Annalista Saxo
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 1009.

 
 [Der heilige Bruno, auch Bonifacius genannt, Erzbischof der Heiden, zuerst Canonicus von Sankt Mauricius in Magdaburh, ging am 14. Februar als berühmter Märtyrer zum Himmel ein.] Sein Vater hieß Bruno, die Mutter Ida und sein Bruder Gebehard. Gebehard zeugte Burchard und Ida, Burchard zeugte Gebehard, des Magadaburger Erzbischofs Konrad Vater. Ida gebar Gebehard, den Vater des Kaisers Lothar. Also war der selige Märtyrer Bruno von erlauchtem Geschlechte  entstammt, aber durch Gottes Erbarmen vor seinen übrigen Verwandten unter den Kindern Gottes ausgezeichnet. -
 
Der Vater [des Grafen Dedo vom Stamme Butzieci], Namens Theoderich, lebte zur Zeit Ottos I als ein Mann von besonderer Freiheit und er zeugte diese Brüder, die Grafen Dedo und Friderich. Dedo diente von Kindheit an dem Markgrafen Ricdag und seinem Sohne Karl. -
 
[Viele Brände entstanden, so daß in einem Flecken selbst Menschen im Feuer umkamen. Auch das Mainzer Münster,] welches vom Erzbischof Willigis mit dem größten Streben nach Pracht zur Ehre des heiligen Martin erbaut war, [wird mit allen dazu gehörigen Baulichkeiten, so daß allein die alte Kirche
übrig blieb, elendiglich vom Feuer verzehrt] am 30. August im achten Jahre des Königthums Heinrichs II. [Donner und Blitzen geschah oft in der Zeit des Winters.] Unter demselben Heinrich soll die Stadt Goslar in folgender Weise gegründet worden sein. Heinrich II pflegte die Gegend häufig der Jagd wegen zu besuchen, denn sie war waldreich und ausgezeichnet durch die Jagd auf Bären, Hirsche und Rehe. An demselben Orte lebte ein armer Mann, ein Bauer, Namens Gundelkarl, und in seine Hütte pflegte der König nach der Jagd einzutreten und jener ihm in der Hoffnung größeren Lohns Heerd und Tisch zuzurüsten, die Speisen zu kochen und nach der Arbeit ihm darzubringen. Denn in solchem Falle verschmähen auch die Könige nicht den Dienst der Knechte und Bauersleute. Als er nun, da er dies oft that, sein bischen Vermögen  ausgegeben hatte, erinnerte er den König daran, daß er seines Dienstes gedenken und ihm etwas zuwenden möge, womit er sein armes  Leben erhalten könne, doch so viel als der königlichen  Freigebigkeit gezieme. Da sagte der König: "Du wirst für deinen Dienst Lohn bekommen, wenn es mir gelegen sein wird." Aber, wie es so geht, die Erinnerung an den Armen verschwand sehr schnell aus dem Herzen des Mächtigen. Als der König darnach wiederum in diese Gegend kam, trat er nach seiner Gewohnheit in das Haus des Bauers und der wandte für ihn den aufgespeicherten Unterhalt eines ganzen Jahres auf. Weil er dies nun öfters gethan und nichts von ihm bekommen hatte, warf er sich eines Tags dem Könige zu Füßen und bat, ihm etwas Lohn zu gewähren. Dieser gab ihm die Erlaubniß zu bitten, was er wollte. Der Bauer sagte, er wolle nichts anderes,
als daß ihm der benachbarte Berg, welcher Rammesberch heißt, zu Lehen gegeben würde. Da hieß der sehr gnädige König ihn um etwas bitten, was ihm mehr nütze, aber jener blieb dabei, daß er nichts anderes wolle, da er vielleicht recht gut wußte, welchen Nutzen jener Berg ihm bringen konnte.  Endlich verlieh ihm der König, durch das Drängen des Mannes besiegt, den Berg, sagte jedoch, er hätte gewünscht, jener möchte um etwas Nützlicheres gebeten haben. Ohne Verzug ging der
genannte Mann nach Franconien, denn er war selbst ein Franke, brachte mehrere Stammesgenossen mit und begann den Ort Goslar zu bauen, und fand daselbst zuerst Erzadern mit Silber, Kupfer und Blei. Was soll ich mich noch bei vielem aufhalten? Jener Mann wurde mit den Seinen übermäßig reich und viele Menschen begannen sich in der Gegend anzusiedeln und ihre Sachen zum Verkauf dorthin zu bringen. Auf diese Weise entstand der so sehr berühmte Markt. Wie es aber zu geschehen pflegt, mit dem Reichthum wuchs jenen auch ihr Uebermuth und sie verachteten die von allen Seiten  Hinzukommenden und thaten diesen viel Unrecht. Das wurde den Fürsten Sachsens gemeldet. Diese lassen ihnen durch Boten  sagen: wenn sie ein friedliches und ruhiges Leben führen wollten, sollten sie aufhören, die dorthin Kommenden ungerechter Weise zu belästigen. Da sie aber auf ihren Reichthum zu sehr vertrauten, thaten sie, wie sie es gewohnt waren, den Ankommenden Schimpf an. Darüber waren die Fürsten Sachsens erzürnt, schickten ihre Leute dorthin und tödteten ihrer Viele; andere sind kaum den Händen der Wüthenden entgangen. So fiel jener Platz, der früher von Fremden bewohnt war, den Sachsen zu. Daß es also zugegangen, habe ich von denen, die  damals lebten, gehört; ob es aber feststeht oder ob das Gegentheil der Fall ist, weiß ich nicht sicher. Denn man sagt auch, daß
der Berg von den ersten Einwohnern jener Gegend  Frankenesberch genannt worden sei.
 

