BABENBERGER
Ernst, der nicht nur über beträchtlichen Familienbesitz verfügte,
sondern auch Herzog von Ostfranken war, wo
HEINRICH
II. um die Ausstattung seines Lieblingsbistums Bamberg kämpfte.
Diese beiden Eheschließungen zeigen, daß die Opposition gegen
HEINRICH
weiter bestand, und HEINRICH war sich
dieser Gefahr bewußt. Zwischen 1010 und 1012 gelang es ihm wohl,
zu einer Art Ausgleich mit dem BABENBERGER zu kommen. Denn als 1011
Konrad von Kärnten starb, überging HEINRICH
dessen Sohn Konradaus der von ihm gerügten Ehe mit Mathilde von Schwaben.
An seiner Stelle setze er einen seiner Anhänger, den Grafen Adalbero
zum Herzog ein. Adalbero aber war der Ehemann der dritte Schwester Brigitta,
und er war ein Gegner der übrigen Familie, weil er die Erbansprüche
seiner Frau verletzt sah. HEINRICH
versuchte also hier, seine Gegner zu schwächen. Als aber im folgenden
Jahr Herzog Hermann III. starb, wahrscheinlich als 12-jähriges
Kind, setzte HEINRICH den BABENBERGER
Ernst als neuen Herzog ein.
Diese Ernennung war nur sinnvoll, wenn HEINRICH
damit
der Opposition weiter Boden entziehen konnte. Offenbar war es ihm gelungen,
den BABENBERGER auf seine Seite herüberzuziehen und damit seine
eigene Stellung weiter zu befestigen. Wie sich Gisela
zu dieser Entwicklung stellte, läßt sich nur vermuten. Sie hatte
als junges Mädchen erlebt, wie HEINRICH ihren
Vater um die Königskrone betrogen hatte, und in den folgenden Jahren
hatte sie politisch immer zur Seite der Gegner HEINRICHS
gehört. Wahrscheinlich war sie mit dem Seitenwechsel ihres zweiten
Ehemannes nicht einverstanden, auch wenn es ihm das Herzogsamt in Schwaben
einbrachte.
Gisela hatte mit Ernst
zwei Söhne, Ernst und Hermann. Herzog Ernst wurde schon 1015
bei einem Jagdunfall tödlich verletzt. Seine letzten Worte waren (bei
Thietmar von Merseburg) eine Ermahnung an seine Gattin: "Tretet alle herzu
und höret die Sünden eures sterbenden Bruders und helfet sie
tilgen, befehlet meine sündige Seele allen Gläubigen und erinnert
mein Eheweib, daß sie die Ehre ihrer Schamhaftigkeit bewahre und
meiner nicht vergesse". Man könnte aus dieser Aufforderung die Andeutung
eines Konflikts oder das Eingeständnis eines Zerwürfnisses durchaus
herauslesen.
Zuerst aber versuchte HEINRICH
die mit 25 zum zweiten Mal verwitwete Gisela auf
seiner Seite zu halten. Er ernannte ihren Sohn Ernst zum Herzog und übertrug
ihr die Vormundschaft. Mit ihrem eigenen Besitz in Franken und Schwaben,
dem babenbergischen Besitz, den sie für ihren Sohn verwaltete, und
dem Herzogsamt war sie ein erheblicher Faktor im Gleichgewicht der politischen
Kräfte, und sie war gewillt dieses Potential auch einzusetzen. Wie
bei ihrer Erziehung und Einstellung nicht anders zu erwarten, suchte sie
die Verbindung zur politischen Opposition. Für HEINRICH
war
es ein schwerer Schlag, als Ende 1016 Gisela
eine dritte Ehe einging, und zwar mit Konrad von
Franken.
Giselas Ehe mit Konrad
-----------------------------
Konrad war ein Enkel
Ottos von Kärnten. Dessen ältester Sohn Heinrich hatte um 985
eine Adelheid von Metz geheiratet, und ihr Sohn Konrad
wurde 989 geboren. Heinrich hatte seinen Besitz wohl am N-Rand des Herzogtums
Schwaben. Er lebte mindestens zeitweilig in Waiblingen und ist der erste
der "HEINRICHE von Waiblingen", wie
das SALIER-Geschlecht zunächst
genannt wurde. Er starb schon vor 1000, seine Witwe heiratete einen Grafen
im Kochergau und wurde später die Gründerin von Öhringen.
Otto von Kärnten übertrug den größeren Teil des Familienbesitzes
auf seinen jüngeren Sohn Konrad, und der Enkel Konrad
scheint in kleinen Verhältnissen, zum Teil bei der Mutter und dem
Stiefvater, aufgewachsen zu sein. Aber als sein Onkel Konrad 1011 starb
und dessen Sohn noch minderjährig war, fiel ihm die Führungsrolle
in der ehemals mächtigen und immer noch angesehenen Familie und in
der Auseinandersetzung mit HEINRICH II. zu.
Dabei war seine Ausgangslage nicht gut, denn er hatte kein Amt, kein Herzogtum
und stand dem Hof fern. Wie schwach die Stellung seiner Familie geworden
war, zeigt sich an der Art, wie HEINRICH
ihr das angestammte Herzogtum Kärnten wegnehmen konnte, und der Seitenwechsel
des BABENBERGERS bedeutete, daß die Gefahr für ihn und
sein Haus größer wurde, denn HEINRICH
konnte nicht vergessen, daß Otto von Kärnten und nicht er der
Wunschkandidat für die Nachfolge
OTTOS III.
gewesen war, und er tat alles, um den Abstieg dieser Familie zu besiegeln.
