2. Tochter des Kaisers MAXIMILIAN
II. und der Maria von Spanien,
Tochter von
Kaiser KARL V.
Reifenscheid, Richard: Seite 140
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Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria
Graz/Wien/Köln 1982 Seite 140
ELISABETH, Erzherzogin
* 5.6.1554, + 22.1.1592
Wien
Wien
Grabstätte: Stephansdom in Wuen - Herzogsgruft
oo 26.11.1570 in Paris
KARL
IX., König von Frankreich
aus dem Hause VALOIS
* 27.6.1550, + 20.11.1574
Saint-Germain-en-Laye
Vincennes
Grabstätte: Gruft in der Kirche Saint Sauveur in Blois
Eltern: Heinrich II., König von Frankreich aus dem
Hause VALOIS, und Katharina von Medici, Tochter Lorenz' II., Herzog von
Urbino
ELISABETH VON ÖSTERREICH
- die Kaisertochter
* 5. Juni 1554, + 22. Januar 1592
Wien
Wien
Gemahlin Karls IX. (* 1550; König: 1560-1574)
Heirat: 26. November 1570 Mezieres
Katharina
von Medici ist immer auf der Suche nach vorteilhaften dynastischen
Verbindungen für ihre Kinder. Elisabeth
von Österreich
scheint dafür sehr geeignet. Sie ist
die letzte Tochter von Erzherzog MAXIMILIAN VON
HABSBURG und Marias von Österreich.
MAXIMILIANS
Vater FERDINAND
ist König von Böhmen und Ungarn, ein Bruder Kaiser
KARLS V., Maria von Österreich
ist eine spanische Infantin.
Als Elisabeth acht
ist, wird 1562 ihr Vater in Prag zum böhmischen König gekrönt
und erhält den Titel eines Römischen Königs, was ihn zum
Erben des Kaisertitels macht. Das wird er in der Tat zwei Jahre später,
und er bleibt es bis 1576. Maria von Österreich
hat ihren sechs Kindern eine sehr strenge Erziehung angedeihen lassen.
Elisabeth
ist ein gelehriges Kind, das in Wien ernsthaft unterrichtet
wird. Ihr Vater protegiert Kunst und Wissenschaft und vor allem Theologie
in der Auseinandersetzung mit der Reformation. Elisabeth
wächst in dieser studienbeflissenen Atmosphäre auf.
Katharina erscheint eine Verbindung Elisabeths
mit ihrem Sohn Karl
IX., dem Nachfolger des kinderlosen Franz
II., durchaus vorteilhaft. Sie würde ihr das Haus
HABSBURG näherbringen, das einen strikten Katholizismuskurs
fährt, ein Mittel für die Königin-Mutter, dem zunehmenden
Einfluß des Hugenottenführers Coligny auf den jungen König
zu begegnen. Im November 1568 wird mit dem Chef des
Hauses HABSBURG, König Philipp
II., der Heiratsvertrag unterzeichnet. Der Ehevertrag ist äußerst
präzise gefaßt: Die Mitgift von 900.000 Ecus ist zahlbar binnen
eines Jahres nach Vollzug der Ehe, der Rest im darauffolgenden Jahr. Am
2. Okrober 1570 wird die Fernheirat in Speyer in Anwesenheit von Kaiser
und Kaiserin gefeiert. Elisabeth zieht
weiter nach Mezieres in den Ardennen, wo sie ihrem Mann Karl
IX. erstmals begegnet, und wo sie Katharina,
alle Kinder, Prinzen und Prinzessinnen, alle hochgestellten Fürsten
begrüßen. Am 26. November 1570 feiert man mit großem Pomp
in Notre-Dame-de-Mezieres duie Hochzeit. Am 25. März 1571 wird Elisabeth
in Saint-Denis gekrönt und hält am 29. März feierlich Einzug
in Paris.
Elisabeth ist sechszehn,
hat kupferblondes Haar, schwarze Augen, eine hohe Stirn,
eine lange Nase. Die dicken Lippen rauben ihrem Gesicht Regelmäßigkeit,
obwohl der majestätsvolle Blick sanft ist. Kurz: Die Prinzessin ist
imponierend, bescheiden, angenehm, aber kaum schön
zu
nennen. Sie ist gebildet, brav und von jener natürlichen
Güte, die spontane Sympathie einflößt.
Karl, seit zehn Jahren
König, ist zwanzig. Seine hochgewachsene Gestalt verleiht ihm einen
Anflug von Adel. Von seinen MEDICI-Vorfahren hat er die Liebe zur Kunst
geerbt, er ist ein Freund des großen Dichters Ronsard, er schreibt,
spielt die Laute. Doch er ist von Krankheit gezeichnet, nervös, impulsiv,
jähzornig und gelegentlich von einer beängstigenden Leidenschaft
gepackt, zu jagen und das Wild von eigener Hand zu töten. Seine üblen
Aufwallungen zu kompensieren, hat er eine junge Frau gefunden, Marie Touchet,
die Tochter eines Beamten, die ihn durch die Aufrichtigkeit ihrer Gefühle
zu besänftigen weiß. Sie hat ihm sogar einen Sohn geboren. Katharina,
die um die Labilität ihres Sohens weiß, begünstigt diese
Beziehung.