Das Jahr 1036.

 
 [Auf der Synode zu Tribur hat Otto von  Suinvorde, von der Synode gezwungen, sich durch einen Schwur von seiner Verlobten Machthild getrennt]. Nach dieser nahm er eine Frau, welche Emilias oder Immula oder Irmingard hieß und deren Schwester Namens Adelas den Markgrafen Otto von Italien geheirathet hatte. Die genannte Immula oder Irmingard gebar dem Otto fünf Töchter, deren Namen diese sind: Eilika, Judhita, Beatrix, Gisla, Berta. Eilika wurde Aebtissin. Judhita heirathete den Herzog Kono von Baiern, und als er gestorben war, führte sie Bodo, ein sehr edler Mann, heim und sie gebar ihm Adelheid; von dieser hat Herzog Heinrich von Lintburg den Herzog Walrabo gezeugt, der auch Paginus hieß, und zwei Töchter, von denen eine, Namens Agnes, den Pfalzgrafen Friderich von  Putelenthorp heirathete, die andere aber der Graf Friderich von  Arnesberge heimführte. Beatrix heirathete den Markgrafen [Heinrich von Schweinfurt] und sie gebar ihm eine Tochter, welche
Godefrid von Cappenberg nahm, und er hatte von ihr zwei Söhne Godefrid und Otto. Die Berta führte einer von den Fürsten der Baiern heim, der nach seiner Feste, die Havekesberg hieß, zubenannt war, und er zeugte mit ihr eine Tochter, welche Judhita geheißen wurde, und mit dieser verband sich durch ein unglückliches Ereigniß ein Ministerial, der für ihre edle Abkunft nicht paßte, und sie gebar ihm zwei Töchter: Judhita, welche "die Tapfere" genannt wurde, und ihre Schwester, welche Folrad von Hantorp nahm. Gisla wurde mit dem Grafen Wigmann von Seburg verbunden und er zeugte mit ihr den Grafen Gero, den Vater des Magdaburger Erzbischofs Wigmann, und die Aebtissin Hathwiga von Geronrothe. Dieses Grafen Wigmann Bruder war Graf Willehelm von Lutisburg und ihr Vater war Graf Cristin, der Bruder Gebehards von Quernvorde. - - [Brantog, der Halberstädter Bischof, starb im Herrn am 27. August]. Dieser machte in Halberstadt zwei Propsteien, die eine zur Ehre des heiligen Täufers Johannes und des heiligen Evangelisten Johannes, die andere zur Ehre des heiligen Bischofs und Märtyrers Bonifacius in Bossenleve.
 