Die Eheschließung von Gisela
und
Konrad
war also ein politischer Akt, der deutlich gegen HEINRICH
II. gerichtet war. Denn damit wandte sich Gisela
demonstrativ von der Linie ihres verstorbenen Mannes ab, der sich gegen
entsprechende Zugeständnisse an den Kaiser angenähert hatte.
Sie traf aber auch die persönliche Autorität des Kaisers, denn
Kontrad
und Gisela standen in demselben Verwandtschaftsverhältnis,
das HEINRICH bei Konrad von Kärnten
so rüde als unkanonisch beanstandet hatte. [Meine Ergänzung:
Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Gisela
und
Konrad
stand im Verhältnis 4 : 5] Mit ihrer Heirat gaben
Gisela
und Konrad deutlich zu verstehen, daß
auch die Ehe Konrads von Kärnten rechtmäßig gewesen war
und HEINRICHS
Kritik daran keine rechtliche
Grundlage hatte, sondern politisch motiviert war. In einer sonst nicht
sehr soliden Quelle wird allerdings angedeutet, daß die Ehe auf einer
Entführung beruhte. Aber das kann auf böswilliges Gerede am Hof
zurückgehen oder mit Absicht inszeniert worden sein, denn gerade politisch
schwierige Ehen wurden mit Einverständnis der Frau auf diesem Weg
eingeleitet. Und daß diese Ehe von beiden mit allen Konsequenzen
gewollt war, daran besteht kein Zweifel.
Über das persönliche Verhältnis von Gisela
und Konrad ist nicht viel bekannt.
Aber sie stammten beide aus hochfürstlichen Familien mit einer ähnlichen
Sozialsituation und waren in der gemeinsamen Erfahrung der Demütigungen
aufgewachsen, die ihre Familien durch HEINRICH
erfahren hatten. Sie waren nahezu gleichaltrig, und sie waren beide auch
politisch gereifte Persönlichkeiten. Die spätere Geschichte zeigt
deutlich, daß Gisela nicht nur
"Prinzgemahlin", sondern Partnerin, in der damaligen Terminologie "consors
regni", die auch an den Entscheidungsprozessen beteiligt war. Schon
im Oktober 1017 wurde den beiden ein Sohn HEINRICH
geboren, später noch zwei Töchter. Nach den damaligen Vorstellungen
war die Geburt eines Erben auch eine Art Gottesurteil für die Rechtmäßigkeit
der Ehe und damit auch ein weiterer Beweis gegen HEINRICH,
der keine Erben hatte.
Die Nachfolge Heinrichs
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Die fürstliche Opposition gegen den Kaiser und seine
kirchenfreundliche Politik gewann also mit dieser Heirat plötzlich
wieder Profil, und
Konrad wurde ihr
natürlicher Führer.
HEINRICH
verstand dieses Ehebündnis auch als Kampfansage. Er entzog Gisela
sofort
die Vormundschaft über ihren Sohn Ernst und das Herzogtum Schwaben.
Als neuen Vormund und Amtsverwalter setzte er einen seiner treuesten Anhänger
ein, den Onkel des jungen Herzogs, den BABENBERGER Poppo, den er
soeben auf den Stuhl des Erzbischofs von Trier gehoben hatte. Aber damit
erreichte er nicht sehr viel, im besten Fall eine Spaltung der herzoglichen
Autorität, denn Gisela behielt
natürlich die Verfügung über ihren eigenen Besitz, und auch
der Sohn blieb wohl bei ihr. Poppos neue Funktion in Trier erlaubte ihm
auch nicht, sich intensiv mit Schwaben zu beschäftigen. Daß
HEINRICHS
Lage schwieriger wurde, zeigte sich in den folgenden Jahren. Schon 1017
und 1018 kam es in Sachsen zu Unruhen und Fehden, die nur aus dem Nachlassen
des kaiserlichen Ansehens zu erklären sind. Anlaß zu den Streitigkeiten
gaben immer wieder die großzügigen Schenkungen HEINRICHS
an die Bischöfe und Klöster. Im Jahr 1019 kam es in Sachsen zu
einer Empörung der Grafen von Werla, also der Familie, zu der Giselas
erster Mann [Ergänzung: Brun gehörte zum
Haus der BRUNONEN] und ihr ältester Sohn gehörten. HEINRICH
war gezwungen, mit militärischer Gewalt gegen sie vorzugehen, um die
Ruhe wiederherzustellen. Zur gleichen Zeit führte Konrad
zusammen mit seinem Neffen, dem jüngeren Konrad,
einen erfolgreichen
Krieg gegen HEINRICHS Parteigänger
Adalbero von Kärnten, den Mann der jüngsten Schwester Giselas.
Adalbero wurde bei Ulm geschlagen, einem Zentralorte des schwäbischen
Herzogtums, und die Vermutung liegt nahe, daß es bei der Schlacht
nicht nur um das Familienerbe der zwei Schwestern ging, sondern um die
Verfügung über das Herzogtum Schwaben, auch wenn Poppo in der
Folgezeit offiziell weiter als Vormund und Amtsverwalter galt.
Die Fehde mit einem weiteren Verwandten Konrads,
Otto von Hammerstein, wieder um die Rechtmäßigkeit einer unkanonischen
Ehe und gleichzeitig um Besitzungen für den Mainzer Erzbischof, dauerte
bis zum Tod des Kaisers. Sie enthält insofern ein neues Element, als
dieser Otto gegen den Erzbischof von Mainz an den Papst appellierte.
