Begraben: St. Medard zu Soissons
Sohn des Grafen
Poppo I. im Saalgau
Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 324
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Heinrich, ostfränkischer Adeliger
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+ 886
Vater:
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Poppo I.
Aus dem Geschlecht der POPPONEN. Bruder Poppos II.
Feindschaft der POPPONEN
gegen Ludwig den Deutschen.
Verwicklung in die Verschwörung gegen Ludwig
den Deutschen
(861 ff., 866).
Bedeutender Heerführer im Kampf gegen Normannen
und Wikinger (884 Verteidigung Sachsens gegen die Normannen, 885 Beendigung
der Wikingerherrschaft in Friesland).
880 Führer des fränkischen Heeres gegen Hugo,
Sohn Lothars II.
885 Eingreifen in den Streit um das thüringische
Markherzogtum.
Fiel 886 als von KARL
III. eingesetzter Militärbefehlshaber Neustriens vor Paris
gegen die Normannen.
Beisetzung im karolingischen
Hauskloster St. Medard bei Soissons.
Literatur:
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A. Friese, Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen
Adels, 1979.
Friese Alfred: Seite 105-109
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"Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen
Adels"
Die Familie Poppos I. ist für mehr als zwei
Jahrzehnte auf ihre Grafschaft im Waldsassengau und die Besitzungen an
Aisch und Obermain zurückgedrängt worden und tritt erst 866 mit
dem eben erwähnten princeps militae wieder hervor. Heinrich,
der den Namen seines
robertinischen
Großvaters trägt, hat die erbitterte Feindschaft seines Vaters
gegen Ludwig den Deutschen geerbt.
Wir sehen ihn gleich in eine Verschwörung verwickelt, die ganz O-Franken
und einen Teil Bayerns umfasste. Die Motive der daran Beteiligten sind
im einzelnen nicht geklärt und stimmen wohl kaum überein. Gemeinsam
ist ihnen eine wachsende Unzufriedenheit und Kritik an den Absichten des
Königs, der ihr Misstrauen geweckt hatte, seit er 858/59 ins W-Reich
gegangen und gescheitert war. Dorthin hatte ihn eine Gruppe Hochadeliger
um Robert IV. und Adalhard gerufen, die KARL DEN
KAHLEN und die ihn beherrschenden
WELFEN-Partei
entmachten und eine Wiedervereinigung des Reiches in die Wege leiten wollte.
Nach anfänglichen Erfolgen war Ludwig jedoch
zu einem ruhmlosen Rückzug gezwungen gewesen. Seine hier gezeigte
Macht- und Entschlusslosigkeit blieb auch im O-Reich nicht ohne Folgen.
Karlmann
und sein Schwiegervater, Graf Ernst, versuchten um 861, die Herrschaft
im regnum Bayern an sich zu reißen und verbündeten sich mit
den einflussreichen comites Gerold und Sigihard; am Mittelrhein und in
Hessen waren es gleichzeitig die KONRADINER
Udo, Berengar (comites), Waldo (abbas) und der 'edle' Werinher, die gegen
den König aufstanden. In Mainfranken und Thüringen sammelte Ludwig
der Jüngere, dessen Verlobung mit einer Tochter des umworbenen
Adalhard der Vater wieder gelöst hatte, Gleichgesinnte um sich und
schickte den POPPONEN Heinrich zu
dem ständig unruhigen Rastizlav von Mähren, um ihn zum Losschlagen
zu gewinnen. Diese nicht koordinierten, zwischen 861 und 866 ablaufenden
Aktionen ermöglichten dem König, jeweils mit voller Kraft gegen
eine andere Parteistellung vorzugehen, die Aufständischen zu unterwerfen
oder zur Flucht zu zwingen. Als er sich im Mai 871 auch an Heinrichzu
rächen suchte, indem er einen von dessen sächsischen Vasallen
in der Pfalz Tribur blendete, flackerte die Empörung erneut auf. Nur
mit großen Zugeständnissen an seine Söhne, denen er schon
865 ihr zukünftiges Erbe übertragen hatte und jetzt erneut bestätigen
musste, konnte er sie noch einmal besänftigen. Seitdem war ihre Herrschaft,
zumal die des klugen und wendigen Ludwigs des
Jüngeren im mainländisch-thüringischen Raum,
kaum mehr durch Eingriffe des Vaters beschränkt. Der BABENBERGER
erreichte nun in kürzester Frist den Einfluss wieder, den schon
Poppo I. unter LUDWIG
DEM FROMMEN besessen hatte.