Das Jahr 1040.

 
 [Der neue König feierte die Fleischwerdung des Herrn geziemend in Regensburg und als er der heiligen Maria Reinigung in Augsburg zubrachte, hielt er mit den Fürsten von diesseits der Alpen einen Reichstag über die Befestigung der Regierung ] und als alles nach seinem Wunsche geordnet war, kehrte er nach Franken zurück und blieb die Fastenzeit über am Rheine in geeigneten Orten. Ostern aber feierte er prächtig in Engelenheim und dorthin kamen zu ihm die Fürsten Burgundiens demüthig mit ihren Gaben, und kehrten fröhlich wieder von dort heim, sowohl mit seiner Gnade als auch mit Geschenken belohnt. Dorthin kam auch nach Ostern der Mailänder Metropolit, und als er wegen seines ganzen Streites, welchen er gegen den Kaiser Konrad geführt hatte, Genugthuung leistete, erwarb er sich durch Vermittelung der Fürsten die Gnade des Königs wieder und betheuerte aufs Neue mit einem Eide, daß er Frieden und Treue halten wolle; also begleitete er den König nach Köln und kehrte von hier in Frieden und mit der Gnade des Königs in seine Heimat zurück. Der König feierte die Himmelfahrt des Herrn in Niumagus, Pfingsten aber in Lüttich; darnach befahl er eine Heerfahrt ins Land Böhmen wegen der  Verwüstung Polens, und dorthin eilend sammelte er in Camba ein Heer am Himmelfahrtstage der heiligen Maria. Als das Gefolge von dort in dasselbe Land einzog und Markgraf
Otto von Suinvorde mit den Baiern des Ausspähens wegen durch waldige und unwegsame Gegenden einbrach, gingen Einige, welche aus der Umgebung des Königs ausgesandt waren, unbesonnen vor, weil sie hofften, sich auszeichnen zu können, indem sie einen Verhau im Walde erobern wollten;
daselbst wurden sie aber in einem vorbereiteten Hinterhalte von Bogenschützen umzingelt und es sind Graf Werinher, ein Oberster und Fahnenträger des Königs, mit einer Anzahl königlicher Trabanten, und Graf Reinhard, der Majordomus der Fuldaer Kirche, mit den Ausgesuchtesten von den Vasallen des heiligen Bonifacius, o Jammer! in blutiger Schlacht am 22. August gefallen. Am folgenden Tage wurden Einige von der schon weiter vorgerückten Schaar Otto's, welche denselben Verhau von der
anderen Seite angriffen und von denselben Bogenschützen  überfallen wurden, nämlich Graf Gebehard, Wulfram und  Thietmar, mit mehreren bairischen Rittern elendiglich getödtet. Auch die Sachsen mit dem Metropoliten Bardo von Mainz und dem Markgrafen Ekkihard waren am erwähnten Feste der heiligen Jungfrau in Donin zusammengekommen und drangen an einem Sonntage, am 24. August, mit sehr geringer  Mannschaft, aber wie es sich zeigte, unter Begleitung des göttlichen
Schutzes gewaltsam in dasselbe Land ein, und neun Tage nach Belieben umherziehend verwüsteten sie es mit Morden, Plündern und Brennen, bis sie endlich als Sieger davonzogen, als ein ehrwürdiger Mann, der Mönch Guntar, mit einer  Botschaft vom Könige kam, das Geschehene mittheilte und zur
Heimkehr rieth, da Frieden gewährt und angenommen war.
Nur drei Vornehme von den Unsrigen, Gerold, Radulf und Bucco, sind daselbst am 31. August gefallen. - Der König  aber feierte der heiligen Maria Geburt in Babenberg; von hier zog er nach Sachsen und verbrachte das Fest des heiligen  Michael in Corbeja. In demselben Jahre starb Herr Bruno, Vorsteher der Mersburger Kirche; an seinen Platz trat Hunold.  Der König hielt am Feste des heiligen Andreas einen  Reichstag in Altstide, woselbst er auch Gesandte der Ruzen mit  Geschenken empfing.  - In derselben Zeit traten die Gewässer  weit und breit aus, wodurch an verschiedenen Orten viele elendiglich umgekommen sind.
 
