Nach Lexikon des Mittelalters, Anhang, Sohn des Grafen
Rikbert I.
Seine Brüder waren nach R. Wenskus Bunico (+
863) und Helmdag.
Wenskus Reinhard: Seite 301-305
****************
"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel."
Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des
karolingischen Sachsen war Graf Ricdag [2701 Vgl.
zum folgenden: Sabine Krüger (wie Anm. 5) Seite 52f.,18f.,72ff.].
Im Streit LUDWIGS
DES FROMMEN mit seinen Söhnen gehörte er zu den
Sachsen, die ihm die Treue hielten. Er wurde dafür vom Kaiser 833
mit umfangreichem Königsgut an mehreren Orten des Hellweges beschenkt
[2702
R. Wilmans (wie Anm. 927) I 12; B.-M.² 891.], von
dem ein Teil später zur Ausstattung des Stifts Meschede gedient hat
[2703 Vgl. dazu A. K. Hömberg (wie Anm. 924) Seite 112ff. Die
andere Hälfte gelangte nach Hömberg in die Hände der HAOLDE,
die darauf das Kloster Geseke stifteten. Diese These Hömbergs könnte
durch einen Korveyer Tradition gestützt werden. Um 861 tradierte ein
Reddag
in Erwitte, also in jenem Osthelweggebiet, in dem Ricdag eine große
Schenkung vom Kaiser erhielt, bei der Oblation seines Sohnes einen mansus
cum familia. Wenn auch Ricdag öfters
Rhidag und
ähnlich geschrieben wird, werden wir wohl nicht annehmen können,
daß sich hinter Reddag ein Ricdag verbirgt. Einmal
ist der Name auch sonst bezeugt (Lac. I 2, 793 Sig.
Raedaggi)
und andererseits finden wir in den Oblationslisten Korveys für diese
Zeit tatsächlich einen Reddagus (Cat. Corb. 856/77). Es scheint
also, daß der Sohn den Namen des Vaters getragen hat. Schließlich
ist Ricdag, der 833 im besten Mannesalter stand, um 861 schon zu
betagt gewesen, um noch einen Knaben als Sohn an Korvey übergeben
zu können. Überdies ist 889 ein Ratech als Vogt des münsterschen
Domkapitels bezeugt (Westf. UB I 40), der mit dem Vater identisch sein
könnnte. Was beide zur Ricdag-Sippe stellt, ist die überraschende
Zeugenreihe von vier Personen, die mit
Hermannus beginnt und mit
Haoldus endet, also mit den mutmaßlichen Erben Ricdags.
Vielleicht war Reddag ein Sohn Ricdags und die beiden die
Schwiegersöhne Reddags. Daß wir mit dieser Vermutung
nicht weit von der Wahrheit entfernt sein können, zeigt jene schon
behandelte Tradition (vgl. bei Anm. 2094) von Wuluricus, Hermannus und
Siburg, die unter anderem einem Heridag zugute kommt, dessen Name
mit der Ricdag-Sippe eng verbunden ist (vgl. bei Anm. 2726 und bei
Anm. 2768 ff.). Siburg und ihre Mutter Meresuit tradierten andererseits
auch in Osdageshusen (vgl. bei Anm. 2109 und 2726), dessen Name einen Personennamen
enthält, der ebenfalls in diese Gruppe gehört (vgl. bei Anm.
2714f., 2732, 2750/7).]. Das im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts errichtete
Stift verehrte eine Emhildis als Gründerin, die als de prosapia
regum Francorum bzw. als filia regis Franciae gilt [2704
Vgl. E. E. Stengel, in: Fuld. UB I Seite 395f.]. E. E. Stengel hält
sie wie schon J. S. Seiberts für identisch mit der berühmten
Emhild
von Milz, die um 800 dem Kloster Fulda große Schenkungen in Franken
machte [2705 Fuld. UB I 264, 274*.+. J. S. Seibert, Wer hat das
Frauenkloster zu Meschede gestiftet, in: Westfäl. Zs. 23 (1863) Seite
330ff, 24 (1864) Seite 197ff. W. Metz (wie Anm. 1606) Seite 268f. Weiteres
dazu unten bei Anm. 3843ff. Vgl. auch K. Bosl (wie Anm. 508) Seite 93;
A. Klinsporn, Beobachtungen zur Frage der bayerisch-fränkischen Beziehungen
im 8. Jahrhundert (Phil. Diss. Freiburg i. Br. 1965) Seite 52ff.]. Emhild
von Milz wird in einer Fälschung Eberhards von Fulda ebenfalls
unter Berufung auf ein - nicht feststellbares - Annalenwerk als Blutsverwandte
KARLS
DES GROSSEN bezeichnet [2706 E. E. Stengel (wie ANm.
