Begraben: Westminster Abbey
6. und jüngste Tochter des Königs
Karl VI. von Frankreich und der Isabeau
von Bayern-Ingolstadt, Tochter von Herzog
Stephan III.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1069
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Katharia von Valois, Königin von England
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* 27. Oktober 1401, + 3. Januar 1437
Paris
Bermondsey Abbey
Begraben: Westminster Abbey
Jüngste Tochter von Karl VI., König von Frankreich, und der Isabella von Bayern
1. oo 2. Juni 1421 Heinrich V., König von England
bereits 1413 vereinbart, gemäß den Abmachungen im Vertrag von Troyes, der die beiden Königreiche vereinigen sollte
2. oo Owen Tudor, ein walisischer Knappe, der im Dienst Heinrichs V. gestanden hatte
Kinder:
Von 1.:
Heinrich VI.
Von 2.:
4 Kinder (bedeutend: Edmund, Earl of Richmond, Vater von Heinrich VII.)
Nach dem Tod Heinrichs V. (31.
August 1422) soll Katharina von Valois
eine Heirat mit Edmund Beaufort beabsichtigt
haben. Ihre Ehe mit Owen Tudor wurde erst nach ihrem Tod bekannt,
als Owen vom königlichen Rat angeklagt wurde.
Markale Jean: Seite 322,366
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„Isabeau de Bavarie“
Die Anwesenden bemerkten auch, dass der König von
England häufige Blicke auf die bildschöne und prächtig herausgeputzte
Catherine
de France wirft. Henry V.
ist in die Tochter Isabeaus sichtlich
sehr verliebt. Um Catherine zu bekommen,
wird er Zugeständnisse machen.
Isabeau strahlte
nur noch im Glanz von Katharina, ihrer
Tochter, der englischen Königin. Und Heinrich
begab sich - voller Stolz auf seine junge Gemahlin - nach England, um sie
seinen insularen Untertanen vorzustellen. 1422 schenkte ihm
Katharina einen Sohn, den künftigen
Heinrich VI. Um das freudige Ereignis zu feiern, läßt
Heinrich
V. Katharina und das junge Kind aus Windsor nach Paris kommen.
Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 25,35,42-44
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen
und Mätressen um den Lilienthron."
Da erhebt sich Isabeau
aus ihrem zehnten Wochenbett, sie hat soeben ihre siebente Tochter, Katharina,
zur Welt gebracht, und mahnt die Widersacher zur Verständigung.
Henry nimmt Verhandlungen
mit Frankreich auf, erinnert an sein Erbrecht und bewirbt sich um die Hand
Katharinas (14), der jüngsten Tochter
Isabeaus.
Endlich erscheint auch Henry
in Troyes. Er beugt zeremoniell das Knie vor König und Königin,
verneigt sich lächelnd vor der charmanten Katharina,
deren Hand er seit nunmehr fünf Jahren als Unterpfand seines Thronanspruches
begehrt. Der Heiratskontrakt wird noch am Tage seiner Ankunft unterzeichnet.
Zunächst findet am 2. Juni die Trauung von Henry
(33) und Katharina (19) statt. Gegenüber
anderen Veranstaltungen dieser Art in den Jahren zuvor muß diese
Hochzeit eher ärmlich gewirkt haben, die königliche Schatulle
konnte kaum die Ausstattung der Ehrendamen aufbringen.
Eine der zahllosen Seuchen greift um sich. Am 8. Juli
eröffnet Michelle
(17), die Frau Philipps von Burgund,
den Todesreigen. Gewarnt ordnet Henry V.
seine Angelegenheiten. Am 31. August 1422 stirbt Henry
V., der als erster die Doppelkrone von England und Frankreich
tragen sollte. Er hinterläßt eine 20-jährige Witwe und
einen zehnmonatigen Erben.
Saller Martin: Seite 147,224,228,264,277,280-283,291,297,312
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."
Nun greift die Königin ein, die wenige Wochen zuvor,
am 27. Oktober, ihr zehntes Kind geboren hat: wieder ein Töchterchen,
Katharina
getauft.
In freundschaftlicher Verbindlichkeit erinnert er an
sein Erbrecht auf die französische Krone; er sucht um die Hand der
jüngsten Tochter Isabeaus, der
14-jährigen Katharina, die ihm
ein weiteres Unterpfand seines Anspruchs werden soll.
Paris zeigt äußerstes Entgegenkommen:
Karl VI. sagt Heinrich die
Hand Katharinas zu, die eine Mitgift
von 800.000 Gold-Francs erhalten soll. Statt der Normandie, die Heinrich
ebenfalls fordert, ist Paris zur Abtretung von Gebieten in Aquitanien bereit.
Doch der junge König will Krieg und schickt hochmütig die Delegation
mit dem Bemerken nach Frankreich zurück, daß er bald folgen
werde.
