David von Burgund                               Bischof von Therouanne (1451-1496)
-------------------------                             Bischof von Utrecht (1456-1496)
1427-16.4.1496
 

Illegitimer Sohn des Herzogs Philipp der Gute von Burgund und der Johanna (oder Nicoletta) Chastellain
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 602
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David von Burgund, Bischof von Therouanne und Utrecht
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* um 1427, + 16. April 1496

Außerehelicher Sohn Philipps des Guten, Herzogs von Burgund, und der Johanna (oder Nicoletta) Chastellain, genannt De Bosquiel, die schon vorher dem Herzog eine Tochter, Marie, geboren hatte.

Am 26. Oktober 1439 wurde David auf Betreiben seines Vaters zum Propst des Stiftes St. Donatian zu Brügge gewählt. Er erhielt seine Ausbildung bei Antoine Haneron, „maistre des bastards de Monseigneur“, der später auch als Erzieher des Erb-Prinzen Karl des Kühnen fungierte. Unter dem Einfluß seines Mentors ließ sich David 1450 auch als Student an der Universität Löwen, an der Haneron lehrte, immatrikulieren. Haneron sollte auch später noch eine Rolle als Rat Davids in Utrecht spielen. Am 13. September 1451 erreichte Herzog Philipp bei Papst Nikolaus V. die Erhebung Davids zum Bischof von Therouanne, obwohl er Bastard und ungeweiht war. Diese Ernennung steht im Zusammenhang mit dem Bestreben des Herzogs, die Bischofssitze in seinen Territorien und deren Umkreis mit seinen Günstlingen zu besetzen. Mehrere Päpste haben - gegen burgundische Bestechungsgelder und nie eingelöster Kreuzzugsversprechen - dieser Politik Vorschub geleistet.
Als 1455 das wichtiger Bistum Utrecht vakant wurde, bemühte sich Herzog Philipp, David dort einsetzen zu lassen. Jedoch wählte das Domkapitel am 7. April fast einstimmig den Dompropst Geijsbrecht von Brederode, einen Anhänger der antiburgundischen holländischen Partei der Hoeken. Dieser fand als Elekt Anerkennung bei Kaiser FRIEDRICH III., bei Rat und Gilden von Utrecht, sodann auch bei den Ständen des Stiftes als weltlicher Schutzherr (18. September 1455). Doch hatte Philipp Papst Calixt III. bereits am 12. September zur Einsetzung Davids bewegen können; diese Entscheidung traf in Utrecht aber erst im Oktober ein. Ab März 1456 setzten der Herzog und seine Parteigänger Utrecht unter diplomatischen und militärischen Druck. Brederode ließ sich schließlich zu Verhandlungen über eine Abfindungssumme überreden. Am 3. August 1456 zod David von Burgund als weltlicher Herr des Stiftes gemeinsam mit seinem Vater mit Heeresmacht in Utrecht ein, am 6. August bestätigte er den Ständen die Landesprivilegien. Nur durch erneutes militärisches Eingreifen ließ sich auch Overijssel zur Huldigung nötigen: Am 18. September ergab sich Deventer Herzog Philipp. Die Befriedung des Parteienstreits zog sich jedoch noch bis 1458 hin, als David von Burgund mit holländisch-burgundischer Unterstützung die Familie BREDERODE, die Geistlichkeit und den Rat der Stadt zu einer symbolischen Unterwerfung zwang. 1470 ließ David von Burgund die Häupter der Hoeken, darunter wieder einige BRODERODES, gefangensetzen. Die weltliche Herrschaft Davids war durch die Einführung einer zentralisierten Regierung nach burgundischenm Vorbild gekennzeichnet, wobei bischöfliche Beamte vielfach die örtlichen Gewalten verdrängten. Charakteristisch war die Installierung der Schive (17. Januar 1474), eines Oberhofes, der als Berufungsinstanz für alle Landesgerichte fungierte und hauptsächlich mit studierten Juristen besetzt war. Das Vorbild des kaum einen Monat zuvor errichteten Parlement von Mecheln ist unverkennbar.
Im Zuge der antizentralistischen Aufstände in den burgundischen Landen nach Karls des Kühnen Tod regte sich auch im Bistum Utrecht seit April 1477 Widerstand, auf den David von Burgund mit Zugeständnissen reagierte (28. Juli 1477 Wiederherstellung alter Privilegien, 6. Juni 1478 Erlaß eines neuen Landesbriefes für Overijssel). Faktisch wurden aber bald wieder zentralistische Regierungsmethoden eingeführt. Der holländische Parteienstreit gewann aber 1481 auch wieder in Utrecht an Boden. David von Burgund wurde vertrieben und konnte nur mit Unterstützung Erzherzog MAXIMILIANS seine Macht wiedergewinnen, wobei er auch die Konzessionen von 1477 und 1478 zurücknahm. 1483 wurde David von Burgund während eines erneuten Aufstands gefangengenommen und konnte nur durch das militärische Eingreifen MAXIMILIANS befreit werden. Dieser nahm die Gelegenheit wahr, um sich selbst zum weltlichen Herrn des Stiftes auszurufen, wodurch er die Einbeziehung Utrechts in die burgundisch-habsburgische Machtsphäre vollendete. Die Versuche Davids, eine selbständige Politik zu treiben, waren gescheitert.
Die geistliche Amtsführung war, im Gegensatz zu derjenigen vieler anderer Bischöfe der Zeit, durch große Aufmerksamkeit für die theologische Bildung der Priester und aktives Eintreten für eine strenge Disziplin in den Klöstern gekennzeichnet. Auch die Devotio moderna fand die Unterstützung des Bischofs. Er reformierte weiterhin durch Einführung klar umschriebener Kompetenzen und Tarife die bischöfliche Rechtsprechung. David von Burgund zählte auch zu den bedeutendsten Mäzenen aus dem Hause BURGUND.


Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 156,194 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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