3. Tochter des Königs
Karl VII. der Siegreiche von Frankreich
und der Marie
von Anjou, Tochter von Titular-König
Ludwig II. von Anjou-Neapel
Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 415
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Yolande de France, Herzogin von Savoyen
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* 1433, + 1478
Tochter König Karls VII.
von Frankreich und der Maria von Anjou,
aufgrund eines Ehevertrags 1436 mit kaum drei Jahren dem einjährigen
Amadeus
IX. von Savoyen, Enkel von Amadeus VIII. anvermählt. Die Ehe wurde
1451 vollzogen: Yolande begann eine
politische Rolle zu spielen, als ihr Gemahl 1456 die Bresse als Apanage
erhielt. Mit dem Regierungsantritt Amadeus‘ IX. (1465) zur Herzogin
geworden, drängte sie ihren Mann zu einer Annäherung an Frankreich,
doch gab dieser die Beziehungen zu Burgund letztlich nicht preis. Einträchtig
betrieb das Fürstenpaar intensive religiöse Stiftungspolitik:
1467 erwirkten Amadeus und Yolande
das Privileg zur Gründung der Sainte-Chapelle in Chambery, die einem
savoyschen
Dekan, unabhängig von der Jurisdiktion des Bischofs von Grenoble,
unterstellt war und für die sie den Glockenturm stifteten. Wegen des
schlechten Gesundheitszustandes ihres Gamahls übernahm Yolande
die Regentschaft, wurde aber von ihren drei Söhnen mit Waffengewalt
bekämpft, so dass die Herzogin ihre Autorität nur dank der Militärmacht
ihres Bruderas, König
Ludwig XI., aufrechterhalten konnte. Nach dem Tode ihres
Mannes (1472) fungierte sie als Regentin ihres Sohnes Philibert,
konnte aber ihre Position nur durch Schaukelpolitik zwischen Ludwig
XI. und
Karl dem Kühnen behaupten.
Die schweizerischen Eidgenossen nutzten die Schwäche Savoyens ab 1475
zur Besetzung von Gebieten der ‚pagus romands‘ aus (Vaud); Karl
der Kühne ließ im Gegenzug die Herzogin in der Nähe
von Genf entführen.
Ludwig XI.
befreite seine Schwester, war aber seinerseits bestrebt, sie seiner politischen
Kontrolle zu unterwerfen;
Yolande de France suchte
sich dem Einfluß Frankreichs zu entziehen, indem sie bevorzugt in
Vercelli residierte und Piemontesen stärker an Politik und Verwaltung
des savoyischen Staates beteiligte. Es gelang ihr, die Regierungsgewalt
in ihren letzten Lebensjahren wieder weitgehend in den Griff zu bekommen;
ihr minderjähriger Sohn stand nach ihrem Tode aber unter dem doppelten
Expansionsdruck des Königreiches Frankreich wie der Berner.
Calmette, Joseph: Seite 323,337
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"Die großen Herzöge von Burgund."
Der von Aragon ausgeübte Druck hatte
Karl noch zu einem weiteren Freund verholfen, dem mailändischen
SFORZA, der bisher stark in der französischen Allianz engagiert war,
nun aber das Steuer herumwarf. Insgeheim trat auch noch Savoyen in diesen
Bund ein. Obwohl Jolanthe von Savoyen
eine Schwester Ludwigs XI. war, zöert
sie nicht, die Annäherung zwischen Mailand und Burgund zu begünstigen.
Es geschah versteckterweise, denn indem sie vorgab, mit Bern zu verhandeln
udn an der Koalition gegen Burgund teilzunehmen, hatte sie im Gegenteil
in anderer Richtung gearbeitet und für Sforza und Karl
den Kühnen den Vertrag von Moncalieri vom 30. Januar 1475
zustande gebracht.
Der Herzog war ohne Aufenthalt nach Morges am Genfer
See durchgeritten. Dort hörte er am Morgen des 23. die Messe. Gegen
sechs Uhr abends traf er bei der Herzogin von Savoyen in Gex ein.
Er hielt sich dort bis zum 27. auf.
