Sohn des Pfalzgrafen
Otbert I. von Italien
Otbert II. folgte seinem Bruder Adalbert II. und rebellierte 1002 zusammen mit König Arduin gegen Kaiser HEINRICH II., nannte sich "Pfalzgraf" (von Mailand), wurde Graf von Mailand, Genua und Bobbio genannt und erschien häufig als Richter und Intervenient in Urkunden seiner Zeit, zeitweise auch mit dem Titel "Markgraf von Mailand". Er war ein mächtiger Vertreter der italienischen königlichen Nationalpartei.
Hlawitschka, Eduard: Seite 245
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)"
Sein Amt verliert Otbert I.
nicht mehr bis zu seinem Tod ca. 975. Am 15. Oktober
975 treten dann bereits Adelbertus et
Otbertus
germani
marchioni, filii bone memorie Oberti marchionis
et comitis palatio, auf.
Über die Nachkommen Otberts
I., der bei einer Schenkung von Gütern in Volpedo an das
Kloster Cluny sich selbst Otbertus marchio et
comes palatio,
qui professo sum ex natione mea legem vivere
langobardum, bezeichnete, ist vor allem die genannte Studie Gabottos
zu vergleichen, in der gegen Muratori und andere ebenfalls erwiesen wird,
daß zwischen dem Haus
Otberts I.
und den Markgrafen von Tuszien bayrischer Abkunft keine direkten Verwandtschaftsbeziehungen
bestanden.
Pauler Roland: Seite 50
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"Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit"
Otbert I. zumindest hatte immer zu den Anhängern des deutschen Herrschers gehört - 979 ist er allerdings schon etwa vier Jahre tot -, und seine Söhne Otbert II., Adalbert II. und Adalbert III. kann man sicher zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Feinde der OTTONEN bezeichnen, auch wenn das Pfalzgrafenamt Otberts I. nicht auf einen von ihnen, sondern auf Graf Giselbert II. von Bergamo übergegangen war; schließlich konnten die OTBERTINER ja auch in der Folgezeit noch ihren Herrschaftsbereich erweitern.
Bresslau Harry: Band I Seite 415-430
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."
Gestorben ist Otbert I.
vor dem 15. Oktober 975; von diesem Datum an ist ein Vertrag
seiner Söhne
Adalbert II. und Otbert
II. mit dem Bischof Alberich von Pisa (Adalbertus et Obertus
germani marchiones, filli b. m. ). Außer diesen beiden Söhnen
muß aber Otbert I. noch einen
dritten, gleichfalls Adalbert (III.)
Otberti marchio et comes palatii oder
Albert genannt, hinterlassen haben; denn in einem Placitum OTTOS
III. von 996 (St. 1064) werden beklagt: Adalbertus marchio
et Alberto
germani filii quondam Holberti.
Nun läge zwar die Vermutung nahe, daß hier Alberto für
Atberto oder Otberto verlesen oder verschrieben wäre, so gut wie Holberti
offenbar für Otberti oder Hotberti verlesen oder verschrieben ist.
Allein die Existenz eines dem ersten gleichnamigen dritten Sohnes Otberts
I. läßt sich auch anderweit
erweisen. Adalbert II.
nämlich, den wir als den ältesten Sohn Otberts I. zu betrachten
Grund haben, da er im Juli 972 seinen Vater im Hofgericht aals Pfalzgrafe
vertrat und auch in dem oben angeführten Vertrag von 975 zuerst genannt
wird, war im März 1000 bereits verstorben; damals urkundet Adelbertus
marchio filius beatae memoriae item Adelberti, der zu Langobardischem Recht
lebt; und seinen Tod bestätigt eine Urkunde seiner Tochter Bertha
(Berta filia beatae memoriae Adelberti marchio), die mit dem Grafen Lanfrank
von Piacenza vermählt war, vom Juli 1002. Da nun aber ein Albertus
marchio (so unterschreibt er sich) der Sohn Otberts I. noch 1002,
ja vielleicht noch 1011 lebt, so müssen wir in der Tat außer
Otbert II. zwei Adalberte als Söhne
Otberts I. angenommen werden. Verfolgen wir nun diese Nachkommen
Otberts I. im Einzelnen, und beginnen wir mit demjenigen, dessen
Linie sich am sichersten nachweisen läßt.