Weil Erzbischof Aribo eine solche Appellation verbot, entzog ihm der Papst
die Amtsgewalt. Durch den Tod des Papstes und des Kaisers geriet der ganze
Streit in Vergessenheit, aber schon hier zeigt sich, wie die unglückliche
und problematische Vermischung von geistlichen und weltlichen Angelegenheiten
in Deutschland mit Differenzen zwischen dem Papst und dem Kaiser zu einer
unheiligen Koalition zwischen Papst und deutschen Fürsten gegen den
deutschen König und "seine" Bischöfe führen konnte. In diesem
Streit gewannen erstmals zwei Kirchenfürsten politisches Profil, die
HEINRICH
1021
ausgesucht und ernannt hatte. Der eine war Erzbischof Aribo von Mainz.
Er stammte aus einer vornehmen bayerischen Familie und galt als theologisch
gebildet, stand jedoch auch mit Ekkehard von St. Gallen im Austausch über
die beste Fassung des Walthari-Liedes. Er war zwar politisch in der Kanzlei
HEINRICHS
II. großgeworden, aber seine Ernennung verdankte er vor
allem der Fürsprache der Kaiserin Kunigunde.
Der andere war Erzbischof Pilgrim von Köln, ein Verwandter Aribos,
auch aus der Kanzlei HEINRICHS II.
und mehr dessen Vertrauter. Trotz der Ähnlichkeit ihres Werdegangs
standen sie schon zur Zeit ihrer Ernennung in einem persönlichen Gegensatz,
durch den sie sich dann in der Frage der Nachfolge neutralisierten.
Diese Frage wurde immer drängender, weil der 973
geborene HEINRICH für damalige
Verhältnisse ein älterer Mann war und keine direkten Erben oder
auch nur nahe Anverwandte hatte. Er war der letzte, der sich in männlicher
Linie auf das sächsische Haus zurückführen konnte. In seinen
späteren Jahren fand sich wohl er oder zumindest die Hofpartei damit
ab, daß als Nachfolger nur einer der beiden Enkel Ottos von Kärnten
in Frage kam, der ältere oder der jüngere Konrad. HEINRICH
II. hatte seine Wahl auf irregulärem Weg mit Hilfe der
Bischöfe gewonnen, und Erzbischof Willigis von Mainz hatte die Wahl
durch Salbung und Krönung sanktioniert. Auf dieses Mitspracherecht
bei der Wahl wollten die großen Kirchenfürsten nicht mehr verzichten.
Als HEINRICH II. im Juli 1024 starb,
berief Aribo für September eine Wahlversammlung nach Kamba am Rhein
in der Nähe von Oppenheim. Unter den vier anwesenden Herzögen
war auch der inzwischen mündig gesprochene Ernst von Schwaben, der
Sohn
Giselas. Wären die beiden
Erzbischöfe sich einig gewesen, hätten sie vielleicht auch für
einen Kandidaten den Ausschlag geben können. Aber weil Pilgrim von
Köln für den jüngeren Konrad war, entschied sich Aribo von
Mainz für den älteren und setzte sich durch. Konrad
wurde unter allgemeiner Zustimmung gewählt, und die Kaiserin-Witwe
übergab ihm die Reichsinsignien.
Krönung Konrads und Giselas
-------------------------------------
Aribo salbte und krönte Konrad
am 8. September in Mainz, aber er verweigerte die Krönung der neuen
Königin
Gisela. Dieser Vorgang war unerhört und hat zu manchen
Spekulationen Anlaß gegeben. Die einfachste Erklärung war die
der unkanonischen Ehe, aber Konrad und
Gisela
waren
ein Ehepaar, und Aribo hätte dann Konrad
genau so wenig krönen dürfen oder eine vorherige Trennung verlangen
müssen. Außerdem war ein kirchlicher Ausweg durchaus denkbar
und es macht auch keinen Sinn, daß die altbekannte Tatsache dieser
Ehe zu einem so brüsken und beleidigenden Verhalten Aribos führte.
Der Bericht bei Konrads
Geschichtsschreiber Wipo besagt nur, dass dem Erzbischof von neidvollen
Untergebenen Gerüchte zugetragen worden seien. Wipo ließ sich
aber nicht über die Art dieser Gerüchte aus und wußte angeblich
auch nicht, ob die Vorwürfe gegen Gisela
berechtigt waren oder nicht. Norbert Bischoff kam in einer fast kriminalistischen
Analyse zu dem Schluß, daß die Gerüchte sich nicht auf
Gisela
selbst
beziehen konnten, sondern nur auf ihre Familie. Er vermutet, daß
Aribo Material zugespielt bekam, welches ihre Herkunft und die Tugend ihrer
Mutter in Frage stellte, und daß ihm sein Gewissen deshalb verbot,
die Krönung vorzunehmen. Er hält deshalb das falsche Geburtsdatum
auf der Bleitafel für eine bewußte Fälschung, weil damit
der Makel über der Geburt
Giselas
verwischt
werden sollte.
Aber dahinter steht, daß wir über die Eltern
Giselas
und über ihre Ehe nur sehr wenig wissen. Wenn es irgendwelche Zweifel
an der Legitimität
Giselas als
Tochter und Erbin Hermanns von Schwaben gegeben hätte, dann
wären sie viel früher von HEINRICH
und seiner Kanzlei präsentiert worden, hätte sie nicht ihrem
zweiten Mann und dreien ihrer Söhne zum Herzogtum Schwaben verhelfen
können. Die engen Beziehungen zwischen den vornehmen Familien, die
Bündnisse, Streitigkeiten und Erbauseinandersetzungen unter ihnen
waren ein guter Nährboden für Klatsch und Tratsch, und es ist
undenkbar, daß ein so großes Geheimnis nur bei dieser Gelegenheit
dem Erzbischof Aribo zu Ohren kommt, aber sonst nie und nirgends auftaucht.
