Berthold                                                    Graf der Westbaar 786-802
------------                                                  Graf der Ostbaar
    -10.8. zwischn 804 und 813/15
 

Sohn des Raginsind? und einer Tochter des Grafen Halaholfus
 

Mitterauer Michael: Seite 131
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"Karolingische Marken im Südosten"

Bertholds Bruder Wolfinus war nach 806 Graf von Verona.

Schmid Karl: Seite 495
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"Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter"

Im St. Galler Verbrüderungsbuch folgen nach der UDALRICHINGER-Familie und nach erih die Namen peratolt, adlabert, berihtilo, caroman. Man könnte vermuten, dass auch in dieser Liste zunächst ältere, inzwischen verstorbene Grafen Alemanniens aufgezeichnet wurden, da Birtilo und Bertold als Grafen in einer St. Galler Urkunde von 786 bezeugt sind, während Caroman von 797 bis 834 nachzuweisen ist. Nahegelegt wird die Vermutung dadurch, dass in der zweiten Kolumne eine Namensfolge erneut mit perttolt beginnt und nach egino und uuolini die Namen uuago, chadaloh, baldabert, die Namen von Brüdern, Söhnen des Grafen Bertold, nennt, die 790 und 805 in St. Galler Urkunden genannt werden. Ist dieses Zusammenstehen von Namen nicht zufällig, sondern durch die Zugehörigkeit zur gleichen Sippe bedingt, so hätten wir einen Hinweis auf die Zugehörigkeit eines Egino zu den BERTOLDEN. Dieser Hinweis erscheint im Hinblick auf die Bischöfe Egino von Verona und Egino von Konstanz (781-811) aus der Zeit KARLS DES GROSSEN nicht ohne Belang.

Borgolte Michael: Seite 71-75
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"Die Grafen Alemanniens"

BERTOLD (II)
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* 775/76/78/79

§ Bereich der Bertoldsbaar [und der Alaholfsbaar] 785/86/88/89 IV 11 - ?803 XII 11)

Belege mit comes-Titel:
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W I Nrn. 107 (= ChLA II Nr. 112), 150 (= ChLA II Nr. 133),170 (= ChLA 11 Nr. 153, Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 46f. [ohne comes-Titel]; ChLA II Nr. 170, Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 46f.), 176 (= ChLA II Nr. 146, Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 48f. [ohne comes-Titel]), 185f., Indiculus obsidum Saxonum 233, Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau 114, W II Anh. Nr. 21, Necrologium Augiae Divitis 278 ad 10.8. (Necr. A ohne, Necr. B mit comes-Titel), Necrologium monasterii sancti Galli 478 ad 10.8. (= St. Galler Totenbuch 49)

Belege ohne comes-Titel:
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W I Nrn. 81 (= ChLA I Nr. 87),127 (= ChLA 1I Nr.123; Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 34f.), 135 (= ChLA II Nr. 132; Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 36f.), 171, St. Galler Gedenkbuch pag. 8  (= Piper, Libri Confrat. 20 col. 32,5 und col. 33,4), W I Nr. 302, ? St. Galler Gedenkbuch pagg. 21, 68 (= Piper, Libri Confrat. 39 col. 88,7 und 89 col. 285,15)

Literatur:
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Stälin, Geschichte I 243,330 - Meyer von Knonau, Die angeseheneren Urheber 232-235 - Baumann, Gaugrafschaften 15 - Bauer, Gau und Grafschaft 76 A. 140, 78 A. 146 - Bader, Zum Problem 436 - Jänichen, Baar und Huntari 94-96,100, 102-107,108, 110-112,133f.,147, Tafel 2: "Die Bertholde" und Tafel: "Die Grafen der Baaren" im Anhang - Tellenbach, Der großfränkische Adel 52-54 - Baumhauer, Monasterium Sancti Petri 16-24,33f.,46,57-68 - Hlawitschka, Franken in Oberitalien 165 A. 6 - Mitterauer, Markgrafen 19,38,131 - Werner, Adelsfamilien 103 - Bosl, Franken 88,139 - Mayr, Studien 35-39,138 - Schmid, Zur historischen Bestimmung 507, 514 - Borgolte, Das Königtum am oberen Neckar 91f. und ebd. Anhang Nrn. Icle - Ders., Geschichte der Grafschaften Alemanniens, Kap. V.3,V.4 - Ders., Alaholfingerurkunden, passim - Rappmann, Die älteren necrologischen Aufzeichnungen