Otbert II. finden
wir 994 im Genuesischen zu Lavagna als Richter in einer Streitsache des
Klosters San Fruttuoso. 998 verzichtet er zu Gunsten des Bischofs Gottfried
von Luni auf alle Ansprüche auf vier plebes ... quod sunt ipsis plebibus
de sub regimine episcopii vestri. Durch eine Urkunde vom 5. Mai 999 lernen
wir seine Frau Railenda comitissa filia b. m. Riprandi qui fuit
comes kennen und erfahren, daß dieselbe schon früher einmal
verheiratet war und in dieser ersten Ehe einen Sohn Berengar, Subdiakon
von Mailand, geboren hatte. Um 1000 soll er nach einer bis jetzt urkundlich
nicht nachgewiesenen Tradition das St. Johanneskloster zu Vicolo Marchese
im Bistum Piacenza gegründet haben. Aus dem Jahre 1012 datieren mehrere
von ihm zum Teil bestätigte und unterschriebene Urkunden seiner Söhne.
In der ersten derselben schenkt Adela comitissa, conjux Azoni marchio,
die vor ihrer Ehe zu salischem Recht lebte, mit Zustimmung ihres Gemahls
und dessen Vaters Otbert dem Bistum Cremona Güter im comitatu Auciensis.
Durch die zweite früheren Datums erwerben Azo et Ugo germani, filii
Uberti marchio, von dem Diakon Domninus in Borge San Donnino Güter,
darunter zum Teil dieselben Orte, über welche in dem soeben besprochenen
Dokument Adela verfügte. In der dritten endlich schenken Ugo et Azo
germanis filli Auberti marchio Güter wiederum in denselben Bezirken
zu Cremona. Danach haben wir nur noch eine Urkunde Otberts vom 10. Juni
1014, eine Schenkung des Odbertus marchio fil. b. m. item Odbertus marchio
et comes palacii für San Siro zu Genua. Die Unterschriftszeile lautet:
signum Odberti marchio qui propter infirmitatem corporis minime schribere
potuit. Obwohl Otbert in dieser Urkunde
nach HEINRICHS Kaiserjahren datiert,
muß er, dessen Sohn Hugo
schon im Jahre 1002 als Gesandter wahrscheinlich König
Arduins nach Frankreich an den Hof König
Roberts gegangen war, bald nach der Rückkehr des Kaisers
nach Deutschland aufs Neue sich empört haben; in einem Diplom vom
Herbst 1014 (St. 1633) ächtet HEINRICH
u. A. Otbertum marchionem et filios
ejus et Albertum nepotem ejus. Darauf erfahren wir von Otbert
nichts mehr; ein sicheres Zeugnis für seinen Tod haben wir allerdings
erst aus dem Jahre 1021.
Von seiner Tochter Bertha,
der Gemahlin Olderich Manfreds II. von Turin, ist oben bei der Geschichte
dieses Hauses die Rede gewesen; zwei seiner Söhne Azzo
I. und Hugo
haben wir soeben kennengelernt. Von beiden liegen aus ihres Vaters Lebzeiten
noch zwei andere Zeugnisse vor: 1013 sind Adalberto marchio
et
Ugone
germanis marchiones Beisitzer des Herzogs Adalbero von Kärnten in
einem Placitum zu Verona, ersterer unterschreibt als Adelbertus qui
Azo vocatur marchius; im selben Jahr sitzen ferner fünf Tage später
Albert
Azzo und Hugo
selbst in der Grafschaft Padua zu Gericht. Adela, die Gemahlin Albert
Azzos I., kommt noch in einer Urkunde von 1011 vor, durch welche
sie von jenem Diakonus Domninus die Güter erkaufte, die sie, wie wir
sahen, ein Jahr später an Conmona verschenkte. Außer Albert
Azzo und Hugo
muß nun aber Otbert II. noch
einen dritten Sohn Adalbert (III.)
gehabt haben, wie schon Muratori, Gfrörer und andere angenommen haben.
Der Nachweis dafür läßt sich durch eine Urkunde von 1033
erbringen, der zufolge
Adelbertus marchio filius b. m. Otberti itemque
marchionis et Adeleyda jugalibus filia quondam Bosoni comitis ein Marienkloster
zu Castiglione gründen. Man könnte versucht sein, diesen Adalbert
für Albert
Azzo I., seine Gemahlin Adelheid für die 1011 und 1012 erwähnte
Gemahlin Azzos
I. zu halten; doch ist das unmöglich; jene Adela bekennt sich
1011 zu salischem Recht, diese Adeleyda ist lege Alamannorum geboren, damit
steht ihre Verschiedenheit fest. Wie Otbert
I. hat also auch Otbert II.
zwei Söhne Adalbert gehabt, die wir als Albert
Azzo I. und Adalbert IV.
unterscheiden müssen. Alle drei sind 1014 in Gefangenschaft geraten:
es hat keine Schwierigkeiten sie in den marchiones UgoAzoAdelbertus,
von denen Arnulf I, 18 spricht (Hug, Hecil, Hecelin sagt Thietm. VII, 1)
wieder zu erkennen, die Thietmat ausdrücklich als germani bezeichnet,
damit die obige Annahme bestätigend. Hugo
ist wie der mit ihm gefangenen ALEDRAMIDE Otbert auf dem Transport nach
Deutschland entflohen;
Albert
Azzo und Adalbert wurden
in Fulda und Giebichenstein in Haft gehalten; erst im Januar 1018 ist der
letzte von ihnen - wahrscheinlich
Adalbert
(Ecelinus, Thietm. VIII,1) - freigelassen.