Der beste Beweis dafür ist der gerade in diesem
Moment am Hof von Burgund zur Unzeit verübte Anschlag auf das Haus
SAVOYEN. Die Herzogin Jolanthe von Savoyen,
die Schwester Ludwigs XI., hatte Burgund
ihr Wohlwollen bewiesen, ohne sich gänzlich bloßzustellen und
ein Bündnis mit dem Feind ihres Bruders zu schließen. Unter
dem Vorwand, es gehe das Gerücht um, daß der König demnächst
Savoyen einziehen werde, entschließt sich Karl
der Kühne, angeblich um dem König zuvorzukommen und
sich zu schützen, zu einem Handstreich und erletzt damit jegliches
Völkerrecht. Jolanthe war verwitwet
und seit dem 3. Juli 1475 Regentin. Der Herzog will sich ihrer und
ihres ältesten Sohnes, des zwölfjährigen jungen Herzogs
Philibert, bemächtigen. Es gab einen ungeheuren Skandal.
Jolanthe hatte sich
von Gex aus, wo sie den Herzog kurz nach der Niederlage bei Murten empfangen
hatte, auf den Weg nach Genf begeben. Sie wurde kurz vor der Stadt, in
Grand-Saconnex, von Olivier de la Marche überrascht, der den Auftrag
zu dieser dreisten Entführung hatte. Der Streich gelang übrigens
nur zum Teil. Philibert und sein kleiner Bruder wurden von einem Genossen
Oliviers, Lodovico Taglianti aus Ivrea "gestohlen". Die Herzogin indessen,
welche La Marche auf seinem Pferd entführte, wurde über den Jura
nach Saint-Claude und von dort erst nach Rochefort-sur-Nenon bei Dole und
dann weiter nach Schloß Rouvres in der Nähe von Dijon geschafft.
Auf diese Behandlung hin rief Jolanthe
ihren Bruder zu Hilfe. Im Grund war es Ludwig
sehr lieb, daß er die Gelegneheit wahrnehmen konnte, um Savoyen von
der burgundischen Hypothek zu befreien. Die Sache glückte vollkommen.
Mit zweihundert Lanzen entführt der Seigneur de Chaumont
Jolanthe aus Rouvres und geleitet sie nach Langres. Der König
beschied seine Schwester, nach dem Schloß Plessis-lez-Tours zu kommen.
Er
empfing sie, wie der Chronist berichtet, an der Pforte mit der freeundlichsten
Miene und begrüßte sie mit den Worten: "Madame la Bourguignonne,
vous soyez la tres bien venue." Sie sah ihm an, daß er scherzte,
und gab die sehr kluge Antwort: "qu'elle estoit bonne Francoise." Gerade
das war der Wunsch Ludwigs XI. Das
Abschwenken Savoyens, das, ohne mit Burgund befreundet zu sein, doch mit
ihm sympathisert hatte, war der Schlußstein zum Gesinnunswechsel
von ANJOU, Neapel und Mailand.
1452
oo Amadeus IX. Herzog von Savoyen
1.2.1435-30.3.1472
10 Kinder:
Ludwig
5.10.1453- jung
Karl
15.9.1456- 7./8.1471
Marie
- nach
1512
1476
oo Philipp Markgraf von Baden-Hochberg-Sausenberg
1452-9.9.1503
Luise
28.12.1461-24.7.1503
24.8.1479
oo Hugo II. von Chalons Seigneur zu Arlay
-3.7.1490
Anna
- 2.1480
11.9.1478
oo Friedrich IV. König von Neapel
19.4.1452-9.11.1504
Philibert I. der Jäger
7.8.1465-22.4.1482
Bernhard
4.2.-3.9.1467
Karl I. der Kämpfer
29.3.1468-14.3.1490
Jakob Ludwig Markgraf von Gex
7.1470-27.7.1485
1483
oo Louise von Savoyen-Faucigny, Tochter des Grafen
Janus
1467-1.5.1530
Johann Claudius
8.1472-7.11.1472
Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 323,337 -
Ehlers
Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987
Seite 369 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft
1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 449,451 - Schelle,
Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler.
Magnus Verlag Essen Seite 154,158,166,180,197,212 -