Theodor I. Laskaris                         Kaiser von Nikäa (1205-1222)
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1173 Anfang 1222
 

Sohn des byzantinischen Edelmannes Manuel Laskaris
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 627
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Theodor I. Laskaris, byzantinischer Kaiser von Nikaia 1205-1221
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* um 1175, November 1221
 

oo Tochter des Kaisers Alexios III. Angelos

Führte den Titel Despotes. Infolge der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 floh er nach Kleinasien und bildete um Nikaia ein byzantinisches Widerstandszentrum, das sich (nach Theodors Ausrufung zum Kaiser noch 1205) zum byzantinischen Nachfolgestaat entwickelte. 1208 ließ er sich durch den auf sein Betreiben hin erhobenen Patriarchen Michael IV. zum Kaiser krönen. Theodor I. Laskaris kämpfte auch mit den unmittelbar benachbarten Selguqen, die von Theodoros' Schwiegervater Alexios, der nach wie vor den Kaiser-Titel beanspruchte, zum Krieg angestachelt wurden. 1211 schlug Theodor I. Laskaris jedoch den Sultan der Selguqen und nahm Alexios gefangen. 1214 zwang er den lateinischen Kaiser Heinrich von Flandern zur Anerkennung der Grenzen und Autonomie des Reiches von Nikaias. Theodors I. Laskaris langfristiges Ziel war stets die Rückgewinnung von Konstantinopel; dem diente seine Vermählung mit der Schwester des lateinischen Kaisers Robert von Courtenay, dem er im Gegenzug seine Tochter Eudokia als Gemahlin anbot. Um die Gunst des Papstes zu erlangen, leitete er in Nikaia Verhandlungen über eine mögliche Kirchenunion ein. 1219 schloß er einen Handelsvertrag mit den Venezianern, der diesen Freihandel im ganzen Reich von Nikaia gewährte. Da Theodor I. Laskaris keine Söhne hinterließ, folgte ihm sein Schwiegersohn Johannes III. Vatatzes nach. Theodor I. Laskaris schuf geordnete wirtschaftliche, administrative und militärische Strukturen und ermöglichte so seinen Nachfolgern eine aktive Weiterführung der Politik zur Befreiung Konstantinopels.



Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1720
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Laskaris
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Mit Theodoros Laskaris, der um 1200 Anna, die Tochter Alexios III. Angelos (1195-1203) heiratete und zum Despotes ernannt wurde, und seinem Bruder Konstantinos, der am 12./13. April 1204 zum Kaiser ausgerufen wurde, stieg die Familie zu den höchsten Würden auf. Konstantin starb wahrscheinlich schon 1205, während Theodoros im selben Jahr zum Kaiser ausgerufen und im Frühjahr 1208 in Nikaia gekrönt wurde.



BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 751
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THEODOROS I. LASKARIS, Kaiser von Nicäa 1205-1222
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    1222

Gründete das Kaiserreich Nicäa, das neben anderen das Erbe des Byzantinischen Reiches wärend der Herrschaft der Lateiner in Byzanz bewahrte.



Thiele, Andreas: Tafel 207
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

THEODOR I. LASKARIS
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    1222

Theodor I. Laskaris wurde um 1200 Despot, 1204 Regent zu Bursa (Brussa) und kaiserlicher General. Er wurde 1205 Kaiser von Nikäa, das zum Sammelbecken aller Legitimisten wurde. Er bekriegte das Lateinische Kaiserreich, mit dem er 1207 einen Waffenstillstand schloß. Er wurde 1208 gekrönt und 1214 von Bulgarien und Rom als selbständiger Kaiser anerkannt. Diese Verlagerung nach Kleinasien entfachte die Gegensätze zu den Rumseldschuken von Konya neu. Er regierte im Raum Lydien, Phrygien mit Pergamon, Smyrna, Milet und Ephesos und gewann unter anderem vom ebenfalls neuentstandenen Kaiserreich Trapezunt Amasra und Heraclea und Teile von Paphlagonien dazu. Er besiegte 1211 die Seldschuken und seinen Schwiegervater, den Ex-Kaiser Alexios III., den er nach der Schlacht bei Antiochia gefangensetzte. Die Schlacht bei Rhyndakos 1211 gegen Kaiser Heinrich von Byzanz ging verloren, Theodor I. mußte Grenzgebiete abtreten und konsolidierte sein kleines Teilreich geschickt.

