Karl Orland                                           Dauphin von Frankreich
---------------
10.10.1492- 6. oder 16.12.1495
                 Amboise

Begraben: Kathedrale Tours
 

Ältester Sohn des Königs Karl VIII. von Frankreich aus seiner 2. Ehe mit der Anna von Bretagne, Tochter von Herzog Franz II.
 

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 371,381
*******************************************
"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Am 10. Oktober 1492 wurde der Thronfolger geboren und auf den Namen Charles-Orland getauft, das heißt auf den Namen Rolands, des berühmten Paladins KARLS DES GROSSEN. Patin war Jeanne de Laval, die Witwe des Königs von neapel. Sowohl der Name des Sohnes, der nicht zuden französischen Königsnamen zählte, als auch diese Patenschaft können als Programm und als Hinweis auf die konkrter werdenden Italienpläne Karls verstanden werden.
Zudem dürften ihn aber auch der plötzliche Tod des Thronfolger Charles-Orland am 16. Dezember 1495 und  der Tod drei weiterer, in den folgenden Jahren geborener Kinder, was ihn ohne Erben ließ und das Königspaar tief bedrückte, während der letzten Jahre seiner Regierung schwer belastet haben.

Am 10. Oktober 1492 bringt Anna einen Sohn zur Welt, der auf den Namen Charles Orland getauft wird. Sollte der Herzog von Orleans Thronhoffnungen gehegt haben, so sind sie nun in weite Ferne gerückt. Diese Geburt bringt der Königin hohes Ansehen bei den Hofleuten Karls ein und Vorteile gegen Anna von Beajeu, die sie haßt. Mit diesem Thronerben wird die Königin zur unbestrittenen Herrin eines Hofes, den sie schon durch ihre natürliche Autorität bezaubert, den sie aber verändern möchte.
Dann stirbt Charles Ormond bei einer Epidemie in Amboise.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 114,118,459
***********************
"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Am 10. Oktober bringte Anne de Bretagne einen gesunden Knaben zur Welt. Noch keine 24 Stunden alt sorgt der kleine Dauphin schon für einen Skandal! Sein Vater hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, seinen Erstgebrenen nach seinem liebsten Romanhelden, dem Lieblingsneffen CHARLEMAGNES, Roland, zu nennen. Damit versetzt er seine Höflinge je nach Alter und Temperament in atemloses Erstaunen oder schieres Entsetzen. Karl beugt sich schließlich einem Kompromiß; um seinen Sohn aus dem Zustand des Heidentums zu erlösen, erklärt er sich mit dem Doppelnamen Charles-Orland einverstenden. So beginnt das Leben des kleinen Dauphins gleich mit einem Regelbruch. Es ist überkommener Usus, königliche Kinder gleich am Tag ihrer Geburt zu taufen. Bei dem kleinen Charles-Orland ist dies aufgrund des Namensstreites nicht möglich. Ein schlechtes Omen? Zunächst der Anlaß zu einem für eine Taufe außergewöhnlich gut vorbereiteten, prächtigen Fest. Alle Großen des Hofes übernehmen gern ihren Part. Der Prinz von Orange trägt den kleinen Täufling, ihm folgen die Paten Pierre de Beaujeu-Bourbon und Louis d'Orleans und die Patin Jeanne de Laval, Königin von Sizilien.
Inzwischen nimmt in Amboise, wo der kleine Dauphin in der gleichen Abgeschiedenheit wie sein Vater aufwächst, das Schicksal seinen Lauf. Im August verbreiten sich dort Nachrichten über eine Blattern- und Masernepidemie Angst und Schrecken. Fieberhafte Beratungen werden abgehalten. Wird die Krankheit durch die Luft übertragen, muß schnellstens ein Ortswechsel vorgenommen, muß sofort ein anderes Domizil für den keinen Prinzen gefunden werden! Handelt es sich jedoch um eine Kontaktinfektion, so müssen rigoros alle noch bestehenden Kontakte zwischen den wenigen Menschen der engsten Umgebung des Kindes und dem Ort abgebrochen werden. Der als ausgesprochen schön und sehr anstellig beschriebene kleine Junge - es gibt auch ein Porträt von ihm, auf dem er sehr altklug, fast wie ein kleiner Greis aussieht - hat sich in seinen drei Lebensjahren bisher trotz mancher Erkrankung sehr gut entwickelt. Sein Körper ist makellos, und seine Aufgewecktheit gibt zu den schönsten Hoffnungen Anlaß. Nein, entscheidet man schließlich, man wird ihn nicht wegbringen, Amboise hat ihm bisher so gut getan, man wird einfach die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Man teilt diese Entscheidung am 15. Oktober dem Königspaar mit, das gerade seine Wiedervereinigung an der Rhone feiert. Die für den Thronerben Verantwortlichen beteuern, die Situation voll im Griff zu haben, doch Ende November ist der kleine Orland doch erkrankt. Am 6. oder 16. Dezember stirbt er in Amboise. Die Eltern erfahren es drei bis vier Tage später in Lyon.
Ist man schonmal in Tours, sollte man durchaus auch die Kathedrale besuchen, die für ihre Fenster berühmt ist. Dort stehen in einem Seitenschaiff die Sarkophage der Söhne Annes de Bretagne und Charles' VIII., die von Charles-Orland, dessen Taufe soviel Wirbel verursachte, und seinem kleinen Bruder Charles.

Treffer Gerd A.: Seite 67
**************
"Johanna von Valois begegen."

Während ihr Mann in der Ferne Triumphe feiert, erleidet Königin Anne eine Fehlgeburt. Dann stirbt wärend einer Epidemie auf Schloß Amboise ihr erster Sohn. Der Thron hat keinen Erben mehr. Im Frühjahr 1496 folgte eine neue Schwangerschaft. Man bemüht sich nach bestem medizinischem Können um die Königin. Der kleine Charles, der im Herbst zur Welt kommt, stirbt einen Monat später in Plessis-lez-Tours.
Der König ist nicht mutlos; zwei Monate später ist die Königin von neuem schwanger. Der dritte Sohn, Francois, kommt im Juli 1497 zur Welt und stirbt wenige Tage später.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 363,371,375,381 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 114,118,459 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 220 - Treffer Gerd A.: Johanna von Valois begegen. Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2000 Seite 67 -
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de