Aus dem letzten Viertel des 8. und dem Beginn des 9. Jahrhunderts datieren einige St. Galler Urkunden mit Nachweisen für einen oder mehrere Grundherrn und Grafen namens Bertold. Ich möchte diese Zeugnisse in 4 Gruppen besprechen, um die Frage der Identität im einzelnen klären zu können. Die 1. Gruppe bilden die Urkunden 127,185,186 und 302 des St. Galler Urkundenbuches. Nach W I Nr. 127 vom 17. November 790 haben Perahtoltus und seine Gemahlin Gersinda dem Kloster an der Steinach Güter in Zeil an der Donau, Reutlingendorf und Möhringen übertragen; an der Spitze der Zeugenreihe sind Chadaloh und Paldebert, Söhne des Tradentenpaares, als Konsentienten des Rechtsgeschäftes genannt. 826 werden Bertold und Gersind abermals erwähnt, als ein jüngerer Bertold den Akt von 790 erneuert (W I Nr. 302). Dieser Bertold (III) war, wie aus anderen Zeugnissen erhellt, ein Enkel Bertolds und Gersinds, der Sohn des 790 belegten Chadaloh (I).
Chadaloh selbst hatte 805, zum Teil mit seinem Bruder Wago, zahlreiche Güter im Bereich der Alaholfsbaar an St. Gallen gegeben (Nrn. 185f.). In den beiden von diesen Traditionen erhaltenen Urkunden bezeichnen sich Chadaloh beziehungsweise Wago ausdrücklich als filii (filius) Perahtolti (Perabtoldi) comitis.
Die 2. Zeugnisgruppe umfaßt die St. Galler Urkunden 150,170, 171 und 176. Am 17.11.797 übertrug die deo sacrata Ata aliquam portionem de rebus meis, quas de parte genetricis mee Gaersoinde, filia quondam Ascarici, me contigit iure hereditario possedisse; diese portio aus dem Erbe der Gerswind  lag in Seedorf, in ducatu Alamannie (Nr. 150). An 1.r Stelle der Zeugenreihe steht ein Berahttoltus comes. Ungefähr 5 Jahre später, vielleicht am 22. Oktober 802, tradierten Pertoldus comis et mater sua nomine Raginsinda Liegenschaften in pago nuncupanti Bertoltipara, und zwar in den Ortschaften Aselfingen und Mundelfingen (Nr. 170; zit. nach ChLA 11 Nr. 153). Im November 802 schenkte dann Reginsind(...) pro Dei timore uel remedio anime mee et anime filii mei Porahteldi uel pro eterna retributione allen Besitz in pago, qui dicitur Sualafeld, (...) quicquid mihi pater meus Germunt legitime et secundum sacrificium Francorum dereliquit in hereditatem uel in hac die presente uisa sum habere ibidem an St. Gallen (Nr. 171); die Zeugen dieser Urkunde führen die Konsens erteilenden David und Thrudmunt an. Auch wenn die Güter der Nrn. 170 und 171 sehr weit voneinander entfernt liegen, reicht die Identität der Namen von Mutter und Sohn für die Annahme der jeweiligen Personengleichheit wohl aus (vgl. Bosl, Mayr 35-38). Dass Raginsinds Sohn mit dem Zeugen von 797 identisch war, erhellt aus W I Nr. 176 von ?803 XII 11. Egino, Bischof von Konstanz und Rektor des Klosters St. Gallen, hat demnach zusammen mit Abt Werdo dem Grafen Bertold jene Güter verliehen, die dieser in Mundelfingen und die Ata quaedam matrona in Sedorf übertragen hatte. Offenkundig bezieht sich die Urkunde sowohl auf W I Nr. 150 als auch auf Nr. 170. Im übrigen nimmt eine Verfügung der Nr. 176 ausdrücklich auf eine Bedingung in der Tradition