Otbert I.                                                   Pfalzgraf von Italien
-----------                                                  Markgraf
    - vor 15.10.975
 

Sohn des Grafen Adalbert I. aus altem langobardischen Adel
 

Otbert I. folgte seinem Vater zu Tortona, wurde Graf, erschien als Gegner von König Berengar II. von Italien und wurde deshalb von Kaiser OTTO DEM GROSSEN gefördert und um 962 zum Pfalzgrafen von Italien ernannt. Er erhielt das Kloster Bobbio als kaiserliches Lehen und baute eine Hausmacht aus.

Hlawitschka, Eduard: Seite 244-245
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962)"

CXXVI.                         OTBERT I.,

der Stammvater des Hauses ESTE, ein Langobarde, ist bereits mehrmals behandelt worden. Die ausführlichsten Studien verdanken wir L.A. Muratori, H. Bresslau und F. Gabotto.
Otbert tritt das erste Mal in dem Augenblick der Geschichte Italiens hervor, als Berengar II. aus seinem Exil in Deutschland zurückkehrte und König Hugo die Macht entwand. So finden wir den Obbertus comes zusammen mit den anderen Anhängern Berengars II. - dem Pfalzgrafen Lanfranc und den Grafen Maginfred von Parma, Milo von Verona, Arduin von Turin und Aledram - am 13. April 945 um ihren neuen Prätendenten in Pavia versammelt. Offenbar hat er in dieser Krisenstunde geschickt verstanden, durch seine Stellungnahme in die Gunst des neuen Herrn zu gelangen, ein Führungsamt zu erhalten und in die alte (fränkische) Adelsschicht aufzusteigen. Da zwei Nennungen vom 18. Juli 948 als Fälschungen verworfen werden müssen, sieht man ihn erst am 23. Januar 951 das nächste Mal auftreten. Interventu ac petitione Odeberti marchionis atque Maginfredi comitis überließ Berengar II. als neuer König Italiens der Kirche von Modena und ihrem Bischof Wido, der Berengar das Übergewicht über König Hugo zu erringen half, verschiedene Rechte und Einkünfte aus Kastellen in der Umgebung von Modena. Bald darauf empfing er auch das Pfalzgrafenamt. Am 23. Juni 953 sprach Berengar II. jedenfalls schon interventu ac petitione Otberti marchionis comitisque palacii nostri dilecti fidelis einem gewissen Hildebrand eine Besitzbestätigung aus. Doch in den nächsten Jahren scheinen die Beziehungen zwischen Berengar und Otbert sehr erkaltet zu sein. Ein Grund dafür läßt sich nicht erkennen. Im Jahre 960 war er bereits mit Erzbischof Waltpert von Mailand, Bischof Waldo von Como und anderen zu OTTO DEM GROSSEN nach Deutschland geflüchtet und hatte dort Aufnahme gefunden. Als dann noch die reliqui pene omnis Italiae comites et episcopi OTTO brieflich und durch Boten aufgefordert hatten, ut ad se liberandos veniat, und OTTO 961 endgültig die Südpolitik aufnahm, da hatte Otbert wieder die besten Möglichkeiten vor sich. Er erhielt sofort Markgrafschaft und Pfalzgrafenamt zurück. Am 27. September 962 hält er bereits als marchio und comes palacii wieder einen Gerichtstag ab. Sein Amt verliert er nicht mehr bis zu seinem Tod ca. 975. Am 15. Oktober 975 treten dann bereits Adelbertus et Otbertus germani marchioni, filii bone memorie Oberti marchionis et comitis palatio, auf.
Über die Nachkommen Otberts I., der bei einer Schenkung von Gütern in Volpedo an das Kloster Cluny sich selbst Otbertus marchio et comes palatio, qui professo sum ex natione mea legem vivere langobardum, bezeichnete, ist vor allem die genannte Studie Gabottos zu vergleichen, in der gegen Muratori und andere ebenfalls erwiesen wird, daß zwischen dem Haus Otberts I. und den Markgrafen von Tuszien bayrischer Abkunft keine direkten Verwandtschaftsbeziehungen bestanden.


