Ältester Sohn des Grafen
Karl von Vendome und der Franziska
von Alencon, Tochter von Herzog
Renatus
Lexikon der Renaissance: Seite 41
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Anton von Navarra, eigentlich Anton von Bourbon, Herzog
von Vendome
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* 22.4.1518, + 17.11.1562
La Fere
Andelys
Heiratete 1548 Johanna von Albret.
Nach dem Tode seines Schwiegervaters wurde er 1555 Titular-König
von Navarra. Seine Unfähigkeit, schwierige politische Entscheidungem
zu treffen und die reformatorische Grundströmung imVolk parteipolitisch
ins Kalkül zu ziehen, verliehen ihm das Profil einer fast tragikomischen
Gestalt. Unter Heinrich II. in Ungnade
gefallen, kokettierte er seit 1558 mit den Hugenoten, die eine Zeitlang
tatsächlich ihre Hoffnungen auf ihn setzten. Nach der hugenottischen
Verschwörung von Amboise (1560) von Franz
II. nach Orleans zitiert, wurde er dort auf Betreiben der GUISE
vom König wie ein noch zu überführender Staatsverbrecher
behandelt und isoliert. Über den bevorstehenden Tod des erkrankten
Franz
II. wohlweislich im unklaren gehalten, wurde er das Opfer der
Täuschungskünste Katharinas von Medici,
die sich seiner Arglosigkeit bediente; statt als ranghöchster Prinz
die Regentschaft für den zehnjährigen
Karl
IX. zu übernehmen, brachte sie ihn dazu, ihr zur ersten
Stelle am Hofe zu verhelfen, indem er Katharina
Regentin werden ließ und sich seklbst mit der Stellung eines Generalleutnants
des Königreichs begnügte. Mit der Verschwommenheit seiner
Vorstellungen war Anton von
Bourbon der frühneuzeitlichen Diplomatie der Gesandten
Philipps
II. und des Papstes, die bei
Anton
für die GUISE eintraten, unterlegen. Mit vagen Versprechungen gelang
diesen die Abspaltung Antons von den
Hugenotten. Anton von Bourbon, der
bis Anfang 1562 noch als Hugenottenförderer auftrat, wiewohl er insgeheim
mit beiden Seiten verhandelte, übernahm nach dem Blutbad von Vassy
(1562) den Befehl über die Regierungstruppen in den nun ausbrechenden
Hugenottenkriegen, spielte aber auf Grund seines widersprüchlichen
Verhaltens nur eine Schattenrolle. Bei der Belagerung von Rouen wurde er
tödlich erwundet.
Gatte der Johanna d'Albret, der Erbin Navarras; Vater Heinrichs IV. von Frankreich.
Anton von Bourbon
war zuerst Führer der Hugenotten, wurde aber 1561 wieder Katholik
und fiel als Heerführer gegen die Hugenotten.
1548
oo 2. Johanna III. d'Albret-Navarra, Tochter des
Königs Heinrich II.
7.1.1528-8.6.1572
Kinder:
Heinrich Herzog von Beaumont
21.9.1551-20.8.1553
Heinrich IV. König von Frankreich
14.12.1553-14.5.1610
Ludwig Karl Graf von Marle
19.2.1555- 9./10.1557
Magdalene
11.4.1556-25.4.1556
Katharina
7.2.1559-13.2.1604
30.1.1599
oo Heinrich II. Herzog von Lothringen-Bar
8.11.1563-31.7.1624
Illegitim
Karl Erzbischof von Rouen (1594-1610)
1554- 1610
Literatur:
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Hartmann P.C.: Französische Könige und
Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag
C. H. Beck München 1994 Seite 92,94,96,100,103,110,123,125,143,146
- Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich.
Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 53,60,65,69,74,78-84,87-90,92,94-98,100,105,109,112,116
- Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der
Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995
Seite 7,9-13,15,20-34,55, 68,74,81,136,465 -
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Mahoney Irene: Seite 53,78,87,105,112-116
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"Katharina de Medici"
Anton von Bourbon,
Erste Prinz von Geblüt, und seine Gattin Jeanne
d'Albret unterstützten seit 1555 in Navarra ganz offen
die Häresie. Drei Jahre später wurde Anton
von Calvin selbst ermuntert, die Führung der "Religion" zu übernehmen.
Anton,
obgleich begabt mit Charme und Enthusiasmus, sollte sich während der
nächsten Jahre als ausgesprochen unbeständig erweisen. Eitel,
ehrgeizig, überspannt, den Kopf ständig voller widersprüchlicher
Pläne, wollte er seine königliche Herkunft dafür nutzen,
sich eine mächtige Stellung bei Hofe zu sichern. Er wollte der gläubige
Führer der Hugenotten (als welche die französischen Protestanten
bekannt geworden sind) werden. Er wollte sein Schicksal in die Waagschale
werfen mit den GUISEN und ein Königreich in Italien gewinnen. In Wirklichkeit
aber unternahm er gar nichts. In seine eigenen grandiosen Tagträume
vernarrt, merkte er nicht, wie häufig er nicht derjenige war, der
schob, sondern derjenige, welcher geschoben wurde.
Sobald Anne de Montmorency klargeworden war, dass König
Heinrichs II. Tod unmittelbar bevorstand, hatte er, der sich
einen Gewaltstreich der GUISEN abzuwehren bemühte, eine Botschaft
an Anton gesandt, worin er ihn bat,
eiligst an den Hof nach Paris zu kommen. Es war, so sollte man meinen,
der Augenblick, auf den der König von Navarra bereits sein ganzes
Leben lang gewartet hatte: am Hof zu weilen - und zwar nicht einfach als
armer Verwandter, sondern als Regent von Frankreich -, den jungen König
von seinem Rat abhängig zu wissen, am Sitz der Macht sich aufzuhalten,
zu dirigieren, zu befehlen.
Anton, der sich früher
seiner tatsächlichen Bedeutung zuwider etwas einbildete, schien jetzt
unfähig, seine wirklichen Möglichkeiten zu erkennen. Vielleicht
war es das Gewicht dieses plötzlichen und unerwarteten Ansehens sowohl
als auch die Furcht vor Verrat, die Anton zögern
ließen. Was auch immer die Ursache gewesen sein mag, seine Reise
von Bearn aus nach Norden verlief langsam, und zu dem Zeitpunkt, da er
am Hof eintraf, war es für jedermann offensichtlich, dass er zu spät
gekommen war. Seine Unentschiedenheit hatte den GUISEN zu der Zeitspanne
verholfen, die sie brauchten. Als er am 18. August in St. Germain-en-Laye
eintraf, saßen sie schon sicher im Sattel. Auf ihre Anordnungen hin
war die Palastgarde verdoppelt worden, um den jungen König vor jeder
Zudringlichkeit zu bewahren. Die Tatsache, dass Anton
mit einer imponierenden Begleitung gekommen war, entsprang einem Fehlurteil,
denn es rief nicht Bewunderung, sondern weitere Feindseligkeit wach. Anstelle
fürstlichen Willkommens wartete eine Reihe von Demütigungen auf
ihn. Keine angemessene Suite war vorbereitet worden. Franz,
der sich auf der Jagd befand, hatte keine Anordnungen für seine Bewillkommnung
hinterlassen. Katharina setzte, als
er schließlich bei ihr vorgelassen wurde, ihr Gespräch mit dem
Kardinal und dem Herzog von Guise fort und nahm kaum Notiz von seiner Anwesenheit.
Doch Anton bewahrte trotz des offensichtlichen
Affronts sein freundliches Lächeln, begrüßte alte Freunde,
umarmte die GUISEN und erging sich in seinen üblichen widersprüchlichen
Reden, Erklärungen und Versprechungen.