Bertolds und Raginsinds von ca. 802 Bezug. Hier heißt es am Schluß des Kontextes. Et precamus uobis in dei amore, post nostrum obitum ut nullus secularius homo non habiat in beneficio, nisi ipsa res debet seruire pro animas nostras, ubi nos concessimus ad soli deo ad habendum, tenendi, dominandi uel quicquid exinde uos successoresque uestri facere uolueritis liberam in omnibus atque firmissimam habeatis potestatem faciendi, in dei nomine perfrua-mini arbitrium; in Eginos Urkunde wurde dementsprechend der Passus eingefügt: Et hoc uobis in hac carta placuit inserendum, ut quemadmodum Perabtoldus nos petuit, ut Munioluingas neque nos, si evenerit, neque ullus de successoribus nostris nec eius heredi nec cuilibet homini in censum uel in beneficium prestare nom debedamus; sed sicut petiit, post eius obitum ad ipsum monasterium debeat permanere.
Die Identität Bertolds, des Gemahls der Gersind, mit dem gleichnamigen Grafen und Sohn der Raginsind wird dadurch sichergestellt, dass die deo sacrata Aca Tochter einer Gersind war. Die Teilnahme Bertolds am Rechtsakt der Ata und die spätere Leihe von Traditionsgut der gottgeweihten Frau an den Grafen rechtfertigen den Schluß, dass Ata neben Chadaloh, Paldebert und Wago zu den Kindern Bertolds mit der Gersind gehört hat.
Die 3. Urkundengruppe setzt sich aus W I Nr. 135 und W II Anh. Nr. 21 zusammen. Die erstgenannte carta wurde am 27.3.793 abermals von Bischof Egino als rector monasterii sancti Gallonis ausgestellt. Ein ohne Titel genannter Peratoldus erhielt dabei gegen Zins umfangreiche Tradita im Bereich der Bertoldsbaar und im breisgauischen Ebringen zurück. Über das Rückkaufsrecht des Peratoldus beziehungsweise seiner Erben hatte man vereinbart: Et si ipsas res redemere uoluerit, hoc faciat cum LXXX solidos, et sic nos conuenit, ut si deus di legitima uxore ei filium dederit et illa post obitum eius ipsas res redemere uoluerit, hoc faciat cum uno uueregeldo; si autem hoc non euenerit, ipsas res ad nos reuertantur perpetualiter ad possedendum. Einige Jahrzehnte später, in der Zeit Abt Grimalds (s. Art. Alboin), sagten in Pettinuuilari 27 Zeugen aus, quod ex traditione Perahtoldi comitis medietas omnis marchae, quae ad villam Filininga nuncupatam aspicit (...) ad monasterium sancti Galli juste et legaliter pertinere debeat; von dem Besitzrecht St. Gallens in der Mark Vilsingen sollten nur genauer bestimmte Anteile ausgenommen sein (W 11 Anh. Nr. 2 1). Da Vilsingen unter den Orten der Nr. 135 genannt war, hat man wohl mit Recht angenommen, dass Perahtoldus comes mit dem Geschäftspartner Eginos von 793 identisch war.
