Otto I.                                                      Pfalzgraf in Bayern (1120-1156/58)
---------                                                    Graf von Wittelsbach (1116-1156)
um 1090-4.8.1156                                   Pfalzgraf von Lengenfeld
 

Begraben: Ensdorf
 

Ältester Sohn des Grafen Otto II. von Scheyern und der Richgard von Weimar-Istrien, Tochter von Markgraf Ulrich II.
Nach Prinz Isenburg Sohn des Pfalzgrafen Otto I. von Bayern (+ 4.3.1123) und einer namentlich unbekannten Tochter Eberhards von Ratzenhofen; er setzt Otto I. als Otto II. an
Nach Detlev Schwennicke Sohn des Pfalzgrafen Otto I. von Bayern (+ 4.3.1123) und einer namentlich unbekannten Tochter Eberhards von Ratzenhofen
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 244
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9. Otto IV.
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Nur die Historia Welforum cap. 15 und wahrscheinlich von ihn abhängig das Chronic. Schir. cap 17 machen 2 zu seinem Vater. Aus den Scheyerner Urkunden von 1102 21/10, 1104 7/11 und 1107 3/1 ergibt sich, dass die Vogtei zuerst dem ältesten Sohn von 4, dann einem Sohn von 4 und schließlich Otto, dem älteren Sohn von 4, zugedacht war, immer derselben Persönlichkeit, dem späteren Pfalzgrafen, der auch 1124 25/4 die Verlegung des Klosters von Eisenhofen nach Scheyern veranlasste MB 10, 440 f n 16, er muss also der Vater von 9 sein; dies wird bestätigt durch den Namen Otto bei dessen ältesten Sohn, der nach dem Großvater väterlicherseits benannt wurde; eV. namentlich (1104 Ende) siehe 4
(1110/11) Teilnehmer an der römischen Heerfahrt HEINRICHS V. siehe unten 1120 25/6
(1111/ 12) verfolgt als Vogt den Abt Wolfold von Eisenhofen SS 11, 42
1114 5/9 OttoVogt von Freising MB 6, 166 f n 11
1115 1/11 Otto de Witelinesbach MB 29 a, 235 n 442
1120 25/6 Papst Kalixt II. befiehlt dem Pfalzgrafen Otto, zur Sühne für seine Teilnahme am Romzug 1110/11 ein Augustinerkloster (zu Indersdorf) zu errichten Hundt, Indersdorf 1, 1 n 1, Kehr-Brackmann GP 1, 349 n 1
c 1120 Vogt des Domkapitels Freising nQ 5, 495 ff n 1681
Vogt von Geisenfeld MB 14, 197 n 40
1121 25/3 Otto palatinus comes MB 29 a, 241 n 445
1121 23/5 der Bau der von dem Edlen Friedrich (von Pettendorf), dem Vater der Pfalzgräfin Heylica, geplanten Klosters Ensdorf beginnt und wird von seinem Schwiegersohn und Erben, dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, zu Ende geführt SS 15, 1079 f
c 1125 Pfalzgraf Otto Vogt von St. Ulrich in Augsburg auf dem rechten Lechufer MB 22, 17 f n 11
1127 30/1 Vogt von Kühbach Hund, Metrop. Sal. 2, 173;
1130 5/4 Otto pal. comes de Orloh (Orla) wegen seiner Abkunft von der ORLAMÜNDERIN Richardis MB 29 a, 255 f n 455; IV
1156 3, 4/5 Kaiser FRIEDRICH I. verbringt Pfingsten auf einer Burg des Pfalzgrafen Otto Ottonis Gesta Friderici II. cap. 47 ed Waitz-Simson 154
+ 1156 4/8
Annales Scheftl.: Otto palatinus obiit SS 17, 336,
Nekrologe: zum 4/8 St. Ulrich Necr. 1, 125
Salzburg Dom Necr. 2, 156
Schäftlarn, Inderasdorf, Weihenstephan, Mallersdorf, St. Emmeram, Weltenburg, Wilten Necr. 3, 126, 189, 213, 265, 321, 3/8, 67
zum 5/8 Thierhaupten, Augsburg Dom Necr. 1, 40, 66
Ensdorf 215 ff n 89;
zum 10/8 Freising Dom Necr. 3, 92
begraben in Ensdorf 220 n 96

Gemahlin:
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Heilika, Tochter Friedrichs von Pettendorf siehe oben 1121 23/5
+ 1170 13/9 und zu Ensdorf im Grabe des Gatten beigesetzt Ensdorf 229 f n 117
zum 14/9 Nonnberg: Heilika palatina Necr. 2, 72
Admont: Heilyka palatina mater domini Chunradi Mogunt archiep. Necr. 3, 303
Indersdorf, Schäftlarn Necr. 3, 191, 133.
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HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 143
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39. Otto
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Graf von Scheyern-Wittelsbach, 1107-1156 (+).
1107. Zeuge mit seinem Bruder Ulrich: M. B. X. 391.
1116. Graf von Wittelsbach: Abhandlungen der bayerischen Akademie der Wissenschaften XIV. 2. Abteilung V. nr. 47.
Vor 1123. Graf Otto von Scheyernübergibt zwei Hofstätten mit 3 Unfreien zu Eichhofen (B. A. Dachau). Erste Zeugen de nobilibus Chunrat comes F. 41. et frater eius Friderih de Dahoa: F. nr. 1698.
C. 1130/35. Otto palatinus comes: F. nr. 1727, 1739.
1138/47. idem: F. nr. 1541b, 1546e, 1763, 1537.
1130-1137. Hauptvogt Bischof Heinrichs von Freising: Bitterauf, Freisinger Traditionen Bd. II. Seite 345.