Eberhard, frommen Gedächtnisses Bischof von Babenberg, starb; zu seinem Nachfolger bestimmte König Heinrich nach einmüthiger Wahl aller Frommen seinen Kapellan Suitger, einen Diakon von gutem Rufe. Seine Mutter war Amulrad, die Schwester des Magdaburger Erzbischofs Walthard, welche Konrad von Maresleve und Horneburg heirathete und welche ihm diesen Suitger, der Kanonikus des heiligen Stephan in Halberstadt war, darnach Bischof in Babenberg, endlich Papst
von Rom, - dann Konrad, welcher, wie es heißt Kanonikus des heiligen Mauricius in Magdeburg und darnach Patriarch von Aquileja gewesen ist, und Adalbert geboren hat. Dieser nahm sich eine Frau zur Ehe, welche seine Leibeigene war und welche seiner Schwester, die Dignamenta oder Margareta
hieß, übergroßen Schimpf zufügte; deshalb wurde sie nach dem Plane und auf Geheiß derselben in eben dieser Burg Horneburg erschlagen. Darum hat Adalbert selbst diese Burg mit den dazu gehörenden Gütern der Halberstädter Kirche unter der Bedingung des Besitzes auf Lebenszeit übergeben, damit nämlich nicht jene oder ihre Kinder diese Erbschaft bekämen. Dignamenta oder Margareta selbst hatte aber einen Theoderich geheirathet, dessen Bruder Hanulf von Ammenesleve hieß, und sie gebar ihm eine Tochter Namens Amulrada. Diese Amulrada nun nahm zur Frau zuerst Ekbert von Hertbike und Mesburge, und sie gebar ihm vier Töchter, die Nonnen Bertrada und Margareta, dann Ida und Bia. Ida gebar von Gevezo aus Thüringen den Kanonikus Ekbert vom heiligen Stephan in Halberstadt; als jener gestorben war, heirathete sie Meinhard von Orlagemünde und gebar ihm Meinhard und andere; als dieser ebenfalls starb, bekam sie Kizo, der Sohn Arnolds von Warmonestorp. Bia heirathete einen Mann, dessen Name Dedi war, und als dieser gestorben war,
empfing Dedi von Crozok sie zur Frau und sie gebar von ihm Guncelin und eine Tochter Namens Machtilda, welche Werinher von Veltheim heimführte, und sie gebar den Werinher. Die erwähnte Amulrada aber bekam, als Ekbert gestorben war, Theoderich, der Schwestersohn des Königs Herimann, dessen Bruder der oben genannte Dedi gewesen ist, welcher Amulrada's Tochter Bia zuerst heimgeführt hatte, und sie gebar von demselben Theoderich den Grafen Milo und dessen Brüder, und zwei Töchter Oda und Gisla. Graf Milo führte Liutburga heim, die Tochter des Grafen Otto und der Gräfin Adelsindis von Eilikistorp, und er zeugte mit ihr die Grafen Herimann und Otto von Hildesleve und Bia, mit welcher Burchard von Konradesburg sich verheirathete und Burchard und Andere zeugte. Oda, Milo's Schwester, heirathete Gevehard von Quernevorde und sie gebar den Magedaburger Erzbischof Konrad und Burchard, den Burggrafen derselben Stadt; Gisla aber verband sich mit Walo von Vakenstide. Nun wollen wir zur Chronik zurückkehren.
 

Das Jahr 1106.