Anton schien unfähig,
zu begreifen, dass sein Bestreben, seine Vorstellungen auf dem Kompromißweg
durchzusetzen, um sich einzuschmeicheln, sich zum eigenen Nachteil auswirken
mußten. Die Hugenotten begannen bald, den Glauben an ihn zu verlieren:
Seine Wege waren für ihre Redlichkeit zu gewunden. Am Hof erging es
Anton
nicht besser. Nicht länger eine gefährliche Bedrohung für
die an der Macht befindlichen, war er jetzt zu einer lästigen Figur
zusammengeschrumpft, auch schien er es mit seiner Abreise nicht eilig zu
haben. Schließlich war ihm gegen Ende des Jahres die Mission anvertraut
worden, Elisabeth von Valois ihrem
spanischen Gemahl zuzuführen. Es war für alle offenkundig, was
diesen Wunsch ausgelöst hatte. "Man wünschte, ihn aus dem Wege
zu räumen". schrieb der italienische Historiker Enrico Davila. Anton
indessen nahm diesen Auftrag mit Bereitwilligkeit an, da er hoffte, seine
Mission würde ihn Philipp von Spanien
von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten lassen, mit dem er eine
erfolgreiche Regelung betreffend des strittigen Territorium Navarra auszuhandelm
gedachte.
Aber Anton, der sich
gewöhnlich durch Schmeicheleien beeindruckt zeigte, rührte sich
nicht aus Bearn fort. Er konnte es auch kaum wagen, denn im Sommer 1560
waren die Prinzen von Geblüt in ein Komplott verwickelt, das sie beinahe
ihr Leben gekostet hätte. Im September erschien ihr jüngerer
Bruder, Karl, Kardinal von Bourbon,
um sie zur Rückkehr an den Hof zu überreden, wo sie sich rechtfertigen
sollten. Offenbar hielten sie den zwingenden Befehl, an den Hof zu kommen,
für eine Falle, doch das Versäumnis, den königlichen Weisungen
zu gehorchen, würde sie zu Rebellen gegenüber der Krone machen.
Anton,
geradezu bis zur Lächerlichkeit unentschlossen, befand sich in einem
Dilemma, dessen Lösung selbst einem weit entschloseneren Mann Schwierigkeiten
bereitet hätte.
In der Abenddämmerung des 30. Oktober zog Anton,
der sich zur Versöhnung mit dem Hof entschlossen hatte, mit seinem
widerstrebenden Bruder Conde in Orleans
ein und wurde von der Königin-Mutter erwartet. Nach einem kühlen
Empfang voller Demütigungen wurde Conde
ohne weitere Diskussion in Gewahrsam genommen, dem Anton
gerade noch entging.
Mach dem Tode König Franz'
II. ließ er sich von der Königin-Mutter auf deren
Seite ziehen. Anton jedoch wollte als
Erster
Prinz von Geblüt vorsichtig behandelt werden. Er näherte
sich damals dem 45. Lebensjahr. Trotz seines ergrauenden Bartes war er
noch ein stattlicher Mann, schlank, kräftig, von jener Anmut, die
seinem Bruder fehlte. "Er ist sehr höflich gegenüber jedermann",
schreibt Michieli, "ohne Pomp oder Protzerei; er ist sehr frei in seinen
Sitten, was sehr französisch ist. Seine Großzügigkeit ist
derart, dass er dauernd in Schulden steckt." Es war das Porträt eines
Mannes, dem das Lächeln der Götter hold war, aber es gab trotz
seiner Gaben in seinem Innersten eine schwache Stelle. Er war ein launenhafter
und unbeständiger Mann, dessen Begierden einander widersprachenn.
Katharina
von Medici verkündete im königlichen Rat, dass sie
die Regentschaft für ihren Sohn
Karl IX.
