Begraben St. Martin
Tochter des schwäbischen Grafen Welf und der
Sächsin
Eigilwicha (Heilwich)
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 797
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Judith, Kaiserin
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+ 19. April 843
Begraben St. Martin
Tochter des Grafen Welf und der edlen Sächsin Eigilwi/Heilwig, zweite Gemahlin Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN
Erste Erwähnung Februar 819 anläßlich der Brautschau LUDWIGS unter den fränkischen Adelstöchtern und der folgenden Heirat in Aachen. Willensstark und sehr schön (Thegan 26: "pulchra valde"), gewann sie bald großen Einfluß auf LUDWIG, dem sie nach der Tochter Gisela (819/22) den Sohn KARL (DEN KAHLEN schenkte. Darauf bedacht, ihrem Sohn nebst seinen Brüdern aus erster Ehe des Kaisers einen Reichsteil zu verschaffen, stieß LUDWIG auf ihr Betreiben seine ordinatio imperii (817) um, indem er statt der Drei- eine Vierteilung des Reiches vornahm und KARL 829 Schwaben, Elsaß und Teile Burgunds übertrug; er löste damit heftige innere Kämpfe aus, in denen die Söhne sich in wechselnden Allianzen gegen ihn und Judith erhoben. Besonders an Judith schieden sich die Geister: Bewunderern wie Walahfrid Strabo standen scharfe Gegner wie Walavon Corbie gegenüber, die unter der Anschuldigung des Ehebruchs mit dem Grafen Bernhard von Barcelona zeitweise sogar ihre Verbannung vom Hof bewirkten. Nach der Rückkehr setzte Judith die Bemühungen fort, KARL einen noch größeren Reichsteil zu verschaffen - mit dem Ergebnis, dass er schließlich 839 W-Franzien erhielt. Durch Judith war LUDWIG DER FROMME vom Verfechter der Reichseinheit zum Vorkämpfer der Reichsteilung geworden und das Geschlecht der WELFEN in die Spitzengruppe des großfränkischen Adels aufgerückt.
Literatur:
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E. Dümmler, Gesch. des Ostfrk. Reiches, 3 Bde, 1887-1888
- Fr. v. Bezold, Ksn. Judith und ihr Dichter Walahfried Strabo, HZ 130,
1924.
II. Generation
6 c
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Zur Familie Judiths
("Welfen",
fränkisches Adelshaus im Metzer Raum) siehe J. Fleckenstein, in: Tellenbach,
St. und V 7ff.
Judith
- die Schönheitskönigin
* 795, + 19. April 843
Altdorf Tours
Zweite Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEEN (* 778; Kaiser 814-840) Heirat: 2. Februar 819
Die Wahl Judiths
zur
Königin hat etwas Romanhaftes.
LUDWIG
läßt sich die hübschesten Frauen seiner Umgebung, soweit
sie aristokratischer Familien angehören, vorführen und wählt
unter ihnen ausgerechnet Judith.
Ihre Familienverhältnisse sind nicht gerade einfach. Pippin
der Kurze ist ihr Urgroßvater, andererseits
ist der Sachsen-König Widukind,
den KARL DER GROSSE besiegt
und dessen Tochter
Gerswind
er geheiratet hat, ihr Großvater. Ihr Vater, Graf Welf, der
Begründer des Geschlechtes der WELFEN,
besitzt große Güter in Schwaben und Bayern. Geboren wird Judith
795
in Altdorf. Wie Gerswind
war sie nach der Niederlage Widukinds
als Geisel an den Aachener Hof gekommen.
Die Hochzeit wird am 2. Februar
819 in der Pfalzkapelle gefeiert, die der Architekt Eudes aus Metz für
KARL
DEN GROSSEN entworfen hatte. Die Chronisten
preisen den Liebreiz, die literarische und musikalische Bildung der neuen
Königin, ihr Geschick und Beharrungsvermögen - Eigenschaften,
die einerseits beachtlichen Einfluß auf ihren Mann sichern, die sie
andererseits auch dringend braucht: Judith
wird mit LUDWIG
25 Jahre lang ein Leben voller Ärgernisse, Anfeindungen und familiärer
Zwistigkeiten teilen.
Judith
bringt zunächst eine Tochter, Gisela
(um 820), dann am 13. Juli 823 in Frankfurt einen Sohn,
KARL,
zur Welt. Normalerweise ist die Geburt eines Erben ein Ereignis, das in
königlichen Häusern freudig begrüßt wird. Die Geburt
KARLSaber
stellt die Erbteilung in Frage, die LUDWIG
DER FROMME 817 unter den drei Söhnen
seiner ersten Frau getroffen hatte. Ein vierter Sohn kann die Sache nur
komplizieren, und Judithvergiftet
das Klima noch zusätzlich dadurch, daß sie ihren Einfluß
auf ihren Mann ausspielt, um ihren Sohn den vorteilhaftesten Anteil zu
sichern.
