Ältester Sohn des Kaisers
KARL I. DER GROSSE aus seiner 2. Ehe mit der Hildegard,
Tochter von Graf Gerold
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 966
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Karl der Jüngere, fränkischer König
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+ 4. Dezember 811
Sohn KARLS DES GROSSEN und der Hildegard
Nach der Ausschaltung seines ältesten Sohnes Pippin des Buckligen 781/92 standen KARL DEM GROSSEN für seine Nachfolgeregelung Karl, Pippin und LUDWIG (DER FROMME zur Verfügung. Die Rolle des Ältesten, Karls, bleibt zunächst undeutlich, sieht man von einer Statthalterschaft siet 790 in Maine einmal ab; seine Brüder wirkten bereits seit 781 als gekrönte und gesalbte Unterkönige in Italien und Aquitanien. Erst im Zusammenhang mit KARLS DES GROSSEN Kaisererhebung sind Krönung und Salbung Karls zum König bezeugt. Der Vorrang Karls, der zwischen 784 und 808 mehrfach mit militärischen Aufgaben vor allem an der Ostgrenze bedacht worden war, erwies sich erst in der Divisio regnorum von 806. Ohne Entscheidung über das Kaisertum wurde Karl hier der fränkische Kernbereich zwischen Loire und Elbe zugewiesen. Der frühe Tod Pippins (810) und Karls ließen LUDWIG DEN FROMMEN die Nachfolge im Kaisertum und Reich antreten.
Literatur:
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HEG I, 581-583 - NDB XI, 174f. - C. Brühl, Frk.
Krönungsbrauch und das Problem der 'Festkrönungen', HZ 194, 1962,
307-312 - P. Classen, Karl d. Gr. und die Thronfolge im Frankenreich (Fschr.
H. Heimpel III., 1972), 109-134 -
II. Generation
2
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Zum Königtum Karls
Eiten 46ff. Zur Krönung Brühl (HZ 194,1962) 308, 312. Zur Nachfolge
im Kaisertum BM² 467a.
KARL DER JÜNGERE
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+ 4.12.811
Necr. A. 5.12. "Karolus", Sohn KARLS DES GROSSEN
Literatur:
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Classen, Karl der Große Seite
109ff., Seite 126f.; Werner, Nachkommen Seite 443 Nr. 2 und Tafel Nr. II/2;
NDB 11 Seite 174f.; Die Klostergemeinschaft von Fulda 2,1 Seite 315 K 21;
Lexikon des Mittelalters 5 Spalte 966f. Zum Todestag: BM² 467a; Abel-Simson,
Jahrbücher 2 Seite 474 Anm. 2 (beide ohne Nennung des Reichenauer
Necrologs).
König Karl war
der zweitälteste Sohn KARLS DES GROSSEN.
Nachdem er 788 das Königtum in Neustrien erhalten hatte, wurde er
806 in der Divisio regnorum als Nachfolger im Kaisertum vorgesehen. Seine
Mutter war die aus Alemannien stammende Hildegard,
die Schwester des auf der Reichenau begrabenen Grafen Gerold (II.). Obwohl
als Karls
Todestag der 4.12. überliefert und der Eintrag im Reichenauer
Necrolog ohne Titel ist, kann an der Identität Karls
mit dem kaiserlichen Sohn auf Grund des seltenen Namens und des nur geringfügig
abweichenden Todestages kein Zweifel bestehen. Als einziges Necrolog scheint
das Reichenauer Totenbuch seinen Tod aufzuführen. Daneben wird er
auch unter den verstorbenen Angehörigen der Königsfamilie in
den Gedenkbüchern Reichanaus (p. 114 A4) und St. Gallen (Libri confrat.
col. 22,4) genannt; zu den Einträgen vgl. Beyerle, Das Reichenauer
Verbrüderungsbuch Seite 1114f und Schmid, Zur historischen Bestimmung
Seite 504f.
Schieffer Rudolf:
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„Die Karolinger“
Als 805 Papst Leo III. ins Frankenreich kam, sandte ihn
sein Vater entsprechend dem Zeremoniell von 753/54 in die Alpen entgegen.
