Begraben: Pamplona, Kathedrale, königliche Grablege
Nachgeborener Sohn des Grafen
Theobald III. von Champagne-Brie
und der Blanka
von Navarra, Tochter von
König
Sancho IV. dem Weisen
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 520
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Tedbald IV. der Große, Graf von Champagne und Brie
---------------------------- König von Navarra (Teobaldo
I.)
* 3. Mai 1201, + 8. Juli 1253
Pamplona
Begraben: Pamplona, Kathedrale, königliche Grablege
Geboren 1 Woche nach dem Tode des Vaters, Graf Tedbalds III. von Champagne
I. ALS GRAF VON CHAMPAGNE
1. oo Mitte Mai 1220 Gertrud von Dagsburg, Witwe von Thiebaut I., Herzog von Lothringen, Tochter Graf Alberts II., geschieden 1222
2. oo 1222 Agnes von Beaujeu, Tochter Guichards IV. des Großen, Sire de Beaujeu
3. oo 22.9.1232 Margareta von Bourbon, Regentin von Champagne und Navarra, Tochter Archambaults VIII. von Bourbon
Kinder:
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Blanca
Tedbald V.
Peter
Eleonore
Beatrix
Margareta
Heinrich
Außerehelich:
-----------------
Margareta
Wilhelm
Elide
Berenguela
Bis 1222 führte seine Mutter, Blanca von Navarra, die Regierung (Abwehr der Ansprüche von Philippine, der jüngeren Tochter Heinrichs II., gelang nur mit Hilfe König Philipps II. Augustus). Tedbald IV. trat 1225/26 in Gegensatz zu König Ludwig VIII. und geriet in Verdacht, ihn vergiftet zu haben. Die Aussöhnung mit der französischen Regentin Blanca von Kastilien (1227) führte zum Konflikt mit einer von Peter I. (Pierre Mauclerc), Herzog der Bretagne, geführten Koalition, die 1230 eine erfolglose Invasion in Tedbalds IV. Grafschaft unternahm. Durch seine Heiratspolitk und eine Annäherung an Pierre Mauclerc verlor Tedbald IV. der Große die Gunst König Ludwigs IX. Um seiner Tante Alix, Tochter Heinrichs II. und Königin von Zypern, ihre Erbansprüche abkaufen zu können, veräußerte er die Grafschaften Blois, Chartres, Sancerre und die Vizegrafschaft Chateaudun an den König (1234/35). Seite 1234 König von Navarra, führte Tedbald IV. der Große 1239-1240 einen wenig erfolgreichen Kreuzzug ins Heilige Land. Seie schwankende Bündnispolitik wurde vor allem von den Ritterorden stark kritisiert. 1240 kehrte er nach Frankreich zurück und widmete sich dem administrativen Ausbau seiner Grafschaft.
II. ALS KÖNIG VON NAVARRA
Da Tedbalds Onkel
Sancho
VII., König von Navarra, keine legitimen Leibeserben hatte,
eröffnete sich für Tedbald
die
Aussicht auf das navarresische Erbe; er reiste nach Tudela (wohl 1224)
und erreichte hier eine Einigung mit Sancho VII.
(unter Abwehr konkurrierender Ansprüche Kastiliens und Aragons). Nach
Sanchos
Tod (1234) sicherte die Krönung durch den Bischof von Pamplona die
unangefochtene Anerkennung Tedbalds,
der somit die kurze dynastische Herrschaft des Hauses
BLOIS-CHAMPAGNE (bis 1274) auf den navarresischen Thron begründete
und sich selbst mehrfach in Navarra, das ihm Titel und Würde eines
Königs verschaffte, aufhielt. In seiner Eigenschaft als König
hatte Tedbald I. der Große auch
1239-1240 sden Oberbefehl des von ihm initiierten "Kreuzzugs der Barone"
inne.
Tedbald I. der Große
führte in Navarra Institutionen französisch-champagnischer Prägung
ein: Kanzlei, Finanzverwaltung, besonders aber das Amt des Seneschalls
(Senechel-Gouverneur), zunächst mit dem champagnischen
Adeligen Pons de Duxme (1234-1236) besetzt, dann aber durch eine kluge
Entscheidung
Tedbalds I. dem navarresischen
Großen Sancho Fernandez de Monteagudo (1243-1253) übertragen.