Elisabeth spricht
nur spanisch, verbringt halbe Nächte im Gebet. Ihr Mann umgibt sie
mit Zuneigung und Aufmerksamkeit. Sie ist irritiert von der Vielzahl der
Feste und der - so scheint es ihr - Frivolität, die am Hofe der VALOIS
herrscht. Sie ist schockiert von der Anwesenheit der verdammenswerten Häretiker,
als die ihr die Hugenotten erscheinen. Als ihr Coligny seine Aufwartung
macht und er ihr, kniend, die Hand küssen will, erzählt ihre
Schwägerin Margot belustigt, "wird
sie ganz rot, zuckt zurück und erlaubt ihm nicht, sie auch nur zu
berühren." Elisabeth muß
sich ihren Platz an diesem Hof suchen, an dem üble Nachrede nicht
zu den schlimmsten Vergehen zählt. Sie spricht wenig, gibt sich keinen
Vergnügungen hin, flüchtet sich in Lektüre und Stickerei.
Durch ihre Intelligenz und ihre Liebe zur Literatur gewinnt sie sich Freunde
und Verbündete, darunter vor allem Margarete
von Valois, genannt Margot,
die künftige Königin. Elisabeth übt
sich in frommen Werken. Sie ehrt die Leute, die Gottes Werk tun: die Bettelorden,
Jesuiten, die Büßerinenn, die Franziskanerinnen von Saint-Marceau.
Sie ist so barmherzig, so großzügig, daß der König
sie "seine Heilige" nennt und sich schmeichelt, "in einer liebenswerten
Ehefrau weiseste und tugendhaftetse Frau nicht nur Frankreichs, nicht nur
Europas, sondern der ganzen Welt zu haben."
Sie ist so weltfremd, daß sie nach der Bartholomäusnacht
vom 24. August 1572 voller Unschuld fragt: "Der König, mein Mann,
weiß er davon?" Und sie fügt an: "Mein Gott, verzeihe ihm."
Im Oktober 1572 bringt sie ein Mädchen zur Welt.
Katharina
sendet es umgehend nach Amboise, weg von den Unruhen der Hauptstadt. Elisabeth
ist inzwischen achtzehn. Das Massaker an den Hugenotten hat ihre religiösen
Gefühle, aber auch die als Königin, Frau und Mutter tief verletzt.
Sie versucht, Karl mäßigend
zu beeinflussen, aber es ist zu spät. Der König steht am Rande
der Agonie. Elisabeth pflegt ihn. Vergebens:
am 30. Mai 1574 stirbt er.
Elisabeths Kummer
erschüttert den Hof. Von der Macht ferngehalten, bereist sie die Provinzen
ihres Wittums: Berry, Auvergne, Bourbonais. Eine erwogene neue Ehe mit
dem neuen König Heinrich III.,
dem Bruder ihres verstorbenen Gemahls, findet nicht statt. Am 28. August
1575 besucht die "weiße Königin", wie man sie nun nennt,
ihre Tochter in Amboise. Sie wird sie zum letzten Mal sehen. Sie geht nach
Nancy, niemand weiß waarum, und 1576 außer Landes.
Im gleichen Jahr stirbt Elisabeths
Vater.
In Wien sucht nun der neue Kaiser RUDOLF II.
nach einem Gemahl für die zweiundzwanzigjährige Witwe. Sie aber
weist Don Sebastian, den König
von Portugal, ebenso ab wie andere Prätendenten. Elisabeth
steht
zu ihren Überzeugungen. Auch wenn die Kirche eine Wiederverheiratung
duldet, so billigt sie sie nicht. 1581 lößt sie in der Nähe
iheres Wiener Palastes ein Klarissinnenkloster bauen. Sie tritt nicht selbst
ein, gehört aber dem Dritten Orden an und verteilt ihre Einkünfte:
ein Drittel den Armen und verarmte Adelstöchter, ein Drittel für
den Unterhalt von Kirchen und Klöster, ein Drittel für ihren
Haushalt. In Wien werden 700 Leute auf ihre Kosten gepflegt.
Elisabeth stirbt
mit achtunddreißig Jahren am 22. Januar 1592. Ihrem letzten
Willen entsprechend wird sie "direkt in der Erde" begraben, nicht in einem
Monumentalgrab. Zweihundert Arme, auf ihre Kosten eingekleidet, sollen
sie auf ihrem letzten Weg begleiten. So bestattet man sie in ihrem Kloster
vor dem Altar. Zwei Jahrhunderte später aber, unter
Kaiser JOSEPH II., überführt man sie in den Wiener
Stephansdom.
Nach dem Tod ihrer Tochter Elisabeth
hoffte Katharina von Medici vergeblich
darauf, daß ihr Schwiegersohn nun ihre jüngste Tochter Margarethe
zur Frau nehme. Der König von Spanien entschied sich aber für
die ältere Tochter Kaiser MAXIMILIANS,
welche Katharina eigentlich für
Karl
IX. zu gewinnen gehofft hatte. Der König von Frankreich
mußte sich mit MAXIMILIANS jüngerer
Tochter Elisabeth begnügen, was
von Katharina als deutliche Zurücksetzung
empfunden wurde.
26.11.1570
oo Karl IX. König von Frankreich
27.6.1550-30.5.1574
Kinder:
Marie Elisabeth
27.10.1572-2.4.1578
Literatur:
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Hartmann Peter Claus: Französische Könige
und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag
C. H. Beck München 1994 Seite 71,91,99,110,120 - Jurewitz-Freischmidt
Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 293,315-318,335,350
- Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich.
Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 164,251 - Reifenscheid,
Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln
1982 Seite 140 - Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich
IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 79,100,108 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen.
Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1996 Seite 260-262 -