Erst im Jahre 1021 erhalten wir nach dieser Katastrophe
wieder Kenntnis von den Brüdern. Hugo
hält im November dieses Jahres als marchio et comes comitatu istius
Mediolanensis eine Gerichtssitzung zu Mailand ab und ist am 6. Dezember
in Verona Beisitzer in einem Placitum HEINRICHS
II. (St. 1777); demnächst finden wir ihn im Mai 1027 in
einem Placitum KONRADS II. zu Verona
(St. 1948, siehe oben Seite 182). Aus dem Jahre 1029 besitzen wir zwei
Verträge von ihm mit einem Diakon Gerardus, durch welche Hugo bedeutende
Besitzungen erwarb; aus dem zweiten derselben erfahren wir, daß er
mit Gisela, einer Tochter des Pfalzgrafen Giselbert II., Grafen von Bergamo,
verheiratet, also wie wir sehen werden, ein Schwager des Markgrafen Bonifaz
von Canossa war; wir dürfen aus der Ausdrucksweise der Urkunde zugleich
schließen, daß diese Ehe ohne männliche Nachkommen geblieben
war. Über einen Teil der erworbenen Güter verfügte
Hugo
noch im gleichen Jahr zu Gunsten der Kirche von Piacenza; einen anderen
soll er unter Mitwirkung seiner Gemahlin - die Urkunde darüber liegt
nicht vor - an Bischof Rainald von Pavia geschenkt haben. Von einer Gerichtsurkunde
des Königsboten Tado aus dem Jahre 1034, in welcher der eine der beiden
Verträge mit Gerard von Hugo produziert und bestätigt sein soll,
wage ich, obwohl Ficker an derselben keinen Anstoß genommen hat,
vorläufig keinen Gebrauch zu machen, da in ihr die Gegenwart von vassi
Aikardi episcopi erwähnt wird, 1034 aber Peter Bischof von Piacenza
war, und Aikard erst seit 1038 vorkommt. Unanfechtbar ist dagegen die oben
erwähnte Dotationsurkunde von Kloster Castiglione von 1033; Hugo hat
darin als Graf von Tortona die Verfügung seines Bruders anerkannt.
Als marchio et comes comitatus Terdonense hält Hugo dann auch im Mai
1035 ein Placitum ab; er sitzt dabei in Sala Rodeadi, einer der 1029 von
Gerard erworbenen Burgen. Weiter hege ich keinen Zweifel mehr, daß
der Hugo comes, der nach Wipo cap. 35 im Jahre 1037 auf dem Reichstage
zu Pavia zu den Hauptanklägern Ariberts von Mailand gehörte,
unser Sohn
Otberts II. ist, dem wir
ja schon 1021 als Grafen von Mailand begegnet sind. Eine spätere Erwähnung
von ihm ist mir bis jetzt nicht vorgekommen. Der Todestag Hugos war der
26. Januar; das Jahr ist nicht zu ermitteln. Vielleicht hat er eine Tochter
Richilde hinterlassen; wenigstens urkundet im Jahre 1080 eine Richilda,
filia quondam Ugoni marchio et relicta quondam Gerardi Frogerii
filius, die man am besten hierher bezieht; sie würde nach ihrer Mutterschwester,
der Gemahlin des CANOSSANERS heißen. Sie lebt zwar nach römischen
Recht, aber der Übergang von der Lombarda zum römischen recht
ist bekanntlich nicht selten, und ihre Tochter Agelburga bekennt sich ausdrücklich
zum langobardischen Gesetz.
oo 2. Railenda, Tochter des Grafen Riprand
-
Kinder:
Hugo Markgraf von Mailand Graf von Genua
-26.1. nach 1037
Adalbert Azzo I.
um 970- vor 1018
Bertha
-29.12.1037
1. oo Arduin Markgraf von Ivrea
um 955-14.12.1015
2. oo Manfred II. Odelrich Markgraf von Turin
- 1034/35
Adalbert IV.
-
1034
Guido
-
1037
Literatur:
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Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern
und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen
Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau
1960 Seite 245 -
Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 364,422
- Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer
Verlag Tübingen 1982 Seite 46,50,123 -