Umsichtig bemühte sich der König um Verständigung mit den
mächtigen Nachbarn (Kastilien und Aragon, Bearn und Aquitanien); im
Innern verfolgte dieser französische Fürst eine den Traditionen
der Iberischen Halbinsel verpflichtete Politik: Erlaß bzw. Bestätigung
von Fueros, Zusammenwirken mit dem Adel, der ihm - in Navarra ein Novum
- den Lehnseid leistete, mit dem er aber auch Bündnisse und Dienstverträge
südeuropäischen Typs ('convenienzas') auf der Basis einer gewissen
Gleichrangigkeit schloß.
Tedbald I.der Große
trug die Schulden seines Vorgängers ab und setzte dessen Politik des
Gebietserwerbs im Umkreis von Tudela fort, förderte kirchliche Institutionen
(Hospiz von Roncesvalles; Benediktinerabteien), befreite dörfliche
Gemeinschaften und bot jüdischen und muslimischen Minderheiten Schutz.
Ehlers Joachim: Seite 152
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"
Die Widersacher konnten freilich Argumente ins Feld führen,
die sie aus der Geschichte seines Hauses bezogen und mit denen die Legitimität
seiner Herrschaft in Frage gestellt werden sollte. Tedbalds
Großvater, Graf Heinrich I., le Liberal, hatte
aus seiner Ehe mit Marie, der Tochter
Ludwigs
VII., zwei Söhne, von denen der ältere,
Heinrich II., 1192 König von Jerusalem wurde, so daß
der jüngere, Tedbald III., die Grafschaft übernehmen konnte.
Aus seiner Ehe mit Blanche von Navarra
stammte Tedbald IV., dem Heinrichs
II. Tochter Philippine bald
ihren vermeintlich besseren Anspruch entgegenstellte, den sie als Erbin
des älteren der beiden Brüder zu haben glaubte. Das Hofgericht
hatte ihre Klage bereits abgewiesen, weil sie aber mit Graf Erard von
Brienne einen der mächtigsten champagnischen Dynasten geheiratet
hatte, fand sie gleichwohl Unterstützung für ihr Ansinnen, so
daß sich bald zwei Koalitionen gegenüberstanden, die durch das
Eingreifen der Herzöge von Lothringen und Burgund, der Grafen von
Flandern und St-Pol, der Häuser DREUX
und COUCY sowie Philipps, Ludwigs
IX. Oheim, überregional friedensgefährdend wirkten
und sich überdies anmaßten, vom König herbeigeführte
Entscheidungen in ihrem Sinne zu verändern oder gar umzustoßen.
Anfang des Jahres 1230 rückte deshalb ein königliches Heer in
der Champagne ein, und im September kam nach Abschluß der militärischen
Aktionen ein Ausgleich im Sinne der Rechtsauffassung des Hofgerichts zustande,
dem allerdings erst vier Jahre später eine sichere Grundlage geschaffen
werden konnte, als Tedbald IV. das
Königreich Navarra erbte und die Grafschaften Blois, Chartres, Chateaudun
und Sancerre an Ludwig IX. verkaufte;
mit dem Erlös konnten die Erben Heinrichs
II. abgefunden werden. Gleichzeitig bedeutete diese Transaktion
die endgültighe Trennung der Champagne von der Ausgangsbasis des Hauses
BLOIS.
1220
1. oo 2. Gertrud von Egisheim, Tochter des Grafen
Albrecht II.
- 1221 -30.3.1225
1222
2. oo Agnes von Beajeu-Montpensier, Tochter des
Seigneur Guichard IV.
-11.7.1231
1232
3. oo Margarete von Dampierre-Bourbon, Tochter
des Grafen Archambald VIII.
-13.4.1256
Regentin
Kinder:
2. Ehe
Blanka
um 1223-11.8.1283
16.1.1236
oo Johann I. Herzog der Bretagne
1217-8.10.1286
3. Ehe
Peter Seigneur von Muruzabal
-
1265
Margarete
-
1307
1255
oo Friedrich III. Herzog von Lothringen
1238-31.12.1303
Beatrix
1242- nach 7.1295
1258
oo Hugo IV. Herzog von Burgund
9.3.1212-27.10.1272
Theobald V.
1237/38-4.12.1270
Heinrich III. der Fette
um 1240-27.7.1274
Illegitim
Berenguela Priorin von San Pedro de Ribas
-
Margarete
-
oo Alvar Perez de Azagra de Albarracin
-
Wilhelm Mönch
-
1267
Literatur:
-----------
Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 163,167,179 - Ehlers
Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987
Seite 88,94,105,108,113,123 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter
der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989
Seite 195,200,204,228,256 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/
Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 174,179,188
- Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte
des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken
1974 Teil III Seite 50-53,55-56 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit
der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 154-158,185
- Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien,
Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 25,65,121,125,133,145,150,159,174,179
- Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe
in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 991-997,1000 - Stürner,
Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und
Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 221 - Thorau,
Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.)
Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 163,165 - Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 119,144
- Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte,
Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker
& Humblot Leipzig 1873, Seite 374,455 -
Winkelmann Eduard: Kaiser
Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963,
Seite 5-7,48,394-396,451 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II.
2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 81,225
-
Nach Heinrichs Verfügung
war die Grafschaft Champagne auf seinen Bruder Theobald III. übergegangen.
Nach dessen Tode kam das Land unter Zustimmung des französischen Königs
an seine Witwe Blanca und deren Sohn
Theobald.
Dieser Nachfolge entstand ein Gegenbewerber aus dem Hause BRIENNE. Ein
Vetter König Johanns, Erhard von
Brienne, glaubte jetzt, vielleicht ebenso wie sein Verwandter, sein Glück
in Palästine machen zu könmnen, und er scheint dabei von Anfang
an auf eine Ehe mit der Tochter
Heinrichs II.
von Champagne spekuliert zu haben. Trotz ausgedehnter Maßnahmen
der Gräfin Blanca gegen die Durchführung
dieser Absicht, trotz ausdrücklichen Verbots des Papstes gegen das
Eheprojekt wegen zu naher Verwandtschaft, konnte Erhard sein Ziel erreichen.
Er kehrte dann zu Beginnn des Jahres 1216 aus Palästina zurück
und erhob im Namens einer Gemahlin Anspruch auf die Grafschaft Champagne.
In rechtlicher Hinsicht blieb bei dem ganzen Vorgang eine Reihe von Fragen
offen, so daß das Vorgehen Erhards nicht von vornherein abzuweisen
war.
Die wichtigste Stütze für die Gräfin
Blanca und ihren Sohn bildete der französische König
als Oberlehnsherr der Champagne. Weitere Verbündete waren Herzog
Odo von Burgund, Erzbischof Alberich von Reims und Bischof Wilhelm
von Langres. Dagegen konnte sich die Gräfin nicht unbedingt auf die
von der Grafschaft Champagne abhängigen Lehensträger verlassen.
Indessen erklärten sich für sie und ihren Sohn auch Papst Innozenz
III.
Für Herzog Theobald von Ober-Lothringen war es von
großem Nachteil, daß sich der deutsche König für
die Gräfin und ihren Sohn erklärte. Die Motive FRIEDRICHS
II. sind nicht klar zu erkennen.
Die militärischen Auseinandersetzungen waren zunächst
nur von kurzer Dauer. Es kam im April 1216 zu einem Waffenstillstand zwischen
Erhard und der Gräfin Blanca,
und die Vermittlung des französischen Königs wurde angerufen.
Die ganze Angelegenheit kam vorerst vor sein Gericht.
Dem französischen König war es inzwischen nicht
gelungen, die Streitigkeiten um die Champagne beizulegen, so daß
der Krieg aufs neue begann. Indes trat nun Papst Honorius III. energisch
gegen Erhard auf, über den er die Exkommunikation verhängte.
Dieser begann darauf in der zweiten Hälfte des Jahres 1217 in seinem
Widerstand nachzulassen, er schloß verschiedentlich Waffenstillstand
mit der Gräfin Blanca.
Als FRIEDRICH II.
im Mai 1218 im Elsaß erschien, zogen ihm die Streitkräfte der
Gräfin
Blanca von der Champagne, des Grafen Heinrich von Bar und des
Herzogs von Burgund zu. Vereinigt plünderten sie Nancy und belagerten
anschließend die Burg Amance, die Herzog Theobald allein noch
als Zufluchtsort übrig geblieben war.
Der Ausgang gab der Gräfin von der Champagne ein
entscheidendes Übergewicht gegenüber Erhard von Brienne. Die
Angelegenheit zog sich zwar noch etwas in die Länge, doch hat Erhard
am 2. November 1221 endgültig auf seine Ansprüche verzichtet.
Gleich von Beginn der Regierung des neuen Herzog Matthaeus
II. an lasteten auf dem Herzogtum Komplikationen durch das Verhalten der
Witwe Theobalds I. Sie ging auf Veranlassung der Gräfin
Blanca von Champagne vermutlich im Mai 1220 eine neue Ehe mit
deren Sohn Theobald gegen den Willen
des Kaisers ein. Da von seiten der Champagne auch die Reichslehen von Dachsburg
beansprucht wurden, entstand darüber eine Kontroverse mit FRIEDRICH
II.
