Werner                                                     Graf von Winterthur, Herr der Kyburg
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980-17.8.1030 gefallen
 

Sohn des Grafen Liutfrid von Winterthur
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 4
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Werner von Kyburg
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     + 17. August 1030

Später nach seiner Burg Kyburg 'Graf von Kyburg' genannt, zusammen mit Herzog Ernst II. von Schwaben gegen die Leute Bischof Warmanns von Konstanz auf der Baar gefallen.
Er gilt als der entscheidende Unterstützer Herzog Ernsts II., bei dessen Aufständen gegen seinen Stiefvater Kaiser KONRAD II. zwischen 1025 und 1030. Er wird auch mit dem gleichnamigen Grafen Werner identifiziert, der 1024 bei der Königswahl KONRADS II. durch besonders geschickte Verhandlungen hervortrat. Aus welchen Gründen er bei dieser Identifizierung 1025 Herzog Ernst II. Waffenhilfe gegen KONRAD II. lieferte, ist nicht mehr nachzuweisen. Als sich Herzog Ernst II. 1027 seinem Stiefvater unterwarf, verharrte er jedoch weiter im Widerstand. Er konnte nach der Eroberung seiner 3 Monate lang belagerten Burg Kyburg bei Winterthur entkommen. Herzog Ernst II. war nach seiner Wiedereinsetzung ins Herzogsamt nicht bereit, den geächteten Werner zu verfolgen. Da er selbst in der Folgezeit durch seinen neuerlichen Abfall von KONRAD II. geächtet und gebannt wurde, suchte er zusammen mit dem Grafen Werner und dessen Bruder Adalbert auf der Burg Falkenstein bei Schramberg Zuflucht, wo sie die Leute des Bischofs aufspürten, gegen die sie im Kampfe fielen. Graf Werner, dessen Treue zu Herzog Ernst II. besonders hervorgehoben wird, wird als Angehöriger der unter den SALIERN aufgestiegenen und mit Grafenrechten in Mittel- und Niederhessen ausgestatteten schwäbischen Grafenfamilie angesehen, die nach ihrem Leitnamen 'Werner' als die "Grafen Werner" bezeichnet werden. Die Familie erlosch 1121. Eine Verbindung des Grafen Werner wird auch zu den späteren Grafen von Kyburg hergestellt.

Literatur:
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Verf.-Lex.² III, 1170ff. - E. Krüger, Der Ursprung des Hauses Württemberg, Württ. Vierteljahresh.e für Landesgesch. 8, 1899, 71ff., 237ff. - K.M. May, Reichsbanneramt und Vorstreitrecht in hess. Sicht (Fschr. E.E. Stengel, 1952), 301ff., 590ff. - W. Störmer, 'Spielmannsdichtung' und Gesch., ZBL 43, 1980, 556ff.
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Roland Rappmann/Alfons Zettler: Seite 487
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"Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft"
 
WERNER
 
Necr. B 17.8. "Wernhere com.", von Kyburg,  + 17.8.1030
 
Weitere Necrologbefunde: Weißenburg, Necr., zum 17.8.: "Ernost dux, Uuezel, Manigold cum aliis occisi sunt" (Seite 30)
 
Literatur:
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BRUN, Geschichte, bes. Seite 5-8; KLÄUI, Adelsherrschaften Seite 38-49; DERS., Die schwäbische Herkunft des Grafen Werner; SIEGWART, Hunfrid Seite 339-343; KRAH, Absetzungsverfahren Seite 348ff. Zum Todestag: BRESSLAU, Jahrbücher 1 Seitze 303 Anm. 1; BAUMANN, MGH Necr. 1 Index Seite 787.
 
