Tochter des N.N.; KAROLINGER-Verwandte
Nach R. Wenskus Tochter des Grafen Bernhard und
der Emhild
Nach Lex. MA unf H. Ludat als Imhild Gemahlin
Graf
Rikdags I.
Wenskus Reinhard: Seite 200,301-305,337,501
****************
"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel."
Während wir Adalhard, der vielleicht mit dem POPPONEN
gleichen Namens identisch ist, vorerst beiseite lassen, bemerken wir zu
Erinfrid/Ermanfrid, daß ein älterer Namensvetter mit seiner
Schwester Emmihildis ebenfalls mit einer Tradition in Dossenheim
vertreten ist. Es ist möglich, daß es sich bei dieser Emhild
um die bekannte Äbtissin von Milz im Grabfeld oder eine Verwandte
von ihr handelt, da Angehörige der "Nibelungen"-Familie, zu der Ermanfrid
gehört, auch im Zusammenhang der großen Schenkungen dieser hochgestellten
Dame immer wieder genannt werden [1781 Vgl. den Nibelungenexkurs
bei Anm 166ff.]. Eine jüngere Emhild war jedoch auch mit einem
Bernhard
vermählt, wie wir aus einer fuldischen Tradition in der Rannunger
Mark im Grabfeld entnehmen können [1782 CD Fuld. 306 (815).].
Ob dieser Bernhard identisch ist mit jenem Bernhard, der
824 in Marisfeld (Kr. Suhl) einen Beifang an Fulda schenkt [1783
CD
Fulda 453.], ist zwar fraglich, da hier seine Frau Hadaburc heißt.
Dies könnte jedoch auf eine zweite Ehe hindeuten, denn im gleichen
Ort tradiert später noch eine jüngere Emhild [1784
CD Fuld. 671.]. Die Zeugen an diesem Ort, nicht nur für die Schenkung
Bernhards,
sprechen jedenfalls für eine Verwandtschaft mit den BILLINGEN.
Das im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts errichtete
Stift verehrte eine Emhildis als Gründerin, die als de prosapia
regum Francorum bzw. als filia regis Franciae gilt [2704
Vgl. E. E. Stengel, in: Fuld. UB I Seite 395f.]. E. E. Stengel hält
sie wie schon J. S. Seiberts für identisch mit der berühmten
Emhild
von Milz, die um 800 dem Kloster Fulda große Schenkungen in Franken
machte [2705 Fuld. UB I 264, 274*.+. J. S. Seibert, Wer hat das
Frauenkloster zu Meschede gestiftet, in: Westfäl. Zs. 23 (1863) Seite
330ff, 24 (1864) Seite 197ff. W. Metz (wie Anm. 1606) Seite 268f. Weiteres
dazu unten bei Anm. 3843ff. Vgl. auch K. Bosl (wie Anm. 508) Seite 93;
A. Klinsporn, Beobachtungen zur Frage der bayerisch-fränkischen Beziehungen
im 8. Jahrhundert (Phil. Diss. Freiburg i. Br. 1965) Seite 52ff.]. Emhild
von Milz wird in einer Fälschung Eberhards von Fulda ebenfalls
unter Berufung auf ein - nicht feststellbares - Annalenwerk als Blutsverwandte
KARLS
DES GROSSEN bezeichnet [2706 E. E. Stengel (wie Anm.
2704) Seite 375f.]. Daß die Identifizierung Stengels nicht zutrifft,
hat Hömberg aus chronologischen Gründen zweifelsfrei erwiesen
[2707 A. K. Hömberg (wie Anm.
924) Seite 111 Anm. 312. Weitere Indizien im Waldrada-Exkurs bei Anm. 48f.,
die zeigen, daß Emhilde tatsächlich aus
karolingischer Umgebung stammmte.]. Dennoch dürfte, wie
auch Hömmberg annimmt, eine Verwandtschaft vorliegen, ohne daß
genaueres darüber gesagt werden kann.
Nun heißt die Frau des Grafen Ricdag ebenfalls
Imhilde (= Emhildis), wie wir aus der Überlieferung des
von diesem Paar gegründeten Stifts Lamspringe (6,5 km nördl.
Alt-Gandersheim) erfahren [2708 MGH DLdD 150 (873). Vgl. dazu H.
Goetting (wie Anm. 602) Seite 29ff.]. Dessen erste Äbtissin wurde
Ricdags
Tochter Ricburg. Ob die Frau Ricdags mit der Stifterin
von Meschede identisch ist, bleibt eine Frage. Hömberg [2709
A.
K. Hömberg (wie Anm. 924) Seite 114.] möchte eher eine Tochter
oder Nichte Ricdags in ihr sehen, und W. Zimmermann [2710
W.
Zimmermann, Das Münster zu Essen (Die Kunstdenkmäler der Rheinlande
Beiheft 3, 1956) Seite 42 mit Anm. 64.] macht sie zur Gemahlin eines Hermann,
der 850-860 im Lochtropgau um Meschede erwähnt wird und der der Ahnherr
der Grafen von Werl sein soll, deren Hauskloster Meschede dann wurde.