Pernoud Regine: Seite 154-158,185
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
Doch mehr als die Sorge um das Königreich Zypern
trieb Alice anscheinend ein anderes
Problem. Als sie im Jahre 1201 vom Tod ihres Vetters Theobald, des
Grafen
von der Champagne, erfuhr, machte sie als Tochter Heinrichs
von der Champagne unverzüglich Erbansprüche auf diese
französische Grafschaft geltend. Der Erbstreit, den sie zusammen mit
ihrer Schwester Philippa ausfocht,
sollte sich über etliche Jahre hinziehen. Philippa
hatte einen Adligen aus der Champagne geheiratet, Erard von Brienne, der
sich, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen, für die Forderungen
seiner Gemahlin und deren Schwester Alice
einsetzte.
Die ein Vierteljahrhundert dauernden Erbstreitigkeiten
riefen zahlreiche Grundherren und Prälaten auf den Plan, von denen
sich die einen für Alice und Philippa
einsetzten
und die anderen für Blanca und
Theobald von der Champagne beziehungsweise für die Königin
Blanca und ihren Sohn. Der Streit wird auch von dem Chronisten
Joinville erwähnt, dessen Vater als Vasall der französischen
Königin ihr seine Unterstützung gegen die Forderungen
Alices und ihrer Schwester zusicherte, ebenso wie ein anderer
Adliger aus der Gegend, Herbe von Sombernon.
Nachdem die beiden Schwestern 1221 gegen eine finanzielle
Entschädigung zunächst auf ihre Ansprüche verzichtet hatten,
machten sie 1227 einen erneuten Vorstoß, vor allem Alice,
zumal die Legitimität ihrer Herkunft auf perfide Weise in Frage gestellt
worden war (es wurde nämlich behauptet, die Ehe Heinrichs
von der Champagne, Alices
und Philippas Vater, sei nicht rechtmäßig
gewesen, da Isabella von Jerusalem
noch mit ihrem ersten Mann Humfried verheiratet gewesen sei). Im Zuge der
Streitigkeiten und Machtkämpfe, die nach dem Tod Ludwigs
VIII. ausbrachen, ging einer der ehrgeizigsten unter den Baronen,
Graf
Peter Mauclerc von der Bretagne, der sich für die Forderungen
der Königin Alice stark machte,
sogar soweit, ihr die Ehe anzutragen. Papst Gregor IX., von dem Plan in
Kenntnis gesetzt, erhob Einspruch wegen Blutverwandtschaft. Andererseits
war Theobald, der Graf der Champagne,
der am französischen Königshof aufgewachsen war, von Königin
Blanca von Kastilien hingerissen und widmete ihr zärtliche
Blicke und glühende Verse, was die anderen Barone in ihre Bemühungen,
ihn für ihre Sache zu gewinnen, etwas lähmte.
Balduin von Avesnes, ein zeitgenössischer Chronist,
faßt den Erbstreit der Königin von Zypern folgendermaßen
zusammen:
"Als die Barone [die gegen die Königin von Frankreich
revoltierten] das sahen, ließen sie nach einstimmiger Beratung die
Königin von Zypern holen, die rechtmäßige Erbin des Grafen
der Champagne, wie sie behauptete, denn sie war die Tochter des Grafen
Heinrich der Champagne, des Königs von Jerusalem... Als
die Königin [Alice] in Frankreich
eintraf, verlangte sie die Grafschaft Champagne als ihr Erbe. Der Graf
Philipp von Boulogne unterstützte sie darin mit allem Nachdruck
[es handelt sich um den Bastard Philipp Augusts
mit dem Beinamen Philipp Hurepel, Strubbelkopf].
Mehrere Tage vergingen. Schließlich wurden der Königin als Erbrente
8.000 Livres aus einem Grundbesitz und 20.000 Livres tournois für
ihren Aufwand angeboten. Der Graf von Boulogne, der sich mehr als alle
anderen in diese Angelegenheit einmischte, überredete sie dieses Friedensangebot
abzulehnen... Der Graf Philipp von Boulogne
starb im Jahr 1223 der Fleischwerdung unseres Herrn. Als die Königin
von Zypern auf das Angebot zurückkam, stellte sich heraus, dass sie
verloren hatte, denn nach mehreren Gesprächen bot man ihr nur 2.000
Livres als Leibrente und 10.000 für ihre Aufwendungen... Als die Königin
hörte, dass das Angebot soviel niedriger war als das frühere,
war sie sehr verstimmt. Doch sie nahm es schließlich an, denn fast
keiner mehr wollte sich für ihre Sache einsetzen, seit der Graf nicht
mehr da war. Dieser Vergleich wurde von König
Ludwig von Frankreich bestätigt." Daraus kann man schließen,
dass Alices ständige Forderungen
und die Verbissenheit, mit der sie vorging, ihrer Umgebung schließlich
zuviel wurden.
