Begraben: Abtei Saint-Corneille zu Compiegne
4. Sohn des Königs
Karl VI. von Frankreich und der
Isabeau
von Bayern-Ingolstadt, Tochter von Herzog
Stephan III.
Markale Jean: Seite 252,260,298
************
„Isabeau de Bavarie“
Der zweite Sohn Jean
war mit Jakobäa
von Bayern vermählt, wurde bei seiner künftigen
Gemahlin am Hennegauer Hof erzogen und befand sich eindeutig im Bannkreis
des Burgunders.
Am 5. April 1417, eineinhalb Jahre nach seinem
Bruder, starb der neue Dauphin Jean in
Compiegne, auch er ohne Nachkommen, an einer Krankheit, bei der er sich,
wie die Beschreibungen der Chronisten vermuten lassen, wahrscheinlich um
eine vereiterte Mittelohrentzündung handelte. Da die Ärzte
auch dagegen kein Mittel kannten, kann man auch hier annehmen, dass es
sich um einen natürlichen Tod handelte. Aber die dubiosen Umstände,
die den Tod des Dauphin Jean begleiteten,
etwa die Tatsache, dass man ihn daran hinderte, nach Paris zurückzukehren
so sehr sich Isabeau de Bavarie auch
bemühte, ihren Sohn wieder zurückzubekommen, all dies belastet
die Affäre mit einem mehr als sicheren Verdacht, der zumindest noch
mehr begründet ist als im Fall seines Bruders Louis.
Und diesmal war das Ableben des Dauphins für den Herzog von Burgund
absolut nicht von Vorteil, denn Jean war,
nach dem, was uns überliefert ist, voll und ganz Johann
Ohnefurcht ergeben, stand er doch unter dem Einfluss seiner
Gemahlin Jakobäa von Bayern und
seiner Schwiegereltern, die ebenfalls voll auf der Seite des Burgunders
standen. Zudem äußern sich gerade die burgundischen Chronisten
besonders ausführlich über die Möglichkeiten eines Giftmordes
an Prinz Jean. Einer von ihnen behauptet
gar, der Dauphin sei daran gestorben, dass er sich ein in Gift getränktes
Kettenhemd angelegt und dass dieses Gift sich im Nu in seinem Körper
verbreitet habe. Auf alle Fälle kann Johann
Ohnefurcht mitnichten im Zusammenhang mit dem plötzlichen
Dahinscheiden des Dauphins Jean beschuldigt
werden. Wenn es ein Giftmord war, was nicht bewiesen ist (das Gegenteil
freilich ebenso wenig), wer ist aber dann dieses Verbrechens anzuklagen?
Johann Ohnefurcht nutzte die Gelegenheit, um ein Manifest zu veröffentlichen,
worin er nicht zögerte, den Tod von Louis
wie
von Jean als Folge eines zweifachen
Verbrechens darzustellen, das er seinen Gegnern, den Armagnacs oder den
Räten des Königs, zur Last legte. Doch niemand kommt im Zusammenhang
mit dem Tod des Dauphins Jean auf Yolande
von Aragon zu sprechen.
Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 37
***********************
"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen
und Mätressen um den Lilienthron."
Da stirbt am 18. Dezember 1415 Dauphin
Louis im Alter von 18 Jahren. Eine schwere Erkältung hat
seine angegriffene Lunge, die er bis zuletzt durch sein bizarres Nachtleben
zusätzlich geschwächt hat, vollends ruiniert. Neuer Dauphin ist
damit Jean, der am Hofe seiner Schwiegereltern
im Hennegau und damit im Bannkreis Burgunds lebt. Damit ergibt sich ein
klares Patt, denn die Verfügung, daß der Dauphin während
der Abwesenheit des Königs die volle Regierungsgewalt ausübt,
ist noch in Kraft.
Jetzt geleitet Yolande von Aragon
Charles nach Paris. Während die Verhandlungen um Dauphin
Jean nur schleppend in Gang kommen, stirbt dieser am 5. April
1417 entweder an einer eitrigen Halsentzündung oder an
einem aufplatzenden Abzeß am Ohr (er ist nicht der letzte
VALOIS-Prinz
mit dieser Todesart).