Es ist für die Beziehung von Altfrid zum Herzog
Liudolf nicht notwendig, mit Goetting eine solche über die fränkische
Billing-Tochter Oda,
die Frau Liudolfs, anzunehmen, da Altfrid und Liudolf wohl Agnaten
waren, doch mag eine Verbindung der Ricdag-Familie zu den LIUDOLFINGERN
auch über die BILLINGE laufen, denn ein Angehöriger dieses Kreises,
Bernhard,
war mit einer anderen Emhild vermählt [2725
Vgl. oben
bei Anm. 1782-1784.], die möglicherweise die Mutter der Ricdag-Gemahlin
war.
Es muß darauf hingewiesen werden, daß der
einzige bekannte Hochadlige Sachsens im frühen Hochmittelalter, der
den Namen Karolus
trägt, ein Sohn des WETTINERS Ricdag
war, der seinen Namen dem aus der Ricdag-Sippe stammenden Teil des
Namensbestandes der Harzgrafen verdankt [3016 Vgl. oben bei Anm.
2955 c ff. Dazu H. Ludat, An Elbe und Oder um das Jahr 1000 (1971) Seite
86 mit Anm. 497)]. Die Frau des älteren
Ricdag jedoch, Emhild, soll, wie wir sahen, "karolingischer"
Herkunft gewesen sein [3017 Vgl. oben bei Anm. 2704.] Gleichzeitig
wissen wir aber, daß der Name Emhild auch bei der nibelungischen
-frid-Sippe verbreitet war. Eine Emhild war Schwester Ermanfrids
[3018
CL 403 (781) Über die Beziehungen der -frid-Gruppe zu
Emhild
von Milz vgl. Nibelungen-Exkurs Seite 501.] und damit auch Sigifrids.
Wenn Sigfrid mehrfach im Zusammenhang mit Äbtissin
Emhild von Milz genannt wird [166 K. Bosl (wie Anm. 29) Seite
90f.], wird uns das angesichts der Tatsache, daß uns eine Emmihildis
ja als Schwester Ermanfirds in Dossendorf begegnete [167 CL 403
(781); vgl. bei Anm. 97.], nun nicht weiter verwundern. Bezeichnend ist
auch, daß 784 in der großen Schenkungsurkunde der Emhild
von Milz Hemming und Liutfrid nebeneinander als Zeugen genannt
werden [168 Fuld. UB I 154. Es ist in diesem Zusammenhang auch bezeichnend,
daß unter den Schenkungsorten der Emhild nach Fuld. UB I 264
sich auch ein Uuigfrideshus befindet.]
Krüger, Sabine: Seite 72
*************
"Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im
9. Jahrhundert"
Quellen zur Genealogie der Ecbertiner
I) I. Ricdag-Sippe
a) Ricdag comes fidelis noster (DLdFr.
BM² 891; Wilm. I, nr. 12, p. 36, 833); Besitz in Billerbeck,
Kreis Gandersheim, Liuckiungen (unbekannt);
Liuttingeshem (wüst bei Hildesheim) (Trad. Corb. §
351); Rüden (ibidem); Bensen
(§ 401); Zeuge in Schmechten, Kr. Brakel (§ 297); Haaren, bei
Meppen (§ 280); Wuringereshusun
(§ 301); Kaierde (§§ 305, 314); Eggerhem (unbekannt) (§
309);
Wüst. Eidenhausen bei Wünnenberg
(§ 339); Unterrieden bei Büren (§ 461). Stifter von
Lamspringe (DLdDt. 150; p. 211)
Vermählt mit Imhilde, Tochter Ricburg,
Äbtissin
von Lamspringe.
Störmer, Wilhelm: Seite 85
***************
"Entwicklungstendenzen in der ostfränkischen Klosterlandschaft
der Karolingerzeit, in Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000"
Der Bedarf an adeligen Frauenklöstern scheint nicht
gering gewesen zu sein. Dafür nur zwei Beispiele von mehreren aus
Franken: Vor 784 hatte eine reiche hochadelige Dame am Nordostrand des
Grabfelds auf elterlichem Gut in Milz (heute Thüringen, Kr. Hildburghausen)
ein Nonnnenkloster gegründet und zusammen mmit ihrer bedeutenden Verwandtschaft
reich ausgestattet [50 M. Gockel, Die Verwandtschaft der Äbtissin
Emhilt von Milz, FS für W. Schlesinger, hg. von H. Beumann (Mitteldeutsche
Forschungen 74/II, 1974), Seite 1-70.]. 799/800 übertrug die Äbtissin
und Gründerin Emhilt ihr Eigenkloster an die Großabtei
Fulda.
oo Rikdag I. Graf 833 und 873
um 800/10-
nach 873
Kinder:
Adelgar Graf im Liesgau
-
Friedrich I. Graf im Harzgau
-
Rikburg Äbtissin von Lamspringe 873
-
Literatur:
-----------
Eckhardt
Karl August: Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte. Deutschrechtlicher
Instituts-Verlag Witzenhausen 1963 Seite 64-90 - Krüger, Sabine:
Studien zur Sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, Vandenhoeck
& Ruprecht Göttingen 1950 Veröffentlichung der Historischen
Kommission für Hannover Seite 72 - Ludat, Herbert: An
Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches
und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar
1995 Stammtafel im Anhang - Störmer, Wilhelm: Entwicklungstendenzen
in der ostfränkischen Klosterlandschaft der Karolingerzeit, in Mönchtum
- Kirche - Herrschaft 750-1000 Seite 77-99 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1998 Seite 85 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und
fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen
1976 Seite 301-305, 334 -