Marie von Frankreich                                 Priorin in Poissy
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22.8.1393-19.8.1438
Vincennes Poissy
 

4. Tochter des Königs Karl VI. der Wahnsinnige von Frankreich und der Isabeau von Bayern-Ingolstadt, Tochter von Herzog Stephan III. der Kneißl
 

Markale Jean: Seite 94,131
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„Isabeau de Bavarie“

Als Isabeau am 22.August 1393 mit einer Tochter Marie niedergekommen war, hatte sie das Gelübde abgelegt, dass diese Tochter, sollte sie überleben, ins Kloster gehen sollte. Wie wir wissen, wurde das Gelübde eingehalten: Marie starb 1434 in Poissy als Nonne.
Im Juli 1405 begaben sich Isabeau und Ludwig von Orleans nach Poissy. Der Grund war, Madame Marie de France, welche den Schleier genommen hatte und Nonne im besagten Kloster Poissy geworden war, dazu zu bewegen, den Hort der Kirche verlassen zu wollen, um sich mit Eduard, dem Sohn des Herzogs von Bar, vermählen zu lassen. Und sie sprachen mit der genannten Dame Marie und machten ihr vielerlei Reden, um sie dazu zu bewegen. Doch die Tochter von Isabeau und Karl VI. wollte nichts davon wissen und sagte, dass sie, da es des Königs, der Königin sowie ihrer Anverwandten Wunsch gewesen sei, den heiligen Stand niemals wieder verlassen werde.

Pernoud Regine: Seite 75
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"Christine de Pizan. Das Leben einer außergewöhnlichen Frau und Schriftsellerin im Mittelalter."

Königin Isabeau hatte den rührenden Einfall, ihre erste nach dem Anfall geborene Tochter der Mutter Gottes zu weihen. Das Kind wurde am 23. August 1392 geboren und auf den Namen Marie getauft.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 21,46
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Als Isabeau im Sommer 1393 von einem weiteren gesunden Mädchen entbunden wird, schlägt der mittelalterliche Opfer- und Wunderglaube voll durch: Die kleine Marie soll dem "immerwährenden Dienste Gottes geweiht werden", sollte Charles noch einmal genesen. In einer seiner wachen Perioden bringen König und Königin das zu diesem Zeitpunkt vierjährige Kind in das Kloster von Poissy. Das arme Mädchen wird ungefragt Novizin, mit 15 Nonne, später Priorin und stirbt im Kloster, ohne durch sein unfreiwilliges Opfer das erhoffte Wunder bewirken zu können.
Isabeau macht ihr Testament. Viel zu vererben hat die alte Königin nicht. Ihre perönliche Habe vermacht sie ihrer Tochter Marie, der das Leben im Kloster ganz gut bekommen zu sein scheint, denn neben Katharina in England und Charles in Bourges ist sie eins der drei noch lebenden Kinder Isabeaus.

Saller Martin: Seite 109,164,182,313
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Fast sieben Monate dauert die zweite Wahnperiode des Königs. Erst im Januar 1394 taucht er wieder aus der Umnachtung. So herrscht düstere Stimmung, als Isabeau im Sommer 1393 niederkommt - zum sechsten mal nun schon in ihrer achtjährigen Ehe. Sie schenkt wieder einem Töchterchen das Leben, das den Namen Maria erhält und das sie dem "imerwährenden Dienst Gottes" zu weihen verspricht, wenn Karl Heilung zuteil werde. Im Jahre 1397 bringen Isabeau und der König das erst vierjährige Mädchen auch wirklich in das Kloster von Poissy. Maria wird dann Novizin und mit fünfzehn Nonne. Sie stirbt 1448 im Kloster, ohne mit ihrem Opfer das Wunder bewirkt zu haben.
Im Juli 1405 verbringen Isabeau und Ludwig von Orleans mit nur kleinem Gefolge eine Woche im alten Königsschloß von St. Germain-en-Laye. Sie besuchen dabei im nahen Kloster Poissy die Tochter der Königin, Marie, die schon als vierjähriges Mädchen dem 'ewigen Dienst Gottes' geweiht worden ist, um durch ihr Opfer die wundersame Heilung König Karls zu erwirken. Nun hätte sie Ludwigvon Orleans gern mit dem Sohn des Herzogs von Bar, der sein Verbündeter ist, vermählt. Doch das zwölfjährige Mädchen will im Kloster bleiben.
Auch Familien-Angelegenheiten nehmen Isabeau in Anspruch. Ihre Tochter Marie, jetzt 15 Jahre alt, nimmt im Kloster Poissy nach langem Noviziat endgültig den Schleier.
Ihrer Tochter Marie, die als Nonne im Kloster Poissy lebt, übereignet Isabeau in besonderer Zuneigung die private Habe, Bücher, Wandteppiche und Erinnerungsstücke.
 
 
 
 

Literatur:
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Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 21,46 - Markale, Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 94,131- Pernoud Regine: Christine de Pizan. Das Leben einer außergewöhnlichen Frau und Schriftsellerin im Mittelalter. Deutscher Taschenbuch Verlag 1990 Seite 75 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 109,164,182, 313 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 353,363,367 -
 
 
 
 
 
 


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