2704) Seite 375f.]. Daß die Identifizierung Stengels nicht zutrifft,
hat Hömberg aus chronologischen Gründen zweifelsfrei erwiesen
[2707 A. K. Hömberg (wie Anm.
924) Seite 111 Anm. 312. Weitere Indizien im Waldrada-Exkurs bei Anm. 48f.,
die zeigen, daß Emhilde tatsächlich aus
karolingischer Umgebung stammmte.]. Dennoch dürfte, wie
auch Hömmberg annimmt, eine Verwandtschaft vorliegen, ohne daß
genaueres darüber gesagt werden kann.
Nun heißt die Frau des Grafen Ricdag ebenfalls
Imhilde (= Emhildis), wie wir aus der Überlieferung des
von diesem Paar gegründeten Stifts Lamspringe (6,5 km nördl.
Alt-Gandersheim) erfahren [2708 MGH DLdD 150 (873). Vgl. dazu H.
Goetting (wie Anm. 602) Seite 29ff.]. Dessen erste Äbtissin wurde
Ricdags
Tochter Ricburg. Ob die Frau Ricdags mit der Stifterin
von Meschede identisch ist, bleibt eine Frage. Hömberg [2709
A.
K. Hömberg (wie Anm. 924) Seite 114.] möchte eher eine Tochter
oder Nichte Ricdags in ihr sehen, und W. Zimmermann [2710
W.
Zimmermann, Das Münster zu Essen (Die Kunstdenkmäler der Rheinlande
Beiheft 3, 1956) Seite 42 mit Anm. 64.] macht sie zur Gemahlin eines Hermann,
der 850-860 im Lochtropgau um Meschede erwähnt wird und der der Ahnherr
der Grafen von Werl sein soll, deren Hauskloster Meschede dann wurde.
Weitere Verwandte Ricdags lernen wir aus einigen
Korveyer Traditionen kennen. In Billerbeck (4,5 km sw. Gandersheim) an
der Leine, in Rhüden (nw. Seesen) und zwei Orten bei Hildesheim schenken
um 844 Bunico und Ricdag gemeinsam ihren Besitz und den eines
Hildiger,
der wohl ein vorverstorbener Verwandter war [2711 Trad. Corb. A
§ 127a,b,c/B § 251a,b,c.], wobei ein Hager als erster Zeuge genannt
wird. S. Krüger hält Bunico für einen Bruder Ricdags
[2712 S.Krüger (wie Anm. 5) Seite 72.]. Ihr Besitz rund um
dem liudolfingischen
von Gandersheim ist bemerkenswert. An einigen Orten finden wir beide Familien
sogar als Besitznachbarn. In Bensen bei Einbeck tradierte etwa 856 Ricdag
einen mansus, wobei Rodger als erster Zeuge fungiert und zwei "Wülfinge",
Eisulf und Odulf ebenfalls testieren [2713 Trad. Corb. A §
176b/B § 401b.]. Am gleichen Ort schenkt um 865 Leodolfus comes
gleichfalls einen mansus, was Ricdag als erster bezeugt [2714
Trad.
Corb. A § 224/B § 449. Über Aluini/Albwin vgl. oben bei
Anm. 682a. Der in der Vita Meinwerci c. 58 an gleichem Ort genannte Isger
gehört ebenfalls dem Namen nach zu den Verwandten der Ricdag-Sippe.
Vgl. unten bei Anm. 2792.].
Weitere Zeugen sind Herred, Buni (= Bunico,
wie sich aus parallelen Zeugenreihen zeigen läßt), Aluuini (Albwin)
und Osdag. Die enge Verbindung beider Familien zu dieser Zeit wird eindringlich
durch zwei weitere Traditionen dokumentiert. Um 862 finden wir Bunico
als Schenker in Unterrieden an der Werra mit folgender Zeugenreihe: Ludolfus
comes, Adalgerus, Rycdag, Osdag, Wicger [2715 Trad. Corb.
