Liudger                                           Graf im Harzgau
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   -9.10.1033
    bei Werben

Sohn des Grafen N.N.
Nach R. Wenskus miles des Bischofs Arnulf von Halberstadt und Sohn des Grafen Friedrich III. vom Harzgau
 

Althoff, Gerd: Seite 417
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                  G 135

Lü:    9.10.     Luidgerus com

Schölkopf, Die sächsischen Grafen, Seite 89, ordnet den Eintrag vermutungsweise einem gleichnamigen Grafen aus der Regierungszeit HEINRICHS II. zu, der im Harzgau und Nordthüringau amtierte und 1033 gegen die Liutizen fiel. Außer dem gleichen Namen gibt es keine Indizien für die Zuordnung. Zu weiteren Personen dieses Namens aus Sachsen vgl. Schlaug, Die altsächsischen Personennamen, Seite 125; Ders., Studien zu den altsächsischen Personennamen, Seite 123.



Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Mathildes Bruder war Graf Ricbert. Thietmar führte ihn als avunculus Lothars von Walbeck auf. Graf Lothar von Walbeck stand durch seine Parteinahme bei der Wahl von 1002 in gutem Einvernehmen mit dem neuen König HEINRICH II. und setzte sich sogleich für den von OTTO III. abgesetzten Grafen Ricbert ein. An Ricberts Stelle war Liudger, ein miles Bischof Arnulfs von Halberstadt, belehnt worden. HEINRICH II. versprach, Ricbert wieder einzusetzen und seine Lehen zu vergrößern. Dass er sein Wort hielt, geht aus einer Urkunde hervor, die Graf Ricbert im Harzgau um Ilsenburg bezeugt. Weitere Tatsachen aus Ricberts Leben sind nicht bekannt. Vielleicht ist er mit dem Ricbertus comes personengleich, dessen Todestag das Lüneburger Necrolog am 9. Februar verzeichnete.
Ricberts Amtsnachfolger wurde ein Graf Liudger. Vermutlich ist das derselbe Liudger, der schon vorher an Stelle des abgesetzten Ricbert Graf gewesen war. Graf Liudger amtierte im Harzgau im Raume von Heudeber. Er ist auch im Nordthüringgau anzutreffen, aus dem Hamersleben (Kr. Oschersleben) eximiert wurde. Es handelte sich also um einen Herrschaftsbereich, der in unmittelbarer Nähe Ottlebens lag, wo Markgraf Ricdag - allerdings nach einem verfälschten Diplom - Grafenrechte ausgeübt hatte. Da unter seinem Sohn die Machtstellung der Familie aufgegeben werden mußte, ist es denkbar, dass Graf Liudger aus dieser Entsetzung Gewinn zog. Eine dritte Urkunde bezeugte Graf Liudger im Derlingau um Helmstedt und Gifhorn. Das Diplom ist zwar eine Fälschung, seine inhaltliche Aussage kann jedoch aufrecht gehalten werden. Graf Liudger amtierte somit in einem Gebiet, das sich schon vorher als Amtsbereich der Ricdag-Sippe herausgestellt hatte. Ob sein Name Ausdruck der Versippung mit den WALBECKERN ist, mag dahingestellt bleiben. Bode gab ihn für einen Bruder des Markgrafen Werner von der Nordmark aus, was nicht nachweisbar ist. Möglicherweise fiel er 1033 bei Werden im Kampf gegen die Liutizen. Er war vermutlich mit dem Liudgerus comes identisch, dessen Todestag das Necrol. S. Michaelis am 9. Oktober aufschrieb.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 417 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 207-209 -