Charibert II.                                   Franken-König von Aquitanien
---------------
um 614 632 vor 8.4.
 

Einziger Sohn des Franken-Königs Chlothar II. und der Sichilde
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1719
********************
Charibert II., merowingischer König
----------------
* ca. 618, 632

Nach dem Tod des Gesamt-Königs Chlothar II. 629 wurde das Franken-Reich erstmals nicht mehr unter den beiden Söhnen geteilt, sondern der ältere, Dagobert I., trat die Nachfolge im Gesamtreich an. Er richtete seinem jüngeren Bruder Charibert II. ein Unter-Königreich Toulouse ein (Gebiet zwischen Pyrenäen und der Garonne sowie die Civitates Toulouse, Cahors, Agen, Perigueux und Saintes). Von diesem "Marken-Königreich" aus erzielte Charibert II. in der Gascogne beträchtliche Abwehrerfolge gegen die Basken. Nach seinem frühen Tod 632 (sein Sohn Chilperich starb kurz darauf) wurde das Unter-Königreich wieder aufgelöst.

Quellen:
----------
Fredegar IV, 55-57,62,67 (MGH SRM II) - Gesta Dagoberti 5,16, 24 (MGH SRM II) -

Literatur:
-----------
E. Ewig, Die frk. Teilreiche im 7. Jh., Trierer Zs. 22, 1953, 111 (Ders., Spätantikes und frk. Gallien I, 1976,197f:) - Ders., Stud. zur merow. Dynastie, FMASt 8, 1974, 27.


Jarnut Jörg: Seite 71
**********
„Agilolfingerstudien“

629 starb Chlothar. Dagobert nahm nun das Gesamtreich in Besitz und richtet für seinen jüngeren Halbbruder Charibert II. ein Unter-Königtum in Südwest-Aquitanien ein. Chariberts Onkel Brodulf den Bruder seiner Stiefmutter Sichielda, der für seinen Neffen die Gesamtherrschaft erstrebte, ließ er hinrichten.

Schneider Reinhard: Seite 143-146
*****************
„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Es darf nämlich nicht unbeachtet bleiben, daß König Dagobert einen jüngeren Stiefbruder Charibert II. hatte, von dem bisher nicht die Rede war, der aber auch Ansprüche auf das väterliche Erbe geltend machte. Hinter ihm standen die Minderheit der neustrischen Großen und Brodolfus, ein Bruder von Chlothars II. Witwe Sichilde, der damit gleichzeitig auch Dagoberts Schwager war, solange Sichildes Schwester Gomatrude mit Dagobert verheiratet blieb. Die alten Selbständigkeitstendenzen Aquitaniens dürften Chariberts Politik außerdem zugutegekommen sein.
Bei aller Auseinandersetzung zwischen den Brüdern ging es aber nur um Chariberts Anteil am neustrisch-burgundischen Erbe des Vaters, während die Königsherrschaft über Austrasien nie erkennbar auf dem Spiel stand.
Von Chariberts Tüchtigkeit zeugen seine Behauptung gegenüber Dagobert und die Erweiterung seines Reiches von Toulouse um die Gascogne, die er drei Jahre nach seinem Herrschaftsantritt sich unterwarf.
König Charibert II. starb 632 (vor dem 8. April). Ps-Fredegars Chronik ist zu entnehmen, daß er einen filius parvulus mit Namen Chilperich hinterließ, der wenig später starb.

Hartmann Martina: Seite 72-74
****************
"Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger."

Wenn Dagoberts Halbbruder Charibert II. ein Sohn Sigihilds war, wie die "Gestra Dagoberti" behaupten, und nicht ein Kind Bertetruds, wie Fredegar schreibt, dürften die Gründe für Dagoberts Trennung politische gewesen sein, da er nach dem Tod seines Vaters Sigihilds und Gomatruds Bruder Brodulf umbringen ließ, der die Rechte seines Neffen Charibert gegenüber der von Dagobert angestrebten Alleinherrschaft vertreten hatte.
Nach dem Tode Chlothars (629/30) war Dagobert offenbar entschlossen, entgegen den Plänen seines Vaters die Alleinherrschaft zu übernehmen, doch mußte er einsehen, dass ein Teil des neustrischen Adels dies ablehnte und eine Mitregierung des vielleicht etwas einfältigen Halbbruders Charibert II. wünschte, dessen Rechte von seinem Onkel Brodulf wahrgenommen wurden. Dagobert stattete seinen Halbbruder mit einem Unter-Königreich Toulouse aus, ließ aber Brodulf umbringen. Charibert II. errang im Jahr 631 einen Sieg gegen die Basken, die in diesem Bereich das Franken-Reich bedrohten.
Dagoberts Bruder starb aber bereits 632 mit ungefähr 18 Jahren und sein kleiner Sohn bald darauf. Hatte Dagobert hier nachgeholfen? Die Chronik des Fredegar behauptet dies jedenfalls für Chariberts Sohn.
 
 
 
 

  oo N.N.
         
 
 
 
 

Kinder:

  Chilperich
       632/33
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 445,448 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 126,128,137,140,164 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 72-74 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1988, Seite 71,126 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 252 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 182,198,237,239,241,252 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hiersemann Stuttgart 1972, Seite 143-146 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 3 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 347,361 -