Gemahlin:
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Helica, Tochter Friedrichs von Lengenfeld (vermählt vor 13.VII.1116): Abh. der bayerischen Akademie der Wissenschaften XIV. a.a.O.
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Otto I. folgte seinem Vater und nannte sich ab 1116 nach der von ihm bei Aichach erbauten Burg Graf von Wittelsbach. Die Grafschaft lag zwischen Paar, Amper und Ilm. Er war eine treue Stütze Kaiser HEINRICHS V., mit dem er 1110/11 und 1116/18 in Italien weilte. Er wurde durch ihn 1120 Pfalzgraf von Bayern, wurde auch Vogt von Freising, St. Afra/Augsburg, Niedermünster/Regensburg, Kühbach und Mallerdsdorf und erbte Kastl/Habsberg von den entfernten Vettern. Er versuchte ständig, die endlosen Fehden der Söhne und Vettern zu unterbinden, vermittelte mehrmals, wie 1135 den Schwiegersohn Otto zu Wolfratshausen, den er mit beerbte. Er baute die Hausmacht weiter aus, nahm 1136/37 am 2. Italienfeldzug Kaiser LOTHARS III. teil, ging danach zu KONRAD III. von Hohenstaufen über und verhielt sich im Thronkrieg schwankend. Wegen der verheerenden Fehden seiner Söhne war er zeitweise gebannt, zog 1154/55 mit nach Italien und organisierte den sicheren Rückzug Kaiser FRIEDRICHS I. aus Italien und vernichtete die Feinde in der Veroneser Klause.

Rall Hans und Marga: Seite 16
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"Die Wittelsbacher"