 
In dieser Zeit begann Udo, der Graf der Nordmark, als er eine Zusammenkunft mit Herzog Magnus und dem Erzbischof von Bremen hielt, plötzlich an heftiger Krankheit zu leiden. Als diese zunahm wurde er an einen Ort Namens Rossenveld gebracht und ging am 2. Juni aus dieser Welt heim, um so seliger, je eifriger er durch das Fasten und Beten jener Schaar von Mönchen unterstützt wird, der er
selbst sorglich die Mittel zum irdischen Leben und die Linderung väterlichen Trostes gewidmet hat. Seinem Bruder Rodolf ist die Mark für acht Jahre vom Könige Heinrich überlassen worden, damit er Heinrich, den Sohn desselben aufziehe. Auch starb Herzog Magnus von Sachsen, der die Witwe  Odelrichs von Wimmar, Sophia, die Schwester des Ungarnkönigs Ladizlaus, zur Frau genommen hatte, und sie gebar ihm zwei Töchter, Wifhildis und Eilika. Eilika heirathete den Grafen Otto von Ballenstide und er zeugte mit ihr den Markgrafen Adelbert und eine Tochter Adelheid, welche den Markgrafen Heinrich von Stathen heirathete. Wifhildis heirathete den Herzog Heinrich, den Sohn des Herzogs Welf des Aeltern von Baiern, und gebar Heinrich, den berühmten Herzog von Sachsen und Baiern, und Welf und vier Töchter. Eine von diesen Namens Juditha führte Friderich der Herzog der
Schwaben heim; die zweite Namens Sophia der Herzog Berthold von Zaringe und nachdem dieser getödtet war, Markgraf Liuppold von Stire, der einen Beinamen von seiner Tapferkeit hatte; die dritte Namens Wifhildis bekam Graf Rodolf von Bregenze; die vierte Namens Machtild heirathete Thieppold den Jüngern, den Sohn des Markgrafen Thieppold des Aeltern, und nach dem Tode desselben führte sie Gebehard heim, der Sohn des Grafen Beringer von Sulzbach. - Am 18. Juli wurde der Mond während einiger Stunden der Nacht verfinstert. - Auch sterben die Grafen Adulf und Godefrid.
 
Nach dem Herzoge Magnus empfing das Herzogthum Sachsen der Graf Lothar oder Liuder von Suplingeburch, welcher mit dem heiligen Bruno blutsverwandt war, der den Beinamen Bonifacius hatte. - Der Vater dieses Bischofs und Märtyrers hieß Bruno, die Mutter Ida, sein Bruder Gebehard. Gebehard zeugte Burchard und Ida. Burchard zeugte Gebehard, den Vater des Magedaburger Bischofs Konrad und des Magedaburger Grafen [Burchard]. Ida gebar den Gebehard, den Vater des Herzogs und nachmaligen Kaisers Lothar oder Liuder.
 

Das Jahr 1126.