Bis vor wenigen Jahren ist der Wohltäter St. Gallens in Vilsingen auch unbedenklich mit dem Grafen der vorher behandelten Urkunden gleichgesetzt worden. Dafür konnte angeführt werden, dass Graf Bertold in Mundelfingen und Aselfingen und Aca In Seedorf begütert waren. Erst Baumhauer (21f.) ist auf den oben zitierten Passus der Urkunde 135 aufmerksam geworden, nach dem Peratoldus 793 offenkundig noch mit einem Sohn von einer rechtmäßigen Ehefrau rechnete. Seine Folgerung: "Da aber die Urkunde, die Bertholdus comes und seine Gemahlin Gersinda 790 ausstellten, das signum ihrer Söhne Paldebertus und Chadaloh trägt, kann der 793 auftretende Berthold mit dem Gemahl der Gersind, dem Vater Paldeberts, Chadalohs, Wagos und Atas schlechthin nicht identisch sein. Wir müssen demnach für das ausgehende 8. Jahrhundert neben dem Bertholdus comes einen zweiten Berthold annehmen" (22). Diese Argumentation ist nicht zwingend; mit der Formulierung der Quelle ut si deus di legitime uxore ei filium dederit konnte auch die Erwartung eines weiteren Sohnes ausgesprochen sein (vgl. W I Nr. 338); da Gersind nach dem 17.11.790 (Nr. 127) und vor dem 17.11.797 (Nr. 150) verstorben zu sein scheint, könnte Bertold außerdem vor 793 eine neue Ehe eingegangen sein, aus der er einen weiteren Sohn erwartet hat. Weil Bertold, der Gemahl der Gersind, im westlichen Baarengebiet Besitz hatte, halte ich an seiner Identität mit dem Bertold von 793 fest.
Die letzten beiden zu erörternden Urkunden haben sachlich keine engeren Berührungspunkte. In W I Nr. 107, die die Schenkung eines Dudo in uilla nuncupante, que dicitur Sytynga marca, in pago Bertoldesbara betrifft und in St. Gallen ausgestellt wurde, stehen in der Zeugenreihe nach dem Aussteller und seinen Söhnen die signa der Grafen Ruachar (I, II), Gerold (II?), Pirihtilo und Bertoldus. Die carta wurde zwischen 785 und 789 ausgestellt, so dass der letztgenannte gräfliche Zeuge wohl mit Bertold identifiziert werden kann. In der St. Galler Urkunde 81 von ca. 775/79 wird Bertoaldus, der Bruder eines Uuoluinus, neben seinen VerwandtenAgylolfusund Asulfus als Aussteller genannt. Bertoald und Wolvin sind dabei als nepotes von Agylolfsund Asulfs VaterAlaholfund dessen Gemahlin Hitta gekennzeichnet. Ob die Brüder demnach als Neffen oder als Enkel Alaholfs anzusehen sind, läßt sich an der Urkunde nicht erkennen (Baumhauer 16-18; Borgolte, Alaholfingerurkunden, vor A. 77). In Nr. 81 geht es um das Schicksal des von Alaholf und Hitta gestifteten Petersklosters in Marchtal; nach dem Vorakt der oben zitierten Urkunde von 805 (Nr. 186; Brückner, Vorakte Nr. 38) haben später Chadaloh und Wago illam basilicam in Marhtale innegehabt, mit der nur die Klosterkirche von Marchtalt gemeint sein kann. Die Besitzgeschichte von Marchtal sichert wohl ab, dass der Teilnehmer am Rechtsakt von 775/79 der Vater Chadalohs und Wagos war (s. bereits Borgolte, Alaholfingerurkunden, bei A. 104, gegen Baumhauer 24). Da die Brüder ausdrücklich vom gemeinsamen Besitz an der Kirche sprechen und ihr Vater kurz zuvor (um 802/03: W I Nrn. 170,176) zuletzt lebend bezeugt ist, dürfte ihnen das Gotteshaus als Erbe zugefallen sein.
Die Identifizierung des Grafen Bertold mit dem Bertold von 775/79 wird gestützt durch eine Namensequenz auf der besonders Grafen vorbehaltenen Seite im ältesten Eintrag des St. Galler Gedenkbuches von ca. 814 (pag. 8, PIPER col. 33,4, vgl. Schmid 507); sie lautet: Perttolt, Egino, Uuoluini, Uuago, Chadaloh, Baldabert. Ohne Zweifel bezeichnen die letzten 3 Namen die Söhne Bertolds und Gersinds; diese homogene Gruppe rechtfertigt den Schluß, dass der am Beginn zitierte Pertolt mit dem Gatten Gersinds identisch war, während der nach Egino folgende Wolvin gleichzeitig auf den nepos Alaholfsvon ca. 775/79 schließen läßt (vgl. Schmid 514).
