Wilhelm von Lutisburg
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um 1065- um 1100
 

Sohn des Grafen Cristin aus dem Hause QUERFURT
 

Fenske, Lutz: Seite 303,305,308,315,316-318,322
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Dabei werden dessen Vater Graf Gero und sein Großvater, ein Graf Wichmann von Seeburg, genannt. Von letzterem führt der Annalista Saxo weiter aus, daß er einen Bruder, Wilhelm von Lutisburg, gehabt habe. Diese beiden Brüder Wichmann und Wilhelm seien Söhne eines Grafen Cristin gewesen, der seinerseits ein Bruder Gebhards von Quuerfurt war [53 Ann. Saxo Seite 680.].
Bei dieser Gelegenheit (Jahr 1036) werden Wilhelm von Lutisburg und Wichmann von Seeburg als Agnaten der Edelfreien von Querfurt bezeichnet, da sie die Söhne eines Cristin, des Bruders Gebhard gewesen seien [60 Dazu vgl. oben Seite 303 Anm. 53.].
Ludesburc ist also der Ort, nach dem der vom Annalista Saxo erwähnte Willehelmus comes de Lutisburh benannt worden ist. Die Quelle hat ihn in einen verwandtschaftlichen Zusammenhang mit den Edelfreien von Querfurt gestellt. Für die Lokalisierung der Lutisburg gab die Querfurter Chronistik bereits erste Anhaltspunkte durch den Hinweis, daß sich diese nahe Lodersleben befunden habe.
Dabei wird deutlich, daß Ludesburg, wo noch Ende des 13. Jahrhunderts Rodungshufen genannt werden, älteren Ursprungs sein muß, wie die Aussage des Annalista Saxo bestätigt, der einen comes Wilhelm, dessen Lebenszeit ins letzte Drittel des 11. Jahrhunderts fällt, mit diesem Ort - wahrscheinlich mit der Burg oder einer burgähnlichen Anlage - in Verbindung bringt.
Auf Grund der bereits vorgetragenen Fakten zeichnen sich eine ganze Reihe von Voraussetzungen ab, die enne Einbeziehung in den Sippenzusammenhang der Querfurter Edelfreien und vielleicht sogar eine Identifizierung Wilhelms von Lodersleben mit Wilhelm  von Lutisburg als möglich erscheinen lassen [105 Es muß an dieser Stelle hervorgehoben werden, daß eine Gleichsetzung dieser beiden Personen bereits in der älteren landesgeschichtlichen Literatur vorgenommen worden ist. Vgl. H. Grössler, Geschlechtskunde der Grafen von Seeburg und der Edelherren von Lutisburg (Mansfbll. 3. 1889) Seite 104ff. Jedoch blieben diese Forrschungsergebnisse weitgehend unbeachtet, wahrscheinlich deshalb, weil diese Auffassung keinen Eingang in die Darstellung G. Meyers von Knonau gefunden hat, an dessen Darlegungen sich die spätere Forrschung meist orientierte. Auch ist wohl die für eine solche Personengleichheit sprechende Beweisführung sachlich nicht genügend begründet worden und daher im ganzen recht hypothetisch geblieben. Deshalb soll diese Frage, angeregt durch die These Baakens, mit bisher nicht angeführten Argumenten neu zur Diskussion gestellt werden.].
Bereits eingangs wurde festgestellt, daß die Beschreibung, die der durch die sächsische Politik HEINRICHS IV. geschädigte Wilhelm innerhalb Brunos Berichterstattung über den Sachsenkrieg erfährt, nur auf einen reich begüterten Grundherrn, der seinen Besitzmittelpunt in Lodersleben hatte, zzutreffen dürfte [106 Bruno c. 16  Seite 23 führt dazu aus:Willehalmum quoque, qui propter nimium cultum sui rex de Lotztheslovo  appellabatur ... quia multa ei erant praedie ...]. An einer späteren Stelle seiner Erzählung berichtet Bruno, Wilhelm von Lodersleben und Fridericus de Monte seien 1073, als der Einmarsch des königlichen Heeres nach Sachsen drohte, eidbrüchig geworden, hätten die Sache ihrer Landsleute im Stich gelassen und sich der Partei HEINRICHS IV. zugewandt [108 Bruno c. 45 Seite 44.]. Auch diese Episode aus der Feder Bruns wirft ein Licht auf die Stellung Wilhelms.
Wilhelm von Lodersleben erscheint in der Überlieferung Brunos in den Jahren 1073/75. Wilhelm von Lutisburg wird als Bruder des Großvaters Erzbischof Wichmanns von Magdeburg, Graf Wichmanns von Seeburg, bezeichnet. Der Erzbischof wurde um das Jahr 1116 [109 Vgl. Hoppe, Erzbischof Wichmann von Magdeburg (wie oben Seite 71 Anm. 243) Seite 2.], sein Vater, Graf Gero, der jung verstarb, um 1095 geboren [110 Vgl. Grössler a.a.O. Seite 115.], dessen Vater, der schon erwähnte Graf Wichmann, hat also in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelebt.  Für seinen Bruder, Wilhelm von Lutisburg, und den von Bruno beschriebenen Wilhelm vonn Lodersleben ergibt sich also ein zeitliches Nebeneinander, das ausgezeichnet mit der Hypothese von der Identität beider Personen übereinstimmt.
Zur Vervollständigung der hier sichtbaren Zusammenhänge mag der Befund dienen, daß auch für die Herren von Querfurt, die als engere Hauptlinie bekannt sind, in der unmittelbaren Umgebung von Ludesburg Besitz nachgewiesen werden kann. In der schon erwähnten, zwischen 1180 und 1193 für Kloster Marienzell ausgestellten Urkunde Bischof Dietrichs von Halberstadt wird eine Schenkung angeführt, die Erzbischof Konrad, der Bruder Burggraf Burchards I., dem Kloster gemacht hatte. Umschrieben ist dieses Areal ferner durch die Angabe, es liege im Bereich des Dorfes Ludesburg.
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986 Seite 16,26,45 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 Seite 303,305,306,308,315,316-318,322 -