Der jüngere Karl, seit 800 gekrönter
König, trat vollends in den Vordergrund, als der Vater 806 nach Art
der Vorfahren daranging, sein Haus zu bestellen. Gemäß dem Konzept,
das schon 781 bei der Ausstattung Pippins
und LUDWIGS, der anderen Söhne
Hildegards, erkennbar geworden war,
ließ der Kaiser auf einer Versammlung in Diedenhofen von den Großen
als Nachfolgeordnung (mit der modernen Bezeichnung Divisio regnorum) beschwören,
dass nach seinem Tode Pippin
außer
dem bisherigen Unterkönigreich Italien auch Bayern und das südliche
Alemannien, LUDWIG neben Aquitanien
auch Septimanien, die Provence und Teile Burgunds beherrschen sollten,
während ihrem Bruder Karl der
gesamte fränkische Kernraum zwischen Loire und Rhein samt dem Neuland
bis zur Elbe und Donau zufallen würde. Mochten die Bereiche auch in
etwa gleich groß bemessen sein, so fiel doch schwer ins Gewicht,
dass Karl abweichend von älterer
Teilungspraxis zum alleinigen Inhaber des karolingischen
Familienbesitzes sowie des Großteils der Königsgüter, Pfalzen
und Reichsklöster ausersehen wurde. Er war damit der Haupterbe und
als eigentlicher Nachfolger des großen
KARL
zu erwarten, obgleich eine Verfügung über das Kaisertum
unterblieb, das ja im Unterschied zur fränkischen Königsmacht
seinem Wesen nach unteilbar war.
Karl der Jüngere,
der bereits in den 790-er Jahren mit dem Vater nach Sachsen gezogen war,
fand sein Betätigungsfeld an der östlichen Reichsgrenze gegen
die Slawen, wo er 805 in Böhmen und 806 bei den Sorben an der mittleren
Elbe einschüchternde Vorstöße unternahm.
Konecny Silvia: Seite 71
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die
politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."
Bei den Verbindungen der Söhne KARLS
DES GROSSEN fällt vor allem auf, daß der gleichnamige
älteste Sohn des Herrschers keine Ehe einging und keine Nachkommen
hinterließ. Karl der Jüngere
galt als Haupterbe KARLS DES GROSSEN.
Zeitweise war vielleicht auch an eine Reichsteilung zwischen ihm und Pippin
dem Buckligen gedacht, die der traditionellen Zweiteilung des
fränkischen Reiches entsprechen sollte. Eine späte Ehe der oder
des Haupterben, durch die eine allzugroße Nachkommenschaft verhindert
wurde, stellte eine Möglichkeit dar, Erbfolgekonflikte in der nächsten
Generation zu vermeiden.
Ein einziges Heiratsprojekt Karls
des Jüngeren widersprach nur scheinbar einem solchen Konzept.
Im Jahre 790, etwa zur gleichen Zeit, da er den Dukat Maine zugeteilt erhielt,
warb Karl der Jüngere um die Tochter
des Königs Offa von Mercia. Das
Projekt scheiterte daran, daß Offa
eine Doppelheirat wünschte und für seinen Sohn Egfrid
KARLS
Tochter Bertha
forderte.
KARL hielt
Offas
Ansinnen offenbar für eine Anmaßung.
Herm, Gerhard: Seite 248-249,268,311,313
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"Karl der Große"
Der älteste der drei Brüder war
Karl, geboren 772, ein Mann, der dem Vater nachzuschlagen schien
und deshalb auch von ihm bevorzugt wurde - es brachte niicht immer Vorteile
mit sich.
Karl bekam keine abgelegene
Provinz, in der er einigermaßen selbständig schalten und walten
konnte. Er mußte bei Hofe bleiben, um sich in die Angelegenheiten
des Reiches einzuarbeiten. Aus diesem Grund ist von ihm in den Chroniken
ebenfalls nur beiläufig die Rede. Er führte ein paar Sachsenzüge
an und kämpfte einmal gegen böhmische Slawen, doch waren nicht
einmal das herausragende Unternehmungen. Wenn es oben im Norden wirklich
gefährlich wurde, schwang sich immer noch der Vater selbst in den
sattel. Und des Sohnes bemerkenswertestes politisches Vorhaben durchkreuzte
er, ohne dabei Rücksicht auf dessen Gefühle zu nehmen. Karl,
der Sohn, hatte gebeten, die Tochter des Königs
Offa von Mercia, dem mittleren der drei bedeutenden englischen
Reiche heiraten zu dürfen. Auch nach der Kontaktaufnahme seines Sohnes
mit Offa hielt er beide lange Zeit
hin, um endlich, asl der Brite ihm auch noch den Vorschlag machte, das
anvisierte Bündnis durch eine Doppelhochzeit abzusichern (eine gleichzeitige
Vermählung von Karl junior mit
seiner Tochter und einer Tochter KARLS mit
seinem Sohn), fürchterlich zu explodieren. Er lehnte den Vorschlag
des Angelsachsen nicht nur rundweg ab, er drohte ihm sogar die von ihm
kontrollierten Festlandshäfen für englische Güter zu sperren.