In der Nachbarkolumne des St. Galler Gedenkbuches steht von anlegender Hand abermals ein Perahtolt eingetragen (pag. 8, Piper col. 32,5), der seiner identifizierbaren Umgebung nach der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts angehört haben könnte (Ruadbert I, Udalrich I, II; Gerold II; Pirihtilo). Mit ihm war wohl abermals der Gatte Gersinds und der Zinspflichtige St. Gallens von 793 gemeint (vgl. Schmid 514; Mitterauer 19).
Im Reichenauer Verbrüderungsbuch ist ein Bertolt comis von anlegender Hand - also um 824 (Scopo) - nach Cerolt comis, Odalrich comis und vor Piribtilo comi[sj unter den Namen der verstorbenen Wohltäter eingeschrieben worden; wie im zuletzt genannten Eintrag im St. Galler Gedenkbuch spricht die Namengruppe für eine Identität des Bertolt mit Bertolt. Zu den für Bertolt in Betracht kommenden Zeugnissen gehört auch der Indiculus obsidum Saxonum von ca. 805/06 (Rihwin). Unter der Rubrik De Ostfahalis wird hier vermerkt: Sidugath filium Benninc habuit Bertaldus comis. Ricohardum filium Unvani habuit Bertaldus comis (233).
Rappmann konnte einen in beiden Reichenauer Necrologien zum 10.8. notierten (Grafen) Bertold mit Bertold identifizieren (Necrologium Augiae Divitis 278); der Verstorbene war gewiß auch der zum selben Tag im St. Galler Necrolog des 10. Jahrhundert vermerkte gleichnamige Graf (Necrologium monasterii sancti Galli 478). Weniger sicher sind die Zeugnisse, die Mayr und Jänichen im Hinblick auf Bertolt in die Diskussion gebracht haben. Im Gedenkbuch von St. Gallen (pag. 21 und pag. 68) fand Mayr (39 mit A. 1, vgl. Mitterauer 38) in einer umfangreichen Liste von Laien die Namenfolge: Germunt, Drudmunt, Perahtolt (Peratolt), Uuolfhart, Dauid etc. Er hielt Germunt für den Vater der Raginsind, also den Großvater Bertolds mütterlicherseits, und brachte Drudmunt und Dauid mit den Konsentienten von 802 in Verbindung (W I Nr. 171). Die Folgerung, dass Perahtolt/Peratolt deshalb mit Raginsinds Sohn identisch war, ist gewagt, aber nicht unmöglich. Jänichen glaubte, Bertolt bereits in einer Lorscher Urkunde von 772 (CL I Nr. 3 = D KdGr Nr. 65; Jänichen 111, Tafel: "Die Grafen der Baaren") und als Zeugen einer Weißenburger carta von 811 (Trad. Wiz. Nr. 180 = Regesta Alsatiae I Nr. 417; Jänichen 95, Tafeln) ermitteln zu können; in beiden Fällen blieb er überzeugende Argumente schuldig. Den Hinweis auf ein unechtes Diplom KARLS DES GROSSEN für Reichenau von 811, in dem Bertoldus comes de Bussen, filius Geroldi, erwähnt wird (D KdGr Nr. 281; vgl. Chronik des Gallus Öhem 44 f.), verband Jänichen (108,111) mit der Bemerkung, das Datum könne zutreffen, auch wenn der Titel unrichtig sei. Allerdings wäre der Titel eines "Grafen von Bussen« für Bertold "nicht übel ersonnen" (so Brandi, Die Reichenauer Urkundenfälschungen 