 
König Liuder feierte Weihnachten in Straßburg und der Herzog Friderich von Alsatien wird nach dem Urtheile der Fürsten verdammt, weil er Empörung gegen den König anstiftete. Der König kehrt in die Heimat zurück. Zu Corbeja trat die Wisera aus, da das Eis wie ein Riegel sie zurücktrieb, und nahm die ganze Fläche der Stadt ein; sie bedeckte wie ein stehendes Gewässer den Fußboden der Kirche des
theuern Märtyrers Vitus, aber bald hernach zieht sie sich durch den Schutz dieses Heiligen ohne Schaden anzurichten in ihr gewohntes Bett zurück. Außerdem entstanden in vielen anderen Ortschaften verschiedener Gegenden durch starke Ueberschwemmungen große Schrecken und Gefahren. In Goslar findet in Anwesenheit des Königs eine zahlreich besuchte  Fürstenversammlung statt und von allen wird eine Heerfahrt gegen Herzog Friderich nach Pfingsten gelobt. [König Liuder zog mit einer nur kleinen Schaar, welche er zusammengerafft, nach Böhmen um Otto wieder einzusetzen, der sich beklagte, daß er ungerecht seines Herzogthums beraubt sei; sehr unvorsichtiger
Weise, denn er nahm nicht mehr als dreitausend Mann mit sich, der Feinde aber waren zwanzigtausend oder mehr. Zweihundert von den leichteren Truppen aber schickte der König voran, um den Verhau des Grenzwaldes niederzulegen, welcher Böhmen gegen Sachsen abgrenzt. Und da diese nun, in  unwegsamen und steilen Schluchten des Waldes vorwärts kriechend, so zu sagen, sich abmühten, wurden sie ermüdet durch den tiefen Schnee und die Abholzung des Gehäges, plötzlich von einem feindlichen Hinterhalte umringt. . . . . . Die Meisten werden daselbst getödtet, die Besten des Landes, tapfere und edle in Krieg und Frieden berühmte Männer,] an Zahl 270. Unter diesen waren die bedeutendsten Graf Milo von Ammenesleve, Gebehard von Querenvorde, Berenger von Quenstide, Bertold von Acheim, Walter von Arnstide und andere mehr, welche aufzuzählen zu weitläufig wäre. Hatten sie die Möglichkeit gehabt, in ebenem Lande zu kämpfen, wahrhaftig, den Nachkommen wäre bekannt geworden, wie groß ihre Tapferkeit war. Dennoch fallen sie nicht als Feige oder Flüchtlinge. Niemand ist dort gesunken, dessen Gesicht dem Feinde abgewandt war, woran man den Fliehenden erkennt, sondern alle mit gegen den Feind gekehrtem Gesichte. Keiner hat den Platz, den er lebend behauptet, im Sterben aufgegeben. Auch die Feinde hatten starken Verlust. Otto, dessen wir oben  Erwähnung gethan haben, wurde entseelt gefunden mitten unter den dichtgedrängtesten Leichen der Feinde. Markgraf Adelbert, ein ritterlicher Jüngling mit herrlichen Gaben, wird gefangen. Durch diese Nachricht heftiger gegen den Feind erzürnt, schickt der König sich, wie ein wild gewordener Leu, zum Kampfe an, lieber alles erdulden wollend, als sich durch schimpfliche und ungewohnte Flucht retten. Aber Herzog Sobezlaus erschrak, als er von der auch durch das Unglück nicht erschütterten  Ausdauer des Königs hörte, und schickte flehende Boten zum König. Endlich selbst vor den König geführt, wirft er sich nieder und bittet um Vergebung. Als er zuletzt mit Mühe des Königs Gnade erlangt hatte, macht er sich zum Vasallen des Königs, betheuert mit einem Eide, daß er fortan dem Könige unterthänig und treu sein werde, verspricht die Gefangnen  loszugeben, empfängt das Land zu Lehen und mildert den Schmerz des Königs über die Niederlage des Heeres durch Unterwürfigkeit und große Demuth. Als dies geschehen war, zieht der König zurück, tiefbetrübt über den Untergang der tapfersten Ritter.
 
Der König feierte das hochheilige Fest der Auferstehung des Herrn in Magedaburg und verhandelte mit den Großen der Kirche und des Reiches über die Besetzung dieses Bisthums, welches damals herrenlos war; als dort bei der Wahl große Schwierigkeiten entstanden waren, kamen die Häupter der
Magedaburger Kirche nach dem Wunsche und Rathe des Königs einmüthig in Speier zusammen und setzten nach dem  übereinstimmenden Rathe des Königs und der Kirche Herrn Nortbert, einen frommen Mann, der in allen Kirchen das Wort Gottes überströmend gepredigt hatte, unter Gottes Beihülfe in einmüthigem Frieden und in Eintracht als Bischof ein.
 
[Der König zog zu Felde gegen Herzog Friderich von Alsatien, aber da dieser sich in die festeren Positionen seines Landes zurückzog, kehrte der König unverrichteter Sache zurück.]
 
Bischof Arnold von Mersburg wurde am Pfingstabende erschlagen.
 