Die Wahrheit ist vermutlich undramatischer. Aribo stammte
aus der Kanzlei
HEINRICHS II., er hatte
bei ihm gelernt, wie Politik gemacht wird, und vor allem, wie der Einfluß
der Kirche auf die Politik durch rechtzeitiges Einmischen vergrößert
werden kann. Er hatte sich für den älteren
Konrad entschieden, seine Wahl durchgesetzt und ihn zum König
gekrönt. Jetzt wollte er ihm zeigen, daß der König sein
Geschöpf und von ihm abhängig war. Dazu eignete sich die demonstrative
Verweigerung der Krönung für Gisela
vortrefflich,
weil sie die Relationen klarstellte und dem König seinen Platz weit
unter dem Königsmacher zuwies. Dieses Vorgehen war eine konsequente
Weiterentwicklung der Linie der Staats- und Kirchenpolitik
HEINRICHS
II., die die Kirchenfürsten über die weltlichen weit
hinaushob.
Der Anlaß für die Verweigerung Aribos war
nicht so wichtig, es kann durchaus die unkanonische Ehe gewesen sein, wichtig
war die grobe Brüskierung des neuen Königs. Der kluge KONRAD
ließ den Vorgang zunächst auf sich beruhen. Er machte sich die
Rivalität zwischen den Erzbischöfen von Mainz und Köln zunutze,
und Pilgrim von Köln, der bei der Wahl auf den falschen Konradgesetzt
hatte, beeilte sich, seinen Fehler wiedergutzumachen, indem er am 21. September
Gisela
zur
Königin krönte. Aber auch das genügte KONRAD
noch nicht. Er zog weiter nach Aachen und ließ sich dort in althergebrachter
Weise auf den Thron
KARLS DES GROSSEN
setzen. Von dort aus führte ihn ein förmlicher Umritt durch Sachsen,
O-Franken und Bayern nach Schwaben. Überall anerkannte er die alten
Rechte und ließ sich huldigen. An Pfingsten 1025 war der Umritt beendet
und
KONRAD hatte damit klar gemacht,
daß er nicht der König der Bischöfe war. Aribo blieb Erzbischof
von Mainz bis zu seinem Tode 1031, aber KONRAD
schaltete ihn aus der Reichspolitik aus, und auch in dem Ehestreit um seinen
Verwandten Otto von Hammerstein, den Aribo mit Hilfe HEINRICHS
so energisch betrieben hatte, mußte er auf Druck KONRADSzurückstecken.
Das Burgundische Erbe und die Söhne der Gisela
------------------------------------------------------------
Das Königreich Burgund war eine der mehr zufällig
aus dem Zusammenbruch des karolingischen Gesamtreiches
entstandenen Einheiten. Denn während der Ost- und der Westteil zu
eigenen Konturen fanden, zerfiel das ursprünglich als Klammer gedachte
Zwischenreich LOTHARS bald in seine
Bestandteile. Das nördliche Lothringen fiel nach einigem Hin und Her
auf lange Zeit an das Ostreich. Das Königreich Italien, das Kaisertum
und das Papsttum sanken auf die Ebene lokaler Fehden zwischen konkurrierenden
Adelsfamilien ab, bis OTTO DER GROSSE
die Anwartschaft auf Italien und die Kaiserkrone dauerhaft mit dem deutschen
Königtum verband. Burgund konnte sich dazwischen als selbständiges
Reich erhalten, allerdings mit unklaren und umstrittenen Grenzen gegen
Schwaben, gegen Frankreich und vor allem gegen Italien. HEINRICH
I. hatte den Schwaben-Herzog Burchard II. 919 zur Unterwerfung
bringen können, weil er ihn von Norden her bedrohte, als dieser in
einen Krieg mit König Rudolf von Burgund
verwickelt war. Nachdem es zwischen Burchard und Rudolf
zu einem Grenzausgleich gekommen war und Rudolf
Burchards
Tochter Bertha geheiratet hatte, setzte
sich Burchard in Italien für die Interessen seines Schwiegervaters
ein und kam dabei 926 ums Leben. Aber auch HEINRICH
I. blickte über Burgund nach Italien. Deshalb erwarb er
vom burgundischen König die "heilige Lanze", angeblich die Lanze Konstantins
des Großen mit Nägeln des Kreuzes Christi, ein wichtiges
Herrschafts- und Kaisersymbol, das von nun an zu den deutschen Kroninsignien
gehörte. König Rudolf II.
starb 937. Sein Sohn und Erbe Konrad wurde
von aufständischen Adligen vertrieben, die mit dem französischen
König verbündet waren. Er suchte Schutz bei OTTO
DEM GROSSEN, der ihn 940 mit Heeresmacht in sein Königreich
wiedereinsetzte. Konrad, der Sohn der
schwäbischen
Herzogs-Tochter Bertha, heiratete Mathilde,
die Tochter des französischen Königs
Ludwigs IV. und der Gerberga,
einer Tochter HEINRICHS I. Durch diese
Eheschließung war Konrad also
aufs engste mit dem sächsischen und sozusagen doppelt mit dem schwäbischen
Herzogshaus verbunden, aber genauso auch mit dem französischen Königtum.
Beide Seiten wollten sich wohl eine Option für Burgund offenhalten.
Konrad
hatte
aus einer früheren, sonst nicht weiter bekannten Ehe eine Tochter
Gisela, die mit Heinrich dem Zänker verheiratet war und so die Mutter
des späteren Königs und Kaisers HEINRICH
II. wurde. Mit
Mathilde
hatte er drei Kinder, eine Tochter
Gerberga,
die den späteren
Schwaben-Herzog Hermann heiratete, also die
Mutter Giselas, eine Tochter Bertha,
die mit dem französischen Grafen Odo von der Champagne verheiratet
war, und schließlich einen Sohn Rudolf,
der nach Konrads
Tod 993 sein Nachfolger
wurde.