45, vgl. Lechner, Urkundenfälschungen 40f.), da er die Stellung Bertolds im Bereich der Alaholfsbaar in einer dem Hochmittelaltar adäquaten Weise zum Ausdruck gebracht hätte (s.u. S.75). Das Falsifikat gibt freilich ansonsten keine verläßlichen Nachrichten über Bertolt weiter. Schließlich dürfte der Berahctoldus com(es), der unter den lebenden Freunden Kloster Reichenaus im Verbrüderungsbuch des Inselklosters nachgetragen ist (99 B 1, Jänichen 95; Bertold III), mit Bertolt nicht gleichzusetzen sein, da bereits die Anlage um 824 zu datieren ist (Erchanbald).
Bertolt wird dem Geschlecht der BERTOLDE oder ALAHOLFINGER zugerechnet (zuletzt Borgolte, Alaholfingerurkunden); mütterlicherseits stammte er von dem Franken Germunt ab. Sein Vater ist durch Raginsinds Urkunde nicht nachgewiesen; nach einer Vermutung Jänichens (Baar und Huntari 110; vgl. Ders., Nebi und Berthold 30,35) war dieser mit Chrodhochus identisch, der 769 neben seiner Gemahlin Raginsuuinda als Grundbesitzer in Baldilingen in pago, qui dicitur Adalhartespara belegt ist (W I Nr. 55 = ChLA I Nr. 68). Ebenfalls Jänichen (100) nahm an, dass Bertolt mit dem Grafen Pitihtilo in Heiratsverwandtschaft getreten sei, da Ata durch eine Freisinger Urkunde von 791 als Gattin eines Pirihtilo bezeugt sei (Bitterauf I Nr. 143a). Tatsächlich ist die bayerische Ata aber 791 bereits Großmutter, während die Großmutter der deo sacrata Ata ihrerseits 802 noch lebte (vgl. Mayr 38; s.a. Art. Gerold II). Werner (I 03) brachte die BERTOLDE in einen Zusammenhang mit einem burgundischen Verwandtenkreis des 7. Jahrhunderts, während Mayr (138) im Anschluß an Tellenbach (53f.) Verbindungen von den ALAHOLFINGERN zu einer in St. Galler Urkunden ermittelten "Waldpert-Waltraim-Gruppe" herstellte (s. a. Art. Agylolf).
Graf Bertolt wird in der St. Galler Urkundenüberlieferung häufig als Grundherr im Bereich der Bertoldsbaar und im Bereich der Alaholfsbaar bezeugt. Er erscheint jedoch weder in der sub N. comite-Formel noch wird er explizit als Inhaber eines Comitats genannt. Deshalb war es nicht gerechtfertigt, dass Baumann und neuerdings wieder Baumahuer (57-68) Bertolt (den Vater Chadalohs) als Verwalter einer Amtsgrafschaft in der Folcholtsbaar (Alaholfsbaar) bzw. in einem Teil der "Ostbaar" charakterisieren oder Jäönichen (94-96, Tafeln) ihn für einen Amtswalter im angeblichen comitatus Bara der Bertoldsbaar in der Zeit von 786 bis 802 hielt. Mit dem Grafentitel ist Bertolt, solange er selbst handelnd in Erscheinung tritt, mit Bezug auf den Bereich der Bertoldsbaar belegt; seine Söhne Wago und Chadaloh und sein Enkel Bertold bezeichneten ihn auch als comes, als sie Rechtsgeschäfte über Güter in der Alaholfsbaar abschlossen. Über Bertolt als Grundherrn der Bertoldsbaar konnte ermittelt werden, dass die 793 genannten Güter strategisch so günstig gelegen haben, dass sie Bertolt eine weitgehende Kontrolle des Gebietes ermöglicht haben müssen (Borgolte, Das Königtum am oberen Neckar 91). Sehr wahrscheinlich gingen die Besitzungen auf vor-karolingische Zeit zurück; bei den