Sohn des Grafen
Adalbert I. von Winterthur
Winfrid Glocker: VIII, 168; Seite 349
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"
NNm; Graf von Winterthur (? Werner I. Graf
von Winterthur)
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+ 1040 VIII 22
oo Irmgard ("von Nellenburg")
Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Grafen von Winterthur
wieder faßbar in den 3 Brüdern Adalbert,
Liutfrid und Abt Hermann
von Einsiedeln sowie deren Mutter Irmgard
von Nellenburg; die Quellen zu diesen Personen sind bei Kläui,
Nellenburg Nr. 14, zusammengestellt. Adalbert
fiel 1053 vor Civitate und ist uns als Nachkomme Liutfrids durch die Casus
monasterii Petrishusensis I c. 5, S. 44, bezeugt, doch hat der Petershausener
Chronist, wie wir bereits oben VII, 105 ausgeführt haben, ganz offensichtlich
mehrere Generationen zusammengeschoben. In der Forschung bestehen verschiedene
Ansätze für die Korrektur: Paul Kläui, Adelsherrschaften
S. 40 ff., sah den älteren Adalbert (VII, 105 in unserer Anordnung)
als Großvater des 1053 vor Civitate gefallenen jüngeren Werner
an, eine Sicht der Dinge, die auch in der Darstellung Hans Kläuis
(des Bruders Paul Kläuis), Geschichte S. 62 ff., Eingang fand. In
dem später erschienenen Beitrag zu den "Nellenburgern" im Genealogischen
Handbuch zur Schweizer Geschichte, hat sich Hans Kläui offenbar eine
neue Sicht der Dinge zurechtgelegt und sieht
Irmgard als die Gemahlin des älteren Adalbert, freilich ohne
diese neue Konstruktion genauer zu begründen oder auch nur bei seinen
Literaturnachweisen darauf hinzuweisen; vielmehr zitiert er lediglich die
älteren Arbeiten seines Bruders sowie seine eigenen. Es sei hier näher
darauf hingewiesen, dass sich beide Ansichten durch einen Vermerk im Nekrolog
von Kloster Neresheim zum IX 8 stützen lassen: zu diesem Tag ist ein
Adalbert als der "avus" der Klosterstifterin Adelheid,
Gemahlin Hartmanns von Dillingen, eingetragen; da diese Adelheid
eine Tochter jenes 1053 gefallenen Adalbert
war, kann der am 8.9. verstorbene Adalbert sowohl der Vater als
auch der Großvater des jüngeren Adalbert gewesen sein.
Zur Frage, ob der im August 1040 in Böhmen gefallene Werner
der gesuchte Ehemann der
Irmgard von Nellenburg war, vergleiche Kläui, Herkunft passim,
und dens., Adelsherrschaften S. 38-45. Da sich die genaue Generationenfolge
nicht sicher feststellen läßt, seien hier auch die Daten für
die Söhne
Irmgards von Nellenburg gegeben, da diese möglicherweise noch
in unsere Generation gehören könnten.
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Hans Patze: Seite 193
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"Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen"
Unter den SALIERN erscheint zwischen 1024 und 1121 als Inhaber der Grafschaft Maden ein Geschlecht, dessen Angehörige den Namen Werner führen. Werner I. fiel 1040 als Vorstreiter und Bannerträger HEINRICHS III. im Feldzug gegen Böhmen.1027-1039 heißt es von Holzhausen (bei Gudensberg) es liegt in seiner Grafschaft. Dieser 1. Werner war Vogt (1040) der Reichsabtei Kaufungen.
Paul Kläui: Seite 10-12,14
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"Die schwäbische Herkunft der Grafen Werner"
in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde
69 1958
Die Frage, in welcher Beziehung dieser Werner
zu den späteren Grafen von Kyburg stand, hat die Forschung
immer wieder beschäftigt, ohne dass sie befriedigend gelöst werden
konnte. Für Jahrzehnte verschwindet der Name Kyburg wieder. Die in
diesem Raum maßgebenden Herren nennen sich nach Winterthur,
dem heutigen Oberwinterthur, dem Platz mit römischem Kastell und frühmittelalterlicher
Kirche. Sie sind um die Mitte des 11. Jahrhunderts zu fassen mit den Brüdern
Adalbert,
Lütfried und Abt
Hermann von Einsiedeln, sowie ihrer Mutter Irmengard
aus dem Hause NELLENBURG. Adalbert
machte zusammen mit seiner Mutter eine Stiftung an das Kloster Einsiedeln
im Gedenken an den im Böhmenkrieg gefallenen Bruder Lütfried.