Ludwig der Heilige
machte somit im September 1234 diesen langwierigen Streitigkeiten ein Ende.
Königin
Alice erhielt eine Summe von 40.000 Livres tournois sowie eine
Leibrente von 2.000 Livres aus einem Grundbesitz in Frankreich. Nach ihrer
Rückkehr nach Zypern im Frühjahr 1235 ließ sie die mit
Theobald
von der Champagne
getroffene Vereinbarung von ihren beiden Töchtern
Maria
und Isabella und ihrem
Sohn
Heinrich, König von Zypern,
bestätigen.
Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
In dieser Situation konnte dem navarresischen König
nur die Durchbrechung der politischen Isolation auf der Iberischen Halbinsel
helfen, was er auch in zähen Bemühen erreichte, sobald die kastilischen
Ambitionen in der Gascogne sich als unerfüllbar erwiesen hatten. Die
Verträge von Guadalajara mit Kastilien (1207) und von Monteagudo mit
Aragon (1209) ließen Sancho VII.
die nötige Bewegungsfreiheit, die er nutzte, um in der Ketzerbewegung
hervorzutreten, zumal die Minderjährigkeit
Jakobs I. die aragonesische Gefahr noch wirksamer bannte. Außer
bei Las Navas de Tolosa ist der König in den folgenden Jahren auf
zahlreichen Kreuzzugsunternehmen anzutreffen, die ihn bis nach Alcacer
do Sal führten (1217) und ihm die Gewogenheit des Papsttums eintrugen.
Über dem bescheidenen Ausbau des verbliebenen Reiches, den Sancho
VII. betrieb, schwebte indes wie eine dunkle Wolke die Kinderlosigkeit
des Königs, dessen einziger lebender männlicher Verwandter schließlich
sein Neffe Theobald, Graf der Champagne,
war. Zwar hatte Theobald schon frühzeitig
Beziehungen geknüpft, um Hilfe bei seiner mutmaßlichen Thronbesteigung
zu erhalten, doch scheint sich Sancho VII. von
einer Einigung mit Aragon bessere Aussichten auf Verteidigung gegenüber
den nicht abreißenden kastilischen Aggressionen, deren Vorreiter
jetzt Graf Lope Diaz als Herr von Vizcaya war, versprochen zu haben. Dementsprechend
schloß er am 2. Februar 1231 zu Tudola eine Übereinkunft mitJakob
I., durch die sich die beiden Könige gegenseitig adoptierten
und als Erben im Reich des anderen einsetzten. Dieser Plan gelangte zwar
beim Tod Sanchos am 7. April 1234 nicht
zur Ausführung, doch zeigt er die Bedrückung auf, der der navarresische
König, während seiner letzten Jahre auf der Burg Tudela
eingeschlossen, gegen Ende seiner Regierungszeit ausgesetzt war.
Mit der Thronbesteigung Theobalds
I. (1234-1253), der binnen Jahresfrist durch geschickte Verhandlungen
erreichte, von den umliegenden Königtümern anerkannt zu werden,
wurde der französische Einfluß für das Reich und vor allem
für die Verwaltung prägend, während sich die Herrscher selbst
vornehmlich in Frankreich aufhielten. Trotz des vom unwilligen Adel geforderten
Königseides, der die alten Gewohnheitsrechte Navarras - also die Sicherstellung
der althergebrachten Verfaßtheit, wie sie in diesem Zusammenhang
im Fuero Antigno, Kern des niemals offiziell in Kraft gesetzten Fuero General
de Navarra, unter der Maxime: antea fuerunt leges quam reges niedergelegt
wurden - zu berücksichtigen hatte, führte der Weg vom Königshaus
CHAMPAGNE
über Theobald II. (1253-1270),
Heinrich
I. (1270-1274) und die Regierung Johannas
I. (1274-1305), seit 1284 Gemahlin Philipps
des Schönen, hin zur Vereinigung des Königtums mit
der französischen Krone, bevor es 1328 durch Erbgang an das Haus
EVREUX fiel.