Graf Werner kam ebenso wie sein Freund Herzog ERNST II. und sein Gegner Graf MANEGOLD "VON NELLENBURG"  bei jener bekannten Schlacht auf der Baar im Jahre 1030 ums Leben, die den Aufstand des Herzogs beendete; zu diesem Eintrag vgl. ausführlicher oben Seite 446. Nach DOBLER, Erbe Seite 67f, soll Werner in Petershausen begraben sein.Graf Werner, der in der Chronik Hermanns des Lahmen Seite 121 ad a. 1030 als "caput rebellionis" bezeichnet wird (vgl. auch STÄLIN, Wirtembergische Geschichte 1 Seite 481); wurde zwar schon immer der Familie des Grafen von Winterthur-Kyburg zugerechnet, doch erst KLÄUI Seite 45 konnte auf Grund von Namensgleichheit und Besitzusammenhängen einen konkreten Vorschlag seiner genealogischen Einordnung in diese Familie machen, der auch beispielsweise von SIEGWART und HILS, Die Grafen von Nellenburg Seite 22 anerkannt wurde. Danach ist Werner der Sohn des um 950 geborenen Liutfrid und ein Enkel jenes ersten Bregenzer Grafen UDALRICH VI., auch Uzo genannt, der in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts als Graf in Rätien belegt ist und 955 im Kampf gegen die Ungarn aufdem Lechfeld umkam. Somit wäre Werner als direkter Nachkomme der karolingischen UDALRICHINGER zu betrachten. KLÄUI Seite 45f hält es außerdem für möglich, daß bereits Werner die hessische Grafschaft Maden, eventuell nach 1019, erhalten hat, obwohl dies erst für Werner I., nach KLÄUI Seite 45 (Stammtafel) ein Neffe des Rebellen, und seine Nachkommen, die späteren Grafen von Gröningen, nachweisbar ist. Ja, KLÄUI vermutet, wie neuerdings auch KRAH Seite 348, in Werner sogar jenem im Jahre 1024 als Ratgeber des Königs genannten "miles Werinharius", der von MAY, Reichsbanneramt mit Werner I. (+ 1040) identifiziert wird. Auf jeden Fall läßt sich der aufständische Graf bereits für das Jahr 1027 nachweisen, vgl. Annales Sangallenses maiores Seite 310 ad a. 1027. Ob jener mit vier weiteren Personen nach 1025 in das Reichenauer Verbrüderungsbuch p.156C3 eingetragene "Werinhere com." tatsächlich mit Graf Werner "von Kyburg" zu identifizieren ist, wie dies PIPER, in: Libri confrat. col. Seite 659,5 Fußnote behauptet und von SCHWARZMEIER, Reichenauer Gedenkbucheinträge Seite 28 für "nicht ausgeschlossen" gehalten wird, kann nicht eindeutig entscheiden werden; vgl. auch ZETTLER, Die Abtei Reichenau Seite 54f. Möglicherweise wurde er auch zusammen mit dem ebenfalls an den Aufständen beteiligten Grafen Welf II.erneut in das Reichenauer Gedenkbuch p. 35B3 eingeschrieben: "Werinh[e]re com., Reginsint, Werinhere, Wolfram, Welfhart com."; anders dagegen METZ, Miszellen zur Geschichte der Widionen und Salier Seeite 9 und 12. Zur Namensform "Welfhard" für Welf vgl. KERKHOFF, Die Grafen von Althausen-Veringen Seite 24. Der Eintrag zum 19.8.(!) im Necrolog von Hermetswil Seite 156 "Werherus comes" kann sich nicht auf den Kyburger beziehen, weil er von einer Nachtraghand nach 1119/45 eingetragen wurde. Auch BAUMANNS Identifizierung (MGH Necr. 1 Index Seite 787) des im Einsiedler Jahrzeitbuch des Liber Heremi Seite 369 zum August genannten "Comes Wernharius occius in bello Boemannico" mit dem Rebellen erweist sich seit KLÄUI, in: QS 2,3 Seite 369 Anm. 5 und KELLER, Einsiedeln Seite 160 Anm. 73 als falsch. Es handelt sich dabei um den bereits erwähnten, am 23.8.1040 in der Schlacht gegen die Böhmen gefallenen Grafen Werner I., der vielleicht ein Neffe des Rebellen war, vgl. KLÄUI Seite 40.
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Paul Kläui: Seite 9-10,17
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"Die schwäbische Herkunft der Grafen Werner"
in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 69 1958