Konfiskationen Warins und Ruthards um 760/70 dürften zwar auch die Güter Bertolds angetastet worden sein, doch konnte die Bertoldsbaar vorläufig noch nicht in flächendeckende Grafschaften eingeteilt werden. In den Bertolts Güter betreffenden Urkunden von 793 und ?803 erscheint kein "Amtsgraf", sondern Abtbischof Egino von Konstanz und St. Gallen in der sub N. episcope-Formel; der Schreiber beider cartae, Mauvo, hat damit wohl zum Ausdruck gebracht, dass St. Gallen als Besitznachfolger auch in die herrschaftliche Stellung Bertolds eingetreten war (Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens 155f.). Im östlichen Baarengebiet war Bertolt als Neffe Alaholfs an der Tradition Kloster Marchtals an St. Gallen beteiligt gewesen; dieser Akt paßte ebensowenig wie die vorangegangene Gründung des monasterium zur karolingischen Integrationspolitik, wie sie etwa Fulrad von Saint-Denis zur selben Zeit in Innerschwaben betrieben hat (Borgolte, Alaholfingerurkunden, bei A. 60). Nach 775/79 und vor 805 haben Bertolt bzw. seine Söhne die ALAHOLFINGER-Herrschaft an der oberen Donau an sich gebracht; an die Stelle Marchtals als Mittelpunkt alaholfingischer Besitzungen im östlichen Baarengebiet trat unter Bertolt Zell an der Donau, wo Bertolt und Gersind eine Kirche besaßen, die sie ebenfalls an St. Gallen tradierten. An dem Ort, der um die Jahrhundertwende zweifellos nach Bertolt von "Rammesau" in Bertoldszell umbenannt wurde (Borgolte, Alaholfingerurkunden, bei A. 108), war für Bertolt und seine Söhne ein Urkundenschreiber Scrutolf tätig.
Die ALAHOLFINGER-Herrschaft, die sich unter Bertolt über beide Baaren erstreckte, war offenbar mit dem comes-Titel verbunden. Bertolt hatte den Titel wohl von Agylolf übernommen, von ihm ging er an seinen Sohn Chadaloh (I) und später auf seinen Enkel Bertold (III) über. Die Erblichkeit des Grafentitels in der Familie Bertolts deutet darauf hin, dass er dem herrscherlichen Zugriff weitgehend entzogen war. Tatsächlich haben Chadaloh (I) und Bertold (III) ihre Grafenstellung nicht vom König, sondern von Gott abgeleiet. Bertolt, der das Bindeglied zwischen den älteren ALAHOLFINGERN um Alaholfund Agylolf und den jüngeren wie Chadaloh und Bertold darstellt, ist sicher kein vom Herrscher eingesetzter comes gewesen. Als Vertreter der königlichen Gewalt können zu seiner Zeit in der Bertoldsbaar eher Adalhart, Gerold (I beziehungsweise II), Pirihtilo, Ratolf und Ruachar (I, II), in der Alaholfsbaar Wolfolt angesehen werden.
Nach der für Bertoldsbaar und Alaholfsbaar unterschiedlichen Belegsituation (s.o. S.75) kann Bertolt im Titel dieses Artikels als strenggenommen nur der Beretoldsbaar zugeordnet werden; seine dem Bereich der Bertoldsbaar gleichartige Rolle in der Alaholfsbaar ist historisch erschlossen, so dass die entsprechende Zuordnung nur eingeklammert wiedergegeben werden kann.
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Rappmann Roland/Zettler Alfons: Seite 466
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"Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter"

