Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1596
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Gottfried (Gotefrid), Herzog (dux) der Alamannen
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† 709
Gehörte zu der Gruppe von (rechtsrheinischen) duces, die mit legitimistischen Begründungen es ablehnten, sich dem karolingischen Hausmeier zu fügen. Daher hat Gottfried angesichts des schwachen merowingischen Königtums offenbar eine weitgehend unabhängige Herrschaft über das ganze Alamannien ausgeübt, wovon zum Beispiel die Datierung nach Herzogsjahren in einer Urkunde Gottfrieds für die Kirche von St. Gallen zeugt; der Ausstellungsort Cannstatt weist die Gegend am oberen Neckar als Wirkungsbereich des Herzogtums aus. Der dem Verwandtschaftskreis der AGILOLFINGER zugerechnete Gottfried galt im frühen 9. Jh. als Spitzenahn Hildegards, der Gemahlin KARLS DES GROSSEN. Von Gottfrieds Söhnen folgte Lantfrid später im alemannischen Dukat, während Odilo offenbar die agilolfingische Linie der Herzöge von Bayern fortsetzte.
Literatur:
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Die Bayern und ihre Nachbarn, I, hg. H. Wolfram-A. Schwarcz
(AAW, phil.-hist. Kl. 179), 1985.
Mit Gotfrid,
dessen damals seltener Name merkwürdigerweise auch bei einem Sohn
Drogos
und Enkel Pippins
wieder begegnet, tritt erstmals seit Leuthari
ein alamannischer Herzog wieder in Erscheinung und erstmals deutlich
auch ein gesamtalamannischer. 708 übertrug er dem Kloster St. Gallen
erstmals eine Schenkung im alamannischen Kernraum von Cannstatt. Im Herzogtum
folgten ihm später seine Söhne
Lantfrid und Theutbald;
sein Sohn Odilo
(Uatalo)
übte
eine Herrschaft im Thurgau aus, ehe er nach dem Erlöschen der älteren
AGILOLFINGER
in Bayern das bayerische Herzogtum übernahm und dort die jüngere
agilolfingische
Herzogslinie
begründete. Daraus geht hervor, dass entweder der Vater Gotfrid
oder
die Mutter Odilos der weit verzweigten
AGILOLFINGER-Sippe
angehörte, das alamannische Herzogshaus also agnatisch oder cognatisch
mit dem bayrischen verwandt war. Eine Verwandtschaft Gotfrids
mit den Vorgängern Chrodebert und Leuthari ist nicht
auszuschließen, aber auch nicht sicher auszumachen. Es bleibt daher
offen, ob er die Herrschaft seines Hauses in Alemannien begründete
oder erbte.
Im Jahre 709-712 griffen die Franken in Alamannien ein,
wobei Pippin die beiden ersten Feldzüge
persönlich führte. Als Gegner wird nicht Gotfrid,
sondern ein dux Wiliharius
(Wilarius) genannt, der in der Ortenau bezeugt ist. Allem Anschein
nach handelte es sich um eine Intervention zur Regelung der Nachfolge im
Herzogtum nach dem Tod Gotfrids, vielleicht
zur Sicherung der Rechte von Gotfrids
Söhnen
gegen Wiliharius. Wenn Pippin
dabei auch eine verstärkte Abhängigkeit der Erben Gotfrids
durchgesetzt haben sollte, so war dieser Erfolg nur von kurzer
Dauer.
Gotfrid und "die
übrigen duces" sahen in Pippin dem
Mittleren bestenfalls einen Mann ihresgleichen. Wie sehr sich
ihre Herrschaft selbst der königlichen angeglichen hatte, zeigen ihre
Erbregelungen. Bei den Alamannen folgte auf Gotfrid
der Sohn Lantfrid als Herzog; die jüngeren
Brüder
Theutbald und Odilo wurden
wie der elsässische Herzogsbruder "abgeschichtet" und mit Herrschaften
im Bodenseegebiet und im Thurgau ausgestattet.
