Sohn des Grafen
Cristin aus dem Hause QUERFURT
Fenske, Lutz: Seite 303,305,308,315,316-318,322
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Dabei werden dessen Vater Graf
Gero und sein Großvater, ein Graf
Wichmann von Seeburg, genannt. Von letzterem führt der
Annalista Saxo weiter aus, daß er einen Bruder, Wilhelm von
Lutisburg, gehabt habe. Diese beiden Brüder Wichmann und
Wilhelm seien Söhne eines Grafen Cristin gewesen, der
seinerseits ein Bruder Gebhards von Quuerfurt war [53 Ann.
Saxo Seite 680.].
Bei dieser Gelegenheit (Jahr 1036) werden Wilhelm
von Lutisburg und Wichmann von Seeburg als Agnaten der Edelfreien
von Querfurt bezeichnet, da sie die Söhne eines Cristin,
des Bruders Gebhard gewesen seien [60 Dazu vgl. oben Seite
303 Anm. 53.].
Ludesburc ist also der Ort, nach dem der vom Annalista
Saxo erwähnte Willehelmus comes de Lutisburh benannt
worden ist. Die Quelle hat ihn in einen verwandtschaftlichen Zusammenhang
mit den Edelfreien von Querfurt gestellt. Für die Lokalisierung der
Lutisburg gab die Querfurter Chronistik bereits erste Anhaltspunkte durch
den Hinweis, daß sich diese nahe Lodersleben befunden habe.
Dabei wird deutlich, daß Ludesburg, wo noch
Ende des 13. Jahrhunderts Rodungshufen genannt werden, älteren Ursprungs
sein muß, wie die Aussage des Annalista Saxo bestätigt, der
einen comes Wilhelm, dessen Lebenszeit ins letzte Drittel
des 11. Jahrhunderts fällt, mit diesem Ort - wahrscheinlich mit der
Burg oder einer burgähnlichen Anlage - in Verbindung bringt.
Auf Grund der bereits vorgetragenen Fakten zeichnen sich
eine ganze Reihe von Voraussetzungen ab, die enne Einbeziehung in den Sippenzusammenhang
der Querfurter Edelfreien und vielleicht sogar eine Identifizierung Wilhelms
von Lodersleben mit Wilhelm von Lutisburg als möglich
erscheinen lassen [105 Es muß an dieser Stelle hervorgehoben
werden, daß eine Gleichsetzung dieser beiden Personen bereits in
der älteren landesgeschichtlichen Literatur vorgenommen worden ist.
Vgl. H. Grössler, Geschlechtskunde der Grafen von Seeburg und der
Edelherren von Lutisburg (Mansfbll. 3. 1889) Seite 104ff. Jedoch blieben
diese Forrschungsergebnisse weitgehend unbeachtet, wahrscheinlich deshalb,
weil diese Auffassung keinen Eingang in die Darstellung G. Meyers von Knonau
gefunden hat, an dessen Darlegungen sich die spätere Forrschung meist
orientierte. Auch ist wohl die für eine solche Personengleichheit
sprechende Beweisführung sachlich nicht genügend begründet
worden und daher im ganzen recht hypothetisch geblieben. Deshalb soll diese
Frage, angeregt durch die These Baakens, mit bisher nicht angeführten
Argumenten neu zur Diskussion gestellt werden.].
Bereits eingangs wurde festgestellt, daß die Beschreibung,
die der durch die sächsische Politik HEINRICHS
IV. geschädigte Wilhelm innerhalb Brunos
Berichterstattung über den Sachsenkrieg erfährt, nur auf einen
reich begüterten Grundherrn, der seinen Besitzmittelpunt in Lodersleben
hatte, zzutreffen dürfte [106 Bruno c. 16 Seite 23 führt
dazu aus:Willehalmum quoque, qui propter nimium cultum sui rex de Lotztheslovo
appellabatur ... quia multa ei erant praedie ...]. An einer späteren
Stelle seiner Erzählung berichtet Bruno, Wilhelm von Lodersleben
und
Fridericus
de Monte seien 1073, als der Einmarsch des königlichen Heeres
nach Sachsen drohte, eidbrüchig geworden, hätten die Sache ihrer
Landsleute im Stich gelassen und sich der Partei HEINRICHS
IV. zugewandt [108 Bruno c. 45 Seite 44.]. Auch diese
Episode aus der Feder Bruns wirft ein Licht auf die Stellung Wilhelms.
Wilhelm von Lodersleben erscheint in der Überlieferung
Brunos in den Jahren 1073/75. Wilhelm von Lutisburg wird als Bruder
des Großvaters Erzbischof
Wichmanns von Magdeburg, Graf Wichmanns von Seeburg, bezeichnet.
Der Erzbischof wurde um das Jahr 1116 [109 Vgl. Hoppe, Erzbischof
Wichmann von Magdeburg (wie oben Seite 71 Anm. 243) Seite 2.], sein Vater,
Graf Gero, der jung verstarb, um 1095 geboren [110 Vgl. Grössler
a.a.O. Seite 115.], dessen Vater, der schon erwähnte Graf Wichmann,
hat also in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelebt.
Für seinen Bruder,
Wilhelm von Lutisburg, und den von Bruno
beschriebenen Wilhelm vonn Lodersleben ergibt sich also ein zeitliches
Nebeneinander, das ausgezeichnet mit der Hypothese von der Identität
beider Personen übereinstimmt.
Zur Vervollständigung der hier sichtbaren Zusammenhänge
mag der Befund dienen, daß auch für die Herren von Querfurt,
die als engere Hauptlinie bekannt sind, in der unmittelbaren Umgebung von
Ludesburg
Besitz nachgewiesen werden kann. In der schon erwähnten, zwischen
1180 und 1193 für Kloster Marienzell ausgestellten Urkunde Bischof
Dietrichs von Halberstadt wird eine Schenkung angeführt, die
Erzbischof
Konrad, der Bruder Burggraf
Burchards I., dem Kloster gemacht hatte. Umschrieben ist dieses
Areal ferner durch die Angabe, es liege im Bereich des Dorfes Ludesburg.
Literatur:
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Annalista Saxo:
Reichschronik - Bruno: Das Buch
vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986
Seite 16,26,45 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung
im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977
Seite 303,305,306,308,315,316-318,322 -