Giselbert                                                    Herzog von Burgund (952-956)
------------                                                  Graf von Chalon-sur-Saone
um 900-16.4.956
             Paris

Sohn des Grafen Manasse I. von Chalon (+ 918) und der Irmgard von Nieder-Burgund, Tochter von König Boso; Großneffe des Herzogs Richard I. (Stammtafel Prinz Isenburg)
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1466
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Giselbert (Gilbert) von Vergy, burgundischer Großer
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     + 8. April 956
      Paris

Sohn des Manasses von Vergy

Als Verbündeter und zum Teil Gegenspieler der BOSONIDEN bedeutende Figur im Kampf um das entstehende Herzogtum Burgund. Trat Giselbertvor 925 die Nachfolge seines Vaters in dessen honores, insbesondere in den Grafschaften Beaune und Chalon, an und war fidelis des bosonidischen Herzogs Rudolf. Giselbert erhob sich 931-932 gegen diesen wegen des Besitzes von Avallon. Rudolfs Bruder, Hugo der Schwarze, dessen Tochter Ermengard wohl mit Giselbert vermählt war, trat ihm 941-942 die Grafschaft Autun ab. Nach Hugos Tod führte Giselbert aber nicht - wie ersterer - den Titel des 'marchio', sondern wurde lediglich als 'Burgundiae comes praecipuus' oder 'princeps Burgundionum' intituliert; der König hatte den Herzogstitel in Burgund nämlich dem ROBERTINER Hugo dem Großen, Herzog der Francia, reserviert; Giselbert mußte dessen Lehnshoheit akzeptieren. - Vor seinem Tod empfahl Giselbertseine Tochter Liegardis in die Obhut Hugos des Großen, der sie mit seinem Sohn Otto verheiratete, wodurch dieser die Grafschaften des Hauses VERGYund der BOSONIDEN westlich der Saone seinem Herzogtum eingliedern konnte. Doch hatte Giselberteine weitere Tochter, Adelaidis (oder Werra), die Robert von Meaux (aus dem sogenannten Haus VERMANDOIS) ehelichte, dem sie wahrscheinlich die Grafschaft Troyes, eine der territorialen Ausgangspunkte der Champagne, in die Ehe brachte.

Literatur:
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HEG I., s.v. [K.F. Werner] - M. Chaume, Les origines du duche de Bourgogne, 1927 - K. F. Werner, WaG 20, 1960, 107-115 - W. Kienast, Der Hzgs.titel in Frankreich und Dtl., 1968.


Giselbert, Schwiegersohn Richards I., unterwarf sich 932 dem königlichen Schwager und konnte sich 952 gegen den Widerstand Hugos von Franzien in den Besitz Burgunds setzen.

Kienast Walter: Seite 92-93
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"Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert)"

Die Grafschaft Autun, die Hauptstütze seiner Macht, verlehnte er an den Grafen Giselbert von Chalon, der eine Tochter oder Enkelin Richards geheiratet hatte. Giselbertfolgte beim Tode Hugos (952) als dessen Erbe. Er starb bereits 956. Aus seiner kurzen Regierungszeit im Herzogtum besitzen wir keine von ihm ausgestellte Urkunde. Daß die wenig spätere Vita S. Viventii ihn als dux nennt, besagt nichts. Söhnelos, hatte er seine Tochter mit Otto, einem jüngeren Bruder Hugo Capets, versprochen oder vermählt. Mit Otto kommt das Land an die ROBERTINER; eine neue Epoche beginnt.

Werner Karl Ferdinand: Seite 512
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"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000"

Giselbertwar im Jahr 952 Hugo dem Schwarzen als princeps von Burgund nachgefolgt und starb im Jahr 956 während eines Aufenthaltes in Paris. Er vermachte seinem Schwiegersohn Otto, dem Sohn Hugos des Großen, alle seine Grafschaften und Rechte. Nur die Grafschaft Troyes fiel an Robert von Meaux, den Gemahl seiner zweiten Tochter und Sohn Graf Heriberts II.

Schwager, Helmut: Seite 106,138,165 Anm. 632,209,399/400
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"Graf Heribert II. von Soissons"

Anschließen hielt König Rudolf am 8. April 924 einen großen Hoftag in Chalon-sur-Saone ab, zu dem neben Königin Emma auch burgundische Aristokraten wie Graf Boso von Perthois und Graf Hugo der Schwarze, die Brüder des Königs, die Grafen Walo von Dijon (+ 924) und Giselbert von Autun (+ 956), Söhne Graf Manasses I. des Älteren von Chalon (+ 918) anwesend waren.
Wenig später mußte der BOSONIDE jedoch dringend ins Herzogtum Burgund zurück, wo in der Zwischenzeit ein gefährlicher Aufstand gegen Königin Emma ausgebrochen war, die oftmals mit unnachsichtiger Härte gegen den burgundischen Adel durchgegriffen hatte. Dabei hatte sie unter anderem dem wichtigsten burgundischen Aristokraten Graf Giselbert von Dijon und Chalon (+ 956) die Burg Avallon genommen, worauf sich dieser, verbündet mit Graf Richard von Troyes und Sens (+ 932/36), erhob.
[Kalckstein, Capetinger, 198 Anm. 1 nennt Graf Heribert II. nicht unter den Huldigenden, ebensowenig die burgundischen Großen Herzog Hugo den Schwarzen von Burgund und Graf Giselbert von Dijon (+ 956).]
Flodoard jedenfalls erwähnt noch für das Jahr 932 den Nicht-HERIBERTINER Graf Richard von Tryoes (+ 932/36) als Verbündeten des burgundsichen Grafen Giselbert von Dijon. Im Jahre 948 jedoch war Graf Richard sicher tot und Graf Giselbert war Graf von Troyes. Als im Jahre 952 schließlich der letzte BOSONIDE Herzog Hugo der Schwarze von Burgund söhnelos starb, folgte ihm nach einem Kampf mit Herzog Hugo dem Großen von Franzien Graf Giselbert von Dijon, wobei die Burgundia geteilt wurde. Herzog Giselbert hatte nur zwei Töchter, wobei die Älteste namens Liutgard den ROBERTINER Otto, Sohn Herzog Hugos des Großen, heiratete, während die Jüngere Adelheid Werra (+ ca. 970) den HERIBERTINER Graf Robert ehelichte. Als daher am 8. April 956 Herzog Giselbert verstarb, vererbte er das Herzogtum Burgund an den ROBERTINER Otto, die wichtigste Champagne-Grafschaft Troyes dagegen an Graf Robert.
 
 
 
 

  oo Ermengard von Burgund, Tochter des Herzogs Hugo I. der Schwarze
             -
       Erbin von Autun
 
 
 
 

Kinder:

  Adelheid Erbin von Troyes
         - nach 979

   vor 950
  1. oo Robert Graf von Vermandois
                 -19./29.8.967

  2. oo Lambert Graf von Chalon-sur-Saone
                   -22.2.978

    979
  3. oo Gottfried I. Grisegonellle Graf von Anjou
                 -21.7.987 gefallen

  Liutgard Erbin von Autun
       - nach 956

 954
  oo Otto von Franzien Herzog von Burgund
       ca 945-23.2.965
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 24 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 62 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 248 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 164 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 Seite 92-93 - Schwager, Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf. 1994 Seite 106,138,145,165 Anm. 632,209,371,399/400 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 512 -
 
 
 
 


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