A § 208/B § 433.] Umgekehrt testieren bei der gleichzeitigen
Schenkung des Ludolphus comes für seinen Sohn Tancmarus
in Dalheim und Oddenhausen: Adalgerus, Bunico, Osdag, Ricgdag
[2716
Trad. Corb. A § 210/B § 435. Vgl. dazu bei Anm, 657 und Exkurs
II bei Anm. 50.], alles Namen, die zum Verwandtenkreis Ricdags zählen.
Diese Zeugnisse deuten auch auf enge persönliche
Beziehungen Ricdags zu den LIUDOLFINGERN.
Es ist jedoch schwer, die Art dieser Beziehungen zu erfassen. Sie drücken
sich schon deutlich in der starken Beteiligung des Vetters von Liudolf,
Bischof Altfrid von Hildesheim (851-874) bei der Ricdag-Stiftung Lamspringe
aus, das ja stets Hildesheimer Eigenkirche blieb. Es ist für die Beziehung
von Altfrid zum Herzog Liudolf nicht notwendig, mit Goetting eine
solche über die fränkische Billing-Tochter Oda,
die Frau Liudolfs, anzunehmen, da Altfrid und Liudolf wohl Agnaten
waren, doch mag eine Verbindung der Ricdag-Familie zu den LIUDOLFINGERN
auch über die BILLINGE laufen, denn ein Angehöriger dieses Kreises,
Bernhard, war mit einer anderen Emhild vermählt [2725 Vgl.
oben bei Anm. 1782-1784.], die möglicherweise die Mutter der Ricdag-Gemahlin
war.
Wenngleich sich auch noch mehrere weitere Hinweise auf
eine Versippung der Ricdag-Familie mit den LIUDOLFINGERN
beibringen lassen, so ist es doch schwer zu erklären, wie durch eine
Heirat der liudolfingische Gandersheimer
Komplex aus der Besitzlandschaft herausgeschnitten werden, konnte, die
von Leuten der Ricdag-Sippe beherrscht wurde.
Krüger, Sabine: Seite 18,52,72
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"Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im
9. Jahrhundert"
Ähnliche Fälle scheint es auch in Sachsen gegeben
zu haben. In dem interpolierten Diplom Ludwigs
des Deutschen für Lampsringe 873 begegnet als dessen Grünnder
ein Graf Ricdag [4 Über die Herkunft dieser Bildungssilbe
aus dem keltischen vgl. Ed. Schröder, Komposition der Personennamen,
p. 35.] und dessen Tochter Ricburg. Er ist wahrscheinlich identisch
mit dem Ricdag, der Trad. Corb. § 299, Besitz in vicem Bernrici
defuncti tradiert. Ricdag hatte einen Bruder Bunico,
mit dem er gemeinsam Besitz tradiert (§ 351), de ista parte Loine
quidquid Hildiger habuit. Der Vater dieses Hildiger aber heißt
wiederum Richist (§ 313). In demselben Raum finden sich noch zwei
mächtige Männer, deren Namen sich wohl nicht zufällig mmit
Ric- zusammensetzen,. Es ist der Graf Ricbert mit Besitz im Derlingau
(§ 239) und Ricger, dessen erhebliche Traditionen sich von
Herste bei Driburg bis Schwanebeck, Kr. Oschersleben, erstreckten.
Lassen wir zunächst die nur in den Trad. Corb. genannten
ersten acht Grafen unbeachtet und wenden uns den beiden in Königsurkunden
erwähhnten, Ricdag und Banzleib, zu. Sie sind beide interessant
genug. Ricdag ist der erste Sachse, der nachweisbar eine Schenkung
aus Königsgut in Sachsen empfangen hat, zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt
und an bemerkenswerter Stelle. 833 war das Jahr der Empörung der Söhne
LUDWIGS
DES FROMMEN gegen ihren Vater, und der Kaiser hatte allen
Anlaß, sich die Freundschaft des mächtigen sächsischen
Grafen, der vermutlich mit den Grafen Theodger, Marcbodo und vielleicht
auch Liudolf
versippt war [3 Siehe unten, p. 76f.]., zu sichern. War doch der
sächsische Adel wie zur zeit KARLS
DES GROSSEN in eine frankenfreundliche und frankenfeindliche
Partei gespalten. Denn an dem Aufstande Ludwigs
des Deutschen vom Vorjahre [4 Ann.