übernehmen werde. Anton
sollte
der Erste Berater und vielleich Generalleutnant der königlichen Streitkräfte
sein. Entgegen ihrem ursprünglichen Versprechen, die Macht der Regentschaft
mit ihm zu teilen, nahm sie das königliche Siegel an sich, was deutlich
machte, dass Anton ihr beistehen, niemals
aber die Oberhand über sie gewinnen würde. Er gab seine Zustimmung
und zwar mit jener überschwenglichen Beflissenheit, die jene zum Verzweifeln
brachte, welche auf seine Führerschaft zählten. Im Anschluß
daran versöhnte er sich sowohl mit Montmorency und den GUISEN, die
für das Todesurteil gegen seinen Bruder verantwortlich waren. Er hatte
freilich nicht die Absicht, seine gegenwärtige Stellung aufs Spiel
zu setzen, nur um eine Religion zu unterstützen, der er sich nur locker
verbunden fühlte. Anton, der als
Erster
Prinz von Geblüt zu allererst das Recht besaß, sich Katharinas
Regentschaft zu widersetzen, beharrte bei seiner passiven Anerkennung und
Katharinas
Regentschaft wurde am 21. Dezember verkündet. In der Folgezeit zeigte
er sich sowohl arrogant als auch störrisch und brachte mit seiner
Unbeständigkeit seine Umgebung zur Verzweiflung.
Anton von Bourbon,
eitel und hohlköpfig wie er war, hielt sich für die zentrale
Figur in Frankreich. Nach welcher Seite hin er auch immer sich neigte,
folgten die Waagschalen, und mit dem neuen Jahr kam ein neuer Kurs. Die
GUISEN, die sich bewußt waren, wie seine Anwesenheit ihre Sache fördern
könnte, begannen um Antons Gunst
zu buhlen. Was für die meisten Männer im soliden Gewicht echter
Besitztümer lag, sah Anton schon
im Getuschel von Versprechungen: ihn brachte schon leeres Musikgeklingel
zum Tanzen. Die "Musik" der GUISEN war, wenn auch schwach, im höchsten
Maß verführerisch. Sie gaben zu verstehen, dass Philipp
geneigt wäre, das Gebiet, das jetzt Spanisch-Navarra bildete, herauszugeben,
oder dass ein Königreich wie Sardinien oder Tunesien für Anton
erworben werden könnte. Es fehlte auch nicht an Andeutungen, dass
sich eine Annullierung seiner Ehe mit der erklärten Hugenottin Jeanne
d'Albret in die Wege leiten ließe zugunsten einer Ehe
mit der Göttin unter den Prinzessinnen, der Witwe Maria
Stuart, der Nichte der GUISEN. Das waren Träume, die herrlich
glitzerten, und Anton hielt sie irrtümlicherweise
für Gold. Zu Beginn des Jahres 1562 hatte er alle Bande zu den Hugenotten
zerschnitten und sein Geschick mit dem des Triumvirats verbunden. "Der
König von Navarra ist jetzt ganz und gar spanisch", schrieb Trockmorton
voller Abneigung an die englische Königin.
Unter den Führern, die bei der Belagerung von Rouen
verletzt worden waren, befand sich Anton von Navarra,
den eine Kugel an der Schulter getroffen hatte. Obgleich Antons
Wunde anfangs leicht schien, waren die Ärzte nicht imstande, die Infektion
unter Kontrolle zu halten, und einen Monat später lag Anton
im
Sterben. Bei einem Mann, der wiederholt zwischen zwei Religionen hin und
her geschwankt hatte, war es schwierig, den richtigen Ritus für die
Beisetzung zu wählen. Einige Zeitgenossen berichteten, dass er gegen
sein Ende einen hugenottischen Arzt gebeten habe, ihm aus dem Evangelien
vorzulesen; andere wiederum sagten, ein Mönch habe sich bereit gehalten,
ihn im römischen Glauben zu bestärken. Nabonne erklärte
zynisch, beide hätten mitgewirkt - einer hätte immer lauter gebetet
als der andere, während Antons
ruheloser Geist sich bald dem einen, bald dem anderen zuwandte.