Ruth Schölkopf
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"
 

20. Die Sippe des Grafen Erp
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Die Traditionen von Corvey verzeichneten die Übertragung eines Erp und seiner Gattin Amulrad, die für sich und ihre Söhne Walthard und Liudolf dem Kloster neun Hörigenfamilien in verschiedenen - heute wüsten - Orten in der Umgebung von Löwendorf und Bremerberg (bei Höxter) überwiesen. Diese Tradition erfolgte kurz vor 1000. Der Herausgeber des Schenkungsregisters koppelte sie fälschlich mit der Übertragung eines Walthard und seiner Gattin Windilwith, die dem Kloster für sich und ihren Sohn Recheri 4 Familien in Emschede (nordwestlich von Münster in Westfalen) schenkten. Da das Rechtsgeschäft in Gegenwart des Abtes Gerbernus getätigt wurde, fiel es in den Zeitraum von 948 bis 965. Vermutlich standen die beiden Familien in verwandtschaftlicher Beziehung. Das Ehepaar Erp und Amulrad begegnet bei Thietmar wieder. Er erwähnte sie als Eltern Erzbischof Walthardus, qui et Dodico vocabatur. Thietmar bezeugte, dass Walthard ex nobilissimis natalibus genealogiam ducens. Er charakterisierte seine Eltern: erat eiusdem pater Erp senior, vita laudabili, carus cunctis suimet contemporalibus, mater autem eius Amulred nomine, quae castitate pia et opere herili... lucebat.
Walthard war von 984 an Praepositus in Magdeburg. Das Domkapitel wählte ihn 1004 zum Erzbischof, doch der König zwang ihn aus unbekannten Gründen zum Rücktritt. Erst 1012 bestieg er den erzbischöflichen Stuhl. Er starb noch im gleichen Jahr seiner Erhebung. Sein Todestag wurde im Necrologium des Erzstiftes Magdeburg am 12. August verzeichnet. Ebenfalls notierte man am 16. April den Tod eines Erp laicus, was wir wohl auf seinen Vater beziehen dürfen.
Walthards Bruder Liudolf war vermutlich mit dem Liudolf comes personengleich, der nicht lange nach 1000 dem Kloster Corvey seinen Eigenbesitz in Wrethum (Wehrden ?) tradierte. Ein Graf Liudolf leistete mehrfach Testate für Paderborn, die in die Jahre zwischen 1015 und 1020 fielen. Urkundlich war er schon 1006 als Graf im Gebiet von Böckenförde (Kr. Lippstadt) nachweisbar. Sein umfangreiches Herrschaftsgebiet schälte sich durch eine Urkunde HEINRICHS II. von 1021 heraus, der nach dessen Tode den Amtsbereich in locis Sorathfeld, Sinuthfeld, Almunga, Treveresga, Burclaun in die Hände des Bischofs Meinwerk von Paderborn übergab. Graf Liudolf verfügte demnach über Grafschaftsrechte in zerstreut liegenden Orten in den Kreisen Büren, Lippstadt und Soest, einem Gebiet also, das dem tradierten Eigentumsbetrieb Erps und Amulrads benachbart war.
Außer dem Bruder Liudolf hatte Walthard nachweisbar noch 2 Schwestern. Eine von ihnen war Nonne (Name unbekannt). Die andere, die den Namen ihrer Mutter Amulrad trug, heiratete dem sächsischen Annalisten zufolge Konrad von Morsleben und Horneburg. Beider Sohn war der berühmte Switger, der zuerst in Halberstadt Kanoniker und später königlicher Kaplan wurde. 1041 bestieg er den Bamberger Bischofsstuhl. Im Jahre 1047 erhob ihn HEINRICH III. zum Papst Clemens II.
Switger hatte noch 2 Brüder, Konrad und Adalbert. Konrad schlug wie sein Bruder die geistliche Laufbahn ein. Er stieg von der Stellung eines Magdeburger Kanonikers zum Patriarchen von Aquileja auf. Adalbert blieb weltlich. Er verweist durch seine Heirat auf einen weiteren Sippenzusammenhang. Margareta, die Schwester seiner unbekannten Gattin, heiratete einen Theodericus, den Bruder Hanulfs de Ammenesleve (Ammensleben bei Wolmirstedt, im Nordthüringgau). Auf beider Tochter vererbte sich der Name Amulrad fort. Der Vater der beiden Brüder war vermutlich jener Milo, der aus persönlicher Feindschaft Graf Bruno von Braunschweig erschlug. Dieser Schluß ist möglich, weil der Name Milo von Ammensleben wieder bei dem Enkel Thiedrichs und Hanulfs auftauchte, der 1126 im Kampf sein Leben ließ.
Wegen der Seltenheit dieses Namens möchte man auch den Bischof Milo von Minden (969-996) dieser Sippe zurechnen.
Wir haben hier also eine Sippe von vornehmer Herkunft vor uns, deren Mitglieder wohl zum größten Teil freie Landedelleute waren. Auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Adel stand ihnen sowohl der Aufstieg in ein Grafenamt als auch in höchste kirchliche Stellungen offen.
Erst zu Beginn des 11. Jahrhunderts war ein Graf Erp im Paderborner Gebiet nachweisbar. Er leistete in dem Zeitraum von 1015-1024 zahlreiche Testate für Bischof Meinwerk von Paderborn. Sein eigenes Herrschaftsgebiet läßt sich nicht mehr feststellen. Vermutlich war Graf Erp Lehnsträger des Bistums Paderborn. In der Stellung eines bischöflichen Vogtes ließ er sich jedoch nicht nachweisen. Seinem Namen nach war er vermutlich mit Erp senior der Traditionen verwandt.
Hömberg wies darauf hin, dass die Grafen von Padberg den Namen Erpo als Leitnamen trugen und als Lehngrafen des Paderborner Bistums im Diemelgebiet seit dem 1. Viertel des 11. Jahrhunderts amtierten. Sie lassen sich später als Grafen im Ittergau nachweisen.
Für den eben genannten Grafen Erpo reichen die Belege nicht aus, um ihn zu einem "Grafen von Padberg" zu machen.