Bertin. 832, MG. SS. in us. schol., ed. Waitz, p. 4.] hatten sich,
nach Simsons ansprechender Vermutung, auch auf seiner Seite sächsische
Grafen beteiligt.
Aber nicht nur die bbeschenkte Person ist bemerkenswert,
sondern auch die Lage der verschenkten Güter in Schmerleke, Ampen
und Alten-Geseke. Wir wissen nicht genau, wo Ricdags Komitat lag.
Jedenfalls verfügte er über beträchtlichen Grundbesitz
um Lamspringe, seine Klostergrünndung, in Bensen, Kaierde, Wuringershusun,
Unterrieden bei Witzenhausen. Er zeugt auch in Schmechten (§ 279)
und Haaren, A. Büren und Büren selbst (§ 461). Er könnnte
also auch in der Nähe der geschenkten Orte Besitz gehabt haben. Viel
wichtiger aber ist, daß das verschenkte Königsgut am Hellweg,
der alten Anmarschstraße KARL DES GROSSEN,
lag. Offenbar wollte der Kaiser diesen strategisch wichtigen Punkte in
sicheren Händen wissen.
Quellen zur Genealogie der Ecbertiner
I) I. Ricdag-Sippe
a) Ricdag comes fidelis noster (DLdFr.
BM² 891; Wilm. I, nr. 12, p. 36, 833); Besitz in Billerbeck,
Kreis Gandersheim, Liuckiungen (unbekannt);
Liuttingeshem (wüst bei Hildesheim) (Trad. Corb. §
351); Rüden (ibidem); Bensen
(§ 401); Zeuge in Schmechten, Kr. Brakel (§ 297); Haaren, bei
Meppen (§ 280); Wuringereshusun
(§ 301); Kaierde (§§ 305, 314); Eggerhem (unbekannt) (§
309);
Wüst. Eidenhausen bei Wünnenberg
(§ 339); Unterrieden bei Büren (§ 461). Stifter von
Lamspringe (DLdDt. 150; p. 211)
Vermählt mit Imhilde, Tochter Ricburg,
Äbtissin
von Lamspringe.
Störmer, Wilhelm: Seite 140
***************
"Entwicklungstendenzen in der ostfränkischen Klosterlandschaft
der Karolingerzeit, in Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000"
Soweit erkennbar, wurden fast alle Übertragungen
den Vorschriften des Mainzer Konzils von 813 entsprechend durch Schreiben
der jeweiligen Herrscher gefördert, die teilweise erhalten sind; die
tatsächlichen Empfänger der Reliquien waren in Rüm
Abt Markward, in Sachsen die adeligen Klostergründer, Graf Liudolf
von Sachsen und seine Frau Oda, Graf Ricdag sowie Waltbert, einn
Nachfahre Widukunds.
oo Imhild (KAROLINGER-Verwandte)
-
Kinder:
Adelgar Graf im Liesgau
-
Friedrich I. Graf im Harzgau
-
Rikburg Äbtissin von Lamspringe 873
-
Literatur:
-----------
Annalen von St.
Bertin ad a. 832 - Eckhardt
Karl August: Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte. Deutschrechtlicher
Instituts-Verlag Witzenhausen 1963 Seite 164-190 - Krüger,
Sabine: Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert,
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1950 Veröffentlichung der
Historischen Kommission für Hannover Seite 18,52,72 - Lexikon
des Mittelalters Band IX Stammtafel im Anhang - Ludat, Herbert:
An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches
und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar
1995 Stammtafel im Anhang - Störmer, Wilhelm: Entwicklungstendenzen
in der ostfränkischen Klosterlandschaft der Karolingerzeit, in Mönchtum
- Kirche - Herrschaft 750-1000. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998 Seite
140 - Wenskus Reinhard:
Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck
& Ruprecht Göttingen 1976 Seite 301-305 -