Geuenich, Dieter: Seite 103-105
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"Geschichte der Alemannen"
Seit der Wende zum 8. Jahrhundert gewinnen wir aus den
Quellen ein deutlicheres Bild von den Herzögen der Alemannen. Von
Herzog
Gotfrid († 709) wissen wir sogar, daß er in der
Gegend von Cannstatt, also im Norden der Alamannia, begütert war.
Dort wurde nämlich im Jahr 700 eine Urkunde ausgestellt, in der festgehalten
ist, daß
Herzog Gotfrid auf Bitten
eines Priesters Magulfus den Ort Biberberg (bei Stuttgart) an die Zelle
des heiligen Gallus schenkte. Mit diesem Cotefredus
dux
alamannorum beginnt eine Reihe von Herzögen, die
erfolgreich versuchten, das Herzogtum innerhalb ihrer Familie, die
agilolfingischer
Herkunft
und mit dem bayerischen Herzogshaus verwandt war, weiterzugeben, also ein
alemannisches Herzogshaus zu egründen. Zeitgleich mit dem Aufstieg
dieses alemannischen Herzogshauses vollzog sich im Franken-Reich der Aufstieg
der ARNULFINGER-PIPPINIDEN.
Ob Gotfrid der erste
seines Hauses war, der die Herzogswürde erlangte, oder ob etwa die
duces Alamannorum Crodobert
(631/32)
und Leuthari
(643) zu seinen Vorfahren zu zählen sind, entzieht
sich unserer Kenntnis. Auch die Frage, ob er und seine Söhne zu Beginn
des 8. Jahrhunderts die einzigen Herzöge in Alemannien waren und ihre
Herrschaft das gesamte Land umfaßte, ist aus den Quellen nicht eindeutig
zu beantworten. Wir wissen nicht, aus welchem Grund und mit welchem Ziel
der Hausmeier Pippin der Mittlere nach
dem Tode Gotfrids
(709) in Alemannien
eingriff. Seine Feldzüge richteten sich gegen einen
dux
Wilharius (Vilarius/Willicharius), von dem die Lebensbeschreibung
des heiligen Desiderius berichtet, daß er im Gebiet der Alemannen
in der Ortenau geherrscht habe. Es erscheint durchaus möglich, daß
Pippin
mit seinen Kriegszügen gegen Wilharius unter Inanspruchnahme
königlicher Hoheitsrechte in die Regelung der Nachfolge Gotfrids
- möglicherweise zugunsten der Söhne des verstorbenen Herzogs
- eingreifen wollte.
Schieffer Rudolf: Seite 29
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"Die Karolinger"
Gegenüber den arnulfingisch/pippinidischen Hausmeiern, die seit 687 ihre Dominanz in der Francia auszuspielen begannen, konnten sie sich als gleichrangig, wenn nicht als überlegen, empfinden, wie schon die frühe Rivilität Arnulfs und Pippins des Älteren zu Mitgliedern der bayerischen Herzogsfamilie der AGILOLFINGER (624/25,641) beweist und wie es eine schwäbische Überlieferung des 9. Jahrhunderts ausdrücklich festgehalten hat, die über die Zeit nach 687 berichtet: "Gottfried, der Herzog der Alemannen, und die übrigen Herzöge umher wollten den Herzögen der Franken nicht gehorchen, weil sie nicht den merowingischen Königen dienen konnten, wie sie es zuvor gewohnt waren, und darum hielt sich ein jeder für sich"
Decker-Hauff Hansmartin: Seite 312
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"Die Ottonen und Schwaben"
Mit dem um 650 geborenen Gottfried (In der Abfolge Herzog Gottried - Houchi (Hug) - Nebi - Imma - Königin Hildegard) als dem frühesten aus Urkunden zu belegenden schwäbischen Herzog und mutmaßlichen Besitzer von Wittislingen sind wir bereits in dem Jahrhundert, dem das prächtigste der dortigen Gräber angehört. Das Fürstinnengrab aus der Mitte des 7. Jahrhunderts kann ohne weiteres dasjenige der Mutter oder Großmutter Gottfrieds sein, würde ausgezeichnet zu dem passen, was auch sonst schon vermutet worden ist: dass nämlich das "altschwäbische" Herzogshaus (wenn es überhaupt stammschwäbischen Ursprungs war?) schon sehr früh mit dem fränkischen Hochadel sich verschwägerte und mit diesem zu einer Schicht zusammenwuchs.
