Theobald V.                                           Graf von Champagne (1253-1270)
----------------                                         König von Navarra (1253-1270)
1237/38-4.12.1270
             Trapani/Sizilien

Begraben: Provins
 

Ältester Sohn des Grafen Theobald IV. der Große von Champagne-Navarra (Königs Theobald I. von Navarra) aus seiner 3. Ehe mit der Margarete von Dampierre-Bourbon, Tochter von Graf Archambald VIII.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 522
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Tedbald V., Graf von Champagne und Brie
--------------  König von Navarra (Teobaldo II.)
* 1238, + 4. Dezember 1270
             Trapani (Sizilien)

Begraben: Provins

Sohn von Tedbald IV.

oo 6.4.1255 Isabella von Frankreich, Tochter König Ludwigs IX. des Heiligen
 

I. ALS GRAF VON CHAMPAGNE

Tedbald V. erbte 1253 das Königreich Navarra (trotz Zusagen seines Vaters an seine Schwester Blanca) und die Grafschaften Champagne und Brie. Er regierte bis 1255 unter der Vormundschaft seiner Mutter Margareta von Bourbon. Tedbald V. verbrachte die meiste Zeit in seiner Grafschaft und am französischen Königshof und ließ sich in Navarra von einem Gouverneur vertreten. Sehr enges Verhältnis zu König Ludwig IX., der ihn als seinen Sohn betrachtete. Tedbald V. gehörte 1259 zu den Pairs, die in dem für die französische Rechtsgeschichte wichtigen Prozeß Enguerrand IV. von Coucy wegen dreifachen Mordes verurteilen sollten. Seine wichtige Rolle am Königshof veranlaßte Tedbald V. 1263 zum Erwerb eines Hotels in der Rue St-Andre-des-Arts in Paris. Seinen Machbereich konnte er in mehreren Konflikten mit Herzog Hugo von Burgund (um Luxeuil, 1258), Graf Hugo von Chalon (ebenfalls um Luxeuil, 1265) und Graf Thibaut von Bar (um die Burg Lugny in Lothringen, 1266/67) in östliche Richtung ausbauen. Nahm 1270 am Kreuzzug König Ludwigs IX. nach Tunis teil. Auf dem Rückzug des Heeres nach dem Tod des Königs starb er am 4. Dezember 1270 in Trapani. Sein Tod wurde in Rutebeufs "Complainte du roi de Navarre" beklagt.

II. ALS KÖNIG VON NAVARRA

Obwohl durch seine Tätigkeit am französischen König stark gebunden, führte Tedbald II. im Königreich Navarra eine aktive Regierung. 1258 empfing er in Pamplona Krönung und Königsweihe, erstmals in Nachahmung des Weihezeremoniells der KAPETINGER, nach dem Vorbild Ludwigs des Heiligen. Tedbald II.. verstärkte die königlichen Rechte über das traditionell von bischöflicher Stadtherrschaft dominierte Pamplona, machte in Navarra die neuen Bettelorden heimisch, förderte aber auch die Grammontenser. Er baute die Institutionen französischen Typs aus, die teils mit Amtsträgern aus der Champagne, teils aus Navarra/Pamplona besetzt wurden (Amt des Gouverneurs/Seneschalls, Kanzlei, Finanzverwaltung: Rechnungswesen für die Staatseinkünfte, 1259-1266 erste Register; 1259 Einteilung des Landes in vier 'Merindades' unter Merinos). Sorgsam war Tedbald I. darauf bedacht, die großen Adelsfamilien an sich zu binden (Lehsneid, Rat) und die Hidalgos, die nach eigener Ligabildung trachteten, zu überwachen. Er erließ Fueros (insbesondere für die Stadtviertel der 'Francos' in Pamplona), befreite Bauern und zog sie an den Realengo. Nach Besetzung der gascognischen Grafschaften Bigorre (1265) geriet er in Gegensatz zu Bearn und damit zur anglo-aquitanischen Macht. Ein Schiedsspruch des Königs von Frankreich (der die Grafschaft Bigorre annektierte) beendete diesen 'Gascognekrieg'. In Anknüpfung an die Haustraditionen und das Vorbild  Ludwigs des Heiligen nahm er 1267 das Kreuz und sandte von den Stationen der Kreuzfahrt (1269-1270) 'chartae' an Städte und Dörfer, Adel und Klerus seines Königreiches, das er der Regentschaft seines Bruders Heinrich I. unterstellt hatte. Tedbald II. war am Sterbebett Ludwigs des Heiligen in Tunis zugegen, faßte in Karthago sein Testament ab und starb Ende 1270 in Trapani; seine Frau Isabella, die ihn auf der Kreuzfahrt begleitet hatte, verstarb 1271 auf dem Rückweg.


Theobald V. stritt mit dem Bruder um das Erbe, den der Schwiegervater schlichtete. Er gründete das St-Jakob Kloster zu Provins und zog mit König Ludwig IX. gegen Tunis und starb auf dem Heimweg in Trapani. Theobald war Pair von Frankreich und völlig vom Schwiegervater abhängig.
 
 
 
 

 1255
  oo Isabella von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig IX.
  x  2.3.1242-27.4.1271
 
 
 
 

Kinder:
Illegitim

  Marquesa
         -

 1276
  oo Pedro Fernandez Seigneur von Hijar illegitimer Sohn des Königs Jakob I. von Aragon
      um 1247-um 1297
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 188 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 123,135 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 228,232,256 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 176,188,191 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 119,133,144 -