Pauler Roland: Seite 30,46
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"Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit"

Recht bald nach OTTOS I. Ankunft in Italien scheint sich Bischof Ingo ihm angeschlossen zu haben, denn am 27. September 962 nahm er an einem placitum in Pavia teil, in dem unter Leitung des Pfalzgrafen Otbert dem Bischof Bruning von Asti ein zwei Tage zuvor ebenfalls in Pavia ausgestelltes Privileg OTTOS I. bestätigt wurde.
Die Markgrafschaft der OTBERTINER, die in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts entstanden war, umfaßte in der Zeit HEINRICHS II. die Grafschaften Mailand, Tortona, Genua und Luni. Spätestens 1021, wahrscheinlich aber schon unter OTTO II. oder OTTO III., gehörte Mailand zu dieser Mark; Genua stand spätestens 994 unter der Herrschaft der OTBERTINER, doch bewahrten sich die Bürger der Stadt große Eigenständigkeit. Tortona dürfte schon unter Otbert I. (+ 975) zur Mark gehört haben, während Luni vielleicht erst von Otbert II. (+ 1014) erworben wurde.
Ohne Zweifel begünstigten die OTTONEN den Aufbau dieses Machtkomplexes, der sich von der Lombardei über Ligurien bis in die Toskana erstreckte, denn, wie gezeigt, gelangte ein Großteil der Grafschaften erst unter den OTTONEN in den Machtbereich dieses Hauses. Als Erklärungsmöglichkeit für den Aufstieg der OTBERTINER bietet sich an, daß Otbert I. an der Gesandtschaft beteiligt war, die OTTO I. 960 nach Italien gerufen hatte. Diesen rein persönlichen Motiven für die Begünstigung widerspricht jedoch, daß die Grafschaft Pavia, die nach der Absetzung des Grafen Bernhard vakant geworden war, dem Markgrafen von Turin und nicht Otbert I. übertragen wurde, obwohl er OTTOS Pfalzgraf war, und die Grafschaft Pavia seinen Herrschaftsbereich, zu dem sicher schon Tortona gehörte, abgerundet hätte. Noch deutlicher zeigt sich die Tendenz der kaiserlichen Politik, keinen zusammenhängenden Großraum für die OTBERTINER schaffen zu wollen, als unter OTTO III. die Grafschaft Pavia wieder vakant wurde, den OTBERTINERN wahrscheinlich schon Mailand unterstellt war, und der Kaiser die Grafschaft Pavia wiederum nicht an einem OTBERTINER vergab, sondern an den Grafen Otto von Lomello, wodurch gleichsam ein Keil zwischen die otbertinischen Machtbereiche Mailand und Tortona getrieben wurde.

Holtzmann Robert: Seite 188-190
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"

Jetzt glaubte Berengar, nachdem er seine Herrschaft in Oberitalien wieder gefestigt und seine Widersacher, wie den Erzbischof Walpert von Mailand, den Bischof Waldo von Como und den Markgrafen Otbert, den Stammvater des Hauses ESTE, vertrieben hatte, die Zeit gekommen zu einem Krieg gegen das Herzogtum Spoleto.
Die vertriebenen geistlichen und weltlichen Herrn wurden in ihre Ämter zurückgeführt, Markgraf Otbert zum Pfalzgrafen von Italien ernannt.

Bresslau Harry: Band I Seite 415-430
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."