Heinrich, den man
mit Recht einen der "ausgezeichnetesten Männer des sinkenden Frankenreiches"
genannt hat, dessen Leistungen als Heerführer in den Normannen- und
Wikingerkämpfen die zeitgenössischen Quellen hervorheben, führte
880 auch das ostfränkische Aufgebot im Kampf um das lothringische
Königtum gegen den elsässischen KAROLINGER
Hugo,
den Sohn Lothars II. Im
gleichen Jahr erlitt Brun von Sachsen eine vernichtende Niederlage gegen
dänische Wikinger und fiel. Die Nachfolge trat de facto nicht dessen
Bruder Otto an, sondern Heinrich. Er
verteidigte 884 zusammen mit Bischof Arn von Würzburg Sachsen gegen
einen starken Normanneneinfall und setzte im folgenden Jahr auch der Wikingerherrschaft
in Friesland ein Ende. 885 griff er als Graf im Grabfeld in den Streit
um das thüringische Amtsherzogtum zugunsten seines Bruders Poppo II.
gegen dessen Rivalen Egino ein. Von KARL III.
zum Militärbefehlshaber Neustriens bestellt - die Chronisten nennen
Heinrich
jetzt
marchio Francorum, dux Austrasiorum - fiel er 886
gegen die Normannen vor Paris und wurde im alten Hauskloster der merowingischen
Könige St. Medard zu Soissons beigesetzt. Die Grabinschrift Heinrici
magni Francorum germinis alti sagt von ihm: "... Saxonibus, Francis, Fresonibus
ille triarchos praefuit, hinc trino stemmate fretus ovet". Seine jungen
Söhne, die später so berühmten BABENBERGER,
finden wir seit 888 als Grafen in der Buchonia, im Iff-, Badanach- und
Volkfeldgau, wo sie sich die Burgen Theres und Bamberg einrichten und auch
wohl schon Grafenrechte im bayerischen Nordgau wahrnehmen.
Heinrichs sächsische
Beziehungen sind besonders wichtig, aber auch umstritten. Sie sind wahrscheinlich
schon ein Erbe seines Vaters Poppo, der nicht nur ein Vertrauter
des in Sachsen einflussreichen HATTONEN Banzleib war, sondern auch mit
Liudolf, dem sächsischen Grafen im thüringischen Eichsfeld in
nachbarlichem Einvernehmen stand. Wir haben Grund zu der Annahme, dass
die als besonders vornehme Fränkin bezeugte Gemahlin Liudolfs, Oda
(praenobilis Oda edita Francorum clara de stirpe potentum), eine nahe Verwandte
Poppos war und den ROBERTINER-Namen
Odo/Otto in das sächsische Adelshaus brachte. Die These H. Decker-Hauffs,
dass durch sie Aschaffenburg oder doch wenigstens ein Anteil an diesem
alten Herrschaftszentrum des Untermains liudolfingisch
wurde, ist trotz seiner überspitzten weiteren Deduktionen gut begründet.
Die als 'filia Billungi cuiusdam principis almi' bezeichnete Oda, deren
Name im ROBERTINER-Haus als Oda/Odo/Otto
und Eudes mehrfach wiederkehrt, hatte, wie S. Krüger wahrscheinlich
machte, eine geistliche Schwester Haduui; sie nannte ihren Sohn Otto, und
dieser seine Tochter Oda, während einer ihrer Enkel den POPPONEN-Namen
Heinrich erhielt.
Mühlbacher Engelbert: Seite 405
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"Deutsche Geschichte unter den Karolingern"
Von Quierzy (an der Oise) sandte er den Grafen
Heinrich mit einer Schar nach Paris voran. Bei der Rekognoszierung
stürzte Heinrichs Pferd in eine
der von den Normannen vorgerichteten Fallgruben und schleuderte ihn zu
Boden; er wurde von den hervorstürzenden Normannen erschlagen
und der Waffen beraubt, nur nach hartem Kampf wurde die Leiche dem Feind
entrissen. Der Kaiser war nicht minder bestürzt als das Heer: er hatte
den Mann, der für ihn handelte, das Heer hatte seinen erprobten Führer
verloren.
852
1. oo Judith von Friaul, Tochter des Markgrafen
Eberhard
838- 863 Enkelin
LUDWIGS
I. DES FROMMEN
2. oo LIUDOLFINGERIN ?
R. Wenskus ist der Meinung, dass die Mutter der Herzogin
Hadwig eine Nichte des Abtes Warin von Corvey (EKBERTINER) war.
Kinder:
Heinrich II.
-
902
Adalhard
-
902
Adalbert
854-9.9.906
Hadwig
953-24.12.903
876
oo 2. Otto der Erlauchte Herzog von Sachsen
ca. 830/40-30.11.912
Adellinde
855- nach 915
oo Eticho I. Graf im Ammergau (Welfe)
- um 907 gefallen
Literatur:
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Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino
von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 78-83,109
- Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches.
Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 145,148,167,203,208,211,216,224,
234,240-243,266,269,274,519 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und
das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart
1968 Seite 55 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 38,43
- Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern.
Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Seite 405 - Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992
Seite 183-185 -