[Zu Trier wurde bei Sanct Eucharius unter dem Altar des heiligen Johannes des Täufers der Leib des heiligen Apostels Mathias gefunden. Er wurde feierlich erhoben und wird seitdem von dem ganzen deutschen Volke mit größter Andacht verehrt].
 
Herzog Heinrich von Baiern und seine Gemahlin  Wulfhild, die Tochter des Sachsenherzogs Magnus, starben. Dieser Heinrich war der Sohn des Herzogs Welf und ein Bruder Welfs des Jüngern, mit deren Abkunft es sich also verhält. Zur Zeit des Kaisers Lodowich des Frommen, des Sohnes Karls des Großen, gab es unter den Fürsten Baierns einen, der doppelnamig war, denn er wurde sowohl Eticho als Welf genannt; dieses Mannes Tochter Judith nahm Lodowich selbst nach dem Tode der Kaiserin Irmingard zur Ehe und zeugte mit ihr den Kaiser Karl den Kahlen, unter dessen Kindern und   Enkeln in langer Reihe das Reich der Franken blühte. Sein Großvater, der erwähnte Eticho oder Welf, war ein Fürst von besonderer Freiheit, der niemals für ein Lehen sich der Hoheit eines Andern, auch nicht des Kaisers selbst, unterworfen hat und eben dies seinem Sohne Namens Heinrich anbefahl, daß er sich niemals der Hoheit eines Andern unterwerfen sollte. Der Sohn aber, welcher diese Vorschrift für unvortheilhaft hielt, unterwarf sich auf Zureden seiner Schwester, der Kaiserin Judith, der Hoheit des Kaisers unter der Bedingung, daß er ihm im Lande seiner Gemahlin soviel an Gütern verleihen sollte, wieviel er in der Mittagszeit mit seinem Pfluge umgehen könnte. Da nun der Vater diese That des Sohnes der wunderbaren Ungleichheit ihres Charakters gemäß sehr übel nahm, ging er aus Baiern fort und verbrachte den Rest seines Lebens im Gebirgslande in einem kleinen Gebiete bei dem Walde, der Scerenzerewald heißt, mit zwölf Großen, welche ihm mehr als die Andern anhingen, indem er den Weg, auf welchem er gekommen war, versperrte, und seitdem hat weder er den Sohn, noch der Sohn ihn gesehen. Der Sohn aber hat die ihm versprochenen Güter durch seine Schlauheit also erworben. Er ließ sich nämlich einen goldenen Pflug machen und verbarg ihn bei sich; dann ritt er während der  Mittagszeit, als der Kaiser schlief, mit auf dem Wege aufgestellten Pferden eilig im Kreise um die schon erwähnten Güter herum, und als alle Pferde müde geworden waren, stieg er auf eine zufällig vorgefundene Stute und versuchte einen dazwischenliegenden  Berg auch noch hinzuzufügen; da aber die Stute stehen blieb und ihn nicht zu ersteigen vermochte, hörte er hier auf. Daraus ist diesen Fürsten von Ravanesburg die Sitte erwachsen, daß keiner von ihnen bis jetzt wegen irgend eines Nothfalls auf eine Stute steigt, und von jenem Ereignisse wird dieser Berg bis heute Merenberg genannt. Inzwischen
erhob sich der Kaiser Lodowich vom Schlafe und Heinrich stellte sich ihm mit seinem Pfluge dar, bittend, daß er sein Versprechen erfüllen und durch sein kaiserliches Gebot bekräftigen möchte. Obwohl er nun eine Weile zürnte, daß er so schlau überlistet worden, gedachte er dennoch seines Versprechens und übergab ihm alles, was er umgangen hatte, indem er es vollständig ankaufte; und seit dieser Zeit nahmen diese Fürsten von der Feste Ravanesburg, welche mit ihrer Umgebung in ihren Besitz kam, den Namen an, während sie vorher nach einem Dorfe Altorp geheißen wurden. Aus diesem Geschlechte entstammten im