Saller Martin: Seite 156,172,236,240
***********
"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."
Nicht vollzogen wird die ebenfalls geplante Vermählung
des zweitältesten Königs-Sohns Johann
mit einer anderen Tochter des Burgunders. Isabeau
plant
die Vermählung des nun sechsjährigen
Johann mit einer WITTELSBACHERIN
aus dem Hennegau, mit Jakobäa, einer Enkelin des alternden Herzog
Albrechts von Bayern.
Den Rahmen bildet eine neue königliche Doppel-Hochzeit,
die in Anwesenheit Isabeaus und des
ganzen Hofstaats in Compiegne gefeiert wird. Der zweitälteste, nunmehr
sechsjährige Sohn der Königin
Johann, der den Titel eines Herzogs von Touraine trägt,
wird mit Jakobäa, der Tochter
Wilhelms
von Wittelsbach vermählt; und der älteste, zwölfjährige
Sohn des Herzogs von Orleans,
Charles,
heiratet Isabeaus siebzehnjährige
Tochter Isabella,
seine Kusine. Ein päpstliicher Legat überbringt den wegen des
nahen Verwandtschaftsgrades nötigen Dispens. In freundschaftlicher
Geste gegenüber dem Haus BURGUND
erklärt sich die Königin nach einigem Zögern bereit, ihren
Sohn Johann der Obhut der Herzogin
Margarete vom Hennegau, einer Schwester Herzog
Johanns, zu übergeben und ihn mit Jakobäa am Hof von
Quesnoy erziehen zu lassen.
Eine Woche vor Weihnachten entsteht dann unvermutet eine
ganz neue Lage. Am Mittwoch, den 18. Dezember 1415, stirbt der Thronfolger,
Herzog
Ludwig von Guyenne, erst achtzehn Jahre alt. Thronfolger ist
nun der siebzehnjährige Johann,
der den Titel eines Herzogs von Touraine trägt und der mit
seiner früh angetrauten WITTELSBACHER
Frau Jakobäa am Hofe der Schwiegereltern
im Hennegau lebt, wo er auch erzogen und unterrichtet worden ist. Der neue
Dauphin
Johann hingegen ist im Bannkreis der Macht Herzog
Johanns! Den Burgunder verbindet durch
seine Schwester Margarete, die Mutter
des Kronprinzessin Jakobäa, überdies
ein loses verwandtschaftliches Verhältnis mit dem Thronfolger.
Herzog
Johann kann nun den Anspruch des Dauphin ausspielen, der nach
allerhöchster Verfügung die
Regentschaft während
der 'Abwesenheit' des Königs führen soll. Königin
Isabeau bemüht sich unverzüglich um Kontakt zu ihrem
Sohn Johann. Aber sie kann wenig tun
für einen Brückenschlag zwischen beiden lagern, ohne den eine
Übersiedlung des Dauphin an den königlichen Hof nicht denkbar
ist.
Isabeaus besondere
Sorge gilt freilich dem Thronerben Johann,
dem sie den Weg zur Teilhabe an der Regierung ebnen will. Die Verhandlungen
über die Rückkehr des Kronprinzen an den Pariser Hof schleppen
sich hin. Schließlich kommt der Schwiegervater des Dauphin, Wilhelm
von Wittelsbach, in die Hauptstadt, um die Dinge voranzubringen.
Vor dem Staatsrat erklärt er, daß der Kronprinz nur in Begleitung
des Herzogs von Burgund nach Paruis kommen werde, was die Armagnaken kalt
zurückweisen. Als der WITTELSBACHER
hört, daß man ihn solange festhalten will, bis der Kronprinz
im Austausch nach Paris gebracht wird, flüchtet er heimlich aus der
Hauptstadt. Johann Ohnefurcht und Wilhelm
schlagen nun der Königin Verhandlungen in Compiegne vor, wo sie sich
mit dem Kronprinzen bereithalten. Unter argwöhnischer Kontrolle Bernhards
von Armagnac kommt Isabeau ihren burgundischen
und Hennegauer Verwandten bis Senlis entgegen; dort empfängt sie die
Schwiegermutter des Dauphin, Margarete,
in aller Herzlichkeit. Die Verhandlungen in Compiegne müssen aber
die Männer ihres Stabes führen. Doch da ändert sich abarmals
abrupt die politische Szene: Am 5. April 1417 stirbt unerwartet
auch der umstrittene siebzehnjährige Thronerbe. Eine eitrige Halsentzündung
hat ihn aufs Krankenlager geworfen; und er erstickte dann in einem grausamen
Todeskampf. Herzog Johann entfesselt
einen hemmungslosen Propaganada-Feldzug. In einem Schreiben an die Städte
des Königreichs beschuldigte er seine Gegner, die beiden Kronprinzen
vergiftet zu haben.