Judith
läßt an den Hof ihres Sohnes KARL
mehrere große Herren aus Bayern kommen, die dort den WELFEN-Clan
bilden.
Wie zu erwarten, nehmen die Erben
aus der ersten Ehe die neue Aufteilung nicht hin. Judith
wird so zum Anlaß neuer Dramen. Am Hofe stützt sie sich auf
Bernhard
von Septimanien, den Grafen von Barcelona, und ihre Anhänger verdrängen
die alteingesessenen Machthaber. Natürlich ruft das Opposition hervor.
Man beschuldigt Judith
und Bernhard, den Kaiser mit Hexerei zu beeinflussen und intime
Beziehungen zueinander zu unterhalten.
Grafen und Geistliche nützen
diese Rivalität im Königshaus. 830-831 wird LUDWIG
I. abgesetzt. Sein Sohn LOTHAR
aus erster Ehe übernimmt die Macht.
Judith
wird nach Poitiers ins Heilig-Kreuz-Kloster
verbannt, das Radegunde,
die Gemahlin Chlothars,
gegründet hate. Ihre Familie und Parteigänger werden verfolgt.
Im Oktober des folgenden Jahres aber stellt LUDWIG
seine Autorität wieder her. Judith
und
Bernhard
kehren
zurück. Doch schon im Juni 833 wird LUDWIG
erneut von seinem Sohn LOTHAR
verdrängt, der eine neue Erbteilung durchsetzt. Judith
wird
diesmal nach Tortona in die Lombardei ins Exil geschickt. Seine anderen
Söhne aber holen LUDWIG
am 28. Februar 835 auf den Thron zurück.
Judith kehrt zurück und nimmt - von
Verbrechen der Hexerei und des Ehebruchs reingewaschen, die sie nicht begangen
hatte - im Königshaus ihren amgestammten Platz wieder ein..
Unter dem Einfluß Judiths
zimmert
LUDWIG
für seinen Sohn KARL
ein eigenens Reich, läßt ihn im September 838 zum König
krönen, gibt ihm Maine und Aquitanien, als Pippin,
der zweite Sohn aus erster Ehe, am 13. Dezember stirbt. Zwei Jahre später,
am 20. Juni 840 stirbt LUDWIG
auf einer Rheininsel vor Ingelheim im Alter von 62 Jahren. Sein Tod belebt
die alten Streitigkeiten neu. Judith
fürchtet den Ehrgeiz LOTHARS.
Sie weiß, daß er seine Brüder überflügeln will.
Die beiden jüngeren - KARL DER KAHLE
und
Ludwig
der Deutsche - verbünden sich und
besiegen ihn am 25. Juni 842 in der Schlacht von Fonteroy-en-Ouisaye, nahe
Auxerre.
Judith
stirbt am 19. April 843 in Tours. Sie hat in ihrer mütterlichen
Beharrlichkeit den Sieg davongetragen. Ihr Sohn KARL
erhält
bei der Reichsteilung von Verdun das W-Reich (zwischen Atlantik und Rhone,
Saone und Maas), während
Ludwig der
Deutsche das O-Reich Germanien erhält.
LOTHARS
Gebiet erstreckt sich von Friesland
bis zur Küste der Provence mit den Kaisersitzen Rom und Aachen. Dieser
Vertrag wird auf Jahrhunderte hinaus die europäische Landkarte beeinflussen.
Er ist der Ausgangspunkt zweier großer Nationen: Frankreichs und
Deutschlands.
JUDITH
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+ 19.4.843
Necr. A/B 19.4. "Iudit regina", Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN
Literatur:
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AdB 14 Seite 655; Fleckenstein, Über die Herkunft,
bes. Seite 95ff.;
Werner, Nachkommen Tafel Nr. II/6 c; NDB 10 Seite 639f. (dort fälschlicherweise der 13.4. als Todestag); Biograph. Wörterbuch 2 Spalte 1357f.; Konecny, Die Frauen Seite 89-94 und Seite 97-102; Lexikon des Mittelalters 5 Spalte 797; Ward, Caesars's wife. Zum Todestag: Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reiches 1 Seite 188 Anmerkung 2.
Judith, die Tochter
des Grafen Welf und Schwester der Gemahlin Ludwigs
des Deutschen, Hemma, war
seit 819 mit LUDWIG DEM FROMMEN verheiratet
(BM² 683a). Ihre Brüder Rudolf und Konrad waren Grafen im Bodenseeraum
bzw. im Zürichgau; vgl. neuerdings Borgolte, Grafen Seite 165ff. und
Seite 226ff.