Der zweifellos feststehende Ahnherr des Otbertinischen Hauses ist Otbert I.; und diesem begegnen wir zum ersten Mal mit absoluter Sicherheit im Jahre 960, als er schon Markgraf genannt (Cont. Regin. 960: Opertus marchio; liudpr. Hist. Ott. cap. 1: illustris marchio Otbertus), bei OTTO I. Zuflucht vor dem Wüten Berengars suchte. Bei zwei früheren Urkunden, die man mit ihm in Verbindung gebracht hat, ist es doch nicht so völlig gewiß, daß wir es wirklich mit unserem Mann zu tun haben. Wenn in einer Urkunde des Markgrafen Amlarich von Mantua von 948 ein Opertus comes im Text und als erster Zeuge erwähnt wird, so haben wir doch außer dem nicht seltenen Namen und den eben  so wenig ausgiebigen Tatsachen, daß spätere OTBERTINER, wie in ganz Mittelitalien, so auch in der Gegend von Rovigo und Ferrara begütert waren, keinen Anhaltspunkt, den Grafen von 948 mit unserem Markgrafen von 960 zu identifizieren. Etwas günstiger steht es mit einem Diplom Berengars und Adalberts vom 23. Januar 951, das interventu ac petitione Odeberti marchionis erlassen ist, und in welchem auch Dümmler unseren Ahnherrn der OTBERTINER zu erkennen glaubt; doch ist auch hier nicht völlig ausgeschlossen, daß etwa der Markgraf Hubert von Tuszien, der wiederholt Obertus genannt wird, gemeint ist. Fest steht dagegen, daß unser Otbert I. der Sohn eines Adalberts I. war, der gleichfalls schon marchio heißt; sein Sohn Adalbert II. wird in einer Urkunde von 1011 einmal als Adalbertus marchio, fil. b. m. Obberti qui Oppitio, ein anderes Mal als Adalbertus fil. b. m. Obberti et nepus b. m. Adalberti qui fuit similiter marchio bezeichnet.
Otbert I. ist dann spätestens im September 962 zum Pfalzgrafen ernannt worden, und die Zeugnisse für seine Tätigkeit im Hofgericht sind häufig genug. Sie reichen dafür bis zum 20. August 972; an diesem Tage ist das letzte Placitum Otberts, von dem wir wissen, abgehalten; aus der Urkunde darüber erfahren wir zugleich, daß er Kloster Bobbio von Kaiser zum Besitz erhalten hatte. Gestorben ist er vor dem 15. Oktober 975; von diesem Datum an ist ein Vertrag seiner Söhne Adalbert II. und Otbert II. mit dem Bischof Alberich von Pisa (Adalbertus et Obertus germani marchiones, filli b. m. Otberti marchio et comes palatii). Außer diesen beiden Söhnen muß aber Otbert I. noch einen dritten, gleichfalls Adalbert (III.) oder Albert genannt, hinterlassen haben; denn in einem Placitum OTTOS III. von 996 (St. 1064) werden beklagt: Adalbertus marchio et Alberto germani filii quondam Holberti. Nun läge zwar die Vermutung nahe, daß hier Alberto für Atberto oder Otberto verlesen oder verschrieben wäre, so gut wie Holberti offenbar für Otberti oder Hotberti verlesen oder verschrieben ist. Allein die Existenz eines dem ersten gleichnamigen dritten Sohnes Otberts I. läßt sich auch anderweit erweisen. Adalbert II. nämlich, den wir als den ältesten Sohn Otberts I. zu betrachten Grund haben, da er im Juli 972 seinen Vater im Hofgericht aals Pfalzgrafe vertrat und auch in dem oben angeführten Vertrag von 975 zuerst genannt wird, war im März 1000 bereits verstorben; damals urkundet Adelbertus marchio filius beatae memoriae item Adelberti, der zu Langobardischem Recht lebt; und seinen Tod bestätigt eine Urkunde seiner Tochter Bertha (Berta filia beatae memoriae Adelberti marchio), die mit dem Grafen Lanfrank von Piacenza vermählt war, vom Juli 1002. Da nun aber ein Albertus marchio (so unterschreibt er sich) der Sohn Otberts I. noch 1002, ja vielleicht noch 1011 lebt, so müssen wir in der Tat außer Otbert II. zwei Adalberte als Söhne Otberts I. angenommen werden. Verfolgen wir nun diese Nachkommen Otberts I. im Einzelnen, und beginnen wir mit demjenigen, dessen Linie sich am sichersten nachweisen läßt.
 
 
 
 

  oo N.N.
              -
 
 
 
 

Kinder:

  Otbert II.
         - nach 1014/21

  Adalbert II.
         - um 1000

  Adalbert III.
        - ca. 1002
 
 
 
 

Literatur:
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Bresslau Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker&Humblot Leipzig 1879 Band I Seite 415-430 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 74,95,106,118,136,188,201,218,231,239,244-245 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 188-190 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 Seite 10,19,30,46,48,50,66,77,106,112,118,136 -
 
 
 
 
 
 


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