König Rudolf war
in mehrfacher Weise erfolglos. Es glückte ihm nicht, die Dynastie
weiterzuführen und damit dem Land eine klare Zukunftsperspektive zu
geben, und er konnte auch für sich selbst keine Autorität aufbauen
und war von den Konstellationen und Bündnissen seiner großen
Adligen abhängig. Persönlich war er wohl schwach, wankelmütig,
nachtragend, unzuverlässig und deshalb ein schwieriger Partner. HEINRICH
II. war sein Halbneffe und nach damaligen Vorstellungen der
nächste Erbe. Rudolf anerkannte
dieses Erbrecht, und 1006 stimmte auch der französische König
zu. Als eine Art Pfand nahm HEINRICH
damals die Stadt Basel in Besitz. Die burgundischen Adligen setzten ihre
Kämpfe gegen Rudolf fort. 1016
sah dieser keine andere Möglichkeit mehr, als HEINRICH
direkt zum Eingreifen zu bewegen. Es kam zu einem Treffen in Basel, bei
dem Rudolf sein Erbversprechen erneuerte
und sein Königreich förmlich als Lehen übertragen bekam.
HEINRICH
führte Rudolf mit einem Heer nach Burgund zurück, konnte aber
gegen die Adligen keinen durchgreifenden Erfolg erringen. Die waren an
einem starken Königtum nicht interessiert. Sie verständigten
sich deshalb mit Rudolf und wollten sein Königtum anerkennen, wenn
er nur auf den Erbvertrag und das Bündnis mit HEINRICH
verzichtetet. 1018 mußte Rudolf
aber wieder außer Landes fliehen. Er erneuerte HEINRICH
gegenüber
das Erbversprechen und die Lehensnahme, und HEINRICH
versuchte noch einmal, die Herrschaft über Burgund militärisch
zu sichern, aber wieder mit ähnlichem Erfolg. Dieses Mal schloß
sich Rudolf sogar dem gegnerischen
Heer an. 1020 kämpfte ein schwäbisches Heer unter dem Bischof
von Straßburg und dem Grafen Welf erfolgreicher in Burgund, aber
sie setzten sich wohl weniger für das Reich als für ihren eigenen
Vorteil ein und die Erweitereung ihres Besitzes ein.
Konrads Anspruch auf Burgund
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Burgund war theoretisch als Lehen des Reiches und Erbe
des Kaisers anerkannt, als HEINRICH II. 1024
starb. Aber dieser Anspruch war noch nicht durchgesetzt, und Rudolf
erklärte
seine Unterwerfung unter HEINRICH zu
einem persönlichen Akt, der nur dem nächsten Anverwandten gegolten
habe. Die Rechtsauffassung des neugewählten Königs
KONRAD war aber eine andere. Er machte sie 1025 gegenüber
Gesandten der Stadt Pavia deutlich, die die Zerstörung der dortigen
Kaiserpfalz damit entschuldigt hatten, daß es ja gar keinen König
gegeben hätte. Nach Wipo antwortete KONRAD
ihnen:
"Allerdings habt Ihr Eures Königs Pfalz nicht zerstört,
denn Ihr hattet keinen König. Aber daß Ihr die Königspfalz
gebrochen habt, könnt Ihr nicht leugnen. Wenn der König stirbt,
so bleibt doch das Reich, wie das Schiff bleibt, wenn auch der Steuermann
gefallen ist. Die Pfalz war des Staates Eigentum, keins von Privatleuten.
Sie war fremdes Eigentum, nicht Eures. Wer sich an fremden Eigentum vergreift,
fällt der Bestrafung anheim; also seid Ihr auch dem König verantwortlich."
Dementsprechend sah sich KONRADnicht
nur als burgundischer Oberlehnsherr, sondern auch als Nachfolger in den
Erbansprüchen auf Burgund. Das mußte ihn aber in Gegensatz nicht
nur zu Rudolf führen, der die
deutsche Oberherrschaft nur zu gerne wieder losgeworden wäre und die
Zeit des Interregnums sogar benutzt hatte, um Basel wieder zu besetzen,
sondern auch zu denen, die sich - vielleicht von Rudolf
gefördert
- als berufene Erben fühlten. Das waren Graf Odo von der Champagne,
der Sohn seiner Schwester Bertha, und
Herzog Ernst von Schwaben, der Enkel seiner Schwester Gerberga.
Der Wechsel im deutschen Königtum hatte nicht nur
in Burgund Loslösungs- und Verselbständigungsbestrebungen hervorgerufen
und gefördert. In Italien wurde die Wahl eines eigenen Königs
betrieben, und auch in Deutschland selber versuchten die Mächtigen,
die Zeit des Neuanfangs eines Königs zur Ausdehnung ihrer eigenen
Stellung zu nutzen. Wir haben das bei den Vorgängen um die Krönung
KONRADS
und
Giselas
gesehen,
und schon im folgenden Jahr sah der neue König sich einer Koalition
von Fürsten gegenüber, die von seinem Vetter Konrad, seinem Stiefsohn
Ernst von Schwaben und dem Grafen Welf geführt wurde. Bei Welf und
Ernst ging es dabei auch um das burgundische Erbe. Dank der raschen und
energischen Geschäftsführung
KONRADS
wurde
Basel wieder zurückerobert und die Verschwörung schnell unterdrückt.
Aber der Konflikt zwischen KONRAD
und
Ernst wurde hier zum ersten Mal öffentlich.