Über Walahfrid, der ab 829 für längere
Zeit am kaiserlichen Hof weilte und der Kaiserin mehrere Gedichte widmete,
kam es zu engeren Beziehungen zur Reichanau. Er gilt sogar als Erzieher
von Judiths Sohn KARL
DEM KAHLEN; vgl. Beyerle, Von der Gründung Seite 92f.,
Seite 97ff., BM² 863a, Bergmann, Dichrung Seite 732ff., Önnerfors,
Walahfrid Strabo Seite 101, Bezold, Kaiserin Judith Seite 377ff. und Haubrichs,
Nekrologische Notizen Seite 15 mit Anmerkung.
Wahrscheinlich hat LUDWIG DER
FROMME im Jahre 838 versucht, Walahfrid als Abt auf der Reichenau
einzusetzen; vgl. oben Seite 296f. und Beyerle, Von der Gründung Seite
99ff.
Zu Gedenkbucheinträgen mit
Judith in den Verbrüderungsbüchern von Reichenau;
Pfäfers und St. Gallen vgl. Tellenbach, Welfen Seite 335ff., Beyerle,
Das Reichenauer Verbrüderungsbuch Seite 114f. und vorläufig Libri
confrat. Seite 546.
Schieffer Rudolf:
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"Die Karolinger"
Unter den durch Heirat in Königsnähe gerückten
Geschlechtern gewannen vorerst die WELFEN
den größten Einfluß, was kaum zu Unrecht dem energischen
Ehrgeiz der neuen Kaiserin Judith zugeschrieben
wird. Jedenfalls muß auffallen, dass ihre Mutter Heilwig die
Leitung der vornehmen Königsabtei Chelles erhielt, der eine Bruder
Rudolf sich die Verfügung über die Klöster Saint-Riquier
und Jumiges sicherte und der andere, Konrad, zum wichtigen Machthaber in
Alemannien wurde, überdies verheiratet mit Adelheid, einer weiteren
Tochter Hugos von Tours und damit SchwägerinLOTHARS
I.
Nach der am 13.6.823 erfolgten Geburt KARLS
DES KAHLEN war Judith klug
genug, gerade LOTHAR die Patenschaft
anzutragen und ihm eine nicht weiter konkretisierte Zusage für ein
künftiges Erbteil KARL zu
entlocken.
Diwald Hellmut:
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"Heinrich der Erste" Seite 102
Judith vergaß niemals ihre Abkunft. Dazu kam noch der gewaltige Einfluß, den sie auf LUDWIG DEN FROMMEN hatte. Der Kaiser war ihr derart verfallen, dass seine mönchischen Versuchungen keinerlei Einfluß mehr auf seine Entschlüsse ausübten, nicht zuletzt deshalb, weil Judiths politische Vorstellungen kaum weniger deutlich ausgeprägt waren als ihr physischen Reize. Die Kaiserin förderte und umsorgte die sächsischen Reichsabteien, als wären es ihre eigenen Schöpfungen. Noch 7 Jahrhunderte später war ein kostbares Kreuz, das sie Corvey geschenkt hatte, im Kloster vorhanden. Ebenso wurde dort bis zur Säkularisation im Jahr 1803 jährlich das Judithenbrot gespendet, eine reichhaltige Armenspeisung.
Schmid Karl: Seite 425
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"Welfisches Selbstverständnis"
Judith, die Tochter Welfs und Heilwigs, Gemahlin Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN und Mutter KARLS DES KAHLEN, stand im Brennpunkt der karolingischen Bruderkämpfe um das Reich. Sie war die Mittlerin kaiserlicher Gunst für ihre Brüder und Verwandten. Diesen kam nun die Nähe zur Stirps regia, die Teilhabe am Königsgeblüt, zu. Der persönlichen Bindung an den kaiserlich-karolingischen Hof verdankten sie es, dass sie im ganzen Reich neuen Besitz und hohe Stellungen königlichen Dienstes erhielten. Wechselreich wirkten sie in Alemannien, Bayern, Rätien, Burgund und Lotharingien und vor allem im ReichKARLS DES KAHLEN, im Reich von Judiths Sohn. Hemma, die Schwester der Kaiserin, wurde die Gemahlin Ludwigs des Deutschen. Hugo, mit dem Beinamen Abbas, vereinigte in seiner Hand die reichsten und bedeutendsten Königsklöster im W-Frankenreich, während Konrad der Ältere und sein Sohn Konrad wie auch der ältere Rudolf versuchten, in Auxerre und Sens, in St. Maurice d'Agaune, in Jumieges, St. Riquier, Valenciennes und anderswo ihrem Streben nach Herrschaft Rückhalt zu geben und Positionen des politischen Einflusses aufzubauen. Sosehr jedoch die Quellenzeugnisse diese Großen nach der Vermählung Judiths mit Kaiser LUDWIG DEM FROMMEN aus der Breite des Adels herausheben, bald sollte dies nicht mehr der Fall sein. Die Nachfahren der Brüder der Kaiserin Judith nämlich gingen vom ausgehenden 9. Jahrhundert an wieder in der Weite der adeligen Geschlechter unter, als sich die KAROLINGER-Herrschaft auflöste. Nur Rudolf, der Großneffe der Kaiserin Judith, vermochte es, da er in Hoch-Burgund im Jahre 888 das Königtum erlangte, eine geschichtliche Tradition seiner Familie über mehrere Generationen hinweg zu begründen.