Im Nekrologteil der Einsiedler Traditionsnotizen, die diese Nachrichten
enthalten, wird im August (ohne Tagesdatum) auch der Tod eines Grafen
Werner gemeldet, der ebenfalls im Böhmenkrieg "cum aliis
pluribus" gefallen sei. Das Datum stimmt zum Böhmenkrieg HEINRICHS
III. und der Niederlage am 22. August 1040. Über
Werners Rolle berichten die St. Galler
Annalen und der Annalista Saxo: Graf Werner
veranlaßte und führte einen Vorstoß einer aus Hessen gebildeten
Schar in eine Waldschlucht, geriet dabei in einen Hinterhalt und fiel mit
vielen anderen.
Die Tatsache, dass Werner in dieser
Schlacht "Hessen" geführt hat, verleitete zur Annahme, dass es sich
von Haus aus um einen hessischen Grafen gehandelt habe. Nur Brun hat wegen
des Vorkommens Werners in den Nekrologen
von Einsiedeln und St. Gallen einen Zusammenhang mit Winterthur
vermutet, während der Herausgeber der St. Galler Annalen dies damit
erklärte, dass ein schwäbischer Teilnehmer am Zuge davon nach
St. Gallen gebracht hätte. Es wäre aber doch auffallend, wenn
man nicht nur in St. Gallen, sondern auch in Einsiedeln den Tod eines hessischen
Grafen vermerkt hätte, um so mehr als das Einsiedler Nekrolog nur
Personen enthält, die in einem direkten Zusammenhang mit dem Kloster
standen. Dass die hessische Forschung in Werner einen hessischen Grafen
sah, ist begreiflich, da ihr die parallelen Quellen in der Schweiz nicht
bekannt sein konnten. Dafür aber vermochte sie ganz andere Zusammenhänge
aufzudecken, die für die Lösung des Problems entscheidend sind.
Karl Hermann May hat in seiner Arbeit über "Reichsbanneramt und
Vorstreiter in hessischer Sicht" an die Tatsache angeknüpft, dass
Werner anläßlich des Unternehmens
in Böhmen als Vorstreiter und Bannerträger des Königs (primicerius
et signifer regis) bezeichnet wird. Er verfolgt das Recht der Schwaben
zum Vorstreit und Tragen der Reichssturmfahne. Dabei stellt er fest, dass
nicht nur der genannte Werner dieses
Amt innehatte, sondern dass in der Schlacht bei Civitate 1053 wiederum
ein Schwabe Werner,
neben einem Albert, Anführer der deutschen Truppen und Bannerträger
war. Er nimmt sicher zu Recht an, dass dieser Werner
der Sohn des 1040 in Böhmen gefallenen gewesen und das Bannerträgeramt
in der Familie weitergegangen sei. Es ergibt sich dies vor allem aus dem
weiteren Verfolgen des Wernerschen Hauses.
Der letzte Graf Werner
(+ 1121) nennt sich "von Grüningen". May hat nachgewiesen,
dass unter den verschiedenen in Frage kommenden Orten nur Markgröningen
in Württemberg gemeint sein kann, an das sich eine Grafschaft anschloß.
Mit Burg und Stadt Markgröningen ist noch 1336 das Reichssturmfahnenlehen
verbunden. Mit anderen Worten: es gab eine alte Lehenstradition für
das Reichssturmfahnenlehen, und diese geht im Wernerschen
Grafenhaus bis in die 1. Hälfte des 11. Jahrhundert zurück.
Seit mindestens 1040 aber bis zum Aussterben 1121 besitzt das Wernerschen
Grafengeschlecht die hessische Grafschaft Maden. Das erklärt,
weshalb Werners Truppen im Böhmenkrieg
vor allem aus Hessen bestanden, und insoweit betrachtete man ihn mit Recht
als "hessischen" Grafen. Doch hat May wegen des Vorstreitrechtes der Gröninger
Grafen bereits schwäbischen Ursprung in Rechnung gestellt.
Ein Sohn Werners I. war Abt in
Einsiedeln geworden, ein anderer, Lütfried, fiel - zweifellos sehr
jung - mit dem Vater in Böhmen und hinterließ keine Nachkommen.
Adalbert
hinterließ bei seinem ebenfalls frühen Tod nur eine Tochter:
Sein Anteil am väterlichen Erbe war im Gebiet des Herkommens gelegen
und stand an Bedeutung wohl weit hinter Besitz und Rechten in Hessen und
im Neckargau zurück.
oo Irmgard, Schwester des Grafen Eppo von Nellenburg
990/1000-
Kinder:
Adalbert II. Graf von Winterthur
-18.6.1053
Liutfrid
-22.8.1040
Hermann Abt von Kloster Einsiedeln (1051-1065)
- 1065
Werner II. Graf von Maden und im Neckargau
-18.6.1053
Literatur:
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Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag
1991, Band I Seite 344,360,362 - Kläui Paul: Die schwäbische
Herkunft des Grafen Werner, in Zeitschrift des Vereins für Hessische
Geschichte und Landeskunde Band 69, 1958, Seite 9-18