 1199
  oo ANNA ANGELINA VON BYZANZ, Tochter des Kaisers Alexios III.
             

 1214-1216
  oo PHILIPPA VON ARMENIEN, Tochter des Fürsten Rupen III.
            

 1219
  oo MARIA DE COURTENAY, Tochter des Kaisers Peter II. von Byzanz
              1222

1222 Regentin zu Nikaia



Theodor I. Laskaris baute nach dem 4. Kreuzzug und der Begründung des Lateinischen Kaiserreiches 1204 einen neuen Staat in Kleinasien auf, wo er ein unabhängiges Zentrum der griechisch-orthodoxen Kirche schuf.

Norwich John Julius: Band III Seite 218-248
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Der größte, mächtigste und bedeutendste dieser Staaten war das sogenannte Reich von Nikäa, wo Theodor I. Laskaris, ein Schwiegersohn Alexios' III., 1206 als Kaiser anerkannt und zwei Jahre später gekrönt wurde. Als Herrscher eines Reichs, das allgemein als byzantinisches Exil galt, hatte Theodor I. Laskaris von Nikäa Anfangsschwierigkeiten zu meistern, die eine schwächere Persönlichkeit nicht bewältigt hätte. Abgesehen von seinen Rivalen in Epiros und Trapezunt, von wo David Komnenos im Herbst 1204 mit besorgniserregender Schnelligkeit westwärts eilte, schossen auf seinem eigenen Gebiet kleine griechische Fürstentümer wie Pilze aus dem Boden: eines in Philadelphia, ein weiteres im Mäandertal, ein drittes in der unbedeutenden kleinen Stadt Sampson in der Nähe von Milet. Als dieses schlimme Jahr sich dann dem Ende zuneigte, überquerte zudem ein von Balduin, dessen Bruder Heinrich und Graf Ludwig von Blois geführtes Franken-Heer den Bosporus und durchstreifte Kleinasien. Zwar hatte sich Theodor verpflichtet, außer der Verwaltung auch das Heer wiederaufzubauen, doch war dieses zu dem Zeitpunkt noch völlig unvorbereitet. Am 6. Dezember 1204 erlitt es bei Poimanenon (heute vermutlich Eski Manyas), etwa 60 Kilometer südlich des Marmarameeres, denn auch eine vernichtende Niederlage, und die Franken erhielten dadurch die Kontrolle über die gesamte Küstenregion Bithyniens bis nach Brussa (Bursa). Wären sie nur 100 Kilometer weiter bis Nikäa marschiert, hätten sie Theodors Kaiserreich vielleicht schon kurz nach seiner Entstehung vernichtet. Er hatte jedoch Glück, denn sie mußten ihren Feldzug wegen einer bedrohlichen Balkankrise überstürzt abbrechen.
Endlich konnte Theodor I. Laskaris ernsthaft an die Gestaltung seines neuen Staates denken. Dabei diente ihm das alte Byzanz in jeder Hinsicht als Muster, denn er zweifelte nicht daran, dass seine Landsleute früher oder später in ihre angestammte Hauptstadt zurückkehren würden. Soweit er ehemalige Höflinge und Staatsbeamte aufsparen konnte, setzte er sie wieder in ihre alte Funktion ein. Auch berief er Bischöfe und andere bedeutende Kirchenleute aus dem Exil nach Nikäa zurück. Und nach dem Tod des Patriarchen, der sich hartnäckig geweigert hatte, sein Refugium in Didymoteichos zu verlassen, überließ er ihnen die Wahl des Nachfolgers. Sie fiel auf Michael Autorianos. Dieser krönte und salbte Theodor in der Osterwoche des Jahres 1208 zum Basileus.
Nun gab es also zwei Ostkaiser und zwei Patriarchen: je einen lateinischen in Konstantinopel und einen griechischen in Nikäa. Frieden konnte zwischen ihnen nicht herrschen, denn der eine wie der andere war entschlossen, seinen Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen. Balduins Bruder und Nachfolger Heinrich von Hainault hatte zwar in den ersten anderthalb Jahren seiner Regierungszeit alle Hände voll mit dem Bulgaren-Zar Kalojan zu tun, der im Sommer 1206 mit seinem Heer Adrianopel geplündert, den größten Teil Thrakiens angegriffen hatte und bis vor die Mauern Konstantinopels marschiert war, doch dann fiel dieser am 26. Oktober 1207 mitten in den Vorbereitungen zur Belagerung von Thessalonike dem Mordanschlag eines kumanischen Stammesführers zum Opfer, so dass Heinrich den Druck auf seinen Erzfeind verstärken konnte. Er setzte sich indes nicht sogleich in Marsch, da er sich wie Theodor zunächst mit dem Aufbau einer Regierungs- und Verwaltungsordnung beschäftigen mußte. 