Herzog Ernst von Schwaben
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Ernst wurde wohl um 1010 geboren. Dann verlor er als
5-jähriger seinen Vater und wurde dessen Nachfolger als Herzog von
Schwaben. Als seine Mutter Gisela Ende
1016 KONRAD heiratete, war das für
ihn ein doppelter Konflikt. Psychologisch ist das Verhältnis zu einem
Stiefvater in diesem Alter immer problematisch, insbesondere wenn dahinter
die Erinnerung an den idealen Vater steht, der die Mutter aufgefordert
hatte, ihn nicht zu vergessen. Dazu kam aber der politische Konflikt, weil
der neue Vormund, der Bruder seines Vaters, die politische Linie HEINRICHS
II. vertrat
KONRAD aber
der Führer der fürstlichen Opposition war. Daß Ernst Herzog
von Schwaben war und aus politischen Gründen noch von HEINRICH
mit
14 mündig gesprochen wurde, gehört mit zum Bild. Ernst war wohl
ein frühreifer Heranwachsender, der gegen seine Mutter und seinen
Stiefvater einen tiefen persönlichen Groll hegte, der ihn auch politisch
ins Lager der Gegner KONRADS trieb.
Daß KONRAD ihn jetzt aus seiner
Sicht auch noch aus dem burgundischen Erbe verdrängte, mußte
seine Abneigung noch verstärken. Da er zu Selbstüberschätzung
neigte, war es anderen ein leichtes, ihn vor ihren Wagen zu spannen. Jedenfalls
deuteten die Zeitgenossen immer wieder an, daß Ernst sich als Werkzeug
benutzen ließ. Dahinter stand möglicherweise der Erbonkel Rudolf,
auf jeden Fall aber Graf Welf.
Die erste Aussöhnung zwischen KONRAD
und Ernst wurde im Frühjahr 1026 auf Vermittlung Giselas
und vor allem auf Betreiben des 8-jährigen Halbbruders HEINRICH
vollzogen, und zwar in Augsburg, wo KONRAD
seine Gefolgschaft für einen Zug nach Italien sammelte und HEINRICHoffiziell
zum Nachfolger designiert wurde. Aber weder KONRAD
noch Ernst hielten diese Versöhnung für endgültig. Eine
der Bedingungen des Ausgleichs war, daß Ernst den König nach
Italien begleiten sollte. KONRAD konnte
sich in Italien durchsetzen und wurde im März 1027 zum Kaiser gekrönt,
gemeinsam mit Gisela und in Anwesenheit
Königs
Knuts des Großen von Dänemark und England und König
Rudolfs von Burgund. Denn Rudolf hatte
sich erneut unbesonnen, nachdem sein Neffe Odo sich mit seinen burgundischen
Gegnern zusammengetan hatte. Er suchte seit 1026 wieder Schutz beim deutschen
König, nahm an der Kaiserkrönung teil und anerkannte schließlich
im Sommer 1027 in Basel endgültig das Erbrecht KONRADS
undHEINRICHS. Während der Tage
der Kaiserkrönung kam es in Rom wegen des Streits um eine Rinderhaut
zu einer Massenschlägerei zwischen Römern und Deutschen, die
in einen verlustreichen Kampf ausartete, bei dem auch ein schwäbischer
Graf Berengar sein Leben verlor.
Als KONRAD 1026 nach
Italien ging, überließ er die Regierung in Deutschland seinem
Sohn HEINRICH, tatsächlich aber
dem Erzieher des jungen Fürsten, Bischof
Bruno von Augsburg. Aber Graf Welf glaubte, die Abwesenheit
des Königs ausnützen zu können, um seine Herrschaft auszubauen.
Er griff Brun von Augsburg an brachte
ihn in arge Bedrängnis. Da Augsburg und Graf Welf zum Amtsbereich
des Herzogtums Schwaben gehörten, schickte KONRADnoch
1026 seinen Stiefsohn Ernst nach Deutschland zurück, um dort die Ordnung
wiederherzustellen. Um ihn zufriedenzustellen, hatte er ihm eben noch die
Besitztümer der reichen Abtei Kempten verliehen. Aber als Ernst in
Schwaben angekommen war, nahm er die Verbindung zu den Gegnern
KONRADS
auf und stellte sich auf ihre Seite. Der Rat seiner Vasallen soll ihn dazu
bestimmt haben. Sein Hauptratgeber war Werner von Kyburg. Nicht alle seine
Vasallen wollten ihm in den Aufstand gegen den König folgen. So bekriegte
Ernst
im Frühjahr 1027 zuerst den Grafen Hugo von Egisheim und verwüstete
das Elsaß. Dann wandte er sich mit Welf zusammen gegen Burgund und
begann, bei Solothurn auf einer Insel einen eigenen Stützpunkt anzulegen.
Aber Rudolf konnte ihn aus Burgund
hinausdrängen, und Ernst überfiel nun mit seinen Leuten die Klöster
Reichenau und Sankt Gallen, die Zentren des kirchlichen und geistigen Lebens
in seinem eigenen Herzogtum, während Graf Welf Augsburg eroberte und
ausplünderte.
Konflikt zwischen Ernst und Konrad
----------------------------------------------
KONRAD war jetzt
gezwungen, energisch einzugreifen. Er kam im Sommer aus Italien zurück.