Ennen, Edith: Seite 58-593
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"Frauen im Mittelalter"
LUDWIG heiratet in
zweiter Ehe die junge schöne Judith,
eine WELFIN, eine sehr gebildete Dame;
ja, ihre Verbindung zur Welt der Gelehrten und Dichter war enger als die
ihres Gemahls. Sie suchte vor allem die Zukunft ihres Sohnes KARL
zu sichern, der 823 geboren wurde, also viel jünger als LUDWIGS
Söhne erster Ehe: LOTHAR geboren
795, Pippin geboren um 803 und Ludwig
geboren um 806. Auf die Teilungspläne des Reiches, die Anlaß
vieler Wirren boten, in die Judith
sich einmischte, haben wir hier nicht näher einzugehen; wir bemerken
nur, daß KARL DER GROSSE 806
eine Teilung des Reiches unter seine Söhne vorsah, die nur unterblieb,
weil zwei von ihnen vor dem Vater starben.
LUDWIG
DER FROMME wollte unter kirchlichem Einfluß 817 in der
vielberedeten Ordinatio Imperii den fränkischen Brauch der Reichsteilung
insofern abändern, als er LOTHAR
die Kaiserwürde, den beiden jüngeren Brüdern nur Unterkönigreiche
zugestand, hat sich aber 829/30, als er wieder stärker unter den Einfluß
weltlicher Großer geriet, erneut dem Teilungsbrauch zugewandt.
Judith ging es um
ihren Sohn. Sie setzte zunächst auf den Paten ihres Sohnes LOTHAR.
Ihr engster Vertrauter wurde Bernhard von Septimanien, dessen Berufung
an den Hof sie bewirkte. Sie geriet in den Verdacht eines Verhältnisses
mit ihm und auch in den Verdacht der Zauberei. In dem großen Aufstand
von 830 gegen LUDWIG mußte Bernhard
nach Barcelona fliehen, Judith wurde
in das Radegundiskloster nach Poitiers gebracht und hart bedrängt,
LUDWIG zur Abdankung zu bewegen. Es
kam aber zu einem Umschwung, Judith
wurde 831 in Aachen rehabilitiert. Bei dem gemeinsamen Aufstand der Söhne
gegen LUDWIG 833/34 wurde sie anch
Tortona in Italien verbannt, fand aber Wege, Botschaften über die
Alpen zu bringen; noch einmal konne LUDWIG
sich durchsetzen, aber die Ausstattung von Judiths
Sohn KARL blieb eine offene Frage.
Erst Pippins Tod machte den Weg frei
für die von Judith angestrebte
Lösung. Bevor sie Wirklichkeit wurde, starb LUDWIG.
Judith half ihrem Sohn nach bestem Vermögen im Kampf um
sein Erbe und führte ihm ein Heer zum Entscheidungskampf bei Fontanetum
(Fontenay sw. Auxerre) zu.. Es kam dann aber zu einer Entfremdung zwischen
Mutter und Sohn; vor dem Abschluß des Vertrages von Verdun (im August
843), der das Reich KARLS DES GROSSEN unter
die Enkel aufteilte, eine Teilung, die nicht mehr rückgängig
gemacht werden sollte, ist Judith am
11. April 843 gestorben.
Riche Pierre: Seite 183,185-191,196
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."
LUDWIG war 818 Witwer
geworden, und weil er diesen Zustand nicht ertragen wollte, ließ
er sich nach einigen Monaten die schönsten Töchter der Vornehmen
im Reich vorführen und entschied sich für sie Ehe mit
Judith. Seine zweite Gemahlin war die Tochter des Grafen Welf,
der in Bayern und in Alemannien nördlich des Bosensees, im Argengau,
im Augst-Ammergau und anderwärts reich begütert war.