1209 überwand er dann - mit einiger Mühe - seine Kreuzfahrerskrupel und schloß ein Militärbündnis mit dem Seldschuken-Sultan Kaichosrau von Ikonion, der im Heranwachsen eines neuen griechischen Staates im westlichen Kleinasien ebenfalls eine Provokation und Bedrohung sah. Kaichosrau, in dessen Streitmacht jetzt auch ein fränkisches Kontingent kämpfte, war schon im Begriff, gegen Nikäa zu Feld zu ziehen, als ein unerwarteter Besucher bei ihm vorsprach: Ex-Kaiser Alexios III. Dieser war gegen Ende des Jahres 1204 Bonifaz in die Hände gefallen und hatte danach in dessen Burg Montferrat etliche Jahre als Gefangener zugebracht. 1209 oder 1210 war er jedoch von seinem Vetter Michael, dem Despoten von Epiros, ausgelöst worden und hatte sich in der leisen Hoffnung auf den Weg nach lkonion gemacht, der Sultan würde ihm wieder zu seinem Thron verhelfen. Dass Kaichosrau im Augenblick nicht das geringste Interesse daran hatte, den griechischen Kaiser wieder einzusetzen, sondern ihn vielmehr gänzlich zu verderben trachtete, verdient kaum der Erwähnung. Aber er begriff auf der Stelle, dass Alexios im diplomatischen Spiel für ihn ein brauchbares Pfand darstellte, bot er ihm doch die Möglichkeit, als Anwalt eines legitimen Herrschers gegen einen usurpatorischen Emporkömmling aufzutreten. So marschierte er mit seinen Truppen im Frühjahr 1211 mit dem vorgeschobenen Ziel, Theodor zu stürzen und durch Alexios zu ersetzen, in das Reichsgebiet von Nikäa ein. Da die beiden Streitmächte, deren Kern jeweils ein Kontingent lateinischer Söldner bildete, etwa gleich stark waren, kam es zu mehreren verbissen ausgetragenen Kämpfen, die aber keine Entscheidung brachten. Zum letztenmal schlug man sich am Mäander in der Nähe von Antiochia; dabei wurde Kaichosrau I. vom Pferd gestoßen und getötet - wenn man griechischen Quellen glauben darf, von Kaiser Theodor persönlich im Zweikampf. Daraufhin suchte sein Seldschuken-Heer das Heil in der Flucht. Alexios III. geriet in Gefangenschaft und verschwand bis zum Ende seines Lebens in einem Kloster.
Dieser Sieg trug Theodor zwar kaum territorialen Gewinn ein, beseitigte aber seinen letzten griechischen Rivalen und entlastete ihn, da Kaichosraus Nachfolger Kaikawus sich von Anfang an verhandlungsbereit zeigte, zumindest vorübergehend von der seldschukischen Bedrohung. Er konnte sich militärisch nun ganz auf die Kreuzfahrer konzentrieren. Bei diesem Gegner war ihm indes weniger Erfolg beschieden. Am 15. Oktober 1211 erlitt sein Heer am Rhyndakos (Fluß) erneut eine Niederlage gegen Heinrich von Hainault, dessen Streitmacht anschließend gegen Pergamon und Nymphaion marschierte. Doch vermochte die lateinische Seite, mittlerweile von Bulgarien im Hintergrund einmal mehr hart bedrängt, aus ihrem Vorteil keinen Profit zu ziehen. Ende 1214 schlossen die rivalisierenden Kaiser den Friedensvertrag von Nymphaion; danach sollte Heinrich die Nordwest-Küste Kleinasiens bis Adrarnyttion (heute Edremit) im Süden behalten und das übrige Gebiet bis zur seldschukischen Grenze, einschließlich des gerade von den lateinischen Truppen eroberten Territoriums, an Theodor fallen.