Karl, der Jüngere,
erfuhr
den Grund der Ablehnung vermutlich nie. Gehorsam fuhr er fort, für
seinen Vater Dienst zu tun, und starb 811 als kinderloser Junggeselle.
Sein Unglück wie auch das der anderen
KARLS-Söhne
bestand darin, daß ihnen ihr Erzeuger die Luft wegnahm, die sie gebraucht
hätten, um frei zu atmen und in Freiheit zu eingenständigen Persönlichkeiten
heranzuweachsen.
Mit großem Gefolge betritt KARL
am 25. Dezember zur festgelegten Stunde die Peterskirche. Das versammelte
Volk empfängt ihn mit ehrfurchtsvollem Schweigen. Der Papst schickt
sich an, die Messe zu zelebrieren. Die beiden Franken-Herrscher, Vater
und ältester Sohn, treten zum Altar und legen ihre Kronreife auf den
Opfertisch. Dann knien sie zum Gebet nieder. Abgesprochen ist, daß
KARL
nach der Feier sein eigenes Diadem wieder an sich nehmen und dem
Sohn das andere auf die Stirn drücken wird. Danach soll dieser von
Leo gesalbt werden. Statt dessen geschieht jedoch, was der Papst geplant
und vorbereitet hat. Das Schlußevangelium ist verklungen, KARL
und sein Sohn liegen noch auf den Knien, da tritt Leo an den Altar, ergreift
die fränkische Königskrone, hält sie empor und setzt sie
dem Vater aufs Haupt. Er sinkt vor ihm zu Boden und betet ihn an. Im selben
Augenblick klingen in der Gemeinde vereinzelte Rufe auf, die sich rasch
zu einem Sprechchor verdichten: "KARL
dem Augustus, dem von Gott gekrönten großen und friedebringenden
Kaiser der Römer, Leben und Sieg."
Ob Karl der Jüngere
die Kraft und Fähigkeit gehabt hätte, das Zepter des älteren
KARL
zu übernehmen und festzuhalten, weiß niemand, er hat sich nie
so nachdrücklich ins Licht gedrängt, daß man ihn beurteilen
könnte. Der Vater, das ist einigermaßen sicher, hatte sich schon
so gut wie entschlossen gehabt, seinen ältesten legitimen Sohn als
kaiserlichen Erben einzusetzen, da wurde der junge Karl
plötzlich krank und starb am 4. Dezember 811, man vermuteet,
an Hirnhautentzündung. Er war gerade 39 Jahre alt geworden.
Literatur:
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Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften
Alemanniens in fränkischer Zeit.Vorträge und Forschungen Sonderband
31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 198,225 - Dahn Felix:
Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung.
Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt
1977, Seite 500,513,517,522,524 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter.
Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 57 - Epperlein Siegfried:
Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974,
Seite 90,92,138 - Fleckenstein. Josef: Karl der Große. Muster-Schmidt
Verlag Göttingen 1990 - Herm, Gerhard: Karl der Große.
ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 248,268,311,313
- Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers.
R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 11,16,55,82,107,130,234,236,251,
253 - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses.
Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität
Wien 1976, Seite 71,78 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen
im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band
123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963, Seite 3,8 -
Mühlbacher
Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische
Verlagsgesellschaft Athenaion - Nack Emil: Germanien. Ländern
und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach
1977, Seite 292 - Rappmann Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer
Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 420,426,430,510,516 - Riche
Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 142,167,174 - Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992,
Seite 79-81,90,103,106-109,112 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche
Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 36,41,95 - Werner Karl Ferdinand:
Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1995, Seite 423,455 - Wies
Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen
1986, Seite 121,127,166,168,254,257,260,262 -