Judith, deren Schönheit und Klugheit von allen gepriesen
wurde, sicherte sich von Anfang an einen beherrschenden Einfluß auf
den Kaiser, der erheblich älter war als sie selbst. Sie erreichte
von LUDWIG, daß er ihrer Mutter
das Kloster Chelles schenkte, für ihren Bruder Rudolf setzte sie die
Abteien Saint-Riquier und Jumieges durch. Für ihren zweiten Bruder,
Konrad, erlangte sie Sankt Gallen, und sie konnte auch für seine Eheschließung
mit Adelheid sorgen, der Tochter des Grafen Hugo von Tours, des Schwiegervater
LUDWIGS DES FROMMEN [Richtig ist:
Hugo von Tours war der Schwiegervater LOTHARS
I.]. Und schließlich heiatete
Judiths
Schwester
Hemma
im Jahre 827 Ludwig den Deutschen,
LUDWIGS
DES FROMMEN dritten Sohn. Der Kaiser war also mit dem eigenen
Sohn verschwägert, während ein anderer Schwager von ihm die Schwester
seiner Schwiegertochter geheiratet hatte... Vier Jahre lang war
Judiths Ehe kinderlos geblieben [Der Autor vergißt
die Geburt der Tochter
Gisela.], aber
am 13. Juni 823 brachte die Kaiserin einen Sohn zur Welt, der den Namen
seines Großvaters
KARL erhielt.
Dies war der künftige Kaiser KARL DER KAHLE.
zwischen den drei Söhnen aus erster Ehe und ihrer ehrgeizigen Stiefmutter,
die jetzt voller Stolz darauf war, dem Kaiser einen weiteren Sohn geschenkt
zu haben, mußte es unausweichlich zum Konflikt kommen.
Auch die Kaiserin Judith,
die ausschließlich an die Ansprüche ihres kleinen Sohnes dachte,
konnte ihrerseits einige Gefolgsleute um sich sammeln. Zu ihnen gehörte
auch Markgraf Bernhard von Septimanien, ein Patenkind des Kaisers.
Auf der Wormser Reichsversammlung des Jahres 829 nahm
das Kaiserpaar dann am Beginn von KARLS
siebtem Lebensjahr zum Anlaß, im August die Ausstattung des jungen
Prinzen zu beschließen. Er erhielt Alemannien, zu dem die WELFEN
besondere Bindungen hatten, Rätien, Elsaß und einen
Teil von Burgund. Zugleich zwang LUDWIG
seinen Sohn LOTHAR zum Abzug nach Italien
und Wala, sich in das Kloster Corbie
zurückzuziehen. Darüber hinaus machte er Bernhard zum
Kämmerer und gab ihm damit eines der wichtigsten Ämter im Reich;
zusätzlich beauftragte er ihn mit der Erziehung des kleinen KARL.Mit
ihren einschneidenden Veränderungen sollte diese Palastrevolution
den Beginn der Aufstände der Söhne gegen ihren Vater auslösen.
Trotz seines Rückzugs nach Corbie wollte sich Wala
nicht geschlagen geben und sammelte die Anhänger der Reichseinheit
um sich. Da er einige Informantern am Hof behalten hatte, konnte er eine
Verleumdungskampagne gegen Judith in
Gang bringen. Glaubt man den Gerüchten, dann beging Judith
mit ihrem Komplizen und Liebhaber Bernhard nicht nur Ehebruch, sondern
beide machten sich auch der Zauberei und sogar eines Mordversuchs schuldig.
Ganz gleich wie es um de Wahrheitsgehalt stand, jedenfalls
war Walas Kampagne erfolgreich. Der
Aufstand brach aus, als LUDWIG im April
830 einen Feldzug gegen die Bretonen vorbereitete. Pippin
von Aqwuitanien, die Grafen Hugo und Matfrid, dazu noch Ludwig
der Deutsche waren entschlossen, den Kaiser aus der Macht Judiths
und Bernhards zu "befreien". Der Kämerer brachte sich nach
Barcelona in Sicherheit, während sich Judith
nach Laon in ein Kloster flüchtete. Pippinund
Ludwig
hatten darauf gedrängt, der Kaiser solle sich in ein Kloster zurückziehen,
aber LOTHAR, schnell aus Italien herbeigeeilt,
beschränkte sich darauf, die Beschlüsse der Wormser Reichsversammlung
aufzuheben und im Namen seines Vaters die Regierung zu übernehmen.
Bernhards
Anhänger verloren ihre Positionen, Judith
und ihre Brüder wurden in aquitanischen Klöstern verwahrt. Und
der junge KARL wurde Mönchen übergeben,
die ihn "auf den Eintritt in das Mönchsleben vorbereiten" sollten.
Auf der Reichsversammlung zu Nimwegen (830) erhielt LUDWIG
seine Freiheit wieder, mit ihm auch seine Gemahlin, die sich aber mit einem
Eid von den gegen sie erhobenen Anschuldigungen reinigen mußte.
Nach der Aachener Teilung dachte
Judith nun an eine Teilung des Reiches zwischen dem jungen KARL
und LOTHAR, den sie dabei völlig
falsch einschätzte. Sobald LOTHAR
wieder in Gnaden aufgenommen worden war, brachte er nämlich ein neues
Bündnis gegen LUDWIG DEN FROMMEN
zustande, dem sich auch sein zwei Brüder anschlossen. Es gelang ihm
darüber hinaus, Papst Gregor IV. dafür zu gewinnen, im Namen
der Reichseinheit und der Versöhnung der Herrscherfamilie zu intervenieren.