Mit diesem Vertrag begann die Blütezeit Nikäas. Endlich machten die Kreuzfahrer dem jungen Reich die Existenz ganz offiziell nicht mehr streitig. Außerdem war die Westgrenze jetzt genauso sicher wie die zum Osten hin. Fast gleichzeitig setzte der Niedergang des Lateinischen Reiches ein.
Kaiserin Jolante führte die Versöhnungspolitik ihres Bruders mit Nikäa fort und bekräftigte sie, indem sie ihre Tochter Maria mit Theodor Laskaris als dritte Ehefrau verheiratete. Diese Neuigkeit wurde in Epiros mit Entsetzen aufgenommen. Theodor Dukas, der sich mit der Gefangennahme - und möglicherweise Ermordung - Peters von Courtenay nicht zufriedengeben wollte, zeigte sich immer weniger geneigt, Theodor Laskaris als den rechtmäßigen Basileus anzuerkennen.
Dukas' Stern ging schnell auf. Moralisch war seine Position aller dings zwielichtig, da er die ersten fünf Jahre nach dem Fall Konstantinopels mit Theodor I. Laskaris auf nikäischem Reichsgebiet verbracht und ihm nach der Kaiserkrönung einen Treueeid geleistet hatte. Schließlich hatte er sich erst auf dessen dringendes Ersuchen hin mit seinem Bruder Michael in Arta zusammengetan. Seitdem hatte sich die Situation völlig verändert. Im Friedensvertrag von 1214 zwischen Nikäa und den Franken sah Theodor Dukas einen unverzeihlichen Verrat. Das weitere Handeln des Kaisers, der seine Zeit überwiegend auf den Kampf gegen das Reich von Trapezunt verwendet hatte, statt auf die Wiedereroberung Konstantinopels hinzuarbeiten, hatte Dukas' Loyalität aufs äußerste strapaziert. Die Vermählung der lateinischen Prinzessin mit Theodor I. Laskaris brachte das Faß schließlich zum Überlaufen. So lautete jedenfalls die offizielle Version.
Theodor I. Laskaris war ein fähiger Herrscher gewesen, der mehr geleistet hat, als man 1205 für möglich gehalten hätte. Er hinterließ keine Söhne, und die Wahl Johannes Vatatzes', des Mannes seiner älteren Tochter Irene, zum Nachfolger schien eine reine Formalität. Doch seine beiden noch lebenden Brüder waren nicht einverstanden; sie begaben sich sogleich nach Konstantinopel und überredeten den jungen Kaiser Robert, zu ihren Gunsten militärisch einzugreifen. Robert ließ sich in der ihm eigenen Dummheit darauf ein. Er erreichte nichts, als dass sein Heer von Vatatzes' Truppen bei Poimanenon aufgerieben wurde. Theodor I. Laskaris hatte dort etwa 20 Jahre zuvor eine ähnliche, wenn auch längst nicht so vernichtende Niederlage durch ein lateinisches Heer erlitten.
 
 
 
 

  1. oo 2. Anna von Byzanz, Tochter des Kaisers Alexios III.
                    1212

    1214-1216
  2. oo Philippa von Kleinarmenien, Tochter von Ruben III.
                

    1219
  3. oo Maria de Courtenay, Tochter des Kaisers Peter II.
           um 1200 1222

        1222 Regentin zu Nikäa
 
 
 
 

Kinder:

  Sophie (-Eudokia)
       als Nonne

    1226-1229
  1. oo 1. Friedrich II. Herzog von Österreich
               1211 15.6.1246

   um 1230
  2. oo Anseau de Cayeux Regent von Byzanz
                 nach 1240

  Irene
     1239 als Nonne

 1212
  oo 1. Johannes III. Dukas Vatatzes Kaiser von Nikäa
           1193 3.11.1254

  Maria
       1270

 1218
  oo Bela IV. König von Ungarn
       1206 3.5.1270

  Nikolaus Thronerbe seit 1208
       um 1211

2. Ehe

  Konstantin
      

  Er war ohne Erbrecht und wurde 1249 Herzog von Thrakesion.
 
 
 
 

Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 751 - Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 163,191 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 135 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 219,223-227,232,237 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 207 -