Der 1. bekannte Vertreter im Raume von Winterthur ist Graf Werner, auch Wezel genannt, der mit dem  jungen Herzog Ernst von Schwaben seit 1025 gegen König KONRAD II. rebellierte. Er gilt mit Recht als die Seele des Widerstandes, der auf den kaum 20-jährigen Herzog großen Einfluß ausübte, ja ihn wohl überhaupt anstiftete. In diesen Kämpfen dürfte Werner die Kyburg angelegt haben, denn sie ist zweifellos unter der von Wipo erwähnten Burg zu verstehen, die Herzog Ernst oberhalb Zürichs befestigt habe. Es muß aber als fraglich bezeichnet werden, ob - wie der Wortlaut eigentlich sagt - eine schon bestehende Burg verstärkt worden ist. Die Lage auf waldiger, abgeschiedener Höhe, abseits der Verkehrswege läßt sie eher als Zufluchtsort eigens für diese Kämpfe erscheinen, wie sich Werner und Ernst ja auch zuletzt auf die entlegene Burg Falkenstein im Schwarzwald zurückgezogen haben.
1027 kam König KONRAD ins Land und leitete von Zürich aus die Belagerung der Kyburg, die in diesem Zusammenhang erstmals mit ihrem Namen "Chuigeburch" genannt wird. Sie wurde erobert, während Graf Werner entkam, aber der Reichsacht verfiel. In diesem Zeitpunkt müssen auch seine Güter konfisziert worden sein, indes Herzog Ernst sich unterwarf. Doch ließ er sich 1030 von Werner erneut zum Kampf gegen seinen Stiefvater, den König, verleiten. Im Schwarzwald stellten sie sich zum letzten Kampf und fielen dort am 17. August 1030.
Nun ist aber noch eine weitere Frage zu erwägen. Wipo nennt schon zum Jahr 1024 als Ratgeber des Königs den miles Werner, an welchem der König schon lange vorher die Vorsicht des Rates und die Kühnheit im Kriege häufig erfahren hätte. Die Stelle muß man nun aber nicht unbedingt, wie May es tut, auf Werner I. beziehen. Es wäre doch auch denkbar, dass damit der früheste Werner gemeint wäre und der König nicht einen jungen, sondern einen ihm an Jahren überlegenen Mann, neben den Bischöfen von Augsburg und Straßburg, als Ratgeber herangezogen hätte. Den kriegerischen Sinn hat er ja nachher, wenn auch gegen den König, bewiesen. Für diese Ansicht können 2 Dinge ins Feld geführt werden. Es besteht eine Urkunde KONRADS II. von 1025, nach welcher er seinem Getreuen Werner die Güter in der Grafschaft des verstorbenen Balderich zu freiem Eigen gab. Die Urkunde gilt aber als nicht vollzogen. Was mag die Ausführung im letzten Moment verhindert haben? In diesem Jahr brach der Konflikt zwischen dem König und Herzog Ernst um die von KONRAD angestrebte Angliederung Burgunds aus. Es wäre sehr wohl denkbar, dass die Urkunde, die weder Ort noch Tagesdatum trägt, während des Aufenthaltes KONRADS in Zürich im Juni 1025 mit Werner vereinbart worden wäre, dass aber bereits sein anschließender Aufenthalt in Basel die Auseinandersetzung um Burgund ausbrechen ließ und Werner vom König abrückte. Dabei bleibt die Frage freilich offen, weshalb Werner in der burgundischen Angelegenheit so hartnäckig und unnachgiebiger als Herzog Ernst Stellung bezog.
Zum 2. ist zu beachten, dass die Werner in ihrer Heimat keine Grafenrechte ausübten und sich nie Grafen von Winterthur oder Kyburg nannten. Grafen im Zürichgau waren damals die NELLENBURGER. Es gibt erst seit der Dillenburger Heirat Grafen von Kyburg. Dennoch bezeichnen Wipo und Hermann von Reichenau Werner als Grafen. Er muß den Titel also anderswoher haben. Es scheint daher durchaus wahrscheinlich, dass dieser Werner bereits die Grafschaft Maden erhalten hat, die bis 1019 mit einem Grafen Friedrich belegt ist.
Wie stand es dann aber mit der Konfiskation von 1027/30? Sicher wurden Werner das Allod und die Reichslehen entzogen, während ihm um Winterthur die klösterlichen Lehen verblieben. Auf die Weitergabe des Allods, von dem ein Teil, wie wir sahen, über Achalm wieder an die Werner-Familie gelangte, ist hier nicht weiter einzutreten. Die Grafschaft Maden aber mag dem Erben, Werner I., der sich eng an den König anschloß, wieder zurückgegeben worden sein.
 
 
 
 

Literatur:
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Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 255,257 - Kläui Paul: Die schwäbische Herkunft des Grafen Werner, in Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde Band 69, 1958, Seite 9-18 -