Als auch am nächsten Morgen, am 25. Oktober 1415,
die Franzosen nicht angreifen, schlägt Heinrich
dem Konnetabel d'Albret durch Parlamentäre Verhandlungen vor. Er erklärt
sich bereit, sich mit einer Abtretung des Herzogtums Guyenne, mit der Grafschaft
Ponthieu sowie mit der Hand der Königs-Tochter
Katharina und 800.000 Gold-Francs zufrieden zu geben und auf
die französische Krone zu verzichten, wenn ihm freier Abzug nach Calais
zugesichert werde. Der Konnetabel verlangt dagegen bedingungslosen Verzicht
auf Frankreichs Krone und auf die Hand Katharinas
sowie
die Räumung Harfleurs.
So verhandeln nur die Königin und Herzog
Johann mit Heinrich V. Isabeau
stellt dem englischen Monarchen auch ihre charmante, achtzehnjährige
Tochter Katharina vor, deren Hand er
begehrt.
Am 20. Mai erscheint Heinrich
V. an der Spitze seiner Truppen in der Ausweich-Residenz, wo
er vom Königspaar freundschaftlich empfangen wird. Heinrich
beugt das Knie vor Karl VI. und Isabeau,
und er verneigt sich vor der charmanten, neunzehnjährigen Katharina,
deren Hand er als Unterpfand seines Thronanspruchs seit Jahren begehrt.
Noch am selben Tag wird der Heiratskontrakt unterzeichnet. Isabeau
überläßt dem künftigen englischen Schwiegersohn ihre
Residenz und zieht mit der Tochter in ein Kloster ein. Durch die Heirat
mit Katharina wird er Mitglied der
königlichen Familie, adoptierter Sohn an Stelle des Dauphin
Karl, dem die Unwürdigkeit bescheinigt wird, die Krone
zu tragen.
Am 2. Juni 1420, vierzehn Tage nach der Unterzeichnung
des Erbfolge-Vertrags, führt Heinrich V.
die neunzehnjährige Katharina
in der Kathedrale von Troyes zum Altar.
Der Vormarsch in Richtung Paris stockt dann vor der Festung
Melun, die vier Monate lang der Belagerung trotzt. Karl
VI. und die Königinnen Isabeau
und Katharina warten in Corbeil das
Ende der Kämpfe ab. Der englische Kriegsherr, der mit seine Frau Katharina
im
Louvre königlichen Hof hält, ernennt seinen Bruder, den Herzog
von Clarence, zum Befehlshaber in der Hauptstadt. Ende Dezember verabschiedet
sich dann auch Isabeaus Tochter Katharina.
Heinrich V. nimmt seine junge Frau
mit nach London, wo er dem Parlament, der reichen Kirche und der Kaufmannschaft
neue Hilfsgelder abringen muß.
Im Dezember erhält Heinrich
die frohe Nachricht, daß seine Frau Katharina
im Schloß Windsor mit einem Knaben, einem Thronfolger, niedergekommen
ist. Schon im Sommer des Vorjahres ist das Königspaar aus dem dumpfen,
tristen Paris in das Waldschloß Vincennes geflüchtet, wo auch
die junge Mutter Katharina, aus England
wieder heimgekehrt, ihren Gemahl erwartet. Erst Ende Mai kommt Heinrich
V. aus dem Kriegslager. Die beiden Königspaare halten nun
Einzug in Paris, wo die Bevölkerung unter dem Eindruck des Sieges
von Meaux wieder Jubel bereit hat.
Es erregt überdies Befremden und Unwillen, daß
die nun zwanzigjährige Königin-Witwe
Katharina alsbald nach England zurückkehrt, wo ihr Söhnchen
englische Betreuung und englische Erziehung erhält. Katharina
selbst hat keinerlei politischen Ehrgeiz.
Als Heinrich VI.
die Krone Frankreichs aufgesetzt wurde, war seine Mutter bereits in zweiter
Ehe mit dem verarmten Edelmann und Parteigänger des Hauses
LANCASTER, Owen Tudor, vermählt, der sich von einem
alten Waliser Königsgeschlecht ableitete und dem sie 1430 einen Sohn
und Erben gebar. So wurde die Tochter Isabeaus
und des wahngeschlagenen Königs Karl VI.
auch
zur Stamm-Mutter der TUDORS,
die England von 1485 bis 1605 regierten.
2.6.1420
1. oo Heinrich V. König von England
1387-31.8.1422
1429
2. oo Owen Tudor
um 1400-4.2.1461 hingerichtet
Kinder:
1. Ehe
Heinrich VI.
6.12.1421-21.5.1471 ermordet
2. Ehe
Edmund Tudor Graf von Richmond
1430-3.11.1456
Jasper Tudor Graf von Pembroke
um 1431-21.12.1495
Owen Tudor Mönch in Westminster
- 1510
Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 138,148,159,164
- Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin
Köln 2000 Seite 245 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 303,318,321
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 392 - Fraser Antonia:
Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite
25,35 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag,
Gernsbach 1996 Seite 25,35,42-44 - Markale, Jean: Isabeau de Bavarie.
Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 322,366 - Saller
Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron.
Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 147,224,228,264,277,280-283,291,297,312,329
- Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 353,363,366 - Tuchmann Barbara:
Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite
517 -