Zunächst ließ er in Regensburg seinen Sohn HEINRICH
zum neuen Herzog von Bayern wählen. Dann zog er über Augsburg
nach Ulm, wohin er für Juli eine allgemeine Reichsversammlung einberufen
hatte. Daß er dafür Ulm wählte, zeigt, daß es ihm
um eine Neuregelung der Verhältnisse im Herzogtum Schwaben ging, denn
Ulm war einer der traditionellen Herzogsvororte. Herzog Ernst, der seine
eigene Stellung offenbar völlig falsch einschätzte, berief für
den gleichen Termin einen Herzogslandtag nach Ulm, bei dem er seine Gefolgsleute
an ihre Treuepflicht ihm gegenüber erinnerte und von ihnen Gehorsam
forderte. Ihm antworteten nach dem Bericht Wipos zwei schwäbische
Grafen, Anselm und Fiedrich:
"Wir wollen nicht leugnen, daß wir Euch Treue geschworen
haben gegen jedermänniglich, nur nicht gegen den, durch welchen wir
Euch untergeben worden sind. Wären wir Knechte unseres Königs
und Kaisers gewesen und von ihm an Euch zu Eigen überlassen worden,
dürften wir uns freilich von Euch nicht lossagen. Da wir aber freie
Männer sind und in dieser unserer Freiheit den höchsten Schirmherrn
an dem König und Kaiser selbst haben, so gehen wir, wenn wir diesen
verlassen, der Freiheit verlustig, welche ein Mann von Ehre nur mit dem
Leben aufgibt. Deshalb wollen wir Euch in jeder ehrlichen und gerechten
Sache, wo Ihr unseren Dienst verlangt, gehorsam sein, begehrt Ihr aber
anderes, so werden wir frei dahin zurückkehren, woher wir zu Euch
nur bedingungsweise gekommen sind."
Die Gefolgsleute des Herzogs, die sich zu diesem gegen
den Kaiser gerichteten Landtag nur widerwillig hatten aufbieten lassen,
sagten sich von Ernst los und schlossen sich KONRAD
an. Ernst mußte sich mit Welf und wenigen Getreuen unterwerfen und
wurde nach Sachsen verbannt. Das Herzogtum wurde aber nicht neu besetzt,
sondern unter Verwaltung gestellt.
KONRAD durchzog
das Land und besiegte die letzten Anhänger des Stiefsohnes. Er belagerte
und eroberte auch die Kyburg, aber Graf Werner konnte fliehen. Nachdem
Schwaben wieder in Ordnung gebracht worden war, traf sich das Kaiserpaar
mit Rudolf von Burgund in Basel, wo
das Verhältnis von Burgund zum Reich endgültig festgelegt wurde.
Gisela
war bei allen Vorgängen beteiligt, sie vermittelte nicht nur zwischen
KONRAD und Ernst, sondern auch zwischen
KONRAD
und Rudolf, und sie erscheint in verschiedenen
Urkunden als Zeugin. Unter anderem hat sie bei dieser Gelegenheit Sankt
Gallen besucht. Wie die Verwaltung des Herzogtums geregelt war, ist nicht
bekannt. Es wäre aber durchaus möglich, daß damit Gisela
beauftragt war. Sie war die Vertraute des Kaisers, aber gleichzeitig von
ihrer Herkunft und Stellung zu einer solchen Stellvertretung berufen. Daß
für Ernst kein Nachfolger ernannt wurde, deutet darauf hin, daß
KONRAD
noch mit einer Versöhnung rechnete.
In einer in Magdeburg im Juli 1028 ausgestellten Urkunde,
mit der Kaiser KONRAD einen an sich
unbedeutenden Rechtshandels regelt, haben als Zeugen unter anderem Graf
Liudolf von Braunschweig, der Sohn Giselas
aus 1. Ehe, und Herzog Ernst von Schwaben unterschrieben. Das zeigt, daß
Ernst zu dieser Zeit bereits begnadigt war, den Herzogstitel wieder führen
durfte und zum kaiserlichen Gefolge gehörte. Vermutlich war die Begnadigung
schon früher erfolgt, denn an Ostern war in Aachen auf einem großen
Reichstag HEINRICH offiziell zum König
gewählt und gekrönt worden, und es liegt nahe, die Versöhnung
in der Familie mit diesem großen Tag in Zusammenhang zu bringen.
Für die Wiedereinsetzung verlangte
KONRAD
aber
offenbar, daß Ernst seinen Familienbesitz um Weißenburg an
das Reich abtrat. Ernst war also wieder Herzog, aber wohl zunächst
nicht ganz frei, sondern im Gefolge des Kaisers. Erst auf dem Reichstag
von Ingelheim 1030 sollte er die volle Verfügungsgewalt über
sein Herzogtum zurückerhalten, dafür aber schwören, daß
er gegen die Feinde des Kaisers, vor allem Werner von Kyburg, mit seiner
ganzen Kraft vorgehen werde. Weil Ernst diesen Schwur verweigerte, wurde
er nach dem Spruch der Reichsfürsten als Herzog abgesetzt und als
Feind des Reiches in den Bann getan. Ernst floh zu Werner auf die Kyburg
und von dort zu Graf Odo von der Champagne, seinem Onkel, von dem er hoffte,
daß er sich wegen der gemeinsamen Erbansprüche auf Burgund mit
ihm verbinden und ihm wieder zu seinem Herzogtum verhelfen würde.
Aber Odo lehnte ab, und Ernst ging zurück nach Schwaben, wo er sich
in der Burg Falkenstein bei Schramberg festsetzte und von Überfällen
und Raubzügen lebte. Auf der Baar kam es im August 1030 zu einem letzten
Gefecht zwischen Ernst und einem Grafen Manegold, bei dem Manegold ebenso
wie Ernst, Werner und die meisten ihrer Anhänger den Tod fanden.
Ernst war bei seinem Tod erst 20 Jahre alt, und was wir
politisch und menschlich von ihm wissen, spricht nicht für Weitblick,
realistische Einschätzung seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten
und Zuverlässigkeit. Auch seine Mutter Gisela,
die immer wieder zwischen ihm und der übrigen Familie vermittelte,
sah zum Schluß keine Möglichkeit mehr, ihn zu retten. KONRAD
soll bei der Nachricht vom Todes des Stiefsohnes gesagt haben: "Selten
haben tollwütige Hunde zur Erhaltung des Geschlechts beigetragen".