Schnith Karl: Seite 363,373
**********
"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern"
An erster Stelle steht selbstverständlich die Geburt
eines Thronfolgers. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit gebar Isabeau
bereits einen Sohn, der bezeichnenderweise Charles
wie
Vater und Großvater benannt wurde; aber er starb noch im selben Jahr.
Der zweite Sohn wurde wieder Charles
genannt; auch er starb früh. 1397 gebar die Königin einen weiteren
Sohn, der den Namen Ludwigs des Heiligen
trug. Erst er konnte Dauphin werden, starb aber bereits 1415. Damit wurde
der vierte Sohn Johann Dauphin, der
durch seine Heirat mit Jakobäa von Bayern-Hennegau-Seeland-Holland-Friesland
große Teile der Niederlande für das französische
Königshaus einbringen konnte. Er ist - vielleicht sicherheitshalber
- nach seiner Verlobung am hennegauischen Hof seiner Schweigereltern erzogen
worden, starb aber ebenfalls bald nach seiner Heirat 1417 bei einem
Frankreich-Besuch ganz plötzlich, vermutlich an Gift. Damit
machte er den Weg frei für den 1403 geborenen, wohl ungeliebten Bruder
Charles,
den späteren Karl VII.
Als 1417 Wilhelm VI.
völlig unerwartet an den Folgen eines Hundebisses starb, hatte er
keinen Sohn als Erben aufzuweisen, sondern nur eine Tochter, nämlich
Jakobäa,
1401 geboren, die schon früh in die Heiratspolitik eingebracht worden
war. Bereits im Alter von fünf Jahren war sie am 22.6.1406 mit dem
Sohn König Karls VI. von Frankreich verlobt,
dann 1415 vermählt worden. Offenbar wegen der politischen Unsicherheit
in der Pariser Residenz wurde dieser Johann in
den Hennegau gebracht und gemeinsam mit Jakobäa
von deren Mutter Margarethe von Burgund im
Hennegau erzogen. Die politischen Implikationen dieses Eheplans ließen
sich freilich kaum realisieren, den Johann von
Touraine starb bereits am 5. April 1417, kurz vor dem
Tod seines Schwiegervaters Wilhelm.
Der französische König hielt sich an den Heiratsvertrag; er bestätigte
Jakobäa ihr Witwengut im französischen Königreich,
nämlich die Grafschaft Ponthieu, die Herrschaft Mortagne, Crevecoeur
und Arleux.
Leo Heinrich Dr.: Band II Seite 44
**************
"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."
Schon im folgenden Frühjahre (am 18. April 1417)
starb der Dauphin Johann an einem Geschwür
in den Teilen, wo Ohr und Hals zusammenhängen, und sein Tod, sowie
der seines Schwiegervaters, Wilhelm von Hennegau-Holland,
riß vollends die Fäden, welche das niederländische Interesse
noch mannigfach an das französische geknüpft hatte.
6.8.1415
oo 1. Jakobäa Gräfin von Bayern-Holland
x 25.7.1401-8.10.1436
Literatur:
-----------
Calmette, Joseph: Die großen Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 135,139,142
- Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer
GmbH 1987 Seite 307 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine
spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437.
Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 250 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia:
Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 23,26,37
- Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer
Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 44 - Markale,
Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite
252,260,298 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin
auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979
Seite 124,150,156,172,186,236,239,243,248 - Schnith Karl: Frauen
des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997
Seite 353,363,365,370,373 -