Das Zusammentreffen der beiden Parteien an dem später "Lügenfeld"
genannten Platz im Elsaß, nahe bei Colmar, endete mit einem Mißerfolg
des Kaisers. Nachdem fast alle Vasallen von ihm abgefallen waren, wurde
er von seiner Gemahlin getrennt, die mit dem Papst nach Italien mußte,
während KARL in dem Kloster Prüm
verwahrt wurde.
Nach der Entthronung des Kaisers brach der Bürgerkrieg
wieder aus. Auf der einen Seite standen Pippin,
unterstützt von Bernhard, der Rache anLOTHAR
suchte,
und LUDWIG DER FROMME, der sich bei
Langres mit Ludwig dem Deutschen vereinigt
hatte. Angesichts der Übermacht gab sich LOTHAR
geschlagen und versprach nach Italien zurückzukehren. Der Kaiser
zog nach Saint-Denis, wo ihm von den Bischöfen, die ihn entthront
hatten, seine Waffen feierlich wieder angelgt wurden. Über Aachen,
wo der Judith wieder traf, begab sich
LUDWIG dann nach Metz.
Nach LUDWIGS Tod
konnte LOTHAR auch auf die Unterstützung
Pippins
II. zählen, der sich mit einem Teil des aquitanischen Adels
gegen KARL DEN KAHLEN erhoben hatte.
Dieser, inzwischen 17-jährig, war nach Aquitanien gegangen, wo auch
seine Mutter Judith lebte.
Schneidmüller Bernd: Seite 45-59,61,62,112,114,117
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."
Wechselnde Beratergruppen bei Hof spiegelten die sich
wandelnde Willensbildung, an der mehr und mehr die junge, schöne Kaiserin
teilhatte.
Vor der Schilderung jenes karolingisch-welfischen
Dramas, das Reich wie Kaiserfamilie wiederholt an den Rand des politischen
Abgrunds führte, gilt es freilich innezuhalten. Zu fragen ist nämlich
zunächst nach den Umständen von LUDWIGS
Wiederverheiratung 819, nach der Braut und ihrer Familie, anch
den Handlungsspielräumen karolingischer
Heiratspolitik wie nach den Durchsetzungsmöglichkeiten großer
Adelsverbände im karolingischen
Großreich.
"Darauf betrachtete der Kaiser die meisten Töchter
der Großen und wählte sich Judith,
die Tochter des Grafen Welf, zur Frau." Diese Brautschau des 40-jährigen
Kaisers in Aachen deutete man früher als wohl inszenierte Schönheitskonkurrenz
des verzweifelten Hofes, um dem alternden Herrscher düstere Gedanken
auszutreiben. Heute wird man eher an Vorbilder aus dem imperialen byzantinischen
Zerremoniell denken. Denn in der Tat rüttelte jede neu begründete
Kaiserverwandtschaft am komplexen Gefüge der
karolingischen Adelsgesellschaft, brachte der Familie der Kaiserin
Hofnähe ein und begründete neue Loyalitäten. Die Auswahl
des Kaisers mit seinem ausgeprägten Bewußtsein von Rang und
Reichseinheit unterschied sich 819 ganz beträchtlich von der ersten
Eheschließung des damaligen Unterkönigs 794. Wohl dem Herrscher,
der sich seinen Untertanen als Getriebener des Hofes darstellen durfte!
Genau das drückte der anonyme Biograph LUDWIGS
aus: "Um diese Zeit achte er auf Anraten seiner Vertrauten darüber
nach, ob er eine neue Ehe schließen solle; manche waren nämlich
besorgt, daß er die Regierung des Reiches niederlegen könnte.
Doch, von ihnen gedrängt, tat er schließlich ihrem Wille Genüge,
beschaute die von überall her herbeigeführten Töchter der
Vornehmen und nahm Judith, die Tochter
des edlen Grafen Welpo, zur Gemahlin."
Bloße Ästethik erklärt die Auswahl nicht
allein. Die Nachrichten über Judiths
Herkunft erscheinen moderner Neugier freilich spärlich. Doch im Konzert
der fränkischen Quellen des 9. Jahrhunderts bezeichnen sie exakt jene
sozialen Voraussetzungen, die eine kaiserliche Braut auszeichneten: Abkunft
von den Vornehmen (nobilis) des Frankenreiches und damit Zugehörigkeit
zu einer Adelsgesellschaft, die im Gefolge der karolingischen
Reichsbildung zu überregionalem Rang und weitgespanntem Besitz gelangt
war. Auch wenn Judiths Vater Welf
nur
bei der Heirat seiner Tochter Judith
jäh aus dem Quellendunkel hervortrat, auch wenn er in frühmittelalterlichen
Namenslisten zum Gedenken an Lebende und Tote wohl nur einmal erscheint
- der anonyme Biograph LUDWIGS DES FROMMEN
wie die Reichsannalen ordnen ihn als edlen Großen in jene
Gruppe ein, aus denen sich ein Kaiser seine Braut suchte.