BERTOLD (II)
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     + 10.8. zwischen 804 und 813/15

Necr. A/B 10.8. "Bertoldus/Berehtolt com.", im Bereich der Alaholfsbaar, belegt 785/89-?803,

Weitere Necrologbelege: St. Gallen, Necr. 1, zum 10.8.: "Tran. Peradhtolti" (p.282, Seite 269; ? St. Gallen, Necr. 2, zum 10.8.: "... et est obitva Perehtoldi com." (p. 331, Seite 49); St. Gallen, Necr. 5, zum 10.8.: "Et est transitus Ber." (p. 263, MGH Necr. I Seite 478 zum 11.8.)

Literatur:
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Borgolte, Grafen Seite 71ff. und die dort vollständig genannte Literatur.

Für die Zeit vor 856/58, dem Anlagedatum des älteren Necrologs, sind in Alamannien drei Grafen dieses Namens bezeugt, vgl. zuletzt Borgolte Seite 69ff. Eine Gleichsetzung des in den Totenbüchern zum 10.8. genannten Grafen Bertold (II) gelingt deshalb nur aufgrund folgender Befunde:
1. Da der Beginn der Schriftlichkeit des Totengedenkens in Reichenau um 780 einzusetzen scheint, kann der Graf nicht mit
Graf Bertold (I) aus der ersten Hälfte des 8. Jashrhunderts identisch sein.
2. Bertold (III) starb an einem 29.7., nach 826, vgl. das St. Gallener Necrolog 4: "III KL. AVG. Perehtoldus obiit filius Chadalohi" (p. 21, Seite 63; vgl. Borgolte Seite 78). Es kann sich demnach bei dem am 10.8. Verstorbenen nur um den bis 804 belegten Grafen Bertold II. handeln, was auch durch die Stellung seines Necrologeintrags zu diesem Tag bestätigt wird: Bertold steht im chronologisch angeordneten Tageseintrag vor dem um 813/15 verstorbenen Reichenauer Mönch Cotini und muß deshalb wohl auch vor diesem verstorben sein; zur Datierung des Todes von Cotini vgl. oben Seite 64 Nr. 156.
Baumanns Identifizierung und Datierung "Bertholdus com. 10/8 [955]" mit dem Hinweis auf die Reichenauer und St. Galler Necrologien ist deshalb nicht mehr haltbar; vgl. MGH Necr. 1 Index Seite 691. Hinzu kommt, daß Bertold im Jahre 824 bereits als Toter in das reichenauer Verbrüderungsbuch eingetragen wurde, vgl. Borgolte Seite 73f. Unklar ist die Identifizierung Bertolds mit dem zum gleichen Tag in das zweite St. Galler Necrolog eingetragenen Grafen Bertold, da dieser auch nach Meinung der Herausgeber des St. Galler Totenbuchs (Seite 49) wohl nicht von der 956 schreibenden anlegenden Hand eingetragen wurde. Wohl aus diesem Grund wurde der Eintrag nicht nur von diesen beiden, sondern auch von Baumann und Wollasch mit der Lechfeldschlacht vom 9.8.955 in Verbindung gebracht; vgl. St. Galler Todtenbuch Seite 68, MGH Necr. 1 Index Seite 691 und Wollasch. Zu den Anfängen Seite 74 Anmerkung 63. Das Ganze ist jedoch nicht schlüssig, da ein in dieser Schlacht gefallener Graf dieses Namens nicht bekannt ist und der Necrologeintrag dann auch von anlegender Hand stammen müßte. Wahrscheinlich bezieht sich der Beleg ebenfalls auf Bertold II., wie es der vo anlegender Hand stammende Paralleleintrag im ältesten St. Galler Totenbuch des beginnenden 9. Jahrhunderts nahelegt. Warum der Eintrag im Necrolog des 10. Jahrhunderts aber nicht von anlegender Hand eingetragen wurde, kann nur eine eingehende Erforschung der St. Galler Necrologüberlieferung klären. Möglich wäre es beispielsweise, daß es in St. Gallen ähnlich wie im Inselkloster auch eine Neuredaktion des Totenbuches gab. Bertold, aus der Familie der ALAHOLFINGER oder BERTOLDE - Schulze, Grafschaftsverfassung Seite 121f. nennt sie "BERTHOLDINGER" - läßt sich von 785/89 bis zum 11.12.?803 vor allem als Grundherr im Bereich der Alaholfsbaar und Bertoldsbaar nachweisen; vgl. Borgolte. Über seine Beziehungen zur Reichenau lassen sich, vor allem aufgrund des fehlenden Urkundenmaterials, wenig nähere Angaben machen. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, daß er dem Kreis der der Reichenau aufs engste verbundenen Verwahrer sächsischer Geiseln um 805/06 angehörte; vgl. Indiculus obsidum Saxonum Seite 233: "Sidugath filium Benninc habuit Bertaldus comis. Ricohardum filium Unvani habuit Bertaldus comes" und dazu unten Seite 394 und Borgolte. Aussagekräftig ist ferner seine Einreihung unter die verstorbenen Wohltäter im Reichenauer Verbrüderungsbuch p.114D1. Auch sein Sohn Chadaloh I. (+ 819) wurde wahrscheinlich in das Totengedenken der Reichenauer Mönche aufgenommen; vgl. unten Seite 467f.
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  oo Gersuinda, Tochter des Ascarius
              - nach 17.11.790/vor 17.11.797
 
 
 
 

Kinder:

  Chadaloh
         -   819

  Paldebert 790
        -

  Wago
          -

  Ata 797 Nonne
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 43,49,70,71-75,77,88-90,123,158,195,197,203,211,253,293,297- Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 Seite 66,69,74,130, 144,155,162-164,167,227,230,236,251- Rappmann Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998 Seite 466 -