Störmer Wilhelm: Seite 22
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"Adelsgruppen im Früh- und hochmittelalterlichen
Bayern. Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte Band
IV."
Seit Erich Zöllners Untersuchung über die Herkunft
der AGILOLFINGER kennen wir auch den
Vater des Hucbert-Nachfolgers Odilo;
es ist der Alemannen-Herzog Gottfried.
Im Anschluß an Zöllners Ergebnisse hat Eckhardt auf Grund von
Namensvergleichen einen genealogischen Zusammenhang zwischen Odilo
und
Herzog Theodo
von Bayern konstruiert. Er nimmt eine Heirat des alemannischen
dux
Gottfried mit einer Tochter des bayerischen
dux
Theodo an. Da aber
Gottfried
709
starb, Theodo erst 717/18, ist diese
Konjektur nicht sehr wahrscheinlich. Nicht nur die Namengebung der Söhne
Gottfrieds,
sondern auch das Bewußtsein Odilos und
seines Sohnes Tassilo,
AGILOLFINGER
zu sein, machen den verwandtschaftlichen Zusammenhang der Gottfried-Familie
mit jener Theodos deutlich; nur scheint
es, dass er auf eine frühere Ehe oder Ehen zurückgeführt
werden muß, die wir freilich nicht kennen.
Über Gottfrieds
Herkunft wissen wir nichts. Klebel hält es für möglich,
dass er mit einer Tochter eines MEROWINGER-Königs,
Chlodwigs
II. oder Chlothars
II. verheiratet war, weil Hildegard,
die Mutter der beiden Söhne KARLS DES GROSSEN,
LUDWIG
DES FROMMEN und Lothar,
die auffallenderweise MEROWINGER-Namen
trugen, von Herzog Gottfried abstammte.
Von seinen Söhnen sind Landfried,
Theutbald
und Huiching eindeutig genealogisch bezeugt.
Stälin Paul Friedrich: Seite 79
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"Geschichte Württembergs"
Seit Beginn des 8. Jahrhunderts bereiteten die alemannischen
Herzöge den fränkischen Herrschern größere Schwierigkeiten.
So macht sich Herzog Gotefrid, welcher
ums Jahr 700 in "Cannstatt am Neckar" das Kloster St. Gallen beschenkte,
in seinem Streben nach Unabhängigkeit dem mittleren Pippin
in einer Weise furchtbar, dass dieser erst nach dessen Tode (708 oder
709) einen Angriff auf seinen Nachfolger Willehari wagte.
oo N.N. von Bayern, Tochter des Herzogs Theodo
†
Kinder:
Lantfrid
†
Theutbald
†
Odilo (Uatalo) Herzog von Bayern
†
8.1.748
Houchi (Hug)
†
Regarde
†
oo Hildebrand Herzog von Spoleto
†
Liutfried
†
Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1986 Seite 70,120,184,216,285 - Borgolte Michael: Geschichte der
Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen
Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 26,28,31,43,45,142,154,191,246
- Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte
Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 461 - Ewig Eugen:
Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin
Köln 1988 Seite 196,198-200 -
Geuenich, Dieter: Geschichte
der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite
103-105,109,117,159 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie
formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
1991 Seite 49 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 29 - Störmer Wilhelm:
Adelsgruppen im Früh- und hochmittelalterlichen Bayern. Studien zur
bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte Band IV. Kommission für
bayerische Landesgeschichte München 1972 Seite 22 -