Begraben: Provins
Ältester Sohn des Grafen
Theobald IV. der Große von Champagne-Navarra
(Königs Theobald I. von Navarra) aus seiner 3. Ehe
mit der Margarete von Dampierre-Bourbon,
Tochter von Graf Archambald VIII.
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 522
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Tedbald V., Graf von Champagne und Brie
-------------- König von Navarra (Teobaldo
II.)
* 1238, + 4. Dezember 1270
Trapani (Sizilien)
Begraben: Provins
Sohn von Tedbald IV.
oo 6.4.1255 Isabella von Frankreich, Tochter König
Ludwigs IX. des Heiligen
I. ALS GRAF VON CHAMPAGNE
Tedbald V. erbte 1253 das Königreich Navarra (trotz Zusagen seines Vaters an seine Schwester Blanca) und die Grafschaften Champagne und Brie. Er regierte bis 1255 unter der Vormundschaft seiner Mutter Margareta von Bourbon. Tedbald V. verbrachte die meiste Zeit in seiner Grafschaft und am französischen Königshof und ließ sich in Navarra von einem Gouverneur vertreten. Sehr enges Verhältnis zu König Ludwig IX., der ihn als seinen Sohn betrachtete. Tedbald V. gehörte 1259 zu den Pairs, die in dem für die französische Rechtsgeschichte wichtigen Prozeß Enguerrand IV. von Coucy wegen dreifachen Mordes verurteilen sollten. Seine wichtige Rolle am Königshof veranlaßte Tedbald V. 1263 zum Erwerb eines Hotels in der Rue St-Andre-des-Arts in Paris. Seinen Machbereich konnte er in mehreren Konflikten mit Herzog Hugo von Burgund (um Luxeuil, 1258), Graf Hugo von Chalon (ebenfalls um Luxeuil, 1265) und Graf Thibaut von Bar (um die Burg Lugny in Lothringen, 1266/67) in östliche Richtung ausbauen. Nahm 1270 am Kreuzzug König Ludwigs IX. nach Tunis teil. Auf dem Rückzug des Heeres nach dem Tod des Königs starb er am 4. Dezember 1270 in Trapani. Sein Tod wurde in Rutebeufs "Complainte du roi de Navarre" beklagt.
II. ALS KÖNIG VON NAVARRA
Obwohl durch seine Tätigkeit am französischen
König stark gebunden, führte Tedbald
II. im Königreich Navarra eine aktive Regierung. 1258 empfing
er in Pamplona Krönung und Königsweihe, erstmals in Nachahmung
des Weihezeremoniells der KAPETINGER,
nach dem Vorbild Ludwigs des Heiligen.
Tedbald
II.. verstärkte die königlichen Rechte über das
traditionell von bischöflicher Stadtherrschaft dominierte Pamplona,
machte in Navarra die neuen Bettelorden heimisch, förderte aber auch
die Grammontenser. Er baute die Institutionen französischen Typs aus,
die teils mit Amtsträgern aus der Champagne, teils aus Navarra/Pamplona
besetzt wurden (Amt des Gouverneurs/Seneschalls, Kanzlei, Finanzverwaltung:
Rechnungswesen für die Staatseinkünfte, 1259-1266 erste Register;
1259 Einteilung des Landes in vier 'Merindades' unter Merinos). Sorgsam
war Tedbald I. darauf bedacht, die
großen Adelsfamilien an sich zu binden (Lehsneid, Rat) und die Hidalgos,
die nach eigener Ligabildung trachteten, zu überwachen. Er erließ
Fueros (insbesondere für die Stadtviertel der 'Francos' in Pamplona),
befreite Bauern und zog sie an den Realengo. Nach Besetzung der gascognischen
Grafschaften Bigorre (1265) geriet er in Gegensatz zu Bearn und damit zur
anglo-aquitanischen Macht. Ein Schiedsspruch des Königs von Frankreich
(der die Grafschaft Bigorre annektierte) beendete diesen 'Gascognekrieg'.
In Anknüpfung an die Haustraditionen und das Vorbild Ludwigs
des Heiligen nahm er 1267 das Kreuz und sandte von den Stationen
der Kreuzfahrt (1269-1270) 'chartae' an Städte und Dörfer, Adel
und Klerus seines Königreiches, das er der Regentschaft seines Bruders
Heinrich
I. unterstellt hatte. Tedbald II.
war am Sterbebett
Ludwigs des Heiligen
in Tunis zugegen, faßte in Karthago sein Testament ab und starb Ende
1270 in Trapani; seine Frau Isabella,
die ihn auf der Kreuzfahrt begleitet hatte, verstarb 1271 auf dem Rückweg.
1255
oo Isabella von Frankreich, Tochter des Königs
Ludwig IX.
x 2.3.1242-27.4.1271
Kinder:
Illegitim
Marquesa
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1276
oo Pedro Fernandez Seigneur von Hijar illegitimer
Sohn des Königs Jakob I. von Aragon
um 1247-um 1297
Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 188 - Ehlers Joachim:
Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 123,135
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 228,232,256 - Ehlers
Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die
französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII.
888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 176,188,191 - Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 119,133,144
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