Jüngerer Sohn des Grafen
Theobald IV. der Große von Blois-Chartres und der Mathilde
von Sponheim-Kärnten, Tochter von Graf Engelbert I.
Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 158
********************
Wilhelm Weißhand (Guillaume aux Blanches Mains),
Bischof von Chartres seit 1165; Erzbischof von Sens seit 1168
---------------------------------------------------------------
Erzbischof von Reims seit 1176
+ 1202
Entstammte als 4. Sohn Tedbalds II. (IV.), Graf
von Champagne, dem mächtigen Hause BLOIS, war Bruder Heinrichs
I. von Champagne, Tedbalds V. von Blois und Stephans von
Sancerre sowie der Adela von Champagne,
der 3. Gemahlin von König Ludwig VII.
und Mutter von Philipp II. Augustus.
Wilhelm
Weißhand wurde schon in früher Jugend mit reichen Pfründen
ausgestattet und zum Erzbischof von Lyon erwählt (1163), doch
nahm er das Erzbistum nicht in Besitz. 1165 Bischof von Chartres,
wurde er von einem Erzbischof von Sens zum Diakon bestellt und nach
dessen Tod zum Erzbischof von Sens gewählt (1168). Nun empfing
er die Bischofsweihe. Wilhelms Bemühungen, im päpstlichen
Auftrag eine Versöhnung zwischen Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury,
der in Ste-Colombe de Sens Zuflucht gefunden hatte, und König
Heinrich II. herbeizuführen, schlugen fehl. Nachdem Scheitern
der Veermittlungsversuche wurde Wilhelm von Blois von Papst Alexander
III. mit der Verhängung des Interdikts über das Königreich
England beauftragt. Wilhelm von Blois war Becket stets zugetan und
reiste 1178 an das Grab des Märtyrers, um ihm seine Verehrung zu bezeugen.
Als Erzbischof von Reims (seit 1176) vollzog Wilhelm von Blois
1179 die Weihe an Philipp Augustus,
der zum Mitregenten seines schwerkranken Vaters erhoben worden war. Nach
dem Tode Ludwigs VII. (1180) beteiligte
sich der Erzbischof an den Versuchen der Königin-Mutter
Adela und seiner Brüder, dem jungen König eine Vormundschafstregierung
aufzunötigen. Seit ca. 1182 näherte er sich jedoch
Philipp Augustus an und unterstützte ihn fortan, auch hinsichtlich
der (vom Papsttum abgelehnten) Ehescheidung von Königin
Ingeborg. Wilhelm von Blois wurde in dieser Sache vor
die Kurie geladen, um sich zu rechtfertigen, und verstarb auf der Rückreise
von Rom (1202). In Reims reorganisierte Wilhelm von Blois das Offizialat,
ging gegen Häretiker vor und brachte das Amt des Scholasters wieder
zur Geltung. Wilhelm von Blois schaltete sich in die Angelegenheiten
der Suffraganbistümer ein und stärkte die Position der Bischöfe;
er gewährte Albert von Löwen, Bischof von Lüttich, im Konflikt
mit Kaiser HEINRICH VI. Asyl in Reims.
Als geistlicher Fürst erlaubte er den Bürgern von Reims die Schöffenwahl
und errichtete Vorstädte (bourgs) außerhalb der
Stadtmauer von Reims. Andererseits mediatisierte er infolge seines Familiensinnes
mehrere große erzbischöfliche Lehen zugunsten seines Bruders
Heinrich I. von Champagne.
XIII. 66 a. WILHELM, Bischof von Chartres 1164,
Erzbischof von Sens und Reims 1176
------------------------------
* ca. 1135, + 1202 7. IX.