Mehr über Judiths Eltern
meldete im 9. Jahrhundert allein der Trierer Chorbischof Thegan, der Kaiser
LUDWIGS Taten noch zu dessen Lebzeiten beschrieb: "Im folgenden
Jahr vermählte er sich mit der Tochter seines Herzogs Welf,
der einer hochadeligen Familie der Bayern entstammte. Das Mädchen
hieß Judith und gehörte
von seiten seiner Mutter Heilwig einem hochadeligen sächsischen
Geschlecht an. Judith erhob er zur
Königin; denn sie war von großer Schönheit."
Die Ehe Welfs mit der sächsischen Adligen
Heilwig,
später Äbtissin im Kloster Chelles (um 825), markiert die Fähigkeit
zu weitgespannter adliger Heiratsverbindung, während die Benennung
als "sein herzog" adligen Rang und Kaisernähe bezeichnet. Mit Thegans
eindeutiger Zuweisung Welfs in ein hochadliges Geschlecht der Bayern
wußte die neuere Forschung indes lange wenig anzufangen. Aus dem
Aufstieg der WELFEN im karolingischen
Umkreis kannte man die adlig-königliche Herrschaftsbildung im westfränkischen
Reich wie in Burgund ebenso wie die zähe Behauptung adligen Besitzes
in Alemannien.
Studien zur Besitzgeschichte, die auf Grund der schütteren
Überleiferung Nachrichten aus mehreren Jahrhunderten verknüpften
und darum mit manchen Hypothesen arbeiten mußten, ließen bayerische
Herkunft zunächst wenig plausibel erscheinen. Die in Alemannien, in
Bayern und im Alpenraum ermittelte Herrschaftsbildung schien vielmehr erste
Schwerpunkte des 9. Jahrhunderts in Alemannien (Schussen- und Argengau)
unsd spätere Ausgriffe des 10./11. Jahrhunderts in das bayerisch-alemannische
Grenzgebiet (Lechrain, Augst- und Ammergau) wie in den ferneren Alpenraum
(Norital, Vinschgau, Unterengadin) wahrscheinlich zu machen.
Als neben besitzgeschichtlichen Analysen auch namenkundliche
traten, konnten Herkunft und Stufen des Besitz- wie Herrschaftserwerbs
noch genauer ermittelt werden.: Zum Vorfahrenkreis Welfs und seiner
Tochter Judith müssen die Grafen
Ruthard und Warin gerechnet werden, die in der Zeit
König
Pippins (751-768) an der Einbindung Alemanniens ins Frankenreich
mitwirkten. Trotz ansprechbarere namenkundlicher Überlegungen bleiben
ihre Herkunft aus dem austrasischen Maas-Mosel-Gebiet, der Heimat der KAROLINGER,
ihre Volkszugehörigkeit als Franken und ihre Schenkertätigkeit
im Rhein-Neckar-Gebiet wie im fränkisch-thüringischen Raum dunkel
und vielfach umstritten. Mit nicht von der Hand zu weisenden Argumenten
wird neuerdings sogar ihre Herkunft aus Alemannien behauptet. Wir werden
aber sehen, daß gerade die Vielfalt der räumlichen und ethnischen
Bezüge solche Adelsverbände prägte.
In Alemannien begegnete Ruthard in mehreren Grafschaften
und war, folgt man späteren und nicht immer einwandfreien Überlieferungen,
an mehreren oberrheinischen Klostergründungen beteiligt (Arnoldsau,
Schwarzach, Gengenbach, Schuttern, Ettenheimmünster). Dagegen bewahrte
die spätere St. Galler Überlieferung die Negativbotschaft, Ruthard
und Warin hätten Abt Otmar von St. Gallen (+ 16.11.759) in den Tod
getrieben. Vielleicht wirkten sie bei den Bemühungen der karolingischen
Herrschaft mit, die alemannische Klostergründung eigener Botmäßigkeit
zu unterwerfen. Positiver gestaltete sich demgegenüber die Erinnerung
an die beiden Administratoren Alemanniens im Kloster Reichenau, wo man
Warin und Ruthard gar zu den eigenen Wohltätern rechnete.