Otto nannte sich später nicht mehr Graf von Scheyern, sondern nach der neu erbauten, der ganzen Familie gemeinsamen Burg Wittelsbach in der Landschaft der Großen Paar, einem Nebenfluss der Donau. Er besaß außerdem in der Gegend der unteren Sempt die Burg Wartenberg und sicherte durch solche Burgen seine Gerichtsbereiche und Einkünfte. Der Name Wittelsbach bedeutet Bach bei einem Wald. Das althochdeutsche Wort "witu" heißt nämlich Holz, Wald. Wir können eine frühe Erwähnung "Wittelsbach" auf die Jahre zwischen 1130 und 1135 datieren, da damals der Vater des ersten Herzogs mit dem Domkapitel in Freising über diesen Wald schloss; denn er hatte von seinem Vorgänger die Vogtei, das heißt die Ausübung der weltlichen Gerichtsrechte des Bischofs und des Domkapitels von Freising, übernommen. Kaiser HEINRICH V. spricht schon 1115 in einer Urkunde vom Grafen Otto von "Witlinesbac".
Der nunmehrige Graf Otto von Wittelsbach heiratete um 1116 Heilika, eine der beiden Erbtöchter des Grafen Friedrich von Burg-Lengenfeld, Hopfenhohe und Pettendorf (nördlich von Regensburg). Otto hatte, schon bevor er eine Familie gründete, lange mit dem mächtigen und die Zeitfragen mit Einsicht und Geschick anpackenden König HEINRICH V. zusammengearbeitet, ihn 1110 nach Rom begleitet und miterlebt, dass dieser mit dem Papst vereinbart hatte, dass die Bischöfe im Reich ihre weltlichen Gerichtsrechte und sich entwickelnden Herrschaftsbefugnisse dem König zurückgeben sollten. Als der Vertrag vom 12. Februar 1111 in der Peterskirche eröffnet worden und es über dem Protest der überraschten Bischöfe zu einem Tumult gekommen war, hatte Ottomit Loyalität und Mut auch für die neuen Entscheidungen des Königs seinen Einsatz geleistet. Papst Paschalis II. war umgefallen und hatte seinen Vertrag mit dem König für ungültig erklärt, sich obendrein geweigert, ihn zum Kaiser zu krönen. Daraufhin hatte König HEINRICH mit Hilfe Ottosden Papst und seine Kardinäle gefangengenommen. Zwei Monate später hatte der Papst den letzten SALIER zum Kaiser gekrönt.
Kaiser HEINRICH V. setzte im März 1112 auf einem Reichstag zu Regensburg diesen in Bayern alteingesessenen Grafen Otto als Pfalzgrafen im Herzogtum ein, das heißt, er ließ sich als Reichsoberhaupt durch den nunmehrigen Pfalzgrafen als letzte Gerichtsinstanz und als Verwalter seines Königsgutes im Herzogtum Bayern vertreten. Ottospersönliches Verhalten, seine Loyalität, dürfte der eine Grund dafür gewesen sein,Otto in dieses Amt einzusetzen. Der andere lag wohl in OttosVerwurzelung in Bayern. Denn dieser konkurrierte durch diese seine neue Tätigkeit mit dem WELFEN-Herzog, aber auch mit den Grafen, die außer Otto im Herzogtum in ihren Grafschaften über Leben und Tod zu richten, zu verwalten und im Kriegsfall das militärische Aufgebot auf die Beine zu bringen hatten. Der spätere erste WITTELSBACHER Bayern-Herzog bekam mit dem Pfalzgrafenamt des Vaters eine vererbbare Aufgabe fast noch in die Wiege gelegt. Das Zusammenwirken mit der Reichsgewalt zog damals und später auch Folgen nach sich, damals, als Papst Calixtus II. am 25. Juni 1120 Otto befahl, als Sühne für seine Mitwirkung an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II. ein Augustinerkloster zu stiften. Er rief dieses wohl 1124 in Indersdorf ins Leben.
Am 3. April 1119 starb Ottos Schwiegervater, Graf Friedrich von Burg-Lengenfeld-Hopfenhohe-Pettendorf. Dadurch wurde Otto auch der Erbe seiner Rechte und Pflichten. Zu diesen gehörte nicht nur die Ausübung der Grafenbefugnisse, sondern auch die von Friedrich für sein Seelenheil und das Andenken seiner Familie geplante Klostergründung. Dieser Verpflichtung verdankt das Kloster Ensdorf seine Entstehung im Jahr 1121. Dem Pfalzgrafen Otto gelang es durch Vereinbarungen mit dem Bischof Otto von Bamberg Vogt des Klosters zu werden und diese Rechte der Familie zu vererben. Im Kapitelsaal des Klosters wurden Ottos Schwiegereltern, seine Schwägerin Heilwig und deren Gatte und Söhne, in der Kirche neben dem Hochaltar später Pfalzgraf Otto selbst und seine Frau Heilika beigesetzt.
Als die Familie die Burg Scheyern wenigstens teilweise als Wohnsitz aufgab, wurde dort ein weiteres Kloster eingerichtet. Die Mönche, die von Eisenhofen-Petersberg kamen, schlossen ihren Umzug spätestens 1123 ab. Wenn auch Pfalzgraf Otto und seine vier Söhne den Bewegungen der Kirche aufgeschlossen gegenüberstanden, so ergaben sich doch auch immer wieder Komplikationen. Otto von Freising schrieb in seiner Chronik: Arnulf, der von König HEINRICH zum Frieden gebracht worden sei, sei ein Mann ohne verantwortungsbewusstes Denken und ohne Sinn für Gerechtigkeit gewesen. Die WITTELSBACHER würden von ihm abstammen. Das empfand der junge Otto bei der Öffentlichkeit, die das Werk des Bischofs erreichte, als eine Beleidigung. Deshalb scheint er den Bischof während eines Hochamtes im Freisinger Dom mit groben Worten angegriffen zu haben, jedenfalls behandelte er ihn ohne Achtung vor seiner kirchlichen Würde. Darauf schloss ihn Ende 1150 der Papst bis zu einer Sühneleistung aus der Kirche aus. KONRAD III. belagerte den Pfalzgrafen und seine Söhne 1151 in ihrer Burg Kelheim. Als der Vater dem König die Burg übergab, musste er einen seiner Söhne als Geisel stellen. Da kam es 1152 zu einem Thronwechsel im Reich. Der neue STAUFER-König FRIEDRICH I. BARBAROSSA hob den Streit auf. Er nahm weniger Rücksicht auf seinen BABENBERGER Onkel, Bischof Otto von Freising, und gab dem Grafen Konrad III. von Dachau, einem WITTELSBACHER, das Herzogtum Meranien (Dalmatien, Kroatien).
In dem entscheidenden Jahr starb am 4. August 1156 der alteWITTELSBACHER Pfalzgraf und sein Sohn Otto übernahm seine Rechte und Pflichten auch als Pfalzgraf.
 
 
 
 

vor 1116
   oo Heilika von Lengenfeld, Erb-Tochter des Grafen Friedrich II.
        um 1103-14.9.1170         Cousine

Heilika war mütterlicherseits eine Urenkelin des Kaisers HEINRICH IV.
 
 
 
 

Kinder:

  Otto I. Herzog von Bayern seit 16.9.1180
  1117-11.7.1183

  Konrad Erzbischof von Mainz (20.6.1161-1200)
          -25.10.1200

  Friedrich II. Pfalzgraf von Wörth und Lengenfeld
         -15.9.1198

  Otto III. Pfalzgraf von Bayern
        -18.8.1189

  Hermann
        -

  Justizia
       -

  oo Otto Graf von Wolfratshausen
             -10.11.1136

  Udalrich II. Propst von Innichen
         -29.5.

  Hedwig
        -16.7.1174

  oo Berthold V. Markgraf von Istrien
              -14.12.1188
 
 
 

Literatur:
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Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 16 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München -