Laufe der Zeiten drei Brüder: Rodolf, Eticho oder Welf und Konrad, welche zur Zeit des Königs Heinrich, des Vaters Otto's des Großen, lebten. - Von diesen hat Konrad die Konstanzer Kirche geleitet und ist mit dem  Augsburger Bischofe, dem heiligen Othelrich, durch Klugheit und Heiligkeit des Lebens berühmt geworden. Rodolf zeugte den Grafen Welf, Welf zeugte Kuniza, Kuniza heirathete den Markgrafen Azo von Langobardien von den Schlössern Kalun und Estin, welche in Langobardien gelegen sind, und gebar ihm Welf den Aeltern. Dieser führte zuerst eine Frau Namens Ethilinde heim, die Tochter des Herzogs Otto von Baiern, eines Mannes von sächsischem Stamme und von ebenso hohem Range als Adel, so daß er die Zuversicht hatte, gegen den Kaiser Heinrich dieses Namens den Vierten sich zu empören. Der Kaiser jedoch beraubte ihn, den freilich ungerecht Unterdrückten, des Herzogthums und setzte ihm seinen Schwiegersohn, den erwähnten Welf, zum Nachfolger. Welf hat darauf, ich weiß nicht aus welchem Grunde, jene Ethilinde verstoßen und die Witwe des Angelnherzogs Harald, Namens Judith,  geheirathet, und mit ihr zeugte er zwei Söhne, nämlich Herzog Welf den Jüngern und diesen Heinrich, von dem wir jetzt sprechen. Welf, der ältere von beiden, heirathete jene sehr mächtige Machtild von Langobardien und starb kinderlos, und hinterließ das Herzogthum dem Bruder Heinrich. Als dieser Heinrich von hochbejahrten Leuten das hörte, was oben von dem ersten Eticho erzählt worden ist, kam er in das  Gebirgsland, in welchem derselbe vom Sohne sich trennend gewohnt hatte, woselbst er auch begraben worden war, um nachzuforschen, und ließ das Grab desselben und derjenigen, welche bei ihm begraben waren, öffnen, und da er die Wahrheit bestätigt fand, ließ er am selbigen Orte über den Gebeinen jener Leute eine Kirche erbauen. In seiner Gegenwart wurde auch der Leib des eben erwähnten heiligen Konrad aus dem Grabe erhoben, welchen Gott damals und früher durch viele Wunder verherrlicht hatte; aus Liebe zu diesem und um seiner Ehre willen hat der Herzog große Geschenke an Landgütern und  Dienstleuten beiderlei Geschlechts der Konstanzer Kirche an diesem Tage gemacht und durch solch Unterpfand sich deutlich als Verwandten eines so großen Mannes bewiesen. Dieser zeugte mit der vorerwähnten Wulfild zwei Söhne, Herzog Heinrich von Sachsen und Baiern und Welf, und vier Töchter, von denen an einer andern Stelle geredet worden ist.
 
Als Walo der Jüngere von Vakenstide seine Gattin Gisla, die Tochter Theoderichs von Ammenesleve, die Schwester des Grafen Milo, verstoßen hatte und Agnes, des Herzogs Heinrich von Lintburg Schwester, zu sich nehmen wollte, und als jene ihm am Hartgebirge bei dem Flusse Boda  entgegengekommen war, wurde er daselbst von dem Grafen Wernher von Veltheim, einem Anverwandten nämlich der Gisla, erschlagen; sie jedoch entfloh. Darnach hat Pfalzgraf Friderich der Jüngere von Sumersenburg Derneberg, eine Burg desselben, welche seiner Grafschaft gar gefährlich war, von Grund aus zerstört. Dieser Walo hatte einen Vater Namens Walo, der ebenfalls in früheren Jahren erschlagen worden war, und seine Mutter war Friderinda, die Schwester Lodowichs von Wippera; seine Tochter von der erwähnten Gisla hatte der Hildinsheimer Vicedominus Bernhard geheirathet und zeugte mit ihr einen Konrad.