Das mag auch die Einstellung Giselas
geworden sein. Mindestens ist es durch diese Vorgänge zu keiner Entfremdung
in der Kaiserfamilie gekommen. Die Legende war mit der Erinnerung an Ernst
gnädiger. Seine Treue zu Werner, die seinen Sturz mitbewirkte, machte
ihn zum Volkshelden und zum Mittelpunkt einer Sagenwelt, die in den Volksbüchern
vom Herzog Ernst ihren Niederschlag fand.
Giselas letzten Jahre
-------------------------
Nachfolger Ernsts wurde sein Bruder Hermann, der zweite
Sohn
Giselas aus der Ehe mit dem BABENBERGER
Ernst und nach ihrem Vater benannt. Er war wohl 16 bis 17 Jahre alt.
Trotzdem wurde ihm Bischof Warmann von Konstanz als Ratgeber zugewiesen.
Hermann war vermutlich in KONRADS Familie
aufgewachsen, der Halbbruder
HEINRICH stand
ihm im Alter näher als der eigene Bruder Ernst, er fühlte sich
also nicht im Gegensatz zu seinem Stiefvater und war eher sanft und zurückhaltend.
In seiner Regierungszeit stand Schwaben politisch sehr im Mittelpunkt,
denn 1032 starb König Rudolf von Burgund.
Wie nicht anders zu erwarten, regte sich Opposition gegen den Anschluß
des Königreiches an Deutschland. Odo von der Champagne kämpfte
für seine Erbansprüche, und
KONRAD führte
von Schwaben aus 1033 und 1034 Feldzüge gegen Burgund, bis er im August
1034 in Genf die Krone in Besitz nehmen konnte. Damit befanden sich alle
Alpenübergänge in deutscher Hand. Erst mit der Eingliederung
Burgunds war Frankreich von Italien und vom Kaisertum abgeschnitten und
so die Schicksalsgemeinschaft von Deutschland und Italien endgültig
und für lange Zeit festgelegt. Somit hatte KONRADden
äußeren Reichsaufbau gewaltig vorangetrieben. Aber auch für
den inneren Ausbau der Institutionen hat er viel getan.
Das Herzogtum Schwaben war in KONRADS
politischem Kalkül immer ein wichtiger Faktor gewesen, den er nie
aus den Augen verloren hatte. Wenn es nötig war, griff er regulierend
ein. Mit Herzog Hermann IV. hatte er offensichtlich keine Probleme. Deshalb
vermählte er ihn 1036 mit Adelheid von Turin und verlieh ihm die Turiner
Mark. Damit war Hermann von den äußeren Bedingungen her der
mächtigste aller bisherigen Herzöge von Schwaben. KONRAD
hat in ihm für die Zukunft einen Stützpfeiler des salischen
Hauses gesehen. Aber Hermann starb schon 1038, noch kinderlos, bei einem
Feldzug in Italien. Im selben Jahr und vor ihm war auch Liudolf, der Halbbruder
aus Giselas braunschweigischer Ehe
gestorben. Damit war für Schwaben nur noch ein Sohn Giselas
übrig, der junge
König HEINRICH.
Er war bereits Herzog von Bayern, und ihm übertrug KONRAD
jetzt
auch das Herzogtum Schwaben. Beide Belehnungen sind zwar Ausdruck der Politik
KONRADS,
wichtige Funktionen in der Familie zu halten, vor allem auch die Verbindung
nach Italien, aber beide haben nichts willkürliches an sich. In Bayern
war der Vorgänger ohne Erben gestorben, und HEINRICH
war, wenn auch auf Betreiben KONRADS,
rechtmäßig zum Herzog gewählt worden, und in Schwaben war
HEINRICHals
letzter Sohn der Gisela
der nächste
Erbe.
KONRAD starb 1039.
Er wurde im Dom von Speyer begraben, den er begonnen und als Familienkirche
für sein Haus ausgestattet hatte. Sein Sohn HEINRICH,
den er und Gisela
so intensiv auf dieses
Amt vorbereitet hatten, folgte ihm als König und Kaiser nach. Gisela
versuchte, den großen Einfluß, den sie bei KONRADgehabt
hatte, auch unter HEINRICH zu halten.
Deshalb kam es zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen den beiden,
aber nicht zu einer völligen Trennung. Aufgrund einer Wahrsagung glaubte
sie, das sie alle ihre Kinder, also auch HEINRICH,
überleben würde. Aber sie starb 1043
in Goslar am Hof
und wurde von HEINRICH mit großem
Gefolge nach Speyer überführt und dort an der Seite KONRADS
beigesetzt.
um 1002
1. oo Brun Graf von Braunschweig
ca 975/80- ca 1010
um 1010
2. oo Ernst I. Herzog von Schwaben
970-31.5.1015
um 1016
3. oo Kaiser KONRAD II.
um 990-4.6.1039
Kinder:
1. Ehe
Liudolf
c 1003-23.4.1038
Gisela
c 1005-
oo Bertold Graf von Sangerhausen
-
2. Ehe
Ernst II.
c 1012-17.8.1030
Hermann IV.
c 1014-28.7.1038
3. Ehe
HEINRICH III.
28.10.1017-5.10.1056
Beatrix
c 1030-30.1.1034/25.10.1036
Mathilde
1027- 1.1034
1033
oo Heinrich I. König von Frankreich
1007/08-4.8.1060
Literatur:
-----------
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Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der
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Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln
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