Will man Ruthard als (vielleicht kognatischen) Vorfahren
Welfs
und Judiths akzeptieren, so wird Kaiser
LUDWIGS Brautwahl um so verständlicher. Denn Ruthard gehörte
auf Grund seiner vielfältigen Bindungen im fränkischen Reich
zur engeren Unmgebung König Pippins,
verfügte über beträchtlichen Besitz im ostrheinischen Gebiet
und über Beziehungen nach St-Denis, Prüm und Fulda, vielleicht
sogar nach Gorze. Im königlichen Auftrag hatte Ruthard gemeinsam mit
Abt Fulrad von St-Denis Papst Stephan II. 753/54 zu jenem welthistorischen
Treffen mit Pippin geleitet, auf dem
das lange wirkende Bündnis von Papst und Franken-König begründet
wurde.
Um so nachdenklicher muß Ruthards Verschwinden
aus der Überlieferung seit 769 stimmen. Vielleicht hatte er die fränkischen
Konfiskationen in Alemannien zum eigenmächtigen Besitzerwerb benutzt?
Jedenfalls traten er und seine Familie in der Regierungszeit KARLS
DES GROSSEN (768-814) sogleich ins Quellendunkel. Und erst der
dritte karolingische Herrscher LUDWIG
DER FROMME, der sich programmatisch vom Vater absetzte, führte
die Nachkommen Ruthards wieder glanzvoll in erneute Hofnähe.
Gewiß - es ist nicht eindeutig zu entscheiden, ob hier Zufälle
der Überlieferung oder politische Intentionen bei der Ausgestaltung
der herrscherlichen Umgebungam Werk waren. Aber die Verknüpfung des
Herzogs/Grafen
Welf wie seiner Tochter Judith
mit dem Vorfahren Ruthard beleuchtet den besonderen Rang einer Adelssippe
mit weitgespannten Aktionsrahmen von Austrasien über Sachsen nach
Alemannien und Bayern, typisch für die Zugehörigkeit zur aristokratischen
Spitzengruppe. Mit ihren Herrschern verknüpfte sie Völker und
Räume und gewährleistete als überschaubarer Personenverband
das Funktionieren eines Großreichs von geringer Kohärenz in
der Infrastruktur.
Indes mag man nicht gar so achtlos Thegans Bericht von
der Herkunft
Welfs aus vornehmen bayerischen Adel beiseite schieben
und mit geographischer Unkenntnis eines fränkischen Chroniste erklären.
Schließlich handelt es sich um die einzige und dazu eindeutige Nachricht
über die Abstammung, die wir aus dem 9. Jahrhundert besitzen. Nur
schwerlich kann man sie mit allerlei weitläufig-luftigen besitz- und
namengeschichtlichen Spekulationen vollends beiseite schieben. Wieder greifen
wir nach Quellensplittern aus quellenarmer Zeit, um Geschichte nicht gegen
die Überlieferung schreiben zu müssen. Denn nicht immer irrten
die mittelalterlichen Schreiber, und nicht immer sind moderne Konstrukteuere
klüger.
Quellensplitter überliefern uns nicht die Taten
der Bischöfe von Auxerre die Nachricht, daß sechs bayerische
Große in den 30-er und 40-er Jahren des 8. Jahrhunderts auf Kosten
der Kathedralkirche von Auxerre mit Besitz ausgestattet wurden? Noch zwischen
813 und 859/60 regierten in Auxerre drei Bischöfe aus einer Familie
bayerischer Herkunft. Besaßen die welfischen
Brüder und Neffen der Kaiserin
Judith den westfränkischen Schwerpunkt ihrer Herrschaft
nicht gerade in Auxerre? Vielleicht wurde er ihnen gar nicht erst später
von KARL DEM KAHLEN zugewiesen, sondern
war von den Vorfahren ererbt? Liegen nicht gerade hier besitzgeschichtliche
Kontinuitäten vor, welche der emsige landesgeschichtliche Forschung
in ihrer Fixierung auf Deutschland bisher nur in Alemannien oder Bayern
suchte? Und gingen bei der Suche nach den welfischen
Kognaten in Alemannien nicht die eigentlichen fränkischen Ursprünge
der Agnaten in Auxerre, in St-Riquier, in der frühmittelalterlichen
Francia (Franzien) zwischen Seine und Maas verloren?
Die Fragezeichen müssen stehenbleieben. Doch soll
die Hypothese im Gedächtnis haften bleiben, daß Judiths
Vater Welf vielleicht ein Aristokrat mit Besitz von Bayern bis nach
W-Franken war, Nachkomme eines im Auxerrois begüterten bayerischen
Großen, Verwandter des alemannischen Grafen Ruthard, verheiratet
mit einer sächsischen Adligen.
819
oo 2. LUDWIG I. DER FROMME
16.4.778-20.6.843
Kinder:
Gisela
819- nach 1.7.874
836
oo Eberhard Markgraf von Friaul
um 810-
866